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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 26.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe November/2006, Seite 628

Sardinien Total 2006

Der Orden verjüngt sich...

 

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„Je öfter ich mitmache, desto mehr empfinde ich Motorrad Total wie ein wiederkehrendes Ordenstreffen!“ Der das sagte, war schon oft dabei und hat geschworen mitzumachen, solange „meine Kondition es zulässt“. Und um in seinem Bild zu bleiben: Zur „Bruderschaft“, die vor 24 Jahren mit dem legendären Trip nach Mallorca anfing, haben sich längst treue Schwestern gesellt, ohne die Motorrad Total nicht hätte werden können, was es ist: ein Topseminar mit familiärem Fluidum.

Der Geist des „Ordens“, das darf man so behaupten, ist ein sehr brüderlicher, was auf Sardinien erneut fühlbar war. Im Vergleich zu anderen Orden sind die Hürden des Eintritts freilich nieder, und das Noviziat verlangt weder die Ablegung von Gelübden noch irgendeine Art von Askese oder Selbstkasteiung. Disziplin und Fairness aber stehen hoch im Kurs. So finden sich beim allherbstlichen „Ordenskonvent“ nur wissensdurstige Profis ein. Für Motorrad-Rambos und PS-Protze ist bei Motorrad Total kein Platz, das ist eiserne Konvention und damit Gewähr für glatten Ablauf und gesundes Heimkommen. „Wer mitreden will, muss dabei gewesen sein!“ Diese Erkenntnis scheint – und das macht Freude – mehr und mehr auch zu jungen Kolleginnen und Kollegen durchzudringen. Denn nie zuvor hatte der „Orden“ einen so starken Verjüngungsschub bekommen wie jetzt auf Sardinien. Die Kerntruppe nahm sie warm auf und tat alles, um sie dauerhaft zu integrieren.

Sardinen – Motorradlust pur

In dieser 4. Septemberwoche war das Wetter auf Sardinien von spätsommerlicher Pracht. Dies und das sich unmittelbar vor den Toren des Hotels ausbreitende Motorradrevier beflügelte den Tatendrang der 70 Biker und ihrer Guides. „Man sitzt auf und hat sofort eine einzigartige Motorradlandschaft unter den Rädern, spärlicher Verkehr, saubere Straßen, prächtige Kurven, so muss es sein!“ (O-Ton eines Motorrad Total Veteranen.) In Badesi Mare, einem kleinen Ort am malerischen Golfo di Asinara im Nordwesten der Insel, bezog Motorrad Total Quartier. Das 4-Sterne-Hotel mit dem englischen Namen Dune Village (Dünen-Dorf) ist nicht einer der üblichen Touri-Kästen, sondern ein riesiger Hotelpark mit ca. 100 in üppige Flora hingestreuten Chalets. Vom 13 Kilometer langen Sandstrand nur durch eine harmlose Vizinalstraße getrennt, ist es der Inbegriff vom Urlaubsparadies. Mehrere gut geführte Restaurants, Bars, zwei kapitale Swimming Pools und eine Reihe anderer angenehmer Fazilitäten, wie Tennisplätze und das Villaggio Fantasia für die Kleinen runden dieses Bild ab.

Praxis und Theorie im Wechsel

Die etwas raue Überfahrt von Genua nach Olbia war vergessen, als sich Montagfrüh die in sieben Gruppen eingeteilten Biker bei azurnem Himmel zum Start für Realverkehr I trafen. Die 260 Kilometer lange Strecke hatte alles, was für den Einstieg in die Seminarwoche zählte. Die Stimmung war vom ersten Moment an Daumen nach oben und hielt sich nicht nur so, sondern steigerte sich im Verlauf der Woche noch deutlich.

Zur Theorie am Dienstag war Verbandsboss Tschöpe angereist und referierte wie gewohnt sachkundig und anschaulich über komplexe Sachverhalte wie Dritte EU-Führerscheinrichtlinie, Entbürokratisierung des Fahrlehrerwesens, Kooperation von Fahrschulen und anderes mehr. Am Mittwoch führte Realverkehr II auf gut 280 Kilometern über Kurven und Serpentinen gen Süden zum Städtchen Villanova, und am Freitag schraubte sich Realverkehr III, es ging östlich in Richtung Küste Mare Tirreno, gar auf 320 km hoch.

Neuer Motorradreferent gesucht

Wegen beruflicher Neuorientierung hat Theodor Heinemann das Amt des Motorradreferenten nach erfolgreicher dreijähriger Amtszeit im Sommer dieses Jahres niedergelegt, jedoch nicht ohne zuvor noch die Strecken auf Sardinien abzustecken. Für ihn sprang auf Bitte des Verbandsvorstandes der bewährte Motorradmoderator Karl-Heinz Hiller in die Bresche oder, wie er es ausdrückte, „in das eiskalte Wasser“ der Seminarverantwortung vor Ort. Dies vorneweg: Hiller hat die Fluten gekonnt geteilt, und - er wird es gespürt haben - statt Kälte (so es sie gegeben haben sollte) schlug ihm im Laufe der Woche zunehmend wohlige Wärme entgegen.

