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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Januar /2006, Seite 34

Junge Fahrer - Risiken senken

Land will Zweite Phase fördern

 

Die Ursachen der hohen Unfallbelastung junger Fahrer resultieren aus zwei Problembereichen: Jugendlichkeit und Unerfahrenheit. Neben der 1986 eingeführten Fahrerlaubnis auf Probe laufen seit einiger Zeit auf der Basis freiwilliger Teilnahme die Zweite Phase und das Begleitete Fahren als gesetzlich gestützte Modellversuche zur Minderung der Unfälle junger Fahrer.

Während die Zweite Ausbildungsphase auf beide Problembereiche zielt, soll mit dem Begleiteten Fahren vor allem die Erfahrungsbildung verstärkt werden. Erfreulicherweise hat die Anzahl der Teilnehmer an der Zweiten Phase im Laufe des Jahres 2005 deutlich zugenommen. Doch sind die absoluten Zahlen leider noch immer sehr gering. Das Modell hatte von Anfang an mit mehreren Problemen zu kämpfen.

Lange Spanne zwischen Information und Teilnahme: Fahrschüler erfahren zwar während der Fahrausbildung von den Vorteilen der Zweiten Phase, können aber nicht sofort daran teilnehmen. Das Seminarkonzept baut auf eigener Fahrerfahrung der Teilnehmer auf, weshalb zwischen Aushändigung des Führerscheins und Seminarteilnahme mindestens 6 Monate liegen müssen. Bis dahin ist die Erinnerung oft verblasst.

Geringer Anreiz: Die Zweite Phase ist kein augenfälliger Knüller. Und die Verkürzung der Probezeit um ein Jahr ist auch kein besonders attraktiver Anreiz, zumal die jungen Leute nach einem halben Jahr Fahrpraxis oft überzeugt sind, die kritische Zeit der Erfahrungsbildung alleine schaffen zu können.

Zeitliche und finanzielle Belastung: Das Seminar mit drei Sitzungen zu jeweils 90 Minuten und zwei praktischen Teilen, die zwei oder vier Stunden dauern, bedeutet einen Zeitaufwand, den viele scheuen. Auch schreckt die Seminargebühr viele ab.

Landesregierung setzt auf Zweite Phase

Die Landesregierung von Baden-Württemberg setzt weiterhin auf den Nutzen der Zweiten Phase. Deshalb haben sich das Innenministerium und der Fahrlehrerverband zusammengesetzt, um auszuloten, wie die Bereitschaft zur Teilnahme gefördert werden kann. Dabei kam heraus, dass die Zeitspanne zwischen dem Abschluss der Fahrausbildung und der Teilnahme verringert und überdies ein finanzieller Anreiz geschaffen werden soll. In vier ausgewählten Land- bzw. Stadtkreisen wird sich der Landrat bzw. der Oberbürgermeister fünf Monate nach Aushändigung des Führerscheins in einem persönlichen Brief an die jungen Fahrer wenden und sie an die Zweite Phase erinnern. Leider ist es bisher nicht gelungen, Versicherungsgesellschaften oder andere Sponsoren für die Zweite Phase zu gewinnen. Vorstand und Beirat des Fahrlehrerverbandes haben deshalb beschlossen, in den vier Kreisen unter den Teilnehmern an der Zweiten Phase jeden Monat zwei Tankgutscheine im Wert von je 100 Euro zu verlosen. So wird einmal mehr deutlich, dass die Fahrlehrer voll vom Nutzen des Programms überzeugt sind. Leider stößt die Verlosung im Moment noch auf das Hemmnis, als nicht genehmigungsfähige Lotterie eingestuft zu sein. Jedoch sollte hierzu das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

Optimal: Begleitetes Fahren plus Zweite Phase

Optimal für die Verkehrssicherheit wäre es, wenn die Möglichkeit der Einflussnahme von derzeit zwei bis drei Monaten auf annähernd zwei Jahre verlängert werden könnte. Wäre nach dem freiwilligen Begleiteten Fahren eine Teilnahme an der Zweiten Phase obligatorisch, könnte dieses Ziel erreicht werden. Österreich hat uns diese Lösung mit Erfolg vorgemacht.

Peter Tschöpe

FahrSchulPraxis
Ausgabe Januar 2006

Erscheinungsdatum 15.01.2006

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