|
Am 24. April 2004 wählte die
Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V.
Günter Rau aus Geislingen für vier Jahre zum Vertreter der angestellten
Verbandsmitglieder. Die FahrSchulPraxis hat den Kollegen Rau gefragt, mit
welchen Problemen er seit seiner Wahl konfrontiert worden ist.

Günter Rau
FPX: Herr Rau, vor zwei Jahren haben
Sie das Amt des Angestelltenvertreters übernommen. Wie oft mussten Sie
während dieser Zeit aktiv werden?
Rau: Leider scheinen viele Kollegen
immer noch nicht zu wissen, dass es beim Fahrlehrerverband
Baden-Württemberg e.V. einen Ansprechpartner für die Angestellten gibt.
Ich wurde nur selten angerufen. Von den Mitgliedern meines Kreisvereins in
Göppingen wurde ich allerdings mehrfach in diversen Angelegenheiten um Rat
gefragt.
FPX: Bedeutet dies, dass die meisten
angestellten Fahrlehrer ganz zufrieden sind?
Rau: Absolut nicht! Für viele ist
das Dasein als angestellter Fahrlehrer völlig unattraktiv. Sie versuchen
einfach, die zwei Jahre durchzuhalten, und machen sich dann so schnell wie
möglich selbständig.
FPX: Woran liegt das?
Rau: Dafür gibt es mehrere Gründe:
Junge Kollegen erleben gelegentlich schon während des pädagogischen
Praktikums, dass sie als billige Arbeitskräfte missbraucht werden. Ich
hatte neulich Kontakt zu einem jungen Mann, der im Praktikum sein eigenes
Auto zum Schulen einsetzen musste und dafür keinen Cent bekommen hat.
Außerdem werden viele Kollegen auch heute noch wie Tagelöhner gegen
Stundenlohn beschäftigt und sind somit gezwungen, das unternehmerische
Risiko ihres Chefs mitzutragen. Garantierte Fixstundenzahlen, variable
Arbeitszeitkonten und monatliches Festgehalt sind Dinge, von denen viele
nur träumen können. Zugegeben, die bezahlten Stundensätze sind oft ganz
okay, aber wenn die Fahrschule in den Wintermonaten wenig zu tun hat, wird
der Mitarbeiter entweder entlassen oder seine Lohntüte bleibt leer. Da ist
doch klar, dass der Kollege möglichst schnell eine eigene Fahrschule
eröffnen möchte. Dabei wissen viele Fahrschulinhaber nicht einmal, dass
sie Kurzarbeit beantragen können und die Bundesagentur für Arbeit in
dieser Zeit einen Teil der Entlohnung übernimmt.
FPX: Was müsste verbessert werden?
Rau: Zunächst müsste Bewusstsein
dafür entstehen, dass jeder Betrieb von zufriedenen, motivierten
Mitarbeitern nur profitieren kann. Wer seine Mitarbeiter anständig
bezahlt, muss keine Angst haben, dass sie sich nach zwei Jahren nebenan
selbständig machen. Wer sie darüber hinaus auch mal belohnt und
beispielsweise auf Firmenkosten zu einer nicht ganz billigen Fortbildung
wie „Motorrad Total“ oder Ähnlichem schickt, kann sicher sein, dass der
Angestellte sich immer stärker mit „seiner“ Fahrschule identifizieren und
sich für sie einsetzen wird. Außerdem möchte ich allen jungen Kollegen
raten, dem Fahrlehrerverband beizutreten. Der Verband ist nicht nur für
Unternehmer da, sondern versorgt auch die Angestellten mit vielen
wichtigen Informationen. Je mehr Angestellte Mitglied werden, umso größer
ist auch unser Einfluss und die Chance, unsere Interessen wirksam zu
vertreten.
FPX: Vielen Dank für dieses
Gespräch!
Interview: Jochen Klima
Günter Rau ist jederzeit
per E-Mail
unter gjdrau@t-online.de oder
per Telefon unter 07331 / 66 614
zu erreichen.
Selbstverständlich kann auch über die Verbandsgeschäftsstelle in Korntal
Kontakt mit ihm aufgenommen werden. |