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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe März/2005, Seite 132

Leserforum

Zum Tod eines lieben Menschen

 

Die Katastrophen, die wir fast täglich in den Medien präsentiert bekommen, lassen uns erschauern. Ob es sich um Opfer einer Jahrhundertflut oder um Tote und Verletzte eines Terroranschlags handelt, die Leiden der Menschen und die Trauer der Hinterbliebenen sind nur schwer zu ertragen. Die Trauernden sind auf Hilfe angewiesen, aber materielle Hilfe ist nicht alles, und oft kann man nicht die richtigen Worte des Trostes finden. Letztlich muss jeder selbst lernen, mit dem Verlust zu leben. Da gibt es kein Patentrezept. Es gibt nur die Hoffnung, dass es irgendwie weitergeht, was sicher auch im Sinne der Verstorbenen wäre. Wir Menschen seien Meister im Verdrängen, sagt man. Das ist wohl gut so. Aber ist es auch so, wenn wir die unmittelbar Betroffenen sind? Wie sieht es bei Menschen aus, die jemanden verloren haben, der ihnen ganz, ganz nahe stand? Werden auch sie vergessen können? Vergessen wohl niemals. Schock, Trauer, Mitgefühl, tröstende Worte - und was kommt danach?

Wer macht sich im Alltag schon Gedanken darüber, was der Verlust einer Mutter, Frau, eines Kindes, Vaters, Bruders wirklich bedeutet? Ich bin ehrlich, ich habe darüber nicht nachgedacht. Wie gehen wir täglich mit unseren Mitmenschen um? Sind wir fair und ehrlich? Sind wir tolerant und großzügig, wie wir es auch von anderen erwarten?

Mein Bruder ist am 11. Februar 2005 morgens um viertel vor sieben in seinem Bett gestorben. 32 Jahre alt. Seine Freundin hat noch den Notarzt gerufen, aber auch eine halbe Stunde Kampf hat nichts mehr genutzt. Wahrscheinlich eine Lungenembolie. Man weiß es nicht. Er war nie krank, war nie beim Arzt und hat nie Medikamente genommen. Er hat nicht geraucht und nicht getrunken. Er hatte sich drei Monate zuvor mit einem eigenen Haus seinen größten Traum erfüllt. Eine lichtvolle Zukunft lag vor ihm und seiner Freundin.

Wie es weitergeht? Ich weiß es nicht. Es ist eine große Leere im Kopf. Dinge, die früher so wichtig waren, sind nun unbedeutend. Wann sich das wieder ändern wird? Ich weiß es nicht. Was ist wirklich wichtig im Leben? Wissen wir es? Meine Eltern und ich haben es erfahren - ich wünsche diese Erfahrung niemandem. Wir haben aber auch erfahren, dass es wahre Freunde gibt. Es ist überwältigend und zeigt uns neue menschliche Seiten. Einer meiner besten Freunde kommt sogar aus den USA, um uns beizustehen. Ich hoffe, es geht weiter, nur wie, weiß ich momentan noch nicht. Natürlich müssen wir weiterleben, und das wollen wir auch. Wenn sich die Menschen ein wenig mehr Gedanken darüber machten, wie schnell alles gehen kann, dann hätte ja vielleicht auch ein so junger Tod noch einen Sinn.

(Der Verfasser ist der Redaktion bekannt)

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe März 2005

Erscheinungsdatum 15.03.2005

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