|
FPX: Herr Borosch, wie
sieht es in Deutschland mit der Altersvorsorge aus?
Borosch: Altersvorsorge heißt
vor allem Absicherung des Lebensabends, der heute erfreulicherweise viel
länger dauert als etwa noch vor zwei Generationen. Männer, die heute 65
sind, werden im Durchschnitt 86 Jahre, Frauen sogar 89 Jahre alt.
Politische Fehler der Vergangenheit, Geburtenrückgang und eben die
Langlebigkeit haben das umlagefinanzierte Rentensystem in Schieflage
gebracht. Deshalb stellt sich heute für jeden Einzelnen die drängende
Frage: Was muss ich jetzt tun, um in meinem 20, 25 oder mehr Jahre
währenden Ruhestand gut leben zu können?
FPX: Wie ernst ist die
Situation?
Borosch: Die Reformen der
letzten Jahre und das Alterseinkünftegesetz führen zu deutlichen
Abschlägen bei der gesetzlichen Rente. Die in der Renteninformation
ausgewiesene Rente ist häufig um Abschläge für Steuern oder Beiträge an
Kranken- und Pflegeversicherungen zu kürzen. Auch ist in diese
Informationen der sog. Nachhaltigkeitsfaktor nicht einbezogen. Neuesten
Untersuchungen zufolge werden in Deutschland fast 60 Prozent aller
Haushalte die entstehende Rentenlücke nicht füllen können. Somit wird das
Thema Altersarmut an Bedeutung gewinnen. Auch selbstständige Fahrlehrer
sind davon bedroht.
FPX: Warum selbstständige
Fahrlehrer?
Borosch: Ein Fahrlehrer, der
30 Jahre lang bei der BfA den Regelbeitrag von zurzeit monatlich 470 Euro
einbezahlt hat, erwirbt einen Rentenanspruch von heute 580 Euro brutto.
Aber der Großteil der selbstständigen Fahrlehrer hat gar nicht so lange
einbezahlt, sondern ist irgendwann aus der gesetzlichen
Rentenversicherungspflicht ausgeschieden. Dies bedeutet geringe
Versicherungszeiten und hat niedrigere Beiträge zur Folge. Somit sind
gesetzliche Rentenansprüche von monatlich 300 Euro und weniger die Regel.
FPX: Welche Folgerungen
ergeben sich daraus?
Borosch: Notwendig ist eine
private Altersvorsorge, die eine lebenslange monatliche Rente sichert.
Diese Rente fällt nicht vom Himmel. Wer lebenslang monatlich 500 Euro
Rente haben will, benötigt dafür ein werthaltiges Kapital von 100.000
Euro, egal, ob in Fonds, Aktien oder sonstigen Kapitalanlagen. Andere
Zahlen sind Schönfärberei. Ein solches Kapital kann aber nur mit äußerster
Spardisziplin in Form monatlich fester Beträge aufgebracht werden. Dem
Spargedanken stehen viele Versuchungen entgegen. Ein schickes neues Auto
oder ein heißes Motorrad sind Verlockungen, die gerade Fahrlehrern nicht
ganz fremd sind. Da ist dann oft Verzicht zugunsten der späteren Rente
angesagt.
FPX: Welche Überlegungen muss
man anstellen?
Borosch: Zunächst muss man
sich über den eigenen Lebensstandard klar werden. Welches Einkommen steht
uns heute zur Verfügung? Was leisten wir uns? Wie viel Geld brauchen wir
heute für das tägliche Leben? Welches Einkommen werden wir mit 60 oder 65
haben? Ergibt sich hierbei für das Alter eine finanzielle Lücke, ist
Sparen für die Altersvorsoge unumgänglich. Dabei sollte man auch in
Betracht ziehen, dass selbst bei einer geringen jährlichen Inflationsrate
von zwei Prozent (für die es aber keine Gewähr gibt!) der Geldwert im
Verlaufe von 10 Jahren um 20 Prozent abnimmt. Freilich, für sich selbst
die geeignete Sparform zu finden, ist oft sehr schwierig. Man sollte
deshalb unbedingt einen Fachmann zuziehen.
FPX: Stichwort Fachmann, was
kann der besser?
Borosch: Viele Wege führen
nach Rom, sagt man. Manche führen aber auch in ein rechtliches oder
steuerliches Dickicht oder in unabschätzbare Risiken oder sogar in ein
verlustreiches Abseits. Ein vom seriösen Fachmann erstelltes Konzept
berücksichtigt Lage und Aussichten des Kapitalmarktes ebenso wie aktuelle
staatliche Fördermöglichkeiten und stellt diese in Beziehung zur Situation
in 20, 30 oder 40 Jahren. Anhand dieser Fakten kann man dann auch als
finanztechnischer Laie leichter entscheiden, welchen Weg man gehen will.
Pauschale Angebote sind keine Lösung, da sie der individuellen Situation
des Einzelnen nicht gerecht werden.
FPX: Können Sie hierzu ein
Beispiel bilden?
Borosch: Bei der Auswahl der
Sparform sind auch Begleitumstände zu berücksichtigen. Wenn ein Fahrlehrer
z.B. freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist,
unterliegen alle seine Einkünfte der Beitragspflicht. Angenommen, er
erhält im Ruhe- stand eine gesetzliche Rente von monatlich 300 Euro, dazu
Zinsen aus Kapital von 300 Euro, weiterhin Mieteinkünfte von 500 Euro und
eine private Rente von 500 Euro, so addiert sich das zu 1.600 Euro
beitragspflichtigem Einkommen. Bei einem Beitragssatz von 15 Prozent macht
das pro Monat 240 Euro, die erst mal weg sind und für den Lebensunterhalt
nicht zur Verfügung stehen.
FPX: Was droht dem Fahrlehrer
ohne private Vorsorge?
Borosch: Wer nicht zusätzlich
privat vorsorgt, hat in der Regel ein sehr niedriges Alterseinkommen,
sodass die gesetzliche Grundsicherung einspringen muss. Allerdings nur,
wenn echte Bedürftigkeit nachgewiesen werden kann. In Baden-Württemberg
ist der Regelsatz für einen Ledigen 345 Euro im Monat. Hierzu wird noch
ein Wohn- und Heizkostenzuschuss in Höhe von 300 Euro gewährt.
FPX: Muss der bedürftige
Rentner davon seinen gesamten Lebensunterhalt bestreiten?
Borosch: Wie gesagt, die
Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden. Die Prüfung erfasst jede Art von
finanziellen Reserven der Betroffenen. Auch etwa vorhandenes Wohneigentum
wird herangezogen. Im Zweifel muss dieses veräußert werden, bevor der
Staat einspringt. Erst wenn alle verfügbaren Reserven aufgebraucht sind,
greift die gesetzliche Grundsicherung, die als ein Instrument zur
Bekämpfung der sog. „verschämten Altersarmut“ eingeführt wurde.
FPX: Gibt es weitere Risiken?
Borosch: Wir alle bestreiten
unseren Lebensunterhalt aus einem regelmäßigen Einkommen. Dieses
resultiert aus unserer Arbeitsleistung. Wird man wegen Krankheit oder
Unfall über längere Zeit oder gar dauerhaft leistungsunfähig, sind die
finanziellen Folgen oft dramatisch. Die Rücklagen werden aufgebraucht, das
Eigenheim wird versteigert, man steht vor dem Nichts, landet in der
Sozialhilfe.
FPX: Wie kann sich der
Fahrlehrer davor schützen?
Borosch: Die tägliche
Berufsarbeit des Fahrlehrers verlangt diesem sowohl psychisch als auch
körperlich eine Menge ab. Betrachtet man die Statistiken, so unterliegt
der Fahrlehrer einem höheren Risiko als andere Berufe. Erkrankungen des
Bewegungsapparates (32%), Herz- / Gefäßerkrankungen (16%) sowie
Unfallfolgen (14%) sind die häufigsten Ursachen für den dauerhaften
Verlust der Arbeitskraft. Die Berufsgenossenschaft hilft hier nur in
begrenztem Umfang. Ein vollständiger Versicherungsschutz ist auf privatem
Wege mit einer Kombination aus Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung
möglich. Für vorübergehende Arbeitsunfähigkeit sollte eine ordentliche
Krankenversicherung abgeschlossen sein.
