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Die Autofahrer blechen an der Tankstelle
wie nie zuvor. Weder Appelle der Politiker noch die Drohung mit
Sondersteuern konnten die unersättlichen Öl-Multis beeindrucken. Obwohl
deshalb weltweit nicht weniger Rohöl gefördert wird, ist jedes politische
Geplänkel in den Erdölförderregionen als Grund für das fortwährende
Anziehen der Preisschraube willkommen. Und unser angeblich so sozialer
Staat kassiert immer kräftig mit.
Bleibt also den in finanzielle Geiselhaft
genommenen Autofahrern nur das Klagen? Nein, sagen viele Experten und
zeigen nach Schweden, wo man seit Jahren erfolgreich an einer Zukunft ohne
Erdöl arbeitet. Der Alternativkraftstoff E 85, ein Gemisch aus 85% Ethanol
und 15% Benzin, ist dort auf dem besten Weg zum Renner an den Tankstellen
zu werden. Nach jüngsten Berichten fahren in Schweden schon mehr als
35.000 Fords, Volvos und Saabs mit diesem Sprit. Es sind Flexi-Fuel-Autos,
die sowohl mit Benzin pur als auch mit eben diesem E 85 betrieben werden
können. Die Schweden greifen bei diesen Autos neuerdings richtig zu, ihr
Marktanteil wächst in diesem Jahr zweistellig. Sähe man die Kauflust rein
idealistisch, würde man auf den wesentlich geringeren Ausstoß von
Schadstoffen verweisen. Aber noch viel mehr wird es wohl der gegenüber dem
Benzin um rund 45 Eurocent geringere Literpreis sein, der unsere
skandinavischen Nachbarn zum Kauf der Flexis motiviert. Solche Lösungen
haben wir in Deutschland leider noch nicht aufzuweisen. Zu lange hat man
hier auf das „billige“ Erdöl gesetzt, das längst nicht mehr billig ist.
Brasilien zeigt uns gerade sehr eindrucksvoll, wie Erdöl bei einem Preis
von 75 US-Dollar pro Barrel durch erneuerbare Energien kostenneutral
ersetzt werden kann.
Fahrschulautos sind „Großverbraucher“
Die Spritpreise gehen allmählich ans
Eingemachte und treffen Vielfahrer besonders hart. So sind im Verhältnis
zu privat genutzten Fahrzeugen voll ausgelastete Fahrschulautos 50- bis
60.000 Kilometer pro Jahr unterwegs und somit Großverbraucher. Auch ein
sehr sparsamer Diesel frisst auf dieser gigantischen Strecke etwa 3600
Liter pro Jahr. Wenn dabei 45 Cent pro Liter gespart werden könnten, würde
sich das auf sage und schreibe 1.620 € pro Jahr addieren. Aber wo gibt es
diesen steuerbegünstigten Kraftstoff in Deutschland?
Erdgas
Unter den steuerbegünstigten Kraftstoffen
nimmt das (fossile!) Erdgas zurzeit einen vorderen Rang ein. Erdgasmotoren
sind eine umweltschonende Antriebstechnik. Beim Verbrennen fallen ca. 25%
weniger CO2 an als bei Benzin. Damit erreicht Erdgas die günstigste
CO2-Bilanz unter allen fossilen Energieträgern. Daneben sind es 75%
weniger Kohlenmonoxid, und der Ausstoß von Stickoxiden und sonstigen
Kohlenwasserstoffen liegt um bis zu 80% niedriger. Auch im Vergleich zum
Diesel schneidet Erdgas hervorragend ab.
Neuwagen ja - Umrüstung besser nicht!
Alle Experten raten von der relativ teuren
Umrüstung auf Erdgas ab (bis zu 5.000 €). Hinzu kommt, dass bei
Nachrüstung die Tanks im Kofferraum untergebracht werden müssen und diesen
erheblich verkleinern. Viel günstiger sieht es bei Neuwagen aus, die schon
werkseitig für den Erdgasbetrieb ausgerüstet sind, aber bisher nur für
bestimmte Typen angeboten werden. Die Mehrkosten betragen hier ca. 2500 €.
VW bietet den Touran und den Caddy Life, nicht aber den Golf und den Polo
an; und bei Mercedes gibt es nur ein E-Klasse-Modell, das auf
Erdgasbetrieb ausgelegt ist. Ganz ähnlich mau sieht es bei den anderen
Herstellern aus.
Was kostet Erdgas?
Ein Kilo Erdgas entspricht etwa 1,5 l
Benzin. Der Leistungsverlust gegenüber Benzin liegt bei etwa 10%, und die
Beschleunigung ist etwas weniger flott als bei Benzinbetrieb. Bei einem
Kilopreis von 89 Cent (bei Redaktionsschluss) amortisiert sich der
Mehrpreis für die Anschaffung eines Neuwagens bei einer angenommenen
Fahrleistung von 60.000 Kilometern pro Jahr innerhalb von 6 bis 8 Monaten.
Der Erdgasbetrieb ist problemlos. Pannen gibt es so gut wie nicht,
jedenfalls nicht häufiger als bei mit Benzin gefütterten Otto-Motoren.
Wenn nicht rechtzeitig Erdgas nachgetankt wird, steht eine Reserve von -
je nach Typ - 10 bis 14 Litern Benzin zur Verfügung, auf die umgeschaltet
werden kann. Auch beim Crash sind die Autos laut ADAC nicht weniger sicher
als mit Benzin betriebene.
