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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe November /2005, Seiten 592 - 595

Toskana Total 2005

Sonne, Meer und Kurven

von Gebhard L. Heiler

Fotos: DaimlerChrysler und Karlheinz Beck

Was kann die Sinnlichkeit eines echten Bikers mehr in Aufruhr bringen als der Gedanke an traumhafte Pisten, Sonne, Meer und eine Prise Dolce vita? Toskana Total bot in diesem Jahr 92 Fans ausgereifter Motorradkultur all das - und noch ein bisschen mehr. „Mit Superlativen ist man heutzutage oft schnell bei der Hand. Wir sind bescheiden und nennen das 23. Motorrad Total eine rundum gelungene Fortbildung.“

Das sagte einer, der schon oft dabei war. Und weiter: „Wenn das Viertelhundert voll ist, darf man sich von mir aus für diesen baden-württembergischen Klassiker einen Ehrentitel ausdenken.“ Toskana Total 2005 hat dem Spitzenseminar zusätzlichen Schwung verliehen. Nicht zuletzt deshalb wird das silberne Jubiläum kaum zu vermeiden sein.

Nass, nässer, durchweicht…

Nein, ganz so schlimm war es nicht, aber es hat allen gereicht. Gemeint ist die lange, nasse Fahrt vom Wipptaler Hof in Steinach am Brenner, dem ersten Treffpunkt, bis Castiglione della Pescaia am Thyrrenischen Meer. Wer sich auf der Alpensüdseite für die 38. Kalenderwoche spätsommerliche Sonne erhofft hatte, sah sich zunächst getäuscht. Der Regen brach fast nie ab und recht frisch war’s teilweise auch. Pessimisten hätten da vielleicht an Umkehren gedacht. Nicht so die Crew, die Jahr um Jahr den Erfolg von Motorrad Total ausmacht. Theo Heinemann, Motorradreferent und Leiter des Seminars vor Ort, konnte am Sonntagabend gegen 19.00 Uhr fast alle 92 Teilnehmer – ein paar Nachzügler gab es auch – wohlbehalten bei einem Umtrunk willkommen heißen. Der fand unter freiem Himmel statt, denn gegen Abend zog von Süden her ein die ganze Woche über anhaltendes Hoch den Stiefel hinauf, das die „Unterwasserfahrt“ momentan vergessen machte.

Hotel: comme il faut

Das ist zwar französisch, aber ein gern gebrauchtes Prädikat für gut geführte Hotels. Und fürwahr, das Riva del Sole ist das. „Eine der besten Unterkünfte, seit ich Motorrad Total mitmache“ war das vielfach bestätigte Urteil eines „Veteranen“. Und in der Tat, man konnte sich wohl fühlen. Die Lage unmittelbar am Strand des Mare Tirreno, die gute Küche, die gepflegten Zimmer und ein zumeist aufmerksamer Service ließen auch für verwöhnte Reisende wenig zu wünschen übrig. „Wenn ich schon diese Art Geld für meine Fortbildung ausgebe, dann muss nicht nur das Programm, sondern auch das Drumherum stimmen. Wer immer für die Buchung dieses Hauses verantwortlich zeichnete, kann sich darauf etwas zugute halten“, drückte eine Kollegin ihre Zufriedenheit aus. Und wie wurde die nicht gerade kurze Anreise in die Toskana aufgenommen? Nun, von Stuttgart bis in die Toskana sind es präterpropter 900 Kilometer. Unsere Kolleginnen und Kollegen aus den nördlichen Bundesländern müssen da gut noch fünf- bis sechshundert Kilometer dazulegen. „Die liebliche Landschaft der Toskana mit ihren reizvollen Strecken und Panoramen entschädigen uns für die etwas längere Reise“, kommentierte Kollege Bernd Hellmann aus Walsrode in Niedersachsen das Thema Anreise.

