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Das Thema Drogen und Straßenverkehr hat im
Fahrschulunterricht in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.
Will ein Fahrlehrer dieses Thema im Unterricht vertiefen, stellen sich ihm
gleich mehrere Probleme: Zum Ersten fehlen ihm eigene Erfahrungen über
Drogen, die bei Jugendlichen gerade "in" sind. Zum Zweiten soll er nicht
als drohender Zeigefinger wirken, und zum Dritten fehlt ihm meistens ganz
einfach die Zeit.
Wer sich für dieses Thema am Rahmenplan
orientiert, die Behandlung der gesetzlichen Vorschriften eingeschlossen,
hat etwa 30 Minuten Zeit dafür. Selbst bei Verzicht auf "inhaltliche
Vollständigkeit zu Gunsten exemplarischer Vertiefung" reicht die Zeit für
die wünschenswerte Bearbeitung dieses komplexen Themas nicht.
Sind Peer-Groups die Lösung?
Unter Peer-Groups (peer = Gleichgestellte,
Gleichaltrige) versteht man Personen mit gleichen Interessen. Bei einem
Peer-Projekt befassen sich gleich gesinnte Gleichaltrige mit einem Thema.
Die Drogenberatungsstellen der Landratsämter Esslingen und Göppingen haben
ein Projekt der Fachhochschule für Sozialwissenschaft in Stendal
aufgegriffen und erproben es in Zusammenarbeit mit dem
Landesgesundheitsamt und ansässigen Fahrschulen.
Peers, in diesem Fall Jugendliche, die
heute clean sind, aber eine eigene Drogenkarriere hinter sich haben und
von den Betreuern der Gesundheitsämter und den Polizeidirektionen intensiv
auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden, kommen an einem Abend in die
Fahrschule und diskutieren mit den Fahrschülern über Drogen im
Straßenverkehr. Gesprochen wird über die Gefahren und Komplikationen, die
der Drogengenuss mit sich bringt, vor allem aber über die Entwicklung von
Strategien, um Drogenkarrieren erst gar nicht beginnen zu lassen.
Teilnahme ist freiwillig
Die Teilnahme ist freiwillig; sie bringt
den Fahrschülern keine wirtschaftlichen Vorteile und gilt nicht als
Unterrichtsbesuch. Das Ministerium für Umwelt und Verkehr hat schon bei
den ersten Gesprächen zur Vorbereitung des Projektes deutlich gemacht,
dass es trotz der Wichtigkeit des Themas aus grundsätzlichen Erwägungen
eine Vermischung des freiwilligen zusätzlichen Angebots mit dem
obligatorischen Unterricht nicht akzeptieren kann. Deshalb herrschte bei
den Beteiligten zum Start des Projektes eher Skepsis als große Erwartung.
Zumal nicht alle angesprochenen Peers, die sich zu einem Informationsabend
getroffen hatten, danach bereit und in der Lage waren, für eine nur
geringe Entschädigung mehrere Tage der Vorbereitung auf sich zu nehmen und
anschließend in Zweiergruppen die Fahrschulen zu besuchen. Nach einem
halben Jahr kann man aber trotzdem eine erfreuliche Zwischenbilanz ziehen.
Von den teilnehmenden Fahrlehrern werden die Abende mit den Peers positiv
bewertet, und die Fahrschüler sind nach dem Abend vom Nutzen der Aktion
überzeugt. Die aktiven Peers sind nach Überwindung der
Anfangsschwierigkeiten von der Aufgabe angetan. Ebenfalls sehr zufrieden
mit den bisherigen Erfahrungen sind die Mitarbeiter/innen der beiden
Landratsämter und des Landesgesundheitsamtes.
Wir werden in einer der nächsten Ausgaben
ausführlich über dieses Projekt berichten und auch die Beteiligten zu Wort
kommen lassen. Pjt |