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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Oktober/2005, Seite 547

Nachlassendes Interesse am Motorrad

Liegt es an den Ausbildungskosten?

 

Das Interesse am Motorrad verlief schon immer in auf- und absteigenden Linien. In den ersten 10 Jahren nach dem 2. Weltkrieg war es in Europa das populärste Motorfahrzeug für individuelle Fortbewegung. Kaum ging es den Menschen etwas besser, tauschten es viele gegen ein „Dach über dem Kopf“, Goggomobil, Isetta oder wie die Miniautos noch hießen, ein. Erst als Mitte der 70er Jahre die Easy-Rider-Welle den alten Kontinent erreichte, war das Motorrad auch hierzulande bald wieder in.

Ende der 80er Jahre erfuhr der Motorradboom seinen einstweiligen Höhepunkt. Auf hohem Niveau ging’s in die Neunziger, aber dann kam die typische Stagnation der Sättigung, und seit einigen Jahren lässt das Interesse am Motorrad, namentlich bei den Jungen, merklich nach. Wenn nun die Industrielobby meint, im „teuren“ Führerschein den Schuldigen für den nachlassenden Enthusiasmus gefunden zu haben, ist dies nichts als billige Selbsttäuschung. Wer Motorradfahren cool findet, will es und tut es, da ist der Führerschein die geringste Hürde.

Panta rei – alles fließt

Die Gesellschaften wandeln sich immerzu, panta rei – alles fließt. Die Handy-Generation von 2005 ist nicht mehr die Jugend von 1985. Die Vorlieben sind andere, man darf dabei ruhig auch von Modeerscheinungen sprechen. Wenn man heute auf Motorradtreffs fast mehr Grau- und Glatzköpfe als Blondschöpfe sieht, macht dies den momentanen Trend deutlich. Noch vor wenigen Jahren fanden auch viele Girls das Motorrad richtig hip. Das hat manchen Burschen motiviert, selbst auch Biker zu werden. Doch auch bei der weiblichen Jugend scheinen die schnellen Maschinen neuerdings etwas von ihrem Reiz zu verlieren.

Versäumnisse der Hersteller

Überdies hat es die Motorradindustrie in den letzten Jahren versäumt, attraktive Einsteigermodelle zu entwickeln. Im Wesentlichen ging es in Richtung gehobene Preisklasse. Jetzt ist der Jammer groß, und man versucht, den 18-Jährigen mit teilweise fatalen Ideen das Motorrad schmackhaft zu machen. Weil es in den 70er und 80er Jahren für die meisten Führerscheininteressenten üblich war, den Motorradführerschein beim Erwerb des Autoführerscheins „nebenher mitzunehmen“, glauben manche Marketingstrategen der Motorradindustrie, das könne auf breiter Front so wiederholt werden. Daraus entsteht dann die gedankenlose, ja fahrlässige Forderung, die Ausbildung müsse billiger werden. Billiger kann in diesem Fall nur weniger Fahrstunden bedeuten, und dies wäre ein verhängnisvoller Rückschritt. Lobbyisten, die das wollen, sägen am eigenen Ast. Denn eine Zunahme der Motorradunfälle – und das wäre die Folge - würde der gesellschaftlichen Akzeptanz des Motorrads erheblichen Schaden zufügen.

Honda zeigt den Weg

Doch nicht alle Hersteller begeben sich auf diesen verhängnisvollen Pfad. Honda bietet Motorradfahrschülern einen Zuschuss zu den Ausbildungskosten in Höhe von 1.000 Euro, sofern der Interessent eine Honda FMX 650 bestellt. Zugleich bietet Honda eine Null-Prozent-Finanzierung für den Kauf dieser Maschine. Bei einer Kreditlaufzeit von 60 Monaten beträgt die monatliche Belastung 96,50 Euro. Allerdings bedeutet dies auch, dass das Motorrad 5 Jahre alt wird, bevor es abbezahlt ist. Die zunächst zeitlich befristete Aktion ist inzwischen unbegrenzt gültig. Motorradaspiranten sollten sich nicht nur bei Honda, sondern auch bei anderen Marken informieren. So bietet zum Beispiel auch BMW interessante Einsteigerpakete. Was momentan Mode oder auch nicht Mode ist, kann schon morgen Vergangenheit sein. Auf längere Sicht wird – sofern auch künftig Besonnenheit die Oberhand behält - das Motorrad einen festen Platz unter den Mobilitätswünschen der jungen Leute haben. Wie gesagt: panta rei ...

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Oktober 2005

Erscheinungsdatum 15.10.2005

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