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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 03.08.04

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juli/2004, Seite 382

Lettische Fahrlehrer in Freiburg

 

Eine 40-köpfige Delegation des lettischen Fahrlehrerverbandes hielt sich für einen Tag in Freiburg auf, um sich in der ACADEMY Fahrschule Fiek & Wegner GbR über den neuesten Stand des deutschen Ausbildungs- und Prüfungswesens zu informieren. Der Besuch war auf Vermittlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. zustande gekommen, nachdem die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände eine entsprechende Anfrage an den Verbandsvorsitzenden Peter Tschöpe weitergeleitet hatte. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin der Fahrschule, Brida Fiek, begrüßte der Verbandsvorsitzende die allesamt aus Riga stammenden Gäste und erläuterte ihnen die aufgrund von Annex II zur 2. EU-Führerscheinrichtlinie zum 1. Juli 2004 geänderten Ausbildungs- und Prüfungsvorschriften. Während die Fahrlehrer sich in den Unterrichtsräumen informieren ließen, war ein Teil der Gruppe, vorwiegend Familienangehörige, zu einer geführten Besichtigung der Freiburger Innenstadt gestartet.


Ein Blick in den Unterrichtsraum der Fahrschule
mit den interessierten Zuhörern

Wie ist Fahrschule in Deutschland?

Mit großem Interesse verfolgten die Gäste aus dem baltischen Land, das gerade zum 1. Mai 2004 der Europäischen Union beigetreten ist, die Ausführungen des Verbandsvorsitzenden Peter Tschöpe, die von dem Delegationsleiter Eriks Grigis ins Lettische übersetzt wurden. Die Fahrlehrer erhielten auf diesem Weg die entscheidenden Informationen über die Voraussetzungen zum Erwerb der Fahrerlaubnis in Deutschland und konnten diese Bestimmungen mit den in ihrem Land geltenden Regeln vergleichen. Zudem erklärte Peter Tschöpe den Besuchern die wichtigsten Merkmale der theoretischen und praktischen Ausbildung sowie der theoretischen und praktischen Prüfung in der Bundesrepublik.


Der Verbandsvorsitzende Peter Tschöpe und die Geschäftsführerin der Fahrschule, Brida Fiek, bei der Begrüßung der Gäste

In einem eigenen Kapitel fasste der Verbandsvorsitzende alle Tätigkeiten zusammen, die den Betrieb einer Fahrschule in Deutschland kennzeichnen. Die Zuhörer hatten den Vorteil, über die jüngsten Veränderungen im Fahrschulwesen unterrichtet und damit auf den neuesten Stand gebracht zu werden. Zum Abschluss seines Referats stellte Peter Tschöpe der Besuchergruppe die einzelnen Stationen vor, die in Deutschland zum Erwerb der Fahrlehrerlaubnis der Klasse BE und zur Erweiterung auf die übrigen Fahrlehrerlaubnisklassen führen. Aus nahe liegenden Gründen waren gerade diese Passagen des Vortrags für die Zuhörer besonders auf schlussreich, da sie einen direkten Vergleich mit den Verhältnissen im eigenen Land zuließen und den lettischen Gästen zugleich die Perspektiven deutlich machten, die sich in absehbarer Zeit in einem geeinten Europa auch für sie eröffnen könnten.


Zwei lettische Fahrlehrer vor dem Gliederzug der Fahrschule

Fahrereignung: Fahrschule bestimmt mit

In der sich anschließenden lebhaften Diskussion drehten sich die Fragen vor allem um die Unterschiede, die zwischen den Bestimmungen in Lettland und Deutschland bestehen.

Erstaunt waren die Fahrlehrer aus Lettland über das in Deutschland geltende System bei den Prüfungen sowohl für die Fahrerlaubnis- als auch für die Fahrlehrerprüfung. Sie berichteten am Rande des Besuchsprogramms darüber, dass in ihrem Land die Fahrschulen zunächst die Eignung der zur Prüfung anstehenden Fahrschüler beurteilen und dieses Ergebnis an staatliche Stellen weiterleiten.


