|

Fotos: DaimlerChrysler und Karlheinz Beck
Was kann die Sinnlichkeit eines echten
Bikers mehr in Aufruhr bringen als der Gedanke an traumhafte Pisten,
Sonne, Meer und eine Prise Dolce vita? Toskana Total bot in diesem Jahr 92
Fans ausgereifter Motorradkultur all das - und noch ein bisschen mehr.
„Mit Superlativen ist man heutzutage oft schnell bei der Hand. Wir sind
bescheiden und nennen das 23. Motorrad Total eine rundum gelungene
Fortbildung.“
Das sagte einer, der schon oft dabei war.
Und weiter: „Wenn das Viertelhundert voll ist, darf man sich von mir aus
für diesen baden-württembergischen Klassiker einen Ehrentitel ausdenken.“
Toskana Total 2005 hat dem Spitzenseminar zusätzlichen Schwung
verliehen. Nicht zuletzt deshalb wird das silberne Jubiläum kaum zu
vermeiden sein.
Nass, nässer, durchweicht…
Nein, ganz so schlimm war es nicht, aber es
hat allen gereicht. Gemeint ist die lange, nasse Fahrt vom Wipptaler Hof
in Steinach am Brenner, dem ersten Treffpunkt, bis Castiglione della
Pescaia am Thyrrenischen Meer. Wer sich auf der Alpensüdseite für die 38.
Kalenderwoche spätsommerliche Sonne erhofft hatte, sah sich zunächst
getäuscht. Der Regen brach fast nie ab und recht frisch war’s teilweise
auch. Pessimisten hätten da vielleicht an Umkehren gedacht. Nicht so die
Crew, die Jahr um Jahr den Erfolg von Motorrad Total ausmacht. Theo
Heinemann, Motorradreferent und Leiter des Seminars vor Ort, konnte am
Sonntagabend gegen 19.00 Uhr fast alle 92 Teilnehmer – ein paar Nachzügler
gab es auch – wohlbehalten bei einem Umtrunk willkommen heißen. Der fand
unter freiem Himmel statt, denn gegen Abend zog von Süden her ein die
ganze Woche über anhaltendes Hoch den Stiefel hinauf, das die
„Unterwasserfahrt“ momentan vergessen machte.
Hotel: comme il faut
Das ist zwar französisch, aber ein gern
gebrauchtes Prädikat für gut geführte Hotels. Und fürwahr, das Riva del
Sole ist das. „Eine der besten Unterkünfte, seit ich Motorrad Total
mitmache“ war das vielfach bestätigte Urteil eines „Veteranen“. Und in der
Tat, man konnte sich wohl fühlen. Die Lage unmittelbar am Strand des Mare
Tirreno, die gute Küche, die gepflegten Zimmer und ein zumeist
aufmerksamer Service ließen auch für verwöhnte Reisende wenig zu wünschen
übrig. „Wenn ich schon diese Art Geld für meine Fortbildung ausgebe, dann
muss nicht nur das Programm, sondern auch das Drumherum stimmen. Wer immer
für die Buchung dieses Hauses verantwortlich zeichnete, kann sich darauf
etwas zugute halten“, drückte eine Kollegin ihre Zufriedenheit aus. Und
wie wurde die nicht gerade kurze Anreise in die Toskana aufgenommen? Nun,
von Stuttgart bis in die Toskana sind es präterpropter 900 Kilometer.
Unsere Kolleginnen und Kollegen aus den nördlichen Bundesländern müssen da
gut noch fünf- bis sechshundert Kilometer dazulegen. „Die liebliche
Landschaft der Toskana mit ihren reizvollen Strecken und Panoramen
entschädigen uns für die etwas längere Reise“, kommentierte Kollege Bernd
Hellmann aus Walsrode in Niedersachsen das Thema Anreise.
