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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe November /2005, Seite 590, 591

Supervision bei Motorrad Totel

Die Kamera stand an kniffligen Kurven

 

Bei Motorrad Total kam diesmal eine Videokamera - anders als bei früheren Veranstaltungen - gut versteckt an unbekannter Stelle zum Schuss. „Im Großen und Ganzen eine sehr beachtliche Leistung, alle bewegten sich innerhalb der ´Norm´“, bewertet Theodor Heinemann diplomatisch die aus den Bildern gewonnenen Erkenntnisse.

 

Motorrad Total - dieses Mal mit versteckter Kamera

FPX: Motorrad Total 2005 ist gelaufen. Was waren die Glanzlichter?

Heinemann: Da könnte ich Ihnen eine ganze Reihe nennen.

FPX: Dann mal los!

Heinemann: Die Krönung des Ganzen waren auch dieses Mal die Teilnehmer, unsere Kolleginnen und Kollegen: eine sehr motivierte, wissbegierige und äußerst disziplinierte Gruppe. Nicht zu vergessen die gute Laune, die uns nie verließ. Besonders zu erwähnen ist auch das direkt am Meer gelegene Hotel, seine gute Küche und der zuvorkommende Service. Die reizvolle Landschaft der Toskana darf hier ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Wenn Sie so wollen, dann darf man auch die Jahr für Jahr hohe Beteiligung an Motorrad Total als einen Glanzpunkt ansehen. Ich jedenfalls freue mich über diesen ungebrochenen Zuspruch. Und wenn danach alle wieder gesund zu Hause angekommen sind, was auch diesmal zu vermelden ist, dann ist der Erfolg komplett.

FPX: Welche fachlichen und pädagogischen Themen standen dieses Jahr im Mittelpunkt?

Heinemann: Novum in der Theorie war die Mitwirkung eines Lehrrettungsassistenten. Stefan Rieger, so heißt er, unterrichtete über typische Verletzungen bei Motorradunfällen und die notwendigen Maßnahmen der ersten Hilfe. Am Nachmittag folgten die entsprechenden praktischen Übungen hierzu. Beides kam sehr gut an, die Teilnehmer waren sehr angetan. Insgesamt fand der Theorieteil, auch das von Peter Tschöpe referierte Thema „Kooperation“, hohe Zustimmung.

FPX: Und im praktischen Teil?

Heinemann: Neu war diesmal unsere versteckte Kamera, die wir an besonders kniffligen Kurven der drei Realverkehrsstrecken in Stellung gebracht hatten und von der niemand wusste oder wissen konnte, wo sie steht. Hinzu kam eine Onbord-Kamera, die fest auf dem Motorrad eines Moderators installiert war. Dieser filmte jeden Teilnehmer draußen auf der Strecke während ca. 2 Minuten von hinten. Die Kolleginnen und Kollegen waren ziemlich beeindruckt, ihren Fahrstil einmal aus der rückwärtigen Perspektive begutachten zu können.

FPX: War die versteckte Kamera angekündigt?

Heinemann: Das ja, aber - wie gesagt - keiner wusste, wo die Kamera auf der Lauer liegen würde.

FPX: Was geschah mit den Aufnahmen?

Heinemann: Wir haben die Videos am Abend im Plenum gezeigt und eingehend besprochen. Es ging dabei vor allem um das Gruppenverhalten, die Einleitung der Kurvenfahrt, Kurvenlinie, Schräglage usw.

FPX: Big brother was watching you? Gab das Knies?

Heinemann: Ich habe nur Zustimmung gehört, die haben das locker aufgenommen, alle reagierten sehr gelassen.

FPX: Und die Erkenntnisse?

Heinemann: Im Großen und Ganzen eine sehr beachtliche Leistung, alle bewegten sich innerhalb der „Norm“. Aber freilich gibt es Unterschiede, und dazulernen kann man ja immer.

FPX: Sind die Pisten der Toskana für Biker okay?

Heinemann: Beschaffenheit und Zustand, namentlich die Fahrbahnbeläge, sind im Wesentlichen sauber und gepflegt. Zwischendurch gab es auch kurze Abschnitte, die etwas holperig waren. Darauf musste man sich einstellen, und das gehört ja auch dazu.

FPX: Das Hotel haben Sie schon gelobt, stimmten auch der Service und die Organisation des Seminars?

Heinemann: Beides war vorbildlich, und dafür gebührt vor allem Nadine Demjanow von der Verbandsgeschäftsstelle ein großes Lob, das sie übrigens auch von vielen Teilnehmern schon bekommen hat.

FPX: Worin sind künftig die Schwerpunkte der Fortbildung von Motorradfahrlehrern zu sehen?

Heinemann: Worauf es mir vor allem ankommt, ist noch mehr junge Kolleginnen und Kollegen für dieses Seminar zu gewinnen. Hier können sie Honig saugen und Erfahrungen für ihre tägliche Ausbildungsarbeit mitnehmen, wie es in dieser Intensität woanders kaum möglich ist. Motorrad Total war inhaltlich und didaktisch schon immer auf effektiven Transfer von im Unterricht direkt verwertbaren Erkenntnissen angelegt. Und das wird auch in Zukunft so sein. Im nächsten Jahr werden wir uns neben der Intensivierung des Langstreckentrainings wieder stärker den Fahrzeugbeherrschungsübungen zuwenden.

FPX: Angenommen, Sie hätten der Veranstaltung eine Gesamtnote zu erteilen, wie würde sie lauten?

Heinemann: Da bin ich vielleicht nicht ganz objektiv, aber eine Zwei war’s auf jeden Fall. Verbesserungen sind durchaus noch möglich. Da hören wir auch sehr genau auf die Meinung unserer Teilnehmer.

FPX: Wohin geht’s 2006?

Heinemann: Es gab verschiedene Vorschläge, entschieden wurde bis dato noch nichts. Aber ich denke, wir werden wieder an einem guten Platz südlich der Alpen sein.

FPX: Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Gebhard L. Heiler

 

Theodor Heinemann, 42, ist Inhaber einer Fahrschule in Schwenningen auf dem Heuberg und Vorsitzender des Kreisvereins Sigmaringen im Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. Seit November 2002 ist Heinemann Motorradreferent des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. Bei seinem Amtsantritt lag die Messlatte hoch. Denn fachliche Schwergewichte wie Bernd Wolfer, Emil Veser, Günter Luppart und Horst Krieg hatten als seine Vorgänger die Rasten an immer höheren Stellen gekerbt. In diesem Jahr zeichnete Heinemann zum dritten Mal für das traditionelle Fortbildungsseminar Motorrad Total verantwortlich. Bescheiden gab er dem Seminar aus seiner subjektiven Sicht die Note 2. Die Teilnehmer allerdings vergaben vorwiegend Einser. „Wenn Sie etwas Negatives über diese Veranstaltung schreiben wollen, müssen Sie das schon selbst erfinden“, konterte ein Teilnehmer die Frage nach Schwachstellen. GLH

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe November 2005

Erscheinungsdatum 15.11.2005

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