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Die Brüsseler Kommission hat 2000 einen im
besten Wortsinn großartigen Plan gefasst. Danach soll es innerhalb von 10
Jahren gelingen, die Zahl der Verkehrstoten in den Ländern der
Europäischen Union zu halbieren. Solch mutige Vorsätze verdienen, weiß
Gott, Beifall. Allein, erkennbare konkrete Pläne der praktischen Umsetzung
sind der politischen Ankündigung bis jetzt nicht gefolgt. Aber wer weiß,
vielleicht arbeitet ja längst eine größere Gruppe hochrangiger
internationaler Experten an lichtvollen Vorschlägen zur Erreichung des
hehren Ziels.
Als biederem Schreiber aus der germanischen
Provinz fehlt einem da ja eh der richtige Durchblick. Verlass ist da
eigentlich nur auf das Prinzip Hoffnung, das offenbar auch den
VdTÜV-Vorsitzenden Hans-Nicolaus Rindfleisch beseelt. Jedenfalls hat der
sich unlängst bei der Feier zu 100 Jahre Führerschein das Ziel der
EU-Kommission, bis 2010 die Zahl der Verkehrstoten von jetzt EU-weit
40.000 zu halbieren, ausdrücklich zueigen gemacht. Vielleicht wollte Herr
Rindfleisch den Festgästen die Stimmung nicht verderben. Aber in diesen
Kontext hätte durchaus ein kritisches Wort zu den Leichtautos gepasst, für
deren Verbreitung die EU-Kommission so vehement eintritt.
Der ADAC hat sie jüngst crashgetestet, das
Ergebnis war niederschmetternd. Weil hierzulande für diese "motorisierten
Särge" (so ein französischer Automobilingenieur) bislang der Führerschein
Klasse B verlangt wurde, zieh die Kommission Deutschland der
Handelshemmung und verlangte bei Androhung eines
Vertragsverletzungsverfahrens Subordination. Deutschland ist folgsam und
führt die Klasse S ein. Dass in Brüssel die Linke oft nicht weiß, was die
Rechte tut, ist Legende. Nur so erklärt sich, dass der für den Wettbewerb
zuständige Kommissar den Verkauf dieser letal unsicheren Leichtautos an
16-Jährige fördert, während zugleich sein Kollege vom Verkehr ein
ehrgeiziges Unfallverhütungskonzept propagiert.
Oder hatten da vielleicht, weil das ja
schon länger ging, Lobbyisten im Verein mit korrumpierten Kräften der
vorletzten Kommission die Hände im Spiel? Wie auch immer, die Klasse S
kommt jetzt. Nun gilt es, die 16-Jährigen von diesen gefährlichen Vehikeln
fernzuhalten. Hierbei könnte das begleitete Fahren ab 17 eine große Hilfe
sein. Aber da sagt unser Bundesverkehrsminister, die Haftungsfragen seien
noch nicht hinreichend geklärt (und das geht nun schon bald zwei Jahre
so!). Die Amerikaner, sonst Weltmeister in Fragen extensiver Haftung,
haben damit seit Jahrzehnten kein Problem. Vielleicht könnte sich Herr
Stolpe dort einmal Rat holen. Oder vielleicht einfach nebenan bei Herrn
Wulf in Hannover. |