Der Vorsitzende der Autoskola BCDE in Riga Valdis Pogulis (links) und der Technische Direktor des Fahrlehrerverbandes Lettland Eriks Grigis mit der Geastgeberin

Dort wird die letzte Entscheidung über die Erteilung der Fahrerlaubnis getroffen, wobei das Urteil der Fahrschule ein starkes Gewicht hat. Ähnlich verhält es sich bei der Fahrlehrerlaubnis, vor deren Erteilung die Ausbildungsstätte einen entscheidenden Einfluss hat. Mit einiger Verwunderung nahmen die Gäste zur Kenntnis, dass in Deutschland die Grundfahraufgaben bei der Prüfung im öffentlichen Straßenverkehr stattfinden.

In Lettland müssen diese Grundfahraufgaben bei der Prüfung auf eigens dafür vorgesehenen Plätzen absolviert werden. Nach dem Vortrag von Peter Tschöpe und den sich anschließenden Gesprächen nahmen die Gäste die Gelegenheit wahr, die von der gastgebenden Fahrschule bereitgestellten Fahrzeuge, einen Renault-Gliederzug und ein Kraftrad Honda 600 mit ABS, selbst zu fahren und sich dabei von erfahrenen Fahrlehrern die bei uns vorgeschriebenen Grundfahraufgaben vorfahren zu lassen. Gerade für diese praktische Unterweisung waren die Fahrlehrer aus dem Baltikum besonders dankbar.

Gute Gespräche bei badischer Gastlichkeit

Im Verlauf eines typisch badischen Mittagessens, zu dem die ACADEMY Fahrschule Fiek & Wegner GbR sowie der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. eingeladen hatten, wurde der Austausch von Erfahrungen weitergeführt. Dabei stellte sich heraus, dass es in Lettland offiziell etwa 300 Fahrschulen gibt, von denen jedoch höchstens 100 in Betrieb sind. Die Mehrzahl dieser Fahrschulen ist in der Millionenstadt Riga angesiedelt. Die anwesenden 25 Fahrlehrer gehörten allesamt einer großen Fahrschule in Riga, der Autoskola BCDE, an. In weiteren Gesprächen wurde den Besuchern klar, dass sie neue Wege im Fahrschulwesen beschreiten müssen. In Lettland sind bisher lediglich zehn Fahrstunden bis zur Prüfung üblich und es gibt keinerlei vorgeschriebene Sonderfahrten. Um ihre Ausbildungsqualität zu verbessern, haben die lettischen Gäste angekündigt, in ihrem Land entsprechende Initiativen einzuleiten. Dazu wollen der technische Direktor des Fahrlehrerverbandes Lettland, Eriks Grigis, und der Direktor der Autoskola BCDE, Valdis Pogulis, die Kontakte zu den Fahrlehrerverbänden in Deutschland ausbauen. Wie stark die Verhältnisse im Fahrerlaubniswesen in den beiden Ländern voneinander abweichen, zeigt sich unter anderem darin, dass eine Fahrstunde in Lettland etwa fünf Euro kostet und der Führerschein für ungefähr 120 Euro zu haben ist. Demgegenüber steht allerdings ein Durchschnittsverdienst von 200 bis 300 Euro, wobei das Einkommen eines Fahrlehrers etwas höher liegt.


Lage Lettlands


Lettische Flagge

Nach dem Austausch einiger Gastgeschenke, die unter anderem vom Vorstandsvorsitzenden der ACADEMY-Holding, Mathias Wimpff, zur Verfügung gestellt worden waren, bedankten sich die lettischen Gäste vor allem bei Brida Fiek für die gelungene Organisation dieses Informationsbesuchs und für die dabei gewonnenen Einsichten in das deutsche Fahrschulwesen.

Wolfgang Fiek

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe Juli 2004

Erscheinungsdatum 15.07.2004

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