FPX: Was heißt ordentliche
Krankenversicherung?
Borosch: Die notwendige
finanzielle Sicherung gegen Einkommensausfall durch Krankheit erfolgt über
eine separate Krankentagegeldversicherung. Ist man als Selbstständiger
freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, muss man den so
genannten erhöhten Beitragssatz bezahlen. Dafür erhält man im
Krankheitsfalle in der Regel ab der 4. Woche 70 Prozent des Einkommens,
nach dem sich der Beitrag bemisst. Diese Leistung gibt es längstens für 18
Monate. Danach wird der Versicherte „ausgesteuert“, also die Zahlung
eingestellt. Bei der privaten Krankenversicherung ist das Krankentagegeld
ebenfalls gesondert abzuschließen. Die Höhe der Leistung pro Krankheitstag
bemisst sich an 100 Prozent des Einkommens zzgl. der Versicherungsbeiträge
für die Lebensrisiken.
FPX: Was ist noch wichtig?
Borosch: Der selbstständige
Fahrlehrer kann wählen, ob er sich gesetzlich oder privat
krankenversichert. Hier gilt, wie bei der Altersvorsorge, dass eine
pauschale Aussage nicht getroffen werden kann. Maßgebend sind wiederum die
individuellen Kriterien, als da sind Alter, Familienstand,
Gesundheitszustand, Bereitschaft zum Selbstbehalt usw. Einmal mehr ist der
Fachmann gefragt, um den optimalen Versicherungsschutz gegen Krankheit zu
erzielen.
FPX: Wie gehen Sie als
Fachmann vor?
Borosch: Ganz kurz in
Stichworten: Erfassen, Bewerten, Lösungen entwickeln und vergleichen. Und
zwar ganz nach den Bedürfnissen, Wünschen und Zielen der Fahrlehrer und
ihrer Familien.
FPX: Welche Schwerpunkte
setzen Sie dabei?
Borosch: Ausgehend von heute,
richten wir den Blick auf morgen. Familien haben namentlich auch das Wohl
ihrer Kinder im Blick, wozu eine gute Ausbildung gehört. Fahrlehrer sehen
in der Sicherung der erreichten finanziellen Unabhängigkeit ein wichtiges
Ziel. Auch steht die Nutzung von Chancen zum Vermögensaufbau im
Vordergrund. Ein großer Urlaub oder ein neuer Anstrich fürs Eigenheim
fallen leichter, wenn Sicherheit und Rendite der Kapitalanlage in einem
günstigen Verhältnis stehen.
FPX: Haben Sie abschließend
noch einen Tipp?
Borosch: Altersvorsorge lohnt
sich für fast jeden. Nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Leute,
die in Kürze den Ruhestand genießen wollen, gibt es tolle steuerliche
Möglichkeiten. So kann ein 60-Jähriger eine lebenslange monatliche
Altersrente von garantiert 250,- Euro zzgl. nicht garantierter
Überschussrenten von 70 Euro zu einem knappen Fünftel über den Staat
finanzieren. Wenn er eine Basisrente wählt, zahlt er jährlich 10.000 Euro
ein, insgesamt also 50.000 Euro, und erhält insgesamt 9.720 Euro an
Steuern (Grundtabelle 2005 ab einem Jahresgewinn von 25.000 Euro) zurück.
Sein tatsächlicher Aufwand beträgt also lediglich 40.280 Euro. Das ist
doch eine tolle Rendite. Ob Basisrente, Riesterrente, Pensionskasse oder
Direktversicherung, noch nie gab es so viele steuerliche Vorteile beim
Aufbau der Altersvorsorge.
FPX: Herr Borosch, wir danken
Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch. |