Wo Tanken?
Fast 700 Erdgastankstellen sind bundesweit
schon in Betrieb, und laufend kommen neue hinzu. Wo sich diese befinden,
erfährt man im Internet unter
www.routenplaner24.de/tankstellen.In
Baden-Württemberg gibt es zurzeit rd. 130 gut gestreute Zapfsäulen für
Erdgas. Auch in den europäischen Nachbarländern ist Erdgas als
Auto-Kraftstoff im Kommen, aber die Tankstellen sind bei weitem noch nicht
so stark verbreitet wie hierzulande. Dies bedeutet, dass der Aktionsradius
von Erdgas-Autos im Inland praktisch unbegrenzt ist, Fahrten ins Ausland
jedoch etwas sorgsamer geplant werden müssen.
Autogas (Flüssiggas)
Autogas ist eine Mischung aus Propan und
Butan, wobei der Anteil von Butan meist wesentlich geringer ist als der
von Propan. Es verbrennt deutlich umweltfreundlicher als Benzin, sodass
der Schadstoffausstoß um 85% geringer ist als bei Benzin. Ursache der
deutlich saubereren Verbrennung ist, dass die Kohlenwasserstoffketten der
Propan- und Butanmolekühle deutlich kürzer sind als die von flüssigen
Benzin- und Dieselkraftstoffen. Autogas ist für Ottomotoren die zurzeit
(noch) lukrativere Alternative, obwohl es auf Autogas ausgelegte Neuwagen
so gut wie nicht gibt. Das Tankstellennetz ist beim Autogas wesentlich
dichter als beim Erdgas, gerade auch im benachbarten Ausland.
Umrüstung
Die Umrüstung eines Autos der Golfklasse
kostet einschließlich Zusatztank und zusätzlichem Einfüllstutzen ca. 2.400
€. Da der Tank häufig in der Ersatzteilmulde Platz findet, wird der
Kofferraum nicht so stark beschnitten wie beim Umbau auf Erdgas. Der
Literpreis für Autogas betrug bei Redaktionsschluss z.B. in Mannheim 63
Cent. Der Mehrverbrauch gegenüber dem Benzinbetrieb liegt bei maximal 15%.
Rechnet man diesen „Schwund“ hinzu, kostet ein Liter rd. 73 Cent, also
stark die Hälfte von einem Liter Superkraftstoff. Der Umbau amortisiert
sich unter gegenwärtigen Bedingungen nach ca. 30.000 km. Die Betonung
liegt auf gegenwärtig, denn nach dem seit 1. August 2006 geltenden
Energiesteuergesetz läuft die derzeitige Steuerbegünstigung für Autogas am
31. Dezember 2009 aus, während die für Erdgas bis zum 31. Dezember 2020
gilt.
Biodiesel
Auf den ersten Blick scheint Biodiesel das
Ei des Columbus zu sein. Billig, sparsam, umweltfreundlich, keine oder nur
geringe Leistungsminderung. Sieht man genauer hin, ist die Aussicht
weniger strahlend. Die Hersteller liefern neuerdings keine neuen, auf
Biodiesel ausgelegte Pkw mehr aus. Schuld ist der nunmehr bei fast allen
Diesel-Pkw serienmäßige Partikelfilter, der sich mit Biodiesel nicht
verträgt und deshalb schon nach kurzer Zeit „verkleben“ würde. Alle
Hersteller warnen, Biodiesel zu tanken, wenn das Auto darauf technisch
nicht ausgelegt ist. Biodiesel ist aggressiv und greift die Dichtungen im
gesamten Kraftstoffsystem an. Von der steuerbegünstigten Beimischung zu
normalem Dieselkraftstoff hat der Verbraucher nichts, weil sich das an der
Tankstelle nicht preissenkend auswirkt. Und wer glaubt, er könne es jenem
in der Presse immer wieder bejubelten Bastler nachmachen und künftig
seinen Fahrschul-Pkw an der Fritten-Bude kostenlos mit Gebrauchtöl aus der
Friteuse betanken, wird seinem Motor bestimmt keine Freude machen.
Fazit
Erdgas: Weil die als Fahrschulwagen
gängigen Typen noch nicht für Erdgas ausgelegt sind und die Umrüstung
teuer und technisch nicht ganz unproblematisch ist, ist das Erdgas
betriebene Fahrschulauto zurzeit keine sonderlich reizvolle Alternative.
Autogas: Besser sieht es bei Autogas
aus, jedoch mit der Einschränkung, dass ab 31. Dezember 2009 die zurzeit
noch geltende steuerliche Begünstigung ganz wegfallen kann und der Preis
an der Tankstelle dann gleichhoch wie der für Benzin sein wird. Doch
angesichts der relativ kurzen Haltedauer von Fahrschulwagen lohnt sich der
Umbau jedenfalls zurzeit noch.
Biodiesel: Viele Lkw vertragen
Biodiesel ohne weiteres und sind von den Herstellern dafür freigegeben.
Bei Pkw sieht es nicht gut aus, aber wer weiß, vielleicht findet sich
dafür irgendwann eine technische Lösung.
Bei Betrachtung aller Für und Wider wird,
einmal abgesehen vom Umbau auf Flüssiggas, bis auf weiteres wohl ein
sparsamer Diesel die richtige Anschaffung für den Fahrschulbetrieb sein.
GLH |