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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe
November /2004, Seite 603

Rund um den Lago di Garda

22 Mal Motorrad Total - und vitaler denn je

 

Fotos: Heinz Beck

Motorrad Total lief in diesem Jahr vom 19. - 24. September am Gardasee. Für die 87 Teilnehmer war das Quartier im Best Western Resort Hotel Le Torri del Garda in Albisano-Torri del Benaco bereitet. Zwar waren Badisch und Schwäbisch vorherrschend, aber auch nördlichere Mundarten waren wiederum gut vertreten: Motorrad Total ist in 22 Jahren bundesweit zu einem Markennamen geworden, der hohe Leistung und beste Qualität verheißt.

"Fortbildung Total auf Mallorca - Der Fahrlehrerverband hat diesem Mitgliederwunsch entsprochen und eine erweiterte Klasse-1-Fortbildung ausgearbeitet, die mit einer attraktiven Motorradreise verbunden ist."

So lautete der Aufmacher in der FahrSchulPraxis vom März 1983. Es folgte eine exakte Beschreibung der Anreise und des Programms einschließlich der Modalitäten der Überfahrt mit der Fähre. Das Titelbild der nächsten April-Ausgabe, damals noch schwarz-weiß, zeigte sehr eindrucksvoll die 86 Biker mit ihren Maschinen im Hafen von Barcelona. Es war - wie einer auf der Rückreise schwärmte - "eine glücklich machende Fortbildung" gewesen.

Der Gardasee im Herbst

Nun also Motorrad Total zum 22. Mal. Oft schon war Italien das Ziel gewesen, denn das meist angenehme Herbstwetter südlich der Alpen kommt den Bikern sehr entgegen. So hielt dann auch der Gardasee fast immer wolkenlosen Himmel und nahezu sommerliche Temperaturen bereit. Das Le Torri del Garda traf bei den Teilnehmern ins Schwarze: Gut ausgesucht, großzügige Zimmer, super Pool, prima Küche, hörte man allenthalben. Die Auswertung der Teilnehmerbefragung bestätigte dies mit der Note 1,5.

Das Le Torri del Garda - ein Tipp - nicht nur für Motorrad Total


Der Pool des Hotels lädt die Biker zu einer "Erfrischung" ein

Theorie

Montag ist traditionell Theorietag. Theodor Heinemann, Motorradreferent des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., hatte Moderne Bremsanlagen, den Curricularen Leitfaden Motorrad und Transparenz der Ausbildung in den Stundenplan geschrieben. Ein anspruchsvolles Programm, das, wie Kollege Hans Steer aus Dortmund es ausdrückte, zu "heißen Diskussionen führte, weil wir oft nicht gleicher Meinung waren, aber das ist ja bei Fahrlehrern normal". "Theodor Heinemann hat das ganz locker gemacht, auf einige Dinge wären wir gerne noch näher eingegangen, aber die Zeit war ein bisschen kurz", fügte Steer an.

Realverkehr am Monte Bondone

Dienstagfrüh rückten sieben Gruppen unter der Leitung bewährter Moderatoren zur ersten Tour, genannt "Realverkehr I", aus. Ziel war der westlich von Trient gelegene Monte Bondone, ein im Sommer wie im Winter beliebtes Ausflugsziel. Der "Berg der Trentiner" forderte den Bikern aufwärts und abwärts einiges ab. 210 Kilometer Kurven können ganz schön schlauchen, vor allem wenn man dauernd unter Beobachtung steht und am Abend bei der Manöverkritik nicht in der Ecke stehen will.


Motorradfahren vom Feinsten: Realverkehr in den Bergen

Aber auch die Realverkehrstrecken II + III zum Lago d` Idro und nach Verona/Val di Valpolicella, die Donnerstag und Freitag folgten, waren keine Spaziergänge. Apropos Lago d` Idro: Dieser See ist immer noch ein Geheimtipp; er gilt als der sauberste in ganz Oberitalien und seine Lage ist schlicht traumhaft.


