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Bei Motorrad Total kam diesmal eine
Videokamera - anders als bei früheren Veranstaltungen - gut versteckt an
unbekannter Stelle zum Schuss. „Im Großen und Ganzen eine sehr beachtliche
Leistung, alle bewegten sich innerhalb der ´Norm´“, bewertet
Theodor Heinemann diplomatisch die aus den Bildern gewonnenen
Erkenntnisse.

Motorrad Total - dieses Mal mit versteckter
Kamera
FPX: Motorrad Total 2005 ist
gelaufen. Was waren die Glanzlichter?
Heinemann: Da könnte ich Ihnen eine
ganze Reihe nennen.
FPX: Dann mal los!
Heinemann: Die Krönung des Ganzen
waren auch dieses Mal die Teilnehmer, unsere Kolleginnen und Kollegen:
eine sehr motivierte, wissbegierige und äußerst disziplinierte Gruppe.
Nicht zu vergessen die gute Laune, die uns nie verließ. Besonders zu
erwähnen ist auch das direkt am Meer gelegene Hotel, seine gute Küche und
der zuvorkommende Service. Die reizvolle Landschaft der Toskana darf hier
ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Wenn Sie so wollen, dann darf man auch
die Jahr für Jahr hohe Beteiligung an Motorrad Total als einen
Glanzpunkt ansehen. Ich jedenfalls freue mich über diesen ungebrochenen
Zuspruch. Und wenn danach alle wieder gesund zu Hause angekommen sind, was
auch diesmal zu vermelden ist, dann ist der Erfolg komplett.
FPX: Welche fachlichen und
pädagogischen Themen standen dieses Jahr im Mittelpunkt?
Heinemann: Novum in der Theorie war
die Mitwirkung eines Lehrrettungsassistenten. Stefan Rieger, so heißt er,
unterrichtete über typische Verletzungen bei Motorradunfällen und die
notwendigen Maßnahmen der ersten Hilfe. Am Nachmittag folgten die
entsprechenden praktischen Übungen hierzu. Beides kam sehr gut an, die
Teilnehmer waren sehr angetan. Insgesamt fand der Theorieteil, auch das
von Peter Tschöpe referierte Thema „Kooperation“, hohe Zustimmung.
FPX: Und im praktischen Teil?
Heinemann: Neu war diesmal unsere
versteckte Kamera, die wir an besonders kniffligen Kurven der drei
Realverkehrsstrecken in Stellung gebracht hatten und von der niemand
wusste oder wissen konnte, wo sie steht. Hinzu kam eine Onbord-Kamera, die
fest auf dem Motorrad eines Moderators installiert war. Dieser filmte
jeden Teilnehmer draußen auf der Strecke während ca. 2 Minuten von hinten.
Die Kolleginnen und Kollegen waren ziemlich beeindruckt, ihren Fahrstil
einmal aus der rückwärtigen Perspektive begutachten zu können.
FPX: War die versteckte Kamera
angekündigt?
Heinemann: Das ja, aber - wie gesagt
- keiner wusste, wo die Kamera auf der Lauer liegen würde.
FPX: Was geschah mit den Aufnahmen?
Heinemann: Wir haben die Videos am
Abend im Plenum gezeigt und eingehend besprochen. Es ging dabei vor allem
um das Gruppenverhalten, die Einleitung der Kurvenfahrt, Kurvenlinie,
Schräglage usw.
FPX: Big brother was watching you?
Gab das Knies?
Heinemann: Ich habe nur Zustimmung
gehört, die haben das locker aufgenommen, alle reagierten sehr gelassen.
FPX: Und die Erkenntnisse?
Heinemann: Im Großen und Ganzen eine
sehr beachtliche Leistung, alle bewegten sich innerhalb der „Norm“. Aber
freilich gibt es Unterschiede, und dazulernen kann man ja immer.
FPX: Sind die Pisten der Toskana für
Biker okay?
Heinemann: Beschaffenheit und
Zustand, namentlich die Fahrbahnbeläge, sind im Wesentlichen sauber und
gepflegt. Zwischendurch gab es auch kurze Abschnitte, die etwas holperig
waren. Darauf musste man sich einstellen, und das gehört ja auch dazu.
FPX: Das Hotel haben Sie schon
gelobt, stimmten auch der Service und die Organisation des Seminars?
Heinemann: Beides war vorbildlich,
und dafür gebührt vor allem Nadine Demjanow von der
Verbandsgeschäftsstelle ein großes Lob, das sie übrigens auch von vielen
Teilnehmern schon bekommen hat.
FPX: Worin sind künftig die
Schwerpunkte der Fortbildung von Motorradfahrlehrern zu sehen?
Heinemann: Worauf es mir vor allem
ankommt, ist noch mehr junge Kolleginnen und Kollegen für dieses Seminar
zu gewinnen. Hier können sie Honig saugen und Erfahrungen für ihre
tägliche Ausbildungsarbeit mitnehmen, wie es in dieser Intensität woanders
kaum möglich ist. Motorrad Total war inhaltlich und didaktisch
schon immer auf effektiven Transfer von im Unterricht direkt verwertbaren
Erkenntnissen angelegt. Und das wird auch in Zukunft so sein. Im nächsten
Jahr werden wir uns neben der Intensivierung des Langstreckentrainings
wieder stärker den Fahrzeugbeherrschungsübungen zuwenden.
FPX: Angenommen, Sie hätten der
Veranstaltung eine Gesamtnote zu erteilen, wie würde sie lauten?
Heinemann: Da bin ich vielleicht
nicht ganz objektiv, aber eine Zwei war’s auf jeden Fall. Verbesserungen
sind durchaus noch möglich. Da hören wir auch sehr genau auf die Meinung
unserer Teilnehmer.
FPX: Wohin geht’s 2006?
Heinemann: Es gab verschiedene
Vorschläge, entschieden wurde bis dato noch nichts. Aber ich denke, wir
werden wieder an einem guten Platz südlich der Alpen sein.
FPX: Vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Gebhard L.
Heiler

Theodor Heinemann, 42, ist Inhaber einer
Fahrschule in Schwenningen auf dem Heuberg und Vorsitzender des
Kreisvereins Sigmaringen im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. Seit
November 2002 ist Heinemann Motorradreferent des Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e.V. Bei seinem Amtsantritt lag die Messlatte hoch. Denn
fachliche Schwergewichte wie Bernd Wolfer, Emil Veser, Günter Luppart und
Horst Krieg hatten als seine Vorgänger die Rasten an immer höheren Stellen
gekerbt. In diesem Jahr zeichnete Heinemann zum dritten Mal für das
traditionelle Fortbildungsseminar Motorrad Total verantwortlich.
Bescheiden gab er dem Seminar aus seiner subjektiven Sicht die Note 2. Die
Teilnehmer allerdings vergaben vorwiegend Einser. „Wenn Sie etwas
Negatives über diese Veranstaltung schreiben wollen, müssen Sie das schon
selbst erfinden“, konterte ein Teilnehmer die Frage nach Schwachstellen.
GLH |