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„Je öfter ich mitmache, desto mehr
empfinde ich Motorrad Total wie ein wiederkehrendes Ordenstreffen!“ Der
das sagte, war schon oft dabei und hat geschworen mitzumachen, solange
„meine Kondition es zulässt“. Und um in seinem Bild zu bleiben: Zur
„Bruderschaft“, die vor 24 Jahren mit dem legendären Trip nach Mallorca
anfing, haben sich längst treue Schwestern gesellt, ohne die Motorrad
Total nicht hätte werden können, was es ist: ein Topseminar mit familiärem
Fluidum.
Der Geist des „Ordens“, das darf man so
behaupten, ist ein sehr brüderlicher, was auf Sardinien erneut fühlbar
war. Im Vergleich zu anderen Orden sind die Hürden des Eintritts freilich
nieder, und das Noviziat verlangt weder die Ablegung von Gelübden noch
irgendeine Art von Askese oder Selbstkasteiung. Disziplin und Fairness
aber stehen hoch im Kurs. So finden sich beim allherbstlichen
„Ordenskonvent“ nur wissensdurstige Profis ein. Für Motorrad-Rambos und
PS-Protze ist bei Motorrad Total kein Platz, das ist eiserne Konvention
und damit Gewähr für glatten Ablauf und gesundes Heimkommen. „Wer mitreden
will, muss dabei gewesen sein!“ Diese Erkenntnis scheint – und das macht
Freude – mehr und mehr auch zu jungen Kolleginnen und Kollegen
durchzudringen. Denn nie zuvor hatte der „Orden“ einen so starken
Verjüngungsschub bekommen wie jetzt auf Sardinien. Die Kerntruppe nahm sie
warm auf und tat alles, um sie dauerhaft zu integrieren.
Sardinen – Motorradlust pur
In dieser 4. Septemberwoche war das Wetter
auf Sardinien von spätsommerlicher Pracht. Dies und das sich unmittelbar
vor den Toren des Hotels ausbreitende Motorradrevier beflügelte den
Tatendrang der 70 Biker und ihrer Guides. „Man sitzt auf und hat sofort
eine einzigartige Motorradlandschaft unter den Rädern, spärlicher Verkehr,
saubere Straßen, prächtige Kurven, so muss es sein!“ (O-Ton eines Motorrad
Total Veteranen.) In Badesi Mare, einem kleinen Ort am malerischen Golfo
di Asinara im Nordwesten der Insel, bezog Motorrad Total Quartier. Das
4-Sterne-Hotel mit dem englischen Namen Dune Village (Dünen-Dorf) ist
nicht einer der üblichen Touri-Kästen, sondern ein riesiger Hotelpark mit
ca. 100 in üppige Flora hingestreuten Chalets. Vom 13 Kilometer langen
Sandstrand nur durch eine harmlose Vizinalstraße getrennt, ist es der
Inbegriff vom Urlaubsparadies. Mehrere gut geführte Restaurants, Bars,
zwei kapitale Swimming Pools und eine Reihe anderer angenehmer Fazilitäten,
wie Tennisplätze und das Villaggio Fantasia für die Kleinen runden dieses
Bild ab.
Praxis und Theorie im Wechsel
Die etwas raue Überfahrt von Genua nach
Olbia war vergessen, als sich Montagfrüh die in sieben Gruppen
eingeteilten Biker bei azurnem Himmel zum Start für Realverkehr I
trafen. Die 260 Kilometer lange Strecke hatte alles, was für den Einstieg
in die Seminarwoche zählte. Die Stimmung war vom ersten Moment an Daumen
nach oben und hielt sich nicht nur so, sondern steigerte sich im Verlauf
der Woche noch deutlich.

Zur Theorie am Dienstag war Verbandsboss
Tschöpe angereist und referierte wie gewohnt sachkundig und anschaulich
über komplexe Sachverhalte wie Dritte EU-Führerscheinrichtlinie,
Entbürokratisierung des Fahrlehrerwesens, Kooperation von Fahrschulen und
anderes mehr. Am Mittwoch führte Realverkehr II auf gut 280
Kilometern über Kurven und Serpentinen gen Süden zum Städtchen Villanova,
und am Freitag schraubte sich Realverkehr III, es ging östlich in
Richtung Küste Mare Tirreno, gar auf 320 km hoch.