Die Realverkehrsstrecken lassen jedes Bikerherz höher schlage

Das altberühmte Verona

Wer nach Verona kommt, muss die Arena sehen. Das Bauwerk, das um 290 unserer Zeitrechnung unter Kaiser Diokletian als Amphitheater entstanden ist, dient heute den weltbekannten Opernfestspielen, die hier alljährlich in den Monaten Juli und August stattfinden. In Verona soll sich einst das durch Shakespeare überlieferte Liebesdrama von Romeo und Julia abgespielt haben. Der schicksalhafte, durch die Liebe unsterblich gewordene Balkon Julias existiert noch. Als Marco Casarola, Chef unseres Hotels, von unserer Tour nach Verona erfuhr, setzte er Himmel und Hölle in Bewegung, um den Bikern die Vorfahrt bis zur Arena zu ermöglichen. Dieser Teil der antiken Stadt ist normalerweise für Kraftfahrzeuge absolut tabu. Casarola erwirkte dank offenbar bester Beziehungen zur Polizei eine Sondergenehmigung. So durften alle Motorräder samt einem Begleitauto im "Gänsemarsch" ins Allerheiligste von Verona einfahren. Der Anblick des gigantischen Bauwerks, das mit seinen 43 Stufenreihen 22.000 Menschen Platz bietet, war ein überwältigendes Erlebnis.


Ankunft vor der Arena di Verona - da wundern sich die Passanten


Arena di Verona: Die Biker hatten eine Sondergenehmigung

Fußball zur Entspannung

Nach anstrengender Arbeit tut Entspannung Not. Da kam die Idee des Hoteliers, einen Kick zwischen einer aus dem männlichen Hotelpersonal und einer aus Fahrlehrern gebildeten Mannschaft auszutragen, gerade recht. Von deutscher Seite wurde alles aufgeboten, selbst an im Stil von Transvestiten zu Cheerleadern verkleideten Männern war kein Mangel. Doch auch deren einpeitschende Begeisterungsschreie halfen nichts, die Azzuri waren einfach besser. Als es schon fast dunkel war, gingen die geschlagenen Tedeschi erhobenen Hauptes vom Platz. Ein deutscher Schlachtenbummler kommentierte die Niederlage so:

"Unsere Männer haben ihr Bestes gegeben gegen diese junge Mannschaft, die Woche für Woche nur dafür zu trainieren scheint, neu angekommene Gäste vernichtend zu schlagen."


Fußball Total - Italien (links) und Deutschland (rechts)
und die "Cheerleader-Transigang"

Mercedes packt aus

Freitag “nach Dienst” war Mercedesabend. Robert Wilhelm (siehe Interview) lud zu einem fröhlichen Umtrunk, zum "Daimler-Abend", ein. Zuvor aber hielt er eine feine Rede, die voll des Lobes für Garda Total war. Wolfgang Fischer, 2. Vorsitzender des Verbandes, dankte im Namen der Teilnehmer für die generöse Unterstützung der Fortbildung durch die DaimlerChrysler AG und andere Sponsoren. Theodor Heinemann schloss sich an und hob als Leiter vor Ort besonders die Kameradschaft und Disziplin der Teilnehmer hervor. Dann aber kam die Überraschung: Alle, ob Männlein oder Weiblein, erhielten eine schicke Weste aus der Mercedes-Benz Collection Edition Motorsport, sehr aufmerksam appliziert mit dem Rhombus.


DaimlerChrysler stellt 3 neue A-Klassen
für Motorrad Total zum Testen zur Verfügung

Der Stab und die stillen Mitwirkenden

Soll ein Seminar, zumal wenn der Schauplatz weit ab vom Hauptquartier liegt, erfolgreich sein, ist sorgfältige Vorbereitung und Organisation verlangt. Dafür braucht man Leute, die das können, und auch Freunde, die dem Ganzen ein Sahnehäubchen aufzusetzen verstehen.

Für Programm, Gesamtleitung und Hotelsuche zeichnete Peter Tschöpe, für Ausschreibung, Buchung und Seminarbetreuung Nadine Demjanow verantwortlich.

