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Seit 1980 ist Abbremsen mit
höchstmöglicher Verzögerung fester Bestandteil der praktischen Prüfung der
Motorradklassen. Die Bewertung dieser Aufgabe war über viele Jahre
problemlos. Neuerdings häufen sich jedoch beim Fahrlehrerverband
Baden-Württemberg e.V. die Anfragen, ob nach der Prüfungsrichtlinie das
Einsetzen des ABS vorzuführen sei. Wir haben beim Motorradreferenten des
Verbandes, dem Kollegen Theo Heinemann, nachgefragt.
FPX: Herr Heinemann, in den letzten
Monaten häufen sich Anfragen, ob es bei der Bewertung der Grundfahraufgabe
Abbremsen eine Änderung gegeben hat.
Heinemann: Welcher Art soll diese
Änderung sein?
FPX: Wenn der Bewerber die Prüfung
auf einem Motorrad mit ABS ablegt, verlangen einige Sachverständige, dass
er bis in den Regelbereich des ABS abbremst.

Foto: BMW
Heinemann: Von dieser angeblichen
Forderung habe ich auch schon gehört und deshalb beim FE-Beauftragten der
TP-Leitung, Herrn Oliver Frey, nachgefragt. Der hat mir gesagt, dass es
diese Vorgabe nicht gibt.
FPX: Heißt das, dass die korrekte
Durchführung der Grundfahraufgabe nicht vom Erreichen des
ABS-Regelbereichs abhängig ist?
Heinemann: Das genau bedeutet es.
Richtig ist doch, dass die höchstmögliche Verzögerung unmittelbar vor dem
Blockieren der Räder erreicht wird. Setzt das ABS ein, ist jedenfalls die
denkbare höchstmögliche Bremsverzögerung nicht erreicht worden.
FPX: Soll das heißen, dass das
Einsetzen des ABS künftig als Fehler bewertet wird?
Heinemann: Natürlich nicht. In der
Prüfungsrichtlinie ist weder das Nichterreichen noch das Erreichen des
Regelbereiches als Fehler angesprochen. Es bleibt deshalb bei der seit
Jahren praktizierten Bewertung. Der Sachverständige ist doch bei
Motorrädern ohne ABS auch in der Lage zu erkennen, ob die Aufgabe korrekt
ausgeführt ist.
FPX: Und wie ist das bei der
Ausbildung?
Heinemann: Bei der Ausbildung auf
Motorrädern mit ABS sollten die Schüler allmählich daran gewöhnt werden,
den Bremsdruck so weit zu erhöhen, dass sie bis in den Regelbereich des
ABS kommen. Da viele Fahrschüler später Motorräder ohne ABS fahren, ist es
aber wichtig zu lernen, die Bremse kurz zu lösen, sobald das ABS einsetzt.
Sie müssen wissen: Beim ersten Stottern des ABS am Vorderrad ist der
Moment erreicht, in dem es bei einem Motorrad ohne ABS zu gefährlichem
Blockieren und fast immer zum Sturz kommt, wenn da nicht ein virtuoser
Fahrer am Werk ist, der blitzartig die Vorderradbremse löst. Mit ABS lässt
sich das alles aber gefahrloser trainieren. Deshalb ist es sinnvoll, bei
der Ausbildung Motorräder mit ABS einzusetzen.
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