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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 01.04.04

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe März/2004, Seite 128

Blut- und Tränenpädagogik

Unfallhorror als Lernhilfe?

 

Ab 1960 erreichten die tödlichen Verkehrsunfälle im Bundesgebiet jährlich neue Rekordmarken. Die Amerikaner machten es vor, und auch bei uns gab man dem Versuch, die Autofahrer mit abschreckenden Bildern und Filmen über Schwerverletzte, Leichen und Autotrümmer zur Räson zu bringen, große Chancen. Doch die erhoffte abschreckende Wirkung blieb hüben wie drüben aus.

Die Psychologen haben dafür plausible Erklärungen. Jedenfalls weiß man seitdem auch, dass Horrorbilder im Unterricht wenig geeignet sind, bei Fahrschülern nachhaltig regeltreues, defensives Verhalten zu fördern. Freilich, für den Moment ist man nach solchen Bildern oder Videos betroffen. Sogar manch guter Vorsatz mag gefasst werden. Aber meist ist schon bald danach alles Schall und Rauch. So erklärt es sich, dass viele Fahrer schon kurz nach dem Vorbeifahren an einem schlimmen Unfall wieder ins alte Muster - volle Pulle und dicht auf - verfallen. Wenn Bilder von Unfällen nachhaltige Wirkung erzeugten, müssten die Fahrer von Rettungswagen, Feuerwehrleute und Notärzte zu den vorsichtigsten Fahrern überhaupt gehören. Die Statistik zeigt, dass diese Folgerung nicht zutrifft. Nicht nur der Schrecken nach Unfällen, sondern auch die im Verkehr ständig drohende

Gefahr, schuldlos in einen Unfall verwickelt werden zu können, wird erfolgreich verdrängt. "Das alles hat mit mir nichts zu tun", sagt das Unterbewusstsein. Und wahrscheinlich ist das gut so, denn ein Leben ohne Gefahren gibt es nicht.

Geschäfte mit dem Entsetzen

Neuerdings werden den Fahrschulen Unterrichtsvideos angeboten, die Originalaufnahmen der Folgen schwerer Unfälle zeigen. Wer solche Filme macht, will sie verkaufen, das liegt auf der Hand. Ein Verlag hat dazu sogar eine Zeitschrift - Revolverblatt wäre geschmeichelt - für Fahrschulen und Fahrschüler herausgebracht. Indes, die Schreiber entlarven sich selbst, denn sie berichten beispielsweise von einem Unfall, bei dem ein Fahrer, dessen Pkw von einem vorsichtig einparkenden Fahrschulwagen "gerammt" wurde, ein Halswirbelschleudertrauma davontrug. Für wie dumm halten diese Schreiberlinge eigentlich die Fahrlehrer?

Die Entscheidung, solche Unterrichtsmaterialien zu kaufen und sie im Unterricht einzusetzen, hat jeder Fahrlehrer selbst zu treffen. Mir fiel sie leicht. Die Teilnehmer am diesjährigen Kontaktstudium an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd haben sich intensiv mit dem Einsatz von Medien im Fahrschulunterricht befasst. Sie kamen zur Erkenntnis, dass in den Köpfen der Fahrschüler mit sachlichen Informationen und positiven Beispielen viel leichter und vor allem nachhaltiger die Bereitschaft zu sicherheitsbetontem, rücksichtsvollem und umweltbewusstem Verhalten geweckt werden kann.

Jürgen Bauer

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe März 2004

Erscheinungsdatum 15.03.2004

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