„Liebe Kolleginnen und Kollegen in nah
und fern, zuerst möchte ich mich beim Beirat für das einstimmige Votum,
mit dem ich zum Motorradreferenten berufen wurde, herzlich bedanken.
Dieses Vertrauen ist Verpflichtung. Ich hoffe, ihr gerecht zu werden.
Mein Vorgänger, Theo Heinemann, hat sich beruflich verändert. Um
Interessenkollisionen zu vermeiden, sah er sich leider gezwungen, das
Amt des Motorradreferenten aufzugeben. Danke, Theo, für deine jahrelange
Arbeit für den Beirat und den Verband. Dank auch den Instruktoren des
Langstreckentrainings. Ohne Franz Enghauser, Jan Kluge,
Udo Laudes, Siegfried Nill, Georg Rück und Helmut
Storck wäre es nicht möglich, unsere Motorrad-Fortbildung, die uns
bis zum heutigen Tage durch halb Europa geführt hat, durchzuführen. Es
hat dieses Jahr in Sardinien richtig gut getan, so eine gute Mannschaft
im Rücken zu haben. Ebenfalls Dank an den Vorstand und die
Geschäftsstelle des Verbandes, insbesondere an Nadine Demjanow, für die
hervorragende Zusammenarbeit.
Lassen Sie mich einen kurzen Ausblick in
die Zukunft wagen. Wir Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer sind laut unserem
gesetzlichen Auftrag verpflichtet, junge Menschen gewissenhaft auf den
Straßenverkehr vorzubereiten. Dazu gehört es auch, unsere Fahrschüler
auf die Fahrerlaubnisprüfung einzustellen. Leider machen sich immer
wieder Fahrlehrer breit, die nicht die Verkehrssicherheit auf ihre
Fahnen geschrieben haben, sondern nur auf Profit und rücksichtslose
Vernichtung der Mitbewerber aus sind. Sie versuchen, durch ihr Treiben
eine marktbeherrschende Stellung zu erzwingen. Wehe den Kunden! Vom
Gesetzgeber werden uns für die Gegenwehr leider nur stumpfe Schwerter in
die Hand gegeben. Wer versucht, durch rechtliches Handeln sein Überleben
zu sichern, muss feststellen, dass er über kurz oder lang pleite ist.
Obwohl es doch eigentlich so einfach ist: Selbst ein Grundschüler ist in
der Lage (sