|
In der März-Ausgabe 2000 dieser Zeitschrift
kündigten wir an, der Leiter der Technischen Prüfstelle werde auf der
Mitgliederversammlung in Ludwigsburg ein elektronisches Prüfverfahren
vorstellen. Ein gutes Jahr später meldeten wir, der TÜV biete in Stuttgart
und an drei weiteren Prüfstellen versuchsweise die Möglichkeit, die
Theorie-Prüfung am PC abzulegen.
Inzwischen sind vier Jahre ins Land
gegangen, während deren von dem Versuch, jedenfalls öffentlich, nichts
mehr zu hören gewesen ist. Jüngst nun hatte die TÜV-Niederlassung
Filderstadt die Fahrschulen ihres Bereichs für den 14. März eingeladen, um
das sog. "Revisionsprojekt PC-Prüfung" vorzustellen. Dass alle
eingeladenen Fahrschulen kamen, lässt auf großes Interesse schließen.
Schließlich geht es ja um den ersten Schritt zur Abschaffung der
Papierprüfung. TP-Leiter Kaup ging in seiner Begrüßung kurz auf die
Vorgeschichte des Projektes ein und nannte die Ziele, die mit dem Projekt
verfolgt werden.
Prüfungsqualität
Primäres Ziel des Projektes ist nach Kaup
"die zuverlässige Ermittlung der 80% des heutigen Aufgabenkatalogs, die
den neuen Qualitätsanforderungen am ehesten entsprechen". Daneben werde
"die Entwicklung, Erprobung und Verfeinerung des Verfahrens für die
ständige Evaluation der Aufgaben und Paralleltests sowie eine
Vervollständigung des Aufgabenpools und der Aufbau von Prozesserfahrung
angestrebt".
Die Konditionen der PC-Prüfung
Im Weiteren informierte Kaup über die nach
Maßgabe des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg (UVM)
bei der Durchführung des Projektes einzuhaltenden Konditionen:
- Die Bewerber können zwischen PC- und
Papierprüfung wählen.
- Die Gebühr ist in beiden Fällen
identisch.
- Wer die PC-Prüfung nicht besteht, darf
am gleichen Tag die Prüfung auf Papier wiederholen. Dieser "Freischuss"
gilt jedoch nur, wenn die Prüfung am gleichen Tag wiederholt wird. Nimmt
ein Bewerber diese Möglichkeit nicht wahr, gilt für ihn die übliche
Wartefrist von zwei Wochen.
- Der "Freischuss" wird den Bewerbern nur
bei der ersten Prüfung zugestanden. Bei Wiederholungsprüfungen haben die
Bewerber zwar wiederum die Wahl zwischen PC und Papier, jedoch muss bei
Nichtbestehen in jedem Fall die in der FeV vorgesehene Wartezeit
eingehalten werden.
- Damit sich die Bewerber auf die
PC-Prüfung vorbereiten und leichter entscheiden können, stellt der TÜV
den Fahrschulen eine ausreichende Zahl von Demo-CDs zur Verfügung, mit
denen ihre Fahrschüler kostenlos üben können.
- Bei der namentlichen Anmeldung zur
Prüfung kennzeichnen die Fahrschulen die Bewerber, die sich für die
PC-Prüfung entschieden haben. Nur so ist die Zuteilung eines Platzes am
PC möglich und sichergestellt, dass die für die Prüfung erforderlichen
Daten im System bereit gestellt sind.
- Sollten sich für einen Termin mehr
Kunden für die PC-Prüfung entscheiden als Plätze zur Verfügung stehen,
können die überzähligen Bewerber ihre Prüfung entweder sofort auf Papier
oder beim nächsten Durchgang am PC ablegen.
- Für die Prüfung am PC stehen nur
deutschsprachige Bogen zur Verfügung. Fremdsprachige Bewerber müssen
ihre Prüfung weiterhin auf Papierbogen oder per Minidisk ablegen.
Die Crux steckt im Detail
In der anschließenden Diskussion wurde
deutlich, dass auch bei diesem Projekt die Schwierigkeiten vor allem im
Detail stecken. Weil aber keinem Führerscheinbewerber die PC-Prüfung
aufgezwungen wird, sollte es bei allseits gutem Willen für etwa
auftretende Probleme Lösungen geben. Freilich wird manche Fahrschule eine
Mehrbelastung in Kauf nehmen müssen, wenn ihr Kunde eine nicht bestandene
PC-Prüfung eine Stunde später auf Papier wiederholen will.
Zeitrahmen
Die PC-Arbeitsplätze wurden im Laufe des
Monats März installiert und ins Netz gestellt. Jetzt muss alles noch
getestet und die Mitarbeiter des TÜV mit dem System vertraut gemacht
werden. Deshalb wird das Projekt wohl erst in der zweiten Hälfte April
oder Anfang Mai starten. Das UVM hat jedenfalls entschieden, dass das
Projekt spätestens Ende Mai 2006 abgeschlossen sein muss. Anschließend
wird der TÜV einen Erfahrungsbericht erstellen und dem Ministerium
vorlegen.
Der Ausblick
In seiner Einleitung hatte TP-Leiter Kaup
darauf hingewiesen, dass in anderen europäischen Staaten Prüfungen am PC
heute bereits Realität sind. Dabei werden zum Thema Gefahrenabwehr auch
Videosequenzen eingesetzt. Verbandsvorsitzender Tschöpe wies auf diese
Entwicklungen hin und machte deutlich, dass eine Prüfung am PC wenig
Fortschritt bedeutete, wenn lediglich die heute verwendeten Prüfungsfragen
1:1 auf den PC übertragen würden. Er sei sicher, dass die Prüfung am PC,
wenn sie denn einmal die Papierprüfung ersetzen sollte, auch eine neue
Qualität der Prüfungsaufgaben bringen werde. Dies werde dann aber mit
Sicherheit auch Auswirkungen auf die Ausstattung der Fahrschulen und die
Ausbildung haben.
Kosten
Die anwesenden Kolleginnen und Kollegen
erkannten, dass die skizzierte Entwicklung die Fahrschulen zu
Neuinvestitionen zwingen wird. Eine Kollegin erhoffte sich zumindest bei
der Anschaffung der Geräte eine Erleichterung, wenn TÜV und Fahrschulen
den Einkauf in Sammelbestellung tätigten.
Demo-CD
Abschließend erläuterte Herr Frey,
Nachfolger von Herrn Madeia und bei der TP-Leitung der für den Ablauf der
Prüfungen verantwortliche Mitarbeiter, anhand der Demo-CD das
Prüfungsverfahren.
Die FahrSchulPraxis wird laufend über die
Erfahrungen mit dem Projekt berichten.
Pjt |