Neuer Motorradreferent gesucht
Wegen beruflicher Neuorientierung hat
Theodor Heinemann das Amt des Motorradreferenten nach erfolgreicher
dreijähriger Amtszeit im Sommer dieses Jahres niedergelegt, jedoch nicht
ohne zuvor noch die Strecken auf Sardinien abzustecken. Für ihn sprang auf
Bitte des Verbandsvorstandes der bewährte Motorradmoderator Karl-Heinz
Hiller in die Bresche oder, wie er es ausdrückte, „in das eiskalte Wasser“
der Seminarverantwortung vor Ort. Dies vorneweg: Hiller hat die Fluten
gekonnt geteilt, und - er wird es gespürt haben - statt Kälte (so es sie
gegeben haben sollte) schlug ihm im Laufe der Woche zunehmend wohlige
Wärme entgegen.
Mercedes schmeißt einen Abend
Hartes Lernen auf wahnsinnigen Pisten
fordert Entspannung. Und so war am Dienstag der bei Motorrad Total schon
traditionelle Mercedes-Abend eine willkommene Abwechslung. Jörg Gajewski,
beim Mercedes-Vertrieb in Berlin für die Fahrschulen zuständig, hatte ins
La Duna Bianca, das Top-Restaurant des Dune Village, geladen. Vorsitzender
Tschöpe bedankte sich mit warmen Worten für die generöse Unterstützung des
Motorradseminars, „und das, obwohl Mercedes noch immer keine Motorräder
produziert“. Gajewski, selbst auch enthusiastischer Biker, ging ebenso
launig auf Tschöpe ein und meinte, das Spitzenseminar der
Baden-Württemberger verdiene das einfach. Gajewski garnierte seine
begeisternde Rede mit einer Überraschung: Jeder seiner Gäste erhielt einen
hochpotenten USB-Stick in stilvoller Mercedes-Verpackung als Geschenk.

Muße
Der Donnerstag war frei. Erholung von den
Strapazen des Realverkehrs. Und für die Begleiterinnen eine willkommene
Unterbrechung. Denn Sardinien hat nicht nur klasse Motorradpisten. Die
Zivilisation hat dort eine mannigfaltige sehens- und erlebenswerte Kultur
hervorgebracht, deren seit 1100 Jahren aufgeschriebene Geschichte von
Römern, Byzantinern und Arabern geprägt wurde.
Abschied mit Vogel-Abend
„Kaum ist man richtig warm geworden, ist
die Woche auch schon wieder dahin!“ So und ähnlich sagten es viele an dem
vom Vogel-Verlag, München, gesponserten Abschiedsabend im Ristorante
Carrimbanca, für den sich Vize Wolfgang Fischer im Namen aller Teilnehmer
bei der Geschäftsleitung des Hauses Vogel herzlich bedankte. Die Stimmung
fuhr bei den Lobes- und Dankesworten auf die Organisation und die Leitung
des Seminars noch einmal richtig hoch. Manche Teilnehmer ergingen sich
dabei in Superlativen. Aber auch weniger euphorische Zeitgenossen
kommentierten Sardinien Total als eines der bisher besten
Langstreckenseminare überhaupt.
Dank und Anerkennung
Besonderes Lob erhielten Karl-Heinz Hiller
für die souveräne Leitung, Nadine Demjanow für wiederum perfekte
Organisation und aufmerksamen Service während der ganzen Woche. Lob und
Dank auch für die Instruktoren Franz Enghauser, Jan Kluge, Udo Laudes,
Siegfried Nill, Georg Rück und Helmut Storck, die ihre Gruppen mit großem
Geschick sicher geführt hatten.
Der Abend war für den als Instruktor sehr
verdienten Kollegen Rolf Felske besonders denkwürdig. Weil er bald in den
Ruhestand geht, hatte er seine während vieler Jahre umsichtig und
fürsorglich geführte Gruppe in die Hände von Helmut Storck übergeben. Man
ahnte, dass es ihm nicht leicht fiel, Valet zu sagen. Aber er und seine
liebe Frau sind auch in Zukunft immer herzlich willkommene Gäste bei
Motorrad Total.
Service, Beistand und Hilfe
Wenn eine Gruppe von 100 Leuten im Ausland
unterwegs ist, ist jede Art von Handreichungen sehr willkommen. Sascha
Stoll von Leihwagen Hild in Vöhringen/Thal hatte immer eine extra Portion
Motoröl parat, wenn einer der Boxer wieder einmal etwas mehr verbraucht
hatte. Auch sein Fensterleder war angesichts der morgens vom Tau
beschlagenen Mückenpatscher immer sehr willkommen. Und Gustav Hilds
Anhänger hinter der von Mercedes zur Verfügung gestellten R-Klasse
beförderte mehrere Motorräder und hätte auch für Havaristen (die es
glücklicherweise nicht gab!) zur Verfügung gestanden. Last but not least
gebührt Karlheinz Beck vom Vogel-Verlag und seinem Bruder Uwe ein ganz
herzliches Dankeschön für die unermüdliche fotografische Dokumentation des
Geschehens und auch schon jetzt für die daraus noch entstehende CD.

Heimreise
So eine Überfahrt mit der Fähre hat einiges
für sich. Zum Ersten hat man noch einige gemeinsame Stunden, zum Zweiten
ist das vergnüglich und zum Dritten kann man dabei gemeinsam über das
nächstjährige Ziel von Motorrad Total spekulieren. Mallorca, Sizilien,
Dolomiten, Wallis, ja selbst ein übermütiger Traum von Neuseeland darf da
geträumt werden. Nun, wo geht es zum Silberjubiläum hin? Bis jetzt weiß es
außer einigen Geheimnisträgern niemand. Aber es wird wieder im September
sein und das Standquartier wird auf einem wesentlich südlicheren
Breitengrad liegen als Hammerfest, so viel steht jedenfalls schon fest.
Gebhard L. Heiler
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