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Umfragen sind "in", besonders in der
Politik. Auch Unternehmen bedienen sich häufig der Demoskopie, um die
Meinung des Publikums über ihr Auftreten, die Akzeptanz ihrer Produkte und
ihres Services zu ergründen und möglichst exakte und quantitativ fundierte
Informationen über den Markt zu erhalten. Die so erhobenen Daten können,
sofern sie richtig evaluiert werden, eine wichtige Hilfe für
Entscheidungsfindungen sein. Im letzten Jahr wollte der Fahrlehrerverband
Baden-Württemberg e.V. von seinen Mitgliedern wissen, ob sie mit ihrem
Verband zufrieden sind und was sie gerne anders oder besser gemacht sähen.
Fast ein Viertel der 1.999 ausgesandten Fragebogen, nämlich 449, kamen
zurück. Das ist eine bemerkenswerte Quote, die in dieser Höhe bei
Verbandsumfragen nur selten erreicht wird. Alle Antworten waren
verwertbar, und nur acht kamen anonym zurück. Damit ist klar: die Umfrage
war sehr erfolgreich und die Ergebnisse sind repräsentativ. Ein
erstaunlich großer Teil der Mitglieder begnügte sich nicht mit dem bloßen
Ankreuzen der vorgegebenen Antworten oder der Bewertungsskala (eins bis
vier), sondern brachte in zusätzlichen Anmerkungen Kritik, Wünsche und
Anregungen vor. Warum
Verbandsmitglied?
Auf die Frage, "Aus welchen Gründen sind
Sie Mitglied im Verband", antworteten
| 73,94 %* |
"weil eine
Berufsvertretung wichtig ist”, |
| 55,23 %* |
"weil ich Kontakt mit
den Kolleginnen und Kollegen haben will". |
*
zusammen mehr als 100 %, da immer
mehrere Gründ angegeben werden konnten |
Die Frage enthielt auch ein Item zur
Mitgliedschaft der Eltern, was zunächst etwas deplaciert erscheinen mag,
denn für Söhne und Töchter muss die Mitgliedschaft eines Elternteils nicht
unbedingt Grund für den Eintritt in den Verband sein. Doch das Ergebnis
rechtfertigt den Exkurs. Denn auf diese Weise wurde offenbar, dass
immerhin von 16,7 % der Antwortenden ein Elternteil Mitglied war
oder ist.
Anmerkungen zu Motiven der
Mitgliedschaft
Die zahlreichen ergänzenden Anmerkungen zum
Motiv der Mitgliedschaft, von denen sich dem Sinn nach viele gleichen,
werden hier zusammengefasst wiedergegeben:
-
"Auf neuestem Stand bleiben";
-
"Förderung des Berufsethos";
-
"Unterstützung / Hilfe";
-
"Information aus erster Hand";
-
"ohne Organisation kein Gewicht";
-
"wegen Information und Weiterbildung im Fahrlehrerwesen";
-
"starke Gemeinschaft ist wichtig";
-
"gutes Weiterbildungsangebot";
-
"um fachlich kompetente Ansprechpartner zu haben";
-
"Rechtsbeistand in allen Fragen";
-
"gute Information durch FPX”;
-
“ich hoffe, bei irgendwelchen Problemen auf den Verband zurückgreifen zu
können";
-
"weil ein Berufsverband nur mit einer hohen Mitgliederzahl stark ist";
-
“der Verband hält seine Mitglieder stets auf dem Laufenden";
-
"Informationen über Gesetzesänderungen";
-
"das weiß ich manchmal selbst nicht";
-
"gemeinsam sind wir stark";
-
"um als Mitglied in die Verantwortung genommen zu werden”;
-
“um auch auf kleinster Ebene des KV etwas zu bewegen";
-
"keine besonderen Gründe, bin am ausprobieren, ob es mir Vorteile
bringt";
-
"gibt es keine, da es bei uns noch nicht einmal einen intakten
Kreisverein gibt" (gemeint sind Gründe für die Mitgliedschaft - die
Redaktion).
-
Ein Kollege äußerte sinngemäß den geradezu konspirativ anmutenden
Gedanken: Er sei Mitglied, weil er sonst nicht an wichtige
Gesetzesänderungen herankomme, denn der Verband übe Druck auf die
Verlage aus, diese nicht zu publizieren. Eine nicht gerade bescheidene
Überschätzung der Wirkungskraft des Verbandes.
Fazit aus diesen Antworten ist ein klares
Bekenntnis (97 %) zu einem möglichst starken Berufsverband der
Fahrlehrer, der seinen Mitgliedern mit einem zuverlässigen Serviceangebot
von hoher Qualität und Kompetenz dienen kann.
Für manchen mag es enttäuschend sein, dass
in den für die Mitgliedschaft genannten Motiven der schiere
Solidaritätsgedanke nur (noch!) eine untergeordnete Rolle spielt.
Für die Verantwortlichen der Verbände muss
dies ein klares, unmissverständliches Signal sein: Ein Berufsverband ohne
präsente, erfahrbare Leistung, namentlich auf den Gebieten der fachlichen,
rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Information und Beratung sowie
der wirksamen kollektiven und individuellen Vertretung ist auf Dauer
chancenlos. Auch Hilfe und Beratung bei der Daseinsvorsorge ist den
Mitgliedern wichtig.
Mitglied aus Idealismus?
Die idealistische Vorstellung, das
bestimmende Motiv der Mitgliedschaft sei das einer "beruflichen
Bruderschaft", einer unverbrüchlich zusammenstehenden
Gesinnungsgemeinschaft, ist, sofern es überhaupt einmal galt, definitiv
out. Dies bedeutet jedoch nicht das Ende von Kollegialität und
Zusammenhalt schlechthin. Im Gegenteil, insbesondere auf lokaler Ebene
geschieht aus der Mitte der Kreisvereine heraus vieles zur Stärkung und
Pflege eines gedeihlichen Miteinanders, wofür oft und gerne die
Organisationsstrukturen des Verbandes genutzt werden. Die
"entideologisierte" Motivation der Mitgliedschaft berührt indes nicht die
sozialen und gesellschaftspolitischen Funktionen des Verbandes. Denn
gerade hierin liegen bedeutende Erwartungen der Mitglieder. So sind ein
klares Berufsrecht, angemessene wirtschaftliche Rahmenbedingungen und
Planungssicherheit Ziele und Werte, deren Erreichung und Erhaltung sie
durch den Verband gewährleistet sehen wollen.
Xaver Edenhausen
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Teil (2) |