Programm im Wandel
Mit einem stereotypen, immer gleich
bleibenden Programm wäre auf Dauer kein Staat zu machen. Deshalb standen
auch diesmal neben bewährten Inhalten einige Neuerungen auf dem
Stundenplan. So war es in der Theorie ein informatives Referat über
typische Verletzungen bei Motorradunfällen und die hierbei leistbare
Soforthilfe. Stefan Rieger, seines Zeichens Lehrrettungsassistent,
schöpfte aus dem Vollen und unterbaute die theoretischen Erkenntnisse
durch gemeinsame praktische Übungen.
Warum alleine (weiter-) wursteln, wenn es
zu zweit oder zu dritt rationeller und wirtschaftlicher geht? Peter
Tschöpe referierte zum Thema „Zusammenarbeit in den Zweiradklassen“ und
erzeugte damit vertieftes Nachdenken. Mehr kann zu diesem Thema ad hoc
nicht erwartet werden, denn wenn bei einer Kooperation etwas Gescheites
herauskommen soll, will die zuvor gut überlegt sein.
Was für Leute sind das eigentlich?
Als Chronist entkommt man nie der Frage:
Was sind das für Leute, die immer wieder diese langen Strecken im Sattel,
die Wetterrisiken und die Kosten auf sich nehmen, um eine Woche lang ihr
Motorradkönnen aufzumöbeln? Besessene sind es jedenfalls nicht,
Außenseiter auch nicht. Es sind vielmehr Menschen, die das berufliche
Mittelmaß hinter sich lassen wollen, die sich der Perfektion, der
Könnerschaft im eigenen Fahren und im Lehren des Motorradfahrens
verschrieben haben. Sie wollen Spezialisten ihres Metiers sein, wollen
sichere Motorradfahrer auf die Straße schicken. Der „harte Kern“ kommt -
abgesehen von altersbedingten Rückzügen - jedes Jahr wieder. Hinzu kommt
immer ein Teil junger Kolleginnen und Kollegen, die sich in dieser
Gemeinschaft immer rasch zuhause fühlen. „Diese Truppe war und ist immer
offen für Neues und Neue“, lobt Peter Landefeld - seit 1983 ohne
Unterbrechung dabei - den Geist von Motorrad Total.
Gedenken an Günter Luppart und Horst
KriegIn seiner
Begrüßungsansprache gedachte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e.V., Peter Tschöpe, mit bewegenden Worten den
unlängst verstorbenen Kollegen Günter Luppart und Horst Krieg. Beide
waren erfolgreiche Motorradreferenten des Verbandes und ganz maßgebliche
Förderer von Motorrad Total gewesen. „Sie können sicher sein, von wo
immer die beiden uns jetzt zuschauen, sie wollen dass die Arbeit dieser
Seminarwoche von Freude und Frohsinn begeleitet ist“, rief Tschöpe den
Teilnehmern zu.
Faszinierende Praxis
Das Seminar profitiert von der langen
Erfahrung, aber vor allem von dem Stamm bewährter Instruktoren. Die
bewusst sorgfältige Einteilung der Teilnehmer in Gruppen, bei der das
individuelle Leistungsvermögen ausschlaggebend ist, trägt ganz wesentlich
zum reibungsfreien Ablauf der kniffligen Realverkehrsfahrten bei. Die drei
Tagesstrecken waren auch diesmal sorgfältig ausgesucht und geplant worden.
In der Hügellandschaft der Toskana findet man zwar nicht die Vielzahl an
Serpentinen wie in den Dolomiten oder anderen Alpenregionen, aber dafür
die für ein Mittelgebirge typischen Variationen abwechslungsreicher
Kurvenstrecken. Neu bei diesem Seminar war die konsequente Supervision der
Gruppen und der einzelnen Fahrer mit Video (siehe auch das Interview mit
Theo Heinemann in der FPX 11/2005 auf Seite 590, 591).

Realverkehr wie im Bilderbuch
Gesellige Abende
Abends die auf der Strecke aufgezeichneten
Videotakes analysieren und diskutieren, ist fachlich sicher sehr wertvoll,
aber nicht unbedingt das reine Amüsement. Da passte es gut, dass der
Münchener Vogel-Verlag, seit vielen Jahren einer der Gönner von
Motorrad Total, am Dienstag zum Vogel-Abend einlud. Bei
flotter Live-Musik und ausgezeichnetem Vino schwangen einige sogar das
Tanzbein. Aber auch die guten Gespräche kamen nicht zu kurz. Und dabei
wurde nicht nur Benzin geredet.