Programm im Wandel

Mit einem stereotypen, immer gleich bleibenden Programm wäre auf Dauer kein Staat zu machen. Deshalb standen auch diesmal neben bewährten Inhalten einige Neuerungen auf dem Stundenplan. So war es in der Theorie ein informatives Referat über typische Verletzungen bei Motorradunfällen und die hierbei leistbare Soforthilfe. Stefan Rieger, seines Zeichens Lehrrettungsassistent, schöpfte aus dem Vollen und unterbaute die theoretischen Erkenntnisse durch gemeinsame praktische Übungen.

Warum alleine (weiter-) wursteln, wenn es zu zweit oder zu dritt rationeller und wirtschaftlicher geht? Peter Tschöpe referierte zum Thema „Zusammenarbeit in den Zweiradklassen“ und erzeugte damit vertieftes Nachdenken. Mehr kann zu diesem Thema ad hoc nicht erwartet werden, denn wenn bei einer Kooperation etwas Gescheites herauskommen soll, will die zuvor gut überlegt sein.

Was für Leute sind das eigentlich?

Als Chronist entkommt man nie der Frage: Was sind das für Leute, die immer wieder diese langen Strecken im Sattel, die Wetterrisiken und die Kosten auf sich nehmen, um eine Woche lang ihr Motorradkönnen aufzumöbeln? Besessene sind es jedenfalls nicht, Außenseiter auch nicht. Es sind vielmehr Menschen, die das berufliche Mittelmaß hinter sich lassen wollen, die sich der Perfektion, der Könnerschaft im eigenen Fahren und im Lehren des Motorradfahrens verschrieben haben. Sie wollen Spezialisten ihres Metiers sein, wollen sichere Motorradfahrer auf die Straße schicken. Der „harte Kern“ kommt - abgesehen von altersbedingten Rückzügen - jedes Jahr wieder. Hinzu kommt immer ein Teil junger Kolleginnen und Kollegen, die sich in dieser Gemeinschaft immer rasch zuhause fühlen. „Diese Truppe war und ist immer offen für Neues und Neue“, lobt Peter Landefeld - seit 1983 ohne Unterbrechung dabei - den Geist von Motorrad Total.

Gedenken an Günter Luppart und Horst Krieg

In seiner Begrüßungsansprache gedachte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V., Peter Tschöpe, mit bewegenden Worten den unlängst verstorbenen Kollegen Günter Luppart und Horst Krieg. Beide waren erfolgreiche Motorradreferenten des Verbandes und ganz maßgebliche Förderer von Motorrad Total gewesen. „Sie können sicher sein, von wo immer die beiden uns jetzt zuschauen, sie wollen dass die Arbeit dieser Seminarwoche von Freude und Frohsinn begeleitet ist“, rief Tschöpe den Teilnehmern zu.

Faszinierende Praxis

Das Seminar profitiert von der langen Erfahrung, aber vor allem von dem Stamm bewährter Instruktoren. Die bewusst sorgfältige Einteilung der Teilnehmer in Gruppen, bei der das individuelle Leistungsvermögen ausschlaggebend ist, trägt ganz wesentlich zum reibungsfreien Ablauf der kniffligen Realverkehrsfahrten bei. Die drei Tagesstrecken waren auch diesmal sorgfältig ausgesucht und geplant worden. In der Hügellandschaft der Toskana findet man zwar nicht die Vielzahl an Serpentinen wie in den Dolomiten oder anderen Alpenregionen, aber dafür die für ein Mittelgebirge typischen Variationen abwechslungsreicher Kurvenstrecken. Neu bei diesem Seminar war die konsequente Supervision der Gruppen und der einzelnen Fahrer mit Video (siehe auch das Interview mit Theo Heinemann in der FPX 11/2005 auf Seite 590, 591).

Realverkehr wie im Bilderbuch

Gesellige Abende

Abends die auf der Strecke aufgezeichneten Videotakes analysieren und diskutieren, ist fachlich sicher sehr wertvoll, aber nicht unbedingt das reine Amüsement. Da passte es gut, dass der Münchener Vogel-Verlag, seit vielen Jahren einer der Gönner von Motorrad Total, am Dienstag zum Vogel-Abend einlud. Bei flotter Live-Musik und ausgezeichnetem Vino schwangen einige sogar das Tanzbein. Aber auch die guten Gespräche kamen nicht zu kurz. Und dabei wurde nicht nur Benzin geredet.

Mercedes wieder voll dabei

Nein, es wird auch in Zukunft kein Motorrad dieser Marke geben. Das ist ziemlich sicher. Sicher ist aber auch, dass die Biker das außerordentliche Interesse, das die DaimlerChrysler AG immer wieder an ihrem Langstreckenseminar zeigt, sehr zu schätzen wissen. Diesmal konnte Robert Wilhelm, selbst begeisterter Motorradfahrer, Leiter Produktmanagement Fahrschulen, Taxi und Sonderfahrzeuge beim DaimlerChrysler Vertrieb Deutschland, wegen der zeitgleich stattfindenden IAA nicht dabei sein. Aber er und sein Mitarbeiter Jörg Gajewski sorgten für unübersehbare Präsenz des guten Sterns. Zwei funkelnagelneue Pkw der B-Klasse standen während der ganzen Woche in Castiglione della Pescaia für Testfahrten zur Verfügung. Die Gegenwart von Mercedes dokumentierte auch ein sehr aufmerksames Geschenk, nämlich ein mit dem Verbandsemblem Gut betreut… besticktes Halstuch, wasserabweisend und wärmespendend, das den Teilnehmern auf der Heimfahrt sicher sehr zu pass kam.

Zwei neue B-Klassen von Mercedes-Benz konnten von den Teilnehmer/innen getestet werden.

Am Freitag bildete der Mercedes-Abend den krönenden Abschluss des Seminars. Wieder ausgezeichnete Stimmung und sehr lebhafte Gespräche. Dabei ging es an jedem Tisch auch um das Ziel des nächsten Jahres. Theo Heinemann hielt sich bei seiner Dankesrede in diesem Punkt jedoch etwas bedeckt. Aber dafür fand er umso wärmere Worte des Dankes für die Teilnehmer, ihre Treue, ihr engagiertes Mitmachen, ihren kameradschaftlichen Geist und ihre Disziplin. Ebenso freundliche Worte fand er für die Manager, Akteure und Sponsoren des Seminars. Im Einzelnen dankte er

  • Peter Tschöpe und Nadine Demjanow für die gute Organisation und den hervorragenden Service während des Seminars,
  • Stefan Rieger für dessen viel beachtetes Referat,
  • den Instruktoren Franz Enghauser, Karl-Heinz Hiller, Peter Landefeld, Udo Laudes, Siegfried Nill und Georg Ruck für die kompetente Anleitung und Führung der Gruppen,
  • Jan Kluge für dessen präzises, aufschlussreiches Monitoring auf den Realverkehrstrecken,
  • Robert Wilhelm und Jörg Gajewski von Mercedes für das generöse Sponsoring des Seminars,
  • Joachim Krieger vom Vogel-Verlag, München, für den gelungenen Vogel-Abend,
  • Gustav Hild und Sascha Stoll von der FS-Autovermietung Hild, Vöhringen, für die allgegenwärtige Notfall-Assistenz und die Champion-Tassen 2005 und last not least
  • Karlheinz Beck für die umfangreiche fotografische Dokumentation des Seminars.

An dieser Stelle sei es dem Chronisten erlaubt, eine Binsenwahrheit anzufügen. Chefs werden selten gelobt und noch seltener hören sie Dankesworte. Das sollte bei nachweislichen Verdiensten aber keineswegs unterbleiben. Theo Heinemann, der Chef von Toskana Total, hat ein weiteres Mal gezeigt, dass er es kann, und zwar sehr gut. Seine Führungsqualitäten, Ruhe und Gelassenheit haben ganz wesentlich zum guten Gelingen des 23. Motorrad Total beigetragen. Dafür hat er Dank und Anerkennung verdient.

Ein tolle Truppe, die sich sicher (größtenteils) im nächsten Jahr wiedersieht, wenn es heißt:

SardinienTotal 2006!

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe November 2005

Erscheinungsdatum 15.11.2005

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