|
Verkehrsdichte, Maßnahmen der
Verkehrsberuhigung und Tempo-30-Zonen machen es immer schwerer, geeignete
Plätze für das Üben und Prüfen von Grundfahraufgaben zu finden. Besonders
Lkw-Fahrschulen tun sich schwer dafür Ecken zu finden, an denen der übrige
Verkehr nicht über Maß behindert wird.
In einer Reihe von Prüforten finden
Fahrschulen kaum noch Straßen, auf denen die neu eingeführten
"Rampenaufgaben" und das Umkehren mit dem Lastzug geübt oder geprüft
werden können. Auch für die Motorradklassen, ja stellenweise sogar für die
Klassen B und BE, häufen sich die Schwierigkeiten.
Pkw-Klassen
Bei den Pkw-Klassen könnten diese Probleme
meistens vermieden werden, wenn nicht so häufig an den gleichen Stellen
geprüft würde, was wiederum die Fahrlehrer veranlasst, dort zu üben. Wenn
andauernd in kurzen Abständen vor ein und demselben Wohnhaus
Fahrschulwagen rückwärts einparken, fordert dies das Missbehagen der
Anwohner geradezu heraus. Durch häufigeren Wechsel der Örtlichkeit könnte
da manches Ärgernis leicht vermieden werden.
Motorradklassen
Erheblich kritischer ist es für die
Motorradübungen. Klar ist, die Grundfahraufgaben Abbremsen mit
höchstmöglicher Verzögerung aus 50 km/h und die Ausweichübungen können
nicht in einer Tempo-30-Zone geübt und geprüft werden. Hierfür müssen
Straßenzüge gefunden werden, die 50 km/h zulassen und vom Verkehr her für
das Üben von Anfängern geeignet sind. Dies kann an manchen Prüforten sehr
schwierig sein, aber mit etwas Flexibilität lassen sich in kleineren
Ortschaften der Umgegend durchaus geeignete Straßen und Plätze finden.
Hingegen können das Fahren mit
Schrittgeschwindigkeit, die Slalomübungen und Stop and Go in
Tempo-30-Zonen geübt werden. Für die Kreisfahrt eignet sich u. U. auch der
Wendehammer einer Sackgasse. Freilich ist es bequem, alle
Grundfahraufgaben an der gleichen Stelle zu üben (und zu prüfen!). Aber wo
dies nicht möglich ist, müssen die einzelnen Aufgaben eben an
verschiedenen Orten gefahren werden; etwas Beweglichkeit und kreatives
Denken können hier durchaus helfen.
Lkw-Klassen
Ein Anfänger, der mit dem Lastzug in einem
Linksbogen rückwärts eine Kreuzung überqueren soll, benötigt manchmal
mehrere Korrekturzüge, bis der Zug in der anderen Straße korrekt zum
Stehen kommt. Das braucht Zeit, während die Kreuzung blockiert ist. Selbst
auf Straßen in Gewerbegebieten kann dies zu unliebsamen Behinderungen
führen. Die ersten Versuche sollten deshalb an etwas abgelegenen, wenig
frequentierten Einmündungen unternommen werden; es muss sich dabei auch
nicht unbedingt um acht Meter breite Straßen handeln. Auch hier sind
Kreativität und etwas Fantasie gefragt. Entsprechendes gilt für die
Rampenaufgaben. Zwar kommen die großen Parkplätze der Supermärkte
heutzutage kaum noch infrage, weil die Geschäfte auch an Wochenenden bis
20.00 Uhr geöffnet haben. Aber in Absprache mit Speditionen und
Lagerhäusern kann an deren Rampen in den Abendstunden und an Samstagen
geübt werden. Außerdem haben einige TÜV-Niederlassungen auf ihrem Gelände
improvisierte Rampen aufgebaut, die vielleicht nicht nur für die Prüfung,
sondern nach vorheriger Absprache auch zum Üben genutzt werden können.
Städte und Gemeinden
Die Erwartung mancher Kolleginnen und
Kollegen, die Kommunen könnten Plätze zur Verfügung stellen, und zwar
kostenlos, ist in Zeiten leerer Kassen ein Wunschtraum fern jeder
Realität. Wo immer aber geeignete freie Flächen ausgemacht werden, lohnt
es sich, mit der Gemeinde Kontakt aufzunehmen. Wenn die Fahrschulen dann
noch bereit sind, einen angemessenen Obolus zu entrichten, lassen sich oft
gute, nachhaltige Lösungen finden. Einige Kreisvereine haben das
jedenfalls in den letzten Jahren erfolgreich praktiziert.
Jürgen Bauer |