Mercedes wieder voll dabei
Nein, es wird auch in Zukunft kein Motorrad
dieser Marke geben. Das ist ziemlich sicher. Sicher ist aber auch, dass
die Biker das außerordentliche Interesse, das die DaimlerChrysler AG immer
wieder an ihrem Langstreckenseminar zeigt, sehr zu schätzen wissen.
Diesmal konnte Robert Wilhelm, selbst begeisterter Motorradfahrer, Leiter
Produktmanagement Fahrschulen, Taxi und Sonderfahrzeuge beim
DaimlerChrysler Vertrieb Deutschland, wegen der zeitgleich stattfindenden
IAA nicht dabei sein. Aber er und sein Mitarbeiter Jörg Gajewski sorgten
für unübersehbare Präsenz des guten Sterns. Zwei funkelnagelneue Pkw der
B-Klasse standen während der ganzen Woche in Castiglione della Pescaia für
Testfahrten zur Verfügung. Die Gegenwart von Mercedes dokumentierte auch
ein sehr aufmerksames Geschenk, nämlich ein mit dem Verbandsemblem
Gut betreut… besticktes Halstuch, wasserabweisend und
wärmespendend, das den Teilnehmern auf der Heimfahrt sicher sehr zu pass
kam.

Zwei neue B-Klassen von Mercedes-Benz konnten
von den Teilnehmer/innen getestet werden.
Am Freitag bildete der Mercedes-Abend
den krönenden Abschluss des Seminars. Wieder ausgezeichnete Stimmung und
sehr lebhafte Gespräche. Dabei ging es an jedem Tisch auch um das Ziel des
nächsten Jahres. Theo Heinemann hielt sich bei seiner Dankesrede in diesem
Punkt jedoch etwas bedeckt. Aber dafür fand er umso wärmere Worte des
Dankes für die Teilnehmer, ihre Treue, ihr engagiertes Mitmachen, ihren
kameradschaftlichen Geist und ihre Disziplin. Ebenso freundliche Worte
fand er für die Manager, Akteure und Sponsoren des Seminars. Im Einzelnen
dankte er
- Peter Tschöpe und Nadine
Demjanow für die gute Organisation und den hervorragenden Service
während des Seminars,
- Stefan Rieger für dessen viel
beachtetes Referat,
- den Instruktoren Franz Enghauser,
Karl-Heinz Hiller, Peter Landefeld, Udo Laudes, Siegfried Nill und
Georg Ruck für die kompetente Anleitung und Führung der Gruppen,
- Jan Kluge für dessen präzises,
aufschlussreiches Monitoring auf den Realverkehrstrecken,
- Robert Wilhelm und Jörg
Gajewski von Mercedes für das generöse Sponsoring des Seminars,
- Joachim Krieger vom Vogel-Verlag,
München, für den gelungenen Vogel-Abend,
- Gustav Hild und Sascha Stoll
von der FS-Autovermietung Hild, Vöhringen, für die allgegenwärtige
Notfall-Assistenz und die Champion-Tassen 2005 und last not least
- Karlheinz Beck für die
umfangreiche fotografische Dokumentation des Seminars.
An dieser Stelle sei es dem Chronisten
erlaubt, eine Binsenwahrheit anzufügen. Chefs werden selten gelobt und
noch seltener hören sie Dankesworte. Das sollte bei nachweislichen
Verdiensten aber keineswegs unterbleiben. Theo Heinemann, der Chef von
Toskana Total, hat ein weiteres Mal gezeigt, dass er es kann, und zwar
sehr gut. Seine Führungsqualitäten, Ruhe und Gelassenheit haben ganz
wesentlich zum guten Gelingen des 23. Motorrad Total beigetragen.
Dafür hat er Dank und Anerkennung verdient.

Ein tolle Truppe, die sich sicher
(größtenteils) im nächsten Jahr wiedersieht, wenn es heißt:
SardinienTotal 2006! |