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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 25.08.04

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe August/2004, Seite 436

Fahrlehrerseminar für Ladungssicherheit

Premiere in Wörth

 

Jährlich sind in Deutschland mehr als 2.300 Lkw-Unfälle auf schlechte oder fehlende Ladungssicherung zurückzuführen. Zahlreiche Polizeikontrollen haben diese Schätzungen der Transportversicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt: Fast 70 Prozent der Lkw, die über deutsche Autobahnen fahren, sind mit mangelhaft oder nicht gesichertem Transportgut unterwegs. Nicht immer sind dabei Zeitdruck oder Trägheit Schuld. Oftmals ist Unwissenheit im Spiel.

Diese bedrückende Tatsache veranlasste den Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. das Thema Ladungssicherheit in die Fortbildung für Fahrlehrer aufzunehmen. 16 Kollegen hatten sich für das erste 4-Tage Seminar angemeldet, das in Zusammenarbeit mit der DaimlerChrysler AG unter Leitung von Dipl.-Ing. Rolf Dänekas vom 10. bis 13. Mai 2004 im Werk Wörth bei Karlsruhe lief. Dänekas ist vereidigter Sachverständiger für Ladungssicherung und Anschlagtechnik im Landverkehr. Der Lehrplan enthielt die Themen Rechtliche Grundlagen, Physikalische Grundlagen, Lastverteilungsplan, Zurrpunkte und Ladungssicherungshilfsmittel. Der zuvor erfolgte Hinweis, einen Taschenrechner mit Winkelfunktion, Bleistift und Lineal mitzubringen, erwies sich als guter Rat. Klar war auch, dass am Schluss des Seminars eine Prüfung stehen würde.

Ladungssicherheit ist Unfallverhütung

In seiner kurzen Eröffnungsansprache hob Verbandsvorsitzender Peter Tschöpe den Premierencharakter des Seminars "Ladungssicherheit" als Inhalt der Fahrlehrerfortbildung hervor. Er gab angesichts der erschreckend hohen Zahl von ladungsbedingten Unfällen der Überzeugung Ausdruck, dass Ladungssicherheit ein wichtiges Aufgabengebiet für Fahrlehrer ist. Auch Herr Abele, Leiter der Fahrerinformation im DaimlerChrysler-Werk Wörth, begrüßte die Teilnehmer und wünschte dem Seminar einen erfolgreichen Verlauf.

Umfänglicher Lehrplan

Zum Auftakt unterrichtete Polizeihauptkommissar Artur Schöpgens, seit vielen Jahren dienstlich mit Ladungssicherheit befasst, über die rechtlichen Grundlagen und Richtlinien dieser Materie. Mit zahlreichen Bildern veranschaulichte er die in der Praxis vorkommenden Ladungsmängel. Am Nachmittag folgte Physik mit Begriffen wie Kraft, Energie, Masse, Beschleunigung, Reibung und deren Maßeinheiten. Schwerpunkte des zweiten Tages waren Anforderungen an das Transportfahrzeug, Ermittlung der Sicherungskräfte und die Begriffe Niederzurren, Direktzurren, Standfestigkeit und Abstützungen. Dabei waren die Teilnehmer nicht nur in der Theorie, sondern auch in der praktischen Handhabung stark gefordert.

Fotos: Wolfgang Fischer

Theoretisch wird gelernt,...

...was praktisch ausgeführt werden soll

Fahrversuche

Die in der Theorie gewonnenen Erkenntnisse kamen am dritten Tag bei verschiedenen Fahrversuchen im Werksgelände auf den Prüfstand. Mit Messarmaturen und Computer-Auswertungen wurden die verschiedenen Techniken des Zurrens überprüft, dabei enthüllte die Wiedergabe von Videoaufzeichnungen in Zeitlupe die Bewegungen und das Verrutschen der Ladung. In typischen Darstellungen aus seiner Praxis veranschaulichte Dänekas negative Beispiele der Ladungssicherung.

Unterschiedliches Ladegut

Am letzten Tag des Seminars stand die Sicherung von unterschiedlichem Ladegut wie Baumstämmen, Stangen, Rohren, Profilen, Schnittholz usw. auf dem Plan. Hinzu kam eine schriftliche Prüfung, die erfreulicherweise von allen 16 Teilnehmern erfolgreich abgelegt wurde. Großes Lob für Herrn Dänekas, der die Teilnehmer dank seines immensen Fachwissens und seines motivierenden Unterrichtes so für die Sache begeisterte, dass am Ende jedes Seminartages freiwillig "Überstunden" gemacht wurden.

Grundwissen in der Fahrausbildung

Zur Klarstellung ist noch nachzutragen, dass in der Fahrausbildung nur das Grundwissen über Ladungssicherung vermittelt werden kann - aber unbedingt auch vermittelt werden muss. Die Fahrschule muss ihre Kunden für dieses Sicherheitsproblem sensibilisieren. Darüber hinaus werden auf die Ausbildung von Lkw- und Lastzugfahrern spezialisierte Fahrschulen auch Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Prüfung für den Ausbildungsnachweis Ladungssicherung anbieten - erforderlichenfalls in Zusammenarbeit mit externen Fachleuten. Wer solche Lehrgänge anbietet, muss sich darüber im Klaren sein, dass er für zu Schäden führende Ausbildungsfehler haftbar gemacht werden kann. Deshalb sollte für dieses Risiko eine entsprechende Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden. Zum Schluss noch der Hinweis, dass man mit diesem 4-tägigen Seminar und der erfolgreichen Ablegung einer Prüfung bei der VDI-Gesellschaft Fördertechnik Materialfluss Logistik, Fachbereich Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen, die Qualifikation als Ausbilder für Ladungssicherheit erlangt.

Wolfgang Fischer

 

FahrSchulPraxis - Ausgabe August 2004

Erscheinungsdatum 15.08.2004

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