|
Das Interesse am Motorrad verlief schon
immer in auf- und absteigenden Linien. In den ersten 10 Jahren nach dem 2.
Weltkrieg war es in Europa das populärste Motorfahrzeug für individuelle
Fortbewegung. Kaum ging es den Menschen etwas besser, tauschten es viele
gegen ein „Dach über dem Kopf“, Goggomobil, Isetta oder wie die Miniautos
noch hießen, ein. Erst als Mitte der 70er Jahre die Easy-Rider-Welle den
alten Kontinent erreichte, war das Motorrad auch hierzulande bald wieder
in.
Ende der 80er Jahre erfuhr der Motorradboom
seinen einstweiligen Höhepunkt. Auf hohem Niveau ging’s in die Neunziger,
aber dann kam die typische Stagnation der Sättigung, und seit einigen
Jahren lässt das Interesse am Motorrad, namentlich bei den Jungen,
merklich nach. Wenn nun die Industrielobby meint, im „teuren“ Führerschein
den Schuldigen für den nachlassenden Enthusiasmus gefunden zu haben, ist
dies nichts als billige Selbsttäuschung. Wer Motorradfahren cool findet,
will es und tut es, da ist der Führerschein die geringste Hürde.
Panta rei – alles fließt
Die Gesellschaften wandeln sich immerzu,
panta rei – alles fließt. Die Handy-Generation von 2005 ist nicht mehr die
Jugend von 1985. Die Vorlieben sind andere, man darf dabei ruhig auch von
Modeerscheinungen sprechen. Wenn man heute auf Motorradtreffs fast mehr
Grau- und Glatzköpfe als Blondschöpfe sieht, macht dies den momentanen
Trend deutlich. Noch vor wenigen Jahren fanden auch viele Girls das
Motorrad richtig hip. Das hat manchen Burschen motiviert, selbst auch
Biker zu werden. Doch auch bei der weiblichen Jugend scheinen die
schnellen Maschinen neuerdings etwas von ihrem Reiz zu verlieren.
Versäumnisse der Hersteller
Überdies hat es die Motorradindustrie in
den letzten Jahren versäumt, attraktive Einsteigermodelle zu entwickeln.
Im Wesentlichen ging es in Richtung gehobene Preisklasse. Jetzt ist der
Jammer groß, und man versucht, den 18-Jährigen mit teilweise fatalen Ideen
das Motorrad schmackhaft zu machen. Weil es in den 70er und 80er Jahren
für die meisten Führerscheininteressenten üblich war, den
Motorradführerschein beim Erwerb des Autoführerscheins „nebenher
mitzunehmen“, glauben manche Marketingstrategen der Motorradindustrie, das
könne auf breiter Front so wiederholt werden. Daraus entsteht dann die
gedankenlose, ja fahrlässige Forderung, die Ausbildung müsse billiger
werden. Billiger kann in diesem Fall nur weniger Fahrstunden bedeuten, und
dies wäre ein verhängnisvoller Rückschritt. Lobbyisten, die das wollen,
sägen am eigenen Ast. Denn eine Zunahme der Motorradunfälle – und das wäre
die Folge - würde der gesellschaftlichen Akzeptanz des Motorrads
erheblichen Schaden zufügen.
Honda zeigt den Weg
Doch nicht alle Hersteller begeben sich auf
diesen verhängnisvollen Pfad. Honda bietet Motorradfahrschülern einen
Zuschuss zu den Ausbildungskosten in Höhe von 1.000 Euro, sofern der
Interessent eine Honda FMX 650 bestellt. Zugleich bietet Honda eine
Null-Prozent-Finanzierung für den Kauf dieser Maschine. Bei einer
Kreditlaufzeit von 60 Monaten beträgt die monatliche Belastung 96,50 Euro.
Allerdings bedeutet dies auch, dass das Motorrad 5 Jahre alt wird, bevor
es abbezahlt ist. Die zunächst zeitlich befristete Aktion ist inzwischen
unbegrenzt gültig. Motorradaspiranten sollten sich nicht nur bei Honda,
sondern auch bei anderen Marken informieren. So bietet zum Beispiel auch
BMW interessante Einsteigerpakete. Was momentan Mode oder auch nicht Mode
ist, kann schon morgen Vergangenheit sein. Auf längere Sicht wird – sofern
auch künftig Besonnenheit die Oberhand behält - das Motorrad einen festen
Platz unter den Mobilitätswünschen der jungen Leute haben. Wie gesagt:
panta rei ... |