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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Oktober/2005, Seite 542

Das wichtige Gespräch

Heute mit Toni Borosch, Lebensversicherungsbeauftragter der Fahrlehrerversicherung VaG, zum Thema

Altersvorsorge für Fahrlehrer

 

FPX: Herr Borosch, wie sieht es in Deutschland mit der Altersvorsorge aus?

Borosch: Altersvorsorge heißt vor allem Absicherung des Lebensabends, der heute erfreulicherweise viel länger dauert als etwa noch vor zwei Generationen. Männer, die heute 65 sind, werden im Durchschnitt 86 Jahre, Frauen sogar 89 Jahre alt. Politische Fehler der Vergangenheit, Geburtenrückgang und eben die Langlebigkeit haben das umlagefinanzierte Rentensystem in Schieflage gebracht. Deshalb stellt sich heute für jeden Einzelnen die drängende Frage: Was muss ich jetzt tun, um in meinem 20, 25 oder mehr Jahre währenden Ruhestand gut leben zu können?

FPX: Wie ernst ist die Situation?

Borosch: Die Reformen der letzten Jahre und das Alterseinkünftegesetz führen zu deutlichen Abschlägen bei der gesetzlichen Rente. Die in der Renteninformation ausgewiesene Rente ist häufig um Abschläge für Steuern oder Beiträge an Kranken- und Pflegeversicherungen zu kürzen. Auch ist in diese Informationen der sog. Nachhaltigkeitsfaktor nicht einbezogen. Neuesten Untersuchungen zufolge werden in Deutschland fast 60 Prozent aller Haushalte die entstehende Rentenlücke nicht füllen können. Somit wird das Thema Altersarmut an Bedeutung gewinnen. Auch selbstständige Fahrlehrer sind davon bedroht.

FPX: Warum selbstständige Fahrlehrer?

Borosch: Ein Fahrlehrer, der 30 Jahre lang bei der BfA den Regelbeitrag von zurzeit monatlich 470 Euro einbezahlt hat, erwirbt einen Rentenanspruch von heute 580 Euro brutto. Aber der Großteil der selbstständigen Fahrlehrer hat gar nicht so lange einbezahlt, sondern ist irgendwann aus der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht ausgeschieden. Dies bedeutet geringe Versicherungszeiten und hat niedrigere Beiträge zur Folge. Somit sind gesetzliche Rentenansprüche von monatlich 300 Euro und weniger die Regel.

FPX: Welche Folgerungen ergeben sich daraus?

Borosch: Notwendig ist eine private Altersvorsorge, die eine lebenslange monatliche Rente sichert. Diese Rente fällt nicht vom Himmel. Wer lebenslang monatlich 500 Euro Rente haben will, benötigt dafür ein werthaltiges Kapital von 100.000 Euro, egal, ob in Fonds, Aktien oder sonstigen Kapitalanlagen. Andere Zahlen sind Schönfärberei. Ein solches Kapital kann aber nur mit äußerster Spardisziplin in Form monatlich fester Beträge aufgebracht werden. Dem Spargedanken stehen viele Versuchungen entgegen. Ein schickes neues Auto oder ein heißes Motorrad sind Verlockungen, die gerade Fahrlehrern nicht ganz fremd sind. Da ist dann oft Verzicht zugunsten der späteren Rente angesagt.

FPX: Welche Überlegungen muss man anstellen?

Borosch: Zunächst muss man sich über den eigenen Lebensstandard klar werden. Welches Einkommen steht uns heute zur Verfügung? Was leisten wir uns? Wie viel Geld brauchen wir heute für das tägliche Leben? Welches Einkommen werden wir mit 60 oder 65 haben? Ergibt sich hierbei für das Alter eine finanzielle Lücke, ist Sparen für die Altersvorsoge unumgänglich. Dabei sollte man auch in Betracht ziehen, dass selbst bei einer geringen jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent (für die es aber keine Gewähr gibt!) der Geldwert im Verlaufe von 10 Jahren um 20 Prozent abnimmt. Freilich, für sich selbst die geeignete Sparform zu finden, ist oft sehr schwierig. Man sollte deshalb unbedingt einen Fachmann zuziehen.

FPX: Stichwort Fachmann, was kann der besser?

Borosch: Viele Wege führen nach Rom, sagt man. Manche führen aber auch in ein rechtliches oder steuerliches Dickicht oder in unabschätzbare Risiken oder sogar in ein verlustreiches Abseits. Ein vom seriösen Fachmann erstelltes Konzept berücksichtigt Lage und Aussichten des Kapitalmarktes ebenso wie aktuelle staatliche Fördermöglichkeiten und stellt diese in Beziehung zur Situation in 20, 30 oder 40 Jahren. Anhand dieser Fakten kann man dann auch als finanztechnischer Laie leichter entscheiden, welchen Weg man gehen will. Pauschale Angebote sind keine Lösung, da sie der individuellen Situation des Einzelnen nicht gerecht werden.

FPX: Können Sie hierzu ein Beispiel bilden?

Borosch: Bei der Auswahl der Sparform sind auch Begleitumstände zu berücksichtigen. Wenn ein Fahrlehrer z.B. freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, unterliegen alle seine Einkünfte der Beitragspflicht. Angenommen, er erhält im Ruhe- stand eine gesetzliche Rente von monatlich 300 Euro, dazu Zinsen aus Kapital von 300 Euro, weiterhin Mieteinkünfte von 500 Euro und eine private Rente von 500 Euro, so addiert sich das zu 1.600 Euro beitragspflichtigem Einkommen. Bei einem Beitragssatz von 15 Prozent macht das pro Monat 240 Euro, die erst mal weg sind und für den Lebensunterhalt nicht zur Verfügung stehen.

FPX: Was droht dem Fahrlehrer ohne private Vorsorge?

Borosch: Wer nicht zusätzlich privat vorsorgt, hat in der Regel ein sehr niedriges Alterseinkommen, sodass die gesetzliche Grundsicherung einspringen muss. Allerdings nur, wenn echte Bedürftigkeit nachgewiesen werden kann. In Baden-Württemberg ist der Regelsatz für einen Ledigen 345 Euro im Monat. Hierzu wird noch ein Wohn- und Heizkostenzuschuss in Höhe von 300 Euro gewährt.

FPX: Muss der bedürftige Rentner davon seinen gesamten Lebensunterhalt bestreiten?

Borosch: Wie gesagt, die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden. Die Prüfung erfasst jede Art von finanziellen Reserven der Betroffenen. Auch etwa vorhandenes Wohneigentum wird herangezogen. Im Zweifel muss dieses veräußert werden, bevor der Staat einspringt. Erst wenn alle verfügbaren Reserven aufgebraucht sind, greift die gesetzliche Grundsicherung, die als ein Instrument zur Bekämpfung der sog. „verschämten Altersarmut“ eingeführt wurde.

FPX: Gibt es weitere Risiken?

Borosch: Wir alle bestreiten unseren Lebensunterhalt aus einem regelmäßigen Einkommen. Dieses resultiert aus unserer Arbeitsleistung. Wird man wegen Krankheit oder Unfall über längere Zeit oder gar dauerhaft leistungsunfähig, sind die finanziellen Folgen oft dramatisch. Die Rücklagen werden aufgebraucht, das Eigenheim wird versteigert, man steht vor dem Nichts, landet in der Sozialhilfe.

FPX: Wie kann sich der Fahrlehrer davor schützen?

Borosch: Die tägliche Berufsarbeit des Fahrlehrers verlangt diesem sowohl psychisch als auch körperlich eine Menge ab. Betrachtet man die Statistiken, so unterliegt der Fahrlehrer einem höheren Risiko als andere Berufe. Erkrankungen des Bewegungsapparates (32%), Herz- / Gefäßerkrankungen (16%) sowie Unfallfolgen (14%) sind die häufigsten Ursachen für den dauerhaften Verlust der Arbeitskraft. Die Berufsgenossenschaft hilft hier nur in begrenztem Umfang. Ein vollständiger Versicherungsschutz ist auf privatem Wege mit einer Kombination aus Unfall- und Berufsunfähigkeitsversicherung möglich. Für vorübergehende Arbeitsunfähigkeit sollte eine ordentliche Krankenversicherung abgeschlossen sein.

FPX: Was heißt ordentliche Krankenversicherung?

Borosch: Die notwendige finanzielle Sicherung gegen Einkommensausfall durch Krankheit erfolgt über eine separate Krankentagegeldversicherung. Ist man als Selbstständiger freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse, muss man den so genannten erhöhten Beitragssatz bezahlen. Dafür erhält man im Krankheitsfalle in der Regel ab der 4. Woche 70 Prozent des Einkommens, nach dem sich der Beitrag bemisst. Diese Leistung gibt es längstens für 18 Monate. Danach wird der Versicherte „ausgesteuert“, also die Zahlung eingestellt. Bei der privaten Krankenversicherung ist das Krankentagegeld ebenfalls gesondert abzuschließen. Die Höhe der Leistung pro Krankheitstag bemisst sich an 100 Prozent des Einkommens zzgl. der Versicherungsbeiträge für die Lebensrisiken.

FPX: Was ist noch wichtig?

Borosch: Der selbstständige Fahrlehrer kann wählen, ob er sich gesetzlich oder privat krankenversichert. Hier gilt, wie bei der Altersvorsorge, dass eine pauschale Aussage nicht getroffen werden kann. Maßgebend sind wiederum die individuellen Kriterien, als da sind Alter, Familienstand, Gesundheitszustand, Bereitschaft zum Selbstbehalt usw. Einmal mehr ist der Fachmann gefragt, um den optimalen Versicherungsschutz gegen Krankheit zu erzielen.

FPX: Wie gehen Sie als Fachmann vor?

Borosch: Ganz kurz in Stichworten: Erfassen, Bewerten, Lösungen entwickeln und vergleichen. Und zwar ganz nach den Bedürfnissen, Wünschen und Zielen der Fahrlehrer und ihrer Familien.

FPX: Welche Schwerpunkte setzen Sie dabei?

Borosch: Ausgehend von heute, richten wir den Blick auf morgen. Familien haben namentlich auch das Wohl ihrer Kinder im Blick, wozu eine gute Ausbildung gehört. Fahrlehrer sehen in der Sicherung der erreichten finanziellen Unabhängigkeit ein wichtiges Ziel. Auch steht die Nutzung von Chancen zum Vermögensaufbau im Vordergrund. Ein großer Urlaub oder ein neuer Anstrich fürs Eigenheim fallen leichter, wenn Sicherheit und Rendite der Kapitalanlage in einem günstigen Verhältnis stehen.

FPX: Haben Sie abschließend noch einen Tipp?

Borosch: Altersvorsorge lohnt sich für fast jeden. Nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Leute, die in Kürze den Ruhestand genießen wollen, gibt es tolle steuerliche Möglichkeiten. So kann ein 60-Jähriger eine lebenslange monatliche Altersrente von garantiert 250,- Euro zzgl. nicht garantierter Überschussrenten von 70 Euro zu einem knappen Fünftel über den Staat finanzieren. Wenn er eine Basisrente wählt, zahlt er jährlich 10.000 Euro ein, insgesamt also 50.000 Euro, und erhält insgesamt 9.720 Euro an Steuern (Grundtabelle 2005 ab einem Jahresgewinn von 25.000 Euro) zurück. Sein tatsächlicher Aufwand beträgt also lediglich 40.280 Euro. Das ist doch eine tolle Rendite. Ob Basisrente, Riesterrente, Pensionskasse oder Direktversicherung, noch nie gab es so viele steuerliche Vorteile beim Aufbau der Altersvorsorge.

FPX: Herr Borosch, wir danken Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Oktober 2005

Erscheinungsdatum 15.10.2005

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