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Die Katastrophen, die wir fast täglich in den
Medien präsentiert bekommen, lassen uns erschauern. Ob es sich um Opfer
einer Jahrhundertflut oder um Tote und Verletzte eines Terroranschlags
handelt, die Leiden der Menschen und die Trauer der Hinterbliebenen sind
nur schwer zu ertragen. Die Trauernden sind auf Hilfe angewiesen, aber
materielle Hilfe ist nicht alles, und oft kann man nicht die richtigen
Worte des Trostes finden. Letztlich muss jeder selbst lernen, mit dem
Verlust zu leben. Da gibt es kein Patentrezept. Es gibt nur die Hoffnung,
dass es irgendwie weitergeht, was sicher auch im Sinne der Verstorbenen
wäre. Wir Menschen seien Meister im Verdrängen, sagt man. Das ist wohl gut
so. Aber ist es auch so, wenn wir die unmittelbar Betroffenen sind? Wie
sieht es bei Menschen aus, die jemanden verloren haben, der ihnen ganz,
ganz nahe stand? Werden auch sie vergessen können? Vergessen wohl niemals.
Schock, Trauer, Mitgefühl, tröstende Worte - und was kommt danach?
Wer macht sich im Alltag schon Gedanken
darüber, was der Verlust einer Mutter, Frau, eines Kindes, Vaters, Bruders
wirklich bedeutet? Ich bin ehrlich, ich habe darüber nicht nachgedacht.
Wie gehen wir täglich mit unseren Mitmenschen um? Sind wir fair und
ehrlich? Sind wir tolerant und großzügig, wie wir es auch von anderen
erwarten?
Mein Bruder ist am 11. Februar 2005 morgens
um viertel vor sieben in seinem Bett gestorben. 32 Jahre alt. Seine
Freundin hat noch den Notarzt gerufen, aber auch eine halbe Stunde Kampf
hat nichts mehr genutzt. Wahrscheinlich eine Lungenembolie. Man weiß es
nicht. Er war nie krank, war nie beim Arzt und hat nie Medikamente
genommen. Er hat nicht geraucht und nicht getrunken. Er hatte sich drei
Monate zuvor mit einem eigenen Haus seinen größten Traum erfüllt. Eine
lichtvolle Zukunft lag vor ihm und seiner Freundin.
Wie es weitergeht? Ich weiß es nicht. Es
ist eine große Leere im Kopf. Dinge, die früher so wichtig waren, sind nun
unbedeutend. Wann sich das wieder ändern wird? Ich weiß es nicht. Was ist
wirklich wichtig im Leben? Wissen wir es? Meine Eltern und ich haben es
erfahren - ich wünsche diese Erfahrung niemandem. Wir haben aber auch
erfahren, dass es wahre Freunde gibt. Es ist überwältigend und zeigt uns
neue menschliche Seiten. Einer meiner besten Freunde kommt sogar aus den
USA, um uns beizustehen. Ich hoffe, es geht weiter, nur wie, weiß ich
momentan noch nicht. Natürlich müssen wir weiterleben, und das wollen wir
auch. Wenn sich die Menschen ein wenig mehr Gedanken darüber machten, wie
schnell alles gehen kann, dann hätte ja vielleicht auch ein so junger Tod
noch einen Sinn.
(Der Verfasser ist der
Redaktion bekannt) |