|
In der
Januar-Ausgabe dieses Jahres berichteten wir über das Peer-Projekt,
das in zwei Landkreisen Baden-Württembergs erprobt wird. In einem ersten
Erfahrungsbericht haben die Verantwortlichen die Aktivitäten des Jahres
2004 beschrieben. Die Hochschule
Magdeburg / Stendal hat im Jahr 2002 das Projekt MISTEL ins Leben gerufen.
Ziel war, Jugendliche durch andere Jugendliche für die Problematik von
Alkohol und Drogen zu sensibilisieren. Zwei eigens dafür geschulte junge
Leute, Peers genannt, kamen in die Fahrschulen und suchten das Gespräch
mit den Fahrschülern. Während etwa einer Stunde wurde vor allem über
Strategien zur Abstinenz von Drogen und Alkohol diskutiert. Ein wichtiger
Gesichtspunkt war dabei, Alkoholkonsum und Autofahren strikt zu trennen.
Bald berichtete die Fachpresse über die positiven Ergebnisse des Modells.
Landesgesundheitsamt nimmt das Projekt
auf
So erfuhr auch das Landesgesundheitsamt in
Stuttgart von dem Projekt. Nach einer ersten Informationsveranstaltung
erklärten sich die Drogenbeauftragten der Landratsämter Göppingen und
Esslingen bereit, das Modell in ihren Kreisen zu erproben. Nach Maßgabe
des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg war von Anfang
an klar, dass die Gesprächsrunden nicht Teil des vorgeschriebenen
theoretischen Unterrichts sein konnten.
Jetzt ging es um die Suche nach Peers. In
Zeitschriften, Rundfunk, Tagespresse und durch Aushänge in Schulen wurde
für die Teilnahme am Projekt geworben. 34 Interessenten kamen zu einem
Informationsabend, an dem Fachleute der Polizei, des
Medizinisch-Psychologischen Instituts und des Fahrlehrerverbandes über
Möglichkeiten und Grenzen des Projektes informierten. 21 davon erfüllten
die Voraussetzungen und waren bereit, sich in die Aufgabe eines Peers
einweisen zu lassen und für ein geringes Entgelt tätig zu werden. Zum
Schluss waren es nur noch 10, die an allen Schulungswochenenden
teilnahmen.
35 Fahrschulen machen mit
Frau Saur und Frau Kloes, beide
Mitarbeiterinnen der beteiligten Landratsämter, informierten danach mit
Unterstützung des Fahrlehrerverbandes die Fahrschulen ihres Bereichs. 35
Fahrschulen erklärten sich zur Mitarbeit bereit. In siebzehn davon fanden
bisher Treffen statt. Die Gruppenstärke schwankte zwischen 4 und 25
Teilnehmern, was den Peers ziemliche Flexibilität bei der Gesprächsführung
abverlangte. Die Reaktionen der Fahrlehrer und der Fahrschüler waren
überwiegend positiv. Allerdings war es nicht immer leicht, die Schüler
nach dem regulären Unterricht noch eine weitere Stunde zum Bleiben zu
bewegen. Dennoch ist es bisher beachtliche 20 Mal gelungen, ein Treffen zu
arrangieren. Dies zu organisieren, forderte den beiden Damen der
Landratsämter hohes Engagement ab.
Das Programm wird fortgesetzt
Die für das Projekt im Jahr 2004
angefallenen Kosten von insgesamt € 5.500 wurden vom Landesgesundheitsamt
und den beiden Landkreisen getragen. Für 2005 ist eine Fortsetzung des
Programms geplant. Allerdings müssen neue Peers ausgebildet werden, da
einige der bis jetzt aktiven aus persönlichen oder beruflichen Gründen
wegziehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Projekt weiter entwickelt.
Die teilnehmenden Fahrschüler stellten den
Peers meist sehr gute Noten aus: "Ihr wart super!" "Es hat Spaß gemacht
und war viel lockerer als in der Schule!" "Ihr wart glaubwürdig und
authentisch!" Diese und andere Äußerungen lassen erkennen, dass das
Projekt ankommt.
Pjt |