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Jährlich sind in Deutschland mehr als 2.300
Lkw-Unfälle auf schlechte oder fehlende Ladungssicherung zurückzuführen.
Zahlreiche Polizeikontrollen haben diese Schätzungen der
Transportversicherer im Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt: Fast 70 Prozent der Lkw, die über
deutsche Autobahnen fahren, sind mit mangelhaft oder nicht gesichertem
Transportgut unterwegs. Nicht immer sind dabei Zeitdruck oder Trägheit
Schuld. Oftmals ist Unwissenheit im Spiel.
Diese bedrückende Tatsache veranlasste den
Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. das Thema Ladungssicherheit in
die Fortbildung für Fahrlehrer aufzunehmen. 16 Kollegen hatten sich für
das erste 4-Tage Seminar angemeldet, das in Zusammenarbeit mit der
DaimlerChrysler AG unter Leitung von Dipl.-Ing. Rolf Dänekas vom 10. bis
13. Mai 2004 im Werk Wörth bei Karlsruhe lief. Dänekas ist vereidigter
Sachverständiger für Ladungssicherung und Anschlagtechnik im Landverkehr.
Der Lehrplan enthielt die Themen Rechtliche Grundlagen, Physikalische
Grundlagen, Lastverteilungsplan, Zurrpunkte und
Ladungssicherungshilfsmittel. Der zuvor erfolgte Hinweis, einen
Taschenrechner mit Winkelfunktion, Bleistift und Lineal mitzubringen,
erwies sich als guter Rat. Klar war auch, dass am Schluss des Seminars
eine Prüfung stehen würde.
Ladungssicherheit ist Unfallverhütung
In seiner kurzen Eröffnungsansprache hob
Verbandsvorsitzender Peter Tschöpe den Premierencharakter des Seminars
"Ladungssicherheit" als Inhalt der Fahrlehrerfortbildung hervor. Er gab
angesichts der erschreckend hohen Zahl von ladungsbedingten Unfällen der
Überzeugung Ausdruck, dass Ladungssicherheit ein wichtiges Aufgabengebiet
für Fahrlehrer ist. Auch Herr Abele, Leiter der Fahrerinformation im
DaimlerChrysler-Werk Wörth, begrüßte die Teilnehmer und wünschte dem
Seminar einen erfolgreichen Verlauf.
Umfänglicher Lehrplan
Zum Auftakt unterrichtete
Polizeihauptkommissar Artur Schöpgens, seit vielen Jahren dienstlich mit
Ladungssicherheit befasst, über die rechtlichen Grundlagen und Richtlinien
dieser Materie. Mit zahlreichen Bildern veranschaulichte er die in der
Praxis vorkommenden Ladungsmängel. Am Nachmittag folgte Physik mit
Begriffen wie Kraft, Energie, Masse, Beschleunigung, Reibung und deren
Maßeinheiten. Schwerpunkte des zweiten Tages waren Anforderungen an das
Transportfahrzeug, Ermittlung der Sicherungskräfte und die Begriffe
Niederzurren, Direktzurren, Standfestigkeit und Abstützungen. Dabei waren
die Teilnehmer nicht nur in der Theorie, sondern auch in der praktischen
Handhabung stark gefordert.
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Fotos: Wolfgang Fischer |
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Theoretisch wird gelernt,... |
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...was praktisch ausgeführt werden
soll |
Fahrversuche
Die in der Theorie gewonnenen Erkenntnisse
kamen am dritten Tag bei verschiedenen Fahrversuchen im Werksgelände auf
den Prüfstand. Mit Messarmaturen und Computer-Auswertungen wurden die
verschiedenen Techniken des Zurrens überprüft, dabei enthüllte die
Wiedergabe von Videoaufzeichnungen in Zeitlupe die Bewegungen und das
Verrutschen der Ladung. In typischen Darstellungen aus seiner Praxis
veranschaulichte Dänekas negative Beispiele der Ladungssicherung.
Unterschiedliches Ladegut
Am letzten Tag des Seminars stand die
Sicherung von unterschiedlichem Ladegut wie Baumstämmen, Stangen, Rohren,
Profilen, Schnittholz usw. auf dem Plan. Hinzu kam eine schriftliche
Prüfung, die erfreulicherweise von allen 16 Teilnehmern erfolgreich
abgelegt wurde. Großes Lob für Herrn Dänekas, der die Teilnehmer dank
seines immensen Fachwissens und seines motivierenden Unterrichtes so für
die Sache begeisterte, dass am Ende jedes Seminartages freiwillig
"Überstunden" gemacht wurden.
Grundwissen in der Fahrausbildung
Zur Klarstellung ist noch nachzutragen,
dass in der Fahrausbildung nur das Grundwissen über Ladungssicherung
vermittelt werden kann - aber unbedingt auch vermittelt werden muss. Die
Fahrschule muss ihre Kunden für dieses Sicherheitsproblem sensibilisieren.
Darüber hinaus werden auf die Ausbildung von Lkw- und Lastzugfahrern
spezialisierte Fahrschulen auch Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Prüfung
für den Ausbildungsnachweis Ladungssicherung anbieten -
erforderlichenfalls in Zusammenarbeit mit externen Fachleuten. Wer solche
Lehrgänge anbietet, muss sich darüber im Klaren sein, dass er für zu
Schäden führende Ausbildungsfehler haftbar gemacht werden kann. Deshalb
sollte für dieses Risiko eine entsprechende Haftpflichtversicherung
abgeschlossen werden. Zum Schluss noch der Hinweis, dass man mit diesem
4-tägigen Seminar und der erfolgreichen Ablegung einer Prüfung bei der
VDI-Gesellschaft Fördertechnik Materialfluss Logistik, Fachbereich
Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen, die Qualifikation als Ausbilder
für Ladungssicherheit erlangt.
Wolfgang Fischer |