Mercedes schmeißt einen Abend

Hartes Lernen auf wahnsinnigen Pisten fordert Entspannung. Und so war am Dienstag der bei Motorrad Total schon traditionelle Mercedes-Abend eine willkommene Abwechslung. Jörg Gajewski, beim Mercedes-Vertrieb in Berlin für die Fahrschulen zuständig, hatte ins La Duna Bianca, das Top-Restaurant des Dune Village, geladen. Vorsitzender Tschöpe bedankte sich mit warmen Worten für die generöse Unterstützung des Motorradseminars, „und das, obwohl Mercedes noch immer keine Motorräder produziert“. Gajewski, selbst auch enthusiastischer Biker, ging ebenso launig auf Tschöpe ein und meinte, das Spitzenseminar der Baden-Württemberger verdiene das einfach. Gajewski garnierte seine begeisternde Rede mit einer Überraschung: Jeder seiner Gäste erhielt einen hochpotenten USB-Stick in stilvoller Mercedes-Verpackung als Geschenk.

Muße

Der Donnerstag war frei. Erholung von den Strapazen des Realverkehrs. Und für die Begleiterinnen eine willkommene Unterbrechung. Denn Sardinien hat nicht nur klasse Motorradpisten. Die Zivilisation hat dort eine mannigfaltige sehens- und erlebenswerte Kultur hervorgebracht, deren seit 1100 Jahren aufgeschriebene Geschichte von Römern, Byzantinern und Arabern geprägt wurde.

Abschied mit Vogel-Abend

„Kaum ist man richtig warm geworden, ist die Woche auch schon wieder dahin!“ So und ähnlich sagten es viele an dem vom Vogel-Verlag, München, gesponserten Abschiedsabend im Ristorante Carrimbanca, für den sich Vize Wolfgang Fischer im Namen aller Teilnehmer bei der Geschäftsleitung des Hauses Vogel herzlich bedankte. Die Stimmung fuhr bei den Lobes- und Dankesworten auf die Organisation und die Leitung des Seminars noch einmal richtig hoch. Manche Teilnehmer ergingen sich dabei in Superlativen. Aber auch weniger euphorische Zeitgenossen kommentierten Sardinien Total als eines der bisher besten Langstreckenseminare überhaupt.

Dank und Anerkennung

Besonderes Lob erhielten Karl-Heinz Hiller für die souveräne Leitung, Nadine Demjanow für wiederum perfekte Organisation und aufmerksamen Service während der ganzen Woche. Lob und Dank auch für die Instruktoren Franz Enghauser, Jan Kluge, Udo Laudes, Siegfried Nill, Georg Rück und Helmut Storck, die ihre Gruppen mit großem Geschick sicher geführt hatten.

Der Abend war für den als Instruktor sehr verdienten Kollegen Rolf Felske besonders denkwürdig. Weil er bald in den Ruhestand geht, hatte er seine während vieler Jahre umsichtig und fürsorglich geführte Gruppe in die Hände von Helmut Storck übergeben. Man ahnte, dass es ihm nicht leicht fiel, Valet zu sagen. Aber er und seine liebe Frau sind auch in Zukunft immer herzlich willkommene Gäste bei Motorrad Total.

Service, Beistand und Hilfe

Wenn eine Gruppe von 100 Leuten im Ausland unterwegs ist, ist jede Art von Handreichungen sehr willkommen. Sascha Stoll von Leihwagen Hild in Vöhringen/Thal hatte immer eine extra Portion Motoröl parat, wenn einer der Boxer wieder einmal etwas mehr verbraucht hatte. Auch sein Fensterleder war angesichts der morgens vom Tau beschlagenen Mückenpatscher immer sehr willkommen. Und Gustav Hilds Anhänger hinter der von Mercedes zur Verfügung gestellten R-Klasse beförderte mehrere Motorräder und hätte auch für Havaristen (die es glücklicherweise nicht gab!) zur Verfügung gestanden. Last but not least gebührt Karlheinz Beck vom Vogel-Verlag und seinem Bruder Uwe ein ganz herzliches Dankeschön für die unermüdliche fotografische Dokumentation des Geschehens und auch schon jetzt für die daraus noch entstehende CD.

Heimreise

So eine Überfahrt mit der Fähre hat einiges für sich. Zum Ersten hat man noch einige gemeinsame Stunden, zum Zweiten ist das vergnüglich und zum Dritten kann man dabei gemeinsam über das nächstjährige Ziel von Motorrad Total spekulieren. Mallorca, Sizilien, Dolomiten, Wallis, ja selbst ein übermütiger Traum von Neuseeland darf da geträumt werden. Nun, wo geht es zum Silberjubiläum hin? Bis jetzt weiß es außer einigen Geheimnisträgern niemand. Aber es wird wieder im September sein und das Standquartier wird auf einem wesentlich südlicheren Breitengrad liegen als Hammerfest, so viel steht jedenfalls schon fest.

Gebhard L. Heiler

FahrSchulPraxis
Ausgabe November 2006

Erscheinungsdatum 15.11.2006

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