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Der Patient heißt Verkehrssicherheit. Sein
Leiden ist anhaltend und äußerst schmerzhaft. Völlige Heilung ist mangels
eines Wundermittels ausgeschlossen. Angesichts solcher Diagnose freut man
sich über jede spürbare Besserung.
Nach jüngsten Schätzungen des Statistischen
Bundesamtes ist Linderung in Sicht. Denn 2004 wurden voraussichtlich
weniger als 6000, wahrscheinlich etwa 5 900 Personen im Straßenverkehr
getötet. Das wären 11 Prozent oder rund 700 weniger als im letzten Jahr.
Damit hätte sich die Zahl der Verkehrstoten seit Einführung der Statistik
im Jahre 1953 um mehr als die Hälfte reduziert und den bisher niedrigsten
Stand erreicht. Gegenüber dem Horrorjahr 1970, in dem nahezu 20.000
Menschen im Straßenverkehr starben, wäre dies sogar eine Minderung um mehr
als 70 Prozent. Auch die Zahl der Verletzten wird voraussichtlich um etwa
5 Prozent abnehmen. Doch auch bei den Kindern ging es etwas besser: In den
ersten acht Monaten des Jahres verunglückten im Straßenverkehr 94 Kinder
unter 15 Jahren tödlich; das ist ein Drittel weniger als im gleichen
Zeitraum des Vorjahres. Bei den 25- bis unter 35-Jährigen zeichnet sich
ebenfalls ein überdurchschnittlicher Rückgang der Getöteten ab.
Autobahnen sicherer als Landstraßen
Im Übrigen hält der Trend an, wonach auf
Bundesautobahnen die Getötetenzahlen im Verhältnis stärker zurückgehen als
auf Bundes- oder Landesstraßen. Rückläufig waren auch die Zahlen der
getöteten Zweiradfahrer. Dies führen die Statistiker vor allem auf den
verregneten Sommer zurück.
Anzahl der Unfälle nahezu gleich
Insgesamt, so meldete das Statistische
Bundesamt weiter, dürfte die Zahl der polizeilich registrierten
Straßenverkehrsunfälle allenfalls um 1 Prozent auf 2,2 Millionen sinken.
Jedoch wurden seltener als 2003 Unfälle durch Überholen oder falsche
Straßenbenutzung verursacht. Ebenso wird sich die seit 1994 rückläufige
Entwicklung bei den Alkoholunfällen im Jahr 2004 fortsetzen. Zum Jubeln
gibt's trotz dieser positiven Nachrichten keinen Grund. Und es darf auch
nicht vergessen werden, dass nach wie vor in nahezu 97 Prozent aller
Straßenverkehrsunfälle menschliches Versagen die Ursache ist. Auch sollte
niemand diesen Erfolg, was es zweifellos ist, für sich reklamieren.
Für die deutschen Fahrlehrer müssen die
guten Nachrichten aus Wiesbaden Ansporn sein, ihre schon heute sehr
beachtliche Ausbildung und Nachschulung immer wieder auf den Prüfstand zu
nehmen und beharrlich nach noch höherer Wirkung und Nachhaltigkeit zu
streben. Eine Ausbildung dieses Niveaus hat allerdings ihren Preis. Es
wäre schön, wenn - z.B. bei Jubiläumsreden - auch ein
Bundesverkehrsminister dies gelegentlich ins rechte Licht stellen würde.
Xaver Edenhausen |