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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe
Dezember /2004, Seite 660

Gebhard L. Heiler

Zwischenruf

zum Thema "Klasse S"

Die Brüsseler Kommission hat 2000 einen im besten Wortsinn großartigen Plan gefasst. Danach soll es innerhalb von 10 Jahren gelingen, die Zahl der Verkehrstoten in den Ländern der Europäischen Union zu halbieren. Solch mutige Vorsätze verdienen, weiß Gott, Beifall. Allein, erkennbare konkrete Pläne der praktischen Umsetzung sind der politischen Ankündigung bis jetzt nicht gefolgt. Aber wer weiß, vielleicht arbeitet ja längst eine größere Gruppe hochrangiger internationaler Experten an lichtvollen Vorschlägen zur Erreichung des hehren Ziels.

Als biederem Schreiber aus der germanischen Provinz fehlt einem da ja eh der richtige Durchblick. Verlass ist da eigentlich nur auf das Prinzip Hoffnung, das offenbar auch den VdTÜV-Vorsitzenden Hans-Nicolaus Rindfleisch beseelt. Jedenfalls hat der sich unlängst bei der Feier zu 100 Jahre Führerschein das Ziel der EU-Kommission, bis 2010 die Zahl der Verkehrstoten von jetzt EU-weit 40.000 zu halbieren, ausdrücklich zueigen gemacht. Vielleicht wollte Herr Rindfleisch den Festgästen die Stimmung nicht verderben. Aber in diesen Kontext hätte durchaus ein kritisches Wort zu den Leichtautos gepasst, für deren Verbreitung die EU-Kommission so vehement eintritt.

Der ADAC hat sie jüngst crashgetestet, das Ergebnis war niederschmetternd. Weil hierzulande für diese "motorisierten Särge" (so ein französischer Automobilingenieur) bislang der Führerschein Klasse B verlangt wurde, zieh die Kommission Deutschland der Handelshemmung und verlangte bei Androhung eines Vertragsverletzungsverfahrens Subordination. Deutschland ist folgsam und führt die Klasse S ein. Dass in Brüssel die Linke oft nicht weiß, was die Rechte tut, ist Legende. Nur so erklärt sich, dass der für den Wettbewerb zuständige Kommissar den Verkauf dieser letal unsicheren Leichtautos an 16-Jährige fördert, während zugleich sein Kollege vom Verkehr ein ehrgeiziges Unfallverhütungskonzept propagiert.

Oder hatten da vielleicht, weil das ja schon länger ging, Lobbyisten im Verein mit korrumpierten Kräften der vorletzten Kommission die Hände im Spiel? Wie auch immer, die Klasse S kommt jetzt. Nun gilt es, die 16-Jährigen von diesen gefährlichen Vehikeln fernzuhalten. Hierbei könnte das begleitete Fahren ab 17 eine große Hilfe sein. Aber da sagt unser Bundesverkehrsminister, die Haftungsfragen seien noch nicht hinreichend geklärt (und das geht nun schon bald zwei Jahre so!). Die Amerikaner, sonst Weltmeister in Fragen extensiver Haftung, haben damit seit Jahrzehnten kein Problem. Vielleicht könnte sich Herr Stolpe dort einmal Rat holen. Oder vielleicht einfach nebenan bei Herrn Wulf in Hannover.

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Dezember 2004

Erscheinungsdatum 15.12.2004

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