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Eine 40-köpfige Delegation des lettischen
Fahrlehrerverbandes hielt sich für einen Tag in Freiburg auf, um sich in
der ACADEMY Fahrschule Fiek & Wegner GbR über den neuesten Stand des
deutschen Ausbildungs- und Prüfungswesens zu informieren. Der Besuch war
auf Vermittlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. zustande
gekommen, nachdem die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände eine
entsprechende Anfrage an den Verbandsvorsitzenden Peter Tschöpe
weitergeleitet hatte. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin der Fahrschule,
Brida Fiek, begrüßte der Verbandsvorsitzende die allesamt aus Riga
stammenden Gäste und erläuterte ihnen die aufgrund von Annex II zur 2.
EU-Führerscheinrichtlinie zum 1. Juli 2004 geänderten Ausbildungs- und
Prüfungsvorschriften. Während die Fahrlehrer sich in den Unterrichtsräumen
informieren ließen, war ein Teil der Gruppe, vorwiegend
Familienangehörige, zu einer geführten Besichtigung der Freiburger
Innenstadt gestartet.

Ein Blick in den Unterrichtsraum der
Fahrschule
mit den interessierten Zuhörern
Wie ist Fahrschule in Deutschland?
Mit großem Interesse verfolgten die Gäste
aus dem baltischen Land, das gerade zum 1. Mai 2004 der Europäischen Union
beigetreten ist, die Ausführungen des Verbandsvorsitzenden Peter Tschöpe,
die von dem Delegationsleiter Eriks Grigis ins Lettische übersetzt wurden.
Die Fahrlehrer erhielten auf diesem Weg die entscheidenden Informationen
über die Voraussetzungen zum Erwerb der Fahrerlaubnis in Deutschland und
konnten diese Bestimmungen mit den in ihrem Land geltenden Regeln
vergleichen. Zudem erklärte Peter Tschöpe den Besuchern die wichtigsten
Merkmale der theoretischen und praktischen Ausbildung sowie der
theoretischen und praktischen Prüfung in der Bundesrepublik.

Der Verbandsvorsitzende Peter Tschöpe und die
Geschäftsführerin der Fahrschule, Brida Fiek, bei der Begrüßung der Gäste
In einem eigenen Kapitel fasste der
Verbandsvorsitzende alle Tätigkeiten zusammen, die den Betrieb einer
Fahrschule in Deutschland kennzeichnen. Die Zuhörer hatten den Vorteil,
über die jüngsten Veränderungen im Fahrschulwesen unterrichtet und damit
auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Zum Abschluss seines Referats
stellte Peter Tschöpe der Besuchergruppe die einzelnen Stationen vor, die
in Deutschland zum Erwerb der Fahrlehrerlaubnis der Klasse BE und zur
Erweiterung auf die übrigen Fahrlehrerlaubnisklassen führen. Aus nahe
liegenden Gründen waren gerade diese Passagen des Vortrags für die Zuhörer
besonders auf schlussreich, da sie einen direkten Vergleich mit den
Verhältnissen im eigenen Land zuließen und den lettischen Gästen zugleich
die Perspektiven deutlich machten, die sich in absehbarer Zeit in einem
geeinten Europa auch für sie eröffnen könnten.

Zwei lettische Fahrlehrer vor dem Gliederzug
der Fahrschule
Fahrereignung: Fahrschule bestimmt mit
In der sich anschließenden lebhaften
Diskussion drehten sich die Fragen vor allem um die Unterschiede, die
zwischen den Bestimmungen in Lettland und Deutschland bestehen.
Erstaunt waren die Fahrlehrer aus Lettland
über das in Deutschland geltende System bei den Prüfungen sowohl für die
Fahrerlaubnis- als auch für die Fahrlehrerprüfung. Sie berichteten am
Rande des Besuchsprogramms darüber, dass in ihrem Land die Fahrschulen
zunächst die Eignung der zur Prüfung anstehenden Fahrschüler beurteilen
und dieses Ergebnis an staatliche Stellen weiterleiten.

