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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Oktober/2004, Seite 519

Wie gut ist mein Berufsverband?

Ergebnisse der Umfrage 2003 (1)

zu Teil (2)

 

Umfragen sind "in", besonders in der Politik. Auch Unternehmen bedienen sich häufig der Demoskopie, um die Meinung des Publikums über ihr Auftreten, die Akzeptanz ihrer Produkte und ihres Services zu ergründen und möglichst exakte und quantitativ fundierte Informationen über den Markt zu erhalten. Die so erhobenen Daten können, sofern sie richtig evaluiert werden, eine wichtige Hilfe für Entscheidungsfindungen sein. Im letzten Jahr wollte der Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. von seinen Mitgliedern wissen, ob sie mit ihrem Verband zufrieden sind und was sie gerne anders oder besser gemacht sähen. Fast ein Viertel der 1.999 ausgesandten Fragebogen, nämlich 449, kamen zurück. Das ist eine bemerkenswerte Quote, die in dieser Höhe bei Verbandsumfragen nur selten erreicht wird. Alle Antworten waren verwertbar, und nur acht kamen anonym zurück. Damit ist klar: die Umfrage war sehr erfolgreich und die Ergebnisse sind repräsentativ. Ein erstaunlich großer Teil der Mitglieder begnügte sich nicht mit dem bloßen Ankreuzen der vorgegebenen Antworten oder der Bewertungsskala (eins bis vier), sondern brachte in zusätzlichen Anmerkungen Kritik, Wünsche und Anregungen vor.

Warum Verbandsmitglied?

Auf die Frage, "Aus welchen Gründen sind Sie Mitglied im Verband", antworteten

73,94 %* "weil eine Berufsvertretung wichtig ist”,
55,23 %* "weil ich Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen haben will".
* zusammen mehr als 100 %, da immer
mehrere Gründ angegeben werden konnten

Die Frage enthielt auch ein Item zur Mitgliedschaft der Eltern, was zunächst etwas deplaciert erscheinen mag, denn für Söhne und Töchter muss die Mitgliedschaft eines Elternteils nicht unbedingt Grund für den Eintritt in den Verband sein. Doch das Ergebnis rechtfertigt den Exkurs. Denn auf diese Weise wurde offenbar, dass immerhin von 16,7 % der Antwortenden ein Elternteil Mitglied war oder ist.

Anmerkungen zu Motiven der Mitgliedschaft

Die zahlreichen ergänzenden Anmerkungen zum Motiv der Mitgliedschaft, von denen sich dem Sinn nach viele gleichen, werden hier zusammengefasst wiedergegeben:

  • "Auf neuestem Stand bleiben";

  • "Förderung des Berufsethos";

  • "Unterstützung / Hilfe";

  • "Information aus erster Hand";

  • "ohne Organisation kein Gewicht";

  • "wegen Information und Weiterbildung im Fahrlehrerwesen";

  • "starke Gemeinschaft ist wichtig";

  • "gutes Weiterbildungsangebot";

  • "um fachlich kompetente Ansprechpartner zu haben";

  • "Rechtsbeistand in allen Fragen";

  • "gute Information durch FPX”;

  • “ich hoffe, bei irgendwelchen Problemen auf den Verband zurückgreifen zu können";

  • "weil ein Berufsverband nur mit einer hohen Mitgliederzahl stark ist";

  • “der Verband hält seine Mitglieder stets auf dem Laufenden";

  • "Informationen über Gesetzesänderungen";

  • "das weiß ich manchmal selbst nicht";

  • "gemeinsam sind wir stark";

  • "um als Mitglied in die Verantwortung genommen zu werden”;

  • “um auch auf kleinster Ebene des KV etwas zu bewegen";

  • "keine besonderen Gründe, bin am ausprobieren, ob es mir Vorteile bringt";

  • "gibt es keine, da es bei uns noch nicht einmal einen intakten Kreisverein gibt" (gemeint sind Gründe für die Mitgliedschaft - die Redaktion).

  • Ein Kollege äußerte sinngemäß den geradezu konspirativ anmutenden Gedanken: Er sei Mitglied, weil er sonst nicht an wichtige Gesetzesänderungen herankomme, denn der Verband übe Druck auf die Verlage aus, diese nicht zu publizieren. Eine nicht gerade bescheidene Überschätzung der Wirkungskraft des Verbandes.

Fazit aus diesen Antworten ist ein klares Bekenntnis (97 %) zu einem möglichst starken Berufsverband der Fahrlehrer, der seinen Mitgliedern mit einem zuverlässigen Serviceangebot von hoher Qualität und Kompetenz dienen kann.

Für manchen mag es enttäuschend sein, dass in den für die Mitgliedschaft genannten Motiven der schiere Solidaritätsgedanke nur (noch!) eine untergeordnete Rolle spielt.

Für die Verantwortlichen der Verbände muss dies ein klares, unmissverständliches Signal sein: Ein Berufsverband ohne präsente, erfahrbare Leistung, namentlich auf den Gebieten der fachlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Information und Beratung sowie der wirksamen kollektiven und individuellen Vertretung ist auf Dauer chancenlos. Auch Hilfe und Beratung bei der Daseinsvorsorge ist den Mitgliedern wichtig.

Mitglied aus Idealismus?

Die idealistische Vorstellung, das bestimmende Motiv der Mitgliedschaft sei das einer "beruflichen Bruderschaft", einer unverbrüchlich zusammenstehenden Gesinnungsgemeinschaft, ist, sofern es überhaupt einmal galt, definitiv out. Dies bedeutet jedoch nicht das Ende von Kollegialität und Zusammenhalt schlechthin. Im Gegenteil, insbesondere auf lokaler Ebene geschieht aus der Mitte der Kreisvereine heraus vieles zur Stärkung und Pflege eines gedeihlichen Miteinanders, wofür oft und gerne die Organisationsstrukturen des Verbandes genutzt werden. Die "entideologisierte" Motivation der Mitgliedschaft berührt indes nicht die sozialen und gesellschaftspolitischen Funktionen des Verbandes. Denn gerade hierin liegen bedeutende Erwartungen der Mitglieder. So sind ein klares Berufsrecht, angemessene wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit Ziele und Werte, deren Erreichung und Erhaltung sie durch den Verband gewährleistet sehen wollen.

Xaver Edenhausen

 zu Teil (2)

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Oktober 2004

Erscheinungsdatum 15.10.2004

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