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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe April/2005, Seite 178

Weg vom Papier?

TÜV erprobt Theorieprüfung am PC

 

In der März-Ausgabe 2000 dieser Zeitschrift kündigten wir an, der Leiter der Technischen Prüfstelle werde auf der Mitgliederversammlung in Ludwigsburg ein elektronisches Prüfverfahren vorstellen. Ein gutes Jahr später meldeten wir, der TÜV biete in Stuttgart und an drei weiteren Prüfstellen versuchsweise die Möglichkeit, die Theorie-Prüfung am PC abzulegen.

Inzwischen sind vier Jahre ins Land gegangen, während deren von dem Versuch, jedenfalls öffentlich, nichts mehr zu hören gewesen ist. Jüngst nun hatte die TÜV-Niederlassung Filderstadt die Fahrschulen ihres Bereichs für den 14. März eingeladen, um das sog. "Revisionsprojekt PC-Prüfung" vorzustellen. Dass alle eingeladenen Fahrschulen kamen, lässt auf großes Interesse schließen. Schließlich geht es ja um den ersten Schritt zur Abschaffung der Papierprüfung. TP-Leiter Kaup ging in seiner Begrüßung kurz auf die Vorgeschichte des Projektes ein und nannte die Ziele, die mit dem Projekt verfolgt werden.

Prüfungsqualität

Primäres Ziel des Projektes ist nach Kaup "die zuverlässige Ermittlung der 80% des heutigen Aufgabenkatalogs, die den neuen Qualitätsanforderungen am ehesten entsprechen". Daneben werde "die Entwicklung, Erprobung und Verfeinerung des Verfahrens für die ständige Evaluation der Aufgaben und Paralleltests sowie eine Vervollständigung des Aufgabenpools und der Aufbau von Prozesserfahrung angestrebt".

Die Konditionen der PC-Prüfung

Im Weiteren informierte Kaup über die nach Maßgabe des Ministeriums für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg (UVM) bei der Durchführung des Projektes einzuhaltenden Konditionen:

  1. Die Bewerber können zwischen PC- und Papierprüfung wählen.
  2. Die Gebühr ist in beiden Fällen identisch.
  3. Wer die PC-Prüfung nicht besteht, darf am gleichen Tag die Prüfung auf Papier wiederholen. Dieser "Freischuss" gilt jedoch nur, wenn die Prüfung am gleichen Tag wiederholt wird. Nimmt ein Bewerber diese Möglichkeit nicht wahr, gilt für ihn die übliche Wartefrist von zwei Wochen.
  4. Der "Freischuss" wird den Bewerbern nur bei der ersten Prüfung zugestanden. Bei Wiederholungsprüfungen haben die Bewerber zwar wiederum die Wahl zwischen PC und Papier, jedoch muss bei Nichtbestehen in jedem Fall die in der FeV vorgesehene Wartezeit eingehalten werden.
  5. Damit sich die Bewerber auf die PC-Prüfung vorbereiten und leichter entscheiden können, stellt der TÜV den Fahrschulen eine ausreichende Zahl von Demo-CDs zur Verfügung, mit denen ihre Fahrschüler kostenlos üben können.
  6. Bei der namentlichen Anmeldung zur Prüfung kennzeichnen die Fahrschulen die Bewerber, die sich für die PC-Prüfung entschieden haben. Nur so ist die Zuteilung eines Platzes am PC möglich und sichergestellt, dass die für die Prüfung erforderlichen Daten im System bereit gestellt sind.
  7. Sollten sich für einen Termin mehr Kunden für die PC-Prüfung entscheiden als Plätze zur Verfügung stehen, können die überzähligen Bewerber ihre Prüfung entweder sofort auf Papier oder beim nächsten Durchgang am PC ablegen.
  8. Für die Prüfung am PC stehen nur deutschsprachige Bogen zur Verfügung. Fremdsprachige Bewerber müssen ihre Prüfung weiterhin auf Papierbogen oder per Minidisk ablegen.

Die Crux steckt im Detail

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass auch bei diesem Projekt die Schwierigkeiten vor allem im Detail stecken. Weil aber keinem Führerscheinbewerber die PC-Prüfung aufgezwungen wird, sollte es bei allseits gutem Willen für etwa auftretende Probleme Lösungen geben. Freilich wird manche Fahrschule eine Mehrbelastung in Kauf nehmen müssen, wenn ihr Kunde eine nicht bestandene PC-Prüfung eine Stunde später auf Papier wiederholen will.

Zeitrahmen

Die PC-Arbeitsplätze wurden im Laufe des Monats März installiert und ins Netz gestellt. Jetzt muss alles noch getestet und die Mitarbeiter des TÜV mit dem System vertraut gemacht werden. Deshalb wird das Projekt wohl erst in der zweiten Hälfte April oder Anfang Mai starten. Das UVM hat jedenfalls entschieden, dass das Projekt spätestens Ende Mai 2006 abgeschlossen sein muss. Anschließend wird der TÜV einen Erfahrungsbericht erstellen und dem Ministerium vorlegen.

Der Ausblick

In seiner Einleitung hatte TP-Leiter Kaup darauf hingewiesen, dass in anderen europäischen Staaten Prüfungen am PC heute bereits Realität sind. Dabei werden zum Thema Gefahrenabwehr auch Videosequenzen eingesetzt. Verbandsvorsitzender Tschöpe wies auf diese Entwicklungen hin und machte deutlich, dass eine Prüfung am PC wenig Fortschritt bedeutete, wenn lediglich die heute verwendeten Prüfungsfragen 1:1 auf den PC übertragen würden. Er sei sicher, dass die Prüfung am PC, wenn sie denn einmal die Papierprüfung ersetzen sollte, auch eine neue Qualität der Prüfungsaufgaben bringen werde. Dies werde dann aber mit Sicherheit auch Auswirkungen auf die Ausstattung der Fahrschulen und die Ausbildung haben.

Kosten

Die anwesenden Kolleginnen und Kollegen erkannten, dass die skizzierte Entwicklung die Fahrschulen zu Neuinvestitionen zwingen wird. Eine Kollegin erhoffte sich zumindest bei der Anschaffung der Geräte eine Erleichterung, wenn TÜV und Fahrschulen den Einkauf in Sammelbestellung tätigten.

Demo-CD

Abschließend erläuterte Herr Frey, Nachfolger von Herrn Madeia und bei der TP-Leitung der für den Ablauf der Prüfungen verantwortliche Mitarbeiter, anhand der Demo-CD das Prüfungsverfahren.

Die FahrSchulPraxis wird laufend über die Erfahrungen mit dem Projekt berichten.

Pjt

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe April 2005

Erscheinungsdatum 15.04.2005

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