Der Vorsitzende der Autoskola BCDE in Riga
Valdis Pogulis (links) und der Technische Direktor des Fahrlehrerverbandes
Lettland Eriks Grigis mit der Geastgeberin
Dort wird die letzte Entscheidung über die
Erteilung der Fahrerlaubnis getroffen, wobei das Urteil der Fahrschule ein
starkes Gewicht hat. Ähnlich verhält es sich bei der Fahrlehrerlaubnis,
vor deren Erteilung die Ausbildungsstätte einen entscheidenden Einfluss
hat. Mit einiger Verwunderung nahmen die Gäste zur Kenntnis, dass in
Deutschland die Grundfahraufgaben bei der Prüfung im öffentlichen
Straßenverkehr stattfinden.
In Lettland müssen diese Grundfahraufgaben
bei der Prüfung auf eigens dafür vorgesehenen Plätzen absolviert werden.
Nach dem Vortrag von Peter Tschöpe und den sich anschließenden Gesprächen
nahmen die Gäste die Gelegenheit wahr, die von der gastgebenden Fahrschule
bereitgestellten Fahrzeuge, einen Renault-Gliederzug und ein Kraftrad
Honda 600 mit ABS, selbst zu fahren und sich dabei von erfahrenen
Fahrlehrern die bei uns vorgeschriebenen Grundfahraufgaben vorfahren zu
lassen. Gerade für diese praktische Unterweisung waren die Fahrlehrer aus
dem Baltikum besonders dankbar.
Gute Gespräche bei badischer
Gastlichkeit
Im Verlauf eines typisch badischen
Mittagessens, zu dem die ACADEMY Fahrschule Fiek & Wegner GbR sowie der
Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. eingeladen hatten, wurde der
Austausch von Erfahrungen weitergeführt. Dabei stellte sich heraus, dass
es in Lettland offiziell etwa 300 Fahrschulen gibt, von denen jedoch
höchstens 100 in Betrieb sind. Die Mehrzahl dieser Fahrschulen ist in der
Millionenstadt Riga angesiedelt. Die anwesenden 25 Fahrlehrer gehörten
allesamt einer großen Fahrschule in Riga, der Autoskola BCDE, an. In
weiteren Gesprächen wurde den Besuchern klar, dass sie neue Wege im
Fahrschulwesen beschreiten müssen. In Lettland sind bisher lediglich zehn
Fahrstunden bis zur Prüfung üblich und es gibt keinerlei vorgeschriebene
Sonderfahrten. Um ihre Ausbildungsqualität zu verbessern, haben die
lettischen Gäste angekündigt, in ihrem Land entsprechende Initiativen
einzuleiten. Dazu wollen der technische Direktor des Fahrlehrerverbandes
Lettland, Eriks Grigis, und der Direktor der Autoskola BCDE, Valdis
Pogulis, die Kontakte zu den Fahrlehrerverbänden in Deutschland ausbauen.
Wie stark die Verhältnisse im Fahrerlaubniswesen in den beiden Ländern
voneinander abweichen, zeigt sich unter anderem darin, dass eine
Fahrstunde in Lettland etwa fünf Euro kostet und der Führerschein für
ungefähr 120 Euro zu haben ist. Demgegenüber steht allerdings ein
Durchschnittsverdienst von 200 bis 300 Euro, wobei das Einkommen eines
Fahrlehrers etwas höher liegt.

Lage Lettlands

Lettische Flagge
Nach dem Austausch einiger Gastgeschenke,
die unter anderem vom Vorstandsvorsitzenden der ACADEMY-Holding, Mathias
Wimpff, zur Verfügung gestellt worden waren, bedankten sich die lettischen
Gäste vor allem bei Brida Fiek für die gelungene Organisation dieses
Informationsbesuchs und für die dabei gewonnenen Einsichten in das
deutsche Fahrschulwesen.
Wolfgang Fiek |