Die Strecken hat Theodor Heinemann ausbaldowert. Die Moderatoren Rolf Felske, Franz Enghauser, Theodor Heinemann, Horst Krieg, Peter Landefeld, Udo Laudes und Siegfried Nill waren für fahrpädagogischen Ratschlag und sichere Führung der Gruppen zuständig.

Joachim Krieger vom Verlag Heinrich Vogel, München, sponserte den schon traditionellen "Vogel-Abend".

Gustav Hild und Sascha Stoll von der Hild-Autovermietung betreuten auf den Strecken und stifteten die ebenfalls längst traditionellen Champion-Tassen.

Robert Wilhelm und Jörg Gajewski von der DaimlerChrysler AG sorgten mit drei nagelneuen Autos der A-Klasse für neue Erkenntnisse in punkto moderner Compacts für Fahrschulen.

Heinz Beck vom Verlag Heinrich Vogel hielt alles im Bild fest und macht daraus ein Album im DVD-Format, das alle Teilnehmer erhalten werden.

Sie alle verdienen sehr herzlichen Dank, der hier auch im Namen aller Teilnehmer ausgesprochen werden soll. Besonders zu erwähnen sind auch die jungen Kollegen Jan Kluge und Georg Rück, die künftig das Team der Moderatoren verstärken und verjüngen werden. Ihnen ist für ihre Bereitschaft, künftig einen wichtigen Beitrag zur Fortführung von Motorrad Total leisten zu wollen, ebenfalls herzlich zu danken.

Last not least aufrichtigen, lieben Dank an Günter Luppart, der während mehr als einem Jahrzehnt Manager von Motorrad Total war. Man kann annehmen, dass er zwar auch aus Lust, aber sicher mehr noch aus herzlicher Verbundenheit mit den Kolleginnen und Kollegen an den Gardasee gekommen ist.

Stimmen aus dem Kreis der Teilnehmer

Es ist gut, die Seminarteilnehmer mittels Fragebogen zu bitten, ihr Urteil abzugeben. Manchmal erfährt man im direkten Gespräch aber noch etwas mehr. Hier einige Stimmen:

Bernd Lange aus Dortmund: Ich bin seit 1978 Fahrlehrer, bis 2001 war ich 15 Jahre selbständig und übernahm 2001 den Vertrieb des Vogel-Verlags in Dortmund. Ich finde die Fortbildung einzigartig, ich kann nur sagen: Klasse.

Roland Huck aus Baden-Baden (war zum ersten Mal dabei): Ich habe von Kollegen gehört, dass Motorrad Total sehr lehrreich und abwechslungsreich ist, dass es sehr interessant und die Gemeinschaft sehr gut ist. Vieles kann ich in die Ausbildung meiner Fahrschüler einbringen. Die Gespräche untereinander in der Gruppe sind sehr nützlich. Da sagt z.B. einer, wenn du die Fahrlinie vielleicht einmal etwas ausgreifender anlegen würdest, könnte es in der einen oder anderen Kurve noch besser gehen usw.

Albrecht Eckert (73!) aus Waldmoor/Pfalz: Ich war voriges Jahr und auch schon einige Male zuvor dabei, und vor längerer Zeit habe ich das Fahrertraining des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg am Hockenheim Ring mitgemacht. Mein Alter hält mich nicht ab, ich schule jeden Tag, und man kann auch in meinem Alter nie genug lernen. Was ich bei Motorrad Total auch schätze, ist die gute Kameradschaft. Wenn ich nächstes Jahr noch gesund bin, komme ich gern wieder.

Bernd Hellmann aus Walsrode/Niedersachsen: Ich habe vor 3 Jahren bei einem Motorradunfall meinen linken Arm verloren. Und ich fahre wieder Motorrad und freue mich sehr darüber, dass ich wieder dabei sein kann. Weil ich weiterhin Motorrad ausbilde, ist es für mich sehr wichtig, jetzt wieder viel Fahrpraxis zu sammeln, da das Fahren mit der Prothese doch ein bisschen ungewohnt ist. Das Handling ist ein wenig anders. Hier fahre ich alles mit, wie jeder andere auch.

Jan Kluge aus Weinheim an der Bergstraße: Ich bin seit knapp 7 Jahren Fahrlehrer und zum 5. Mal bei Motorrad Total dabei. Auf diesem Seminar habe ich eigentlich erst richtig Motorradfahren gelernt, auch wenn ich zuvor schon viel gefahren hatte. Weil es ausgesuchte Strecken gibt, die anspruchsvoll sind. Besonders auch beim Fahren in der Gruppe lernt man immer dazu. Außerdem wird immer alles besprochen, und man kann bei anderen manches abgucken. Auch abends nach dem Fahren wird noch einiges besprochen, das zur Förderung der Ausbildung beiträgt. Hier kommt Jahr für Jahr eine Gruppe von Fahrlehrern zusammen, die man ruhig als besondere Experten auf dem Sektor der Motorradausbildung bezeichnen kann.

Georg Rück aus Diehlheim bei Wiesloch: Seit 1992 war ich jedes Jahr Teilnehmer von Motorrad Total. Dieses Mal wurde ich als Moderator eingewiesen, um bald einmal eine Gruppe zu übernehmen. Auf diese neue Aufgabe freue ich mich sehr. Hier trifft man auf Gleichgesinnte, man lernt jedes Jahr dazu, auch einer wie ich, der ich schon seit über 20 Jahren aktiv fahre. Man lernt nie aus, man fährt auf unbekannten Strecken. Motorrad Total bringt sehr viel für die Ausbildung, man lernt durch Tipps der Kollegen, man lernt alleine schon durch das Fahren in der Gruppe immer wieder Neues hinzu. Nur ein erfahrener Motorradfahrer besitzt die notwendigen Kenntnisse, die in der Ausbildung zu vermitteln sind.

Christoph Gruler aus Tuttlingen: Ich bin seit 20 Jahren Motorradfahrlehrer mit Leib und Seele. Trotzdem brauche ich diesen Erfahrungsaustausch, der mir bei Motorrad Total geboten wird. Hier gibt es gute Fachgespräche und immer wieder neue praktische Erfahrungen, die sowohl im theoretischen wie im praktischen Unterricht verwertbar sind.

Peter Landefeld aus Rohrdorf bei Nagold: Seit Beginn, also seit Mallorca, nehme ich jedes Jahr an Motorrad Total teil; größtenteils war ich als Moderator eingesetzt. In meiner Gruppe, die sehr diszipliniert ist, fährt auch Kollege Hellmann mit, der durch einen Motorradunfall seinen linken Arm verloren hat. Es ist erstaunlich, wie gut er drauf ist und wie behände er trotz Prothese mit dem Motorrad umgeht. Die Arbeit mit der Gruppe macht mir viel Freude. Immer wieder mal komme ich mit einem Vorschlag, der helfen soll, uns noch besser in die Fahrschüler und ihre Probleme einfühlen zu können. Das probieren wir dann aus und bewerten es gemeinsam. Um was es geht, ist letztlich mehr Sicherheit für unsere Schüler zu erzielen, auch schon in der Ausbildung. Dieses Seminar ist Jahr für Jahr faszinierend, und glücklicherweise stoßen immer wieder junge Kolleginnen und Kollegen hinzu, für die es eigentlich auch besonders wichtig ist. Trotzdem glaube ich, dass für Motorrad Total noch gezielter bei den jungen Fahrlehrern geworben werden sollte. Wer erst mal da war, den haben wir. Dies ist ein durch und durch offenes Seminar, es wird jeder gerne und herzlich aufgenommen, egal welche Leistung einer schon erbringen kann. Um das zu kanalisieren, gibt es bewährte Kriterien, nach denen die Zuteilung zu einer bestimmten Gruppe erfolgt.

Gebhard L. Heiler

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe November 2004

Erscheinungsdatum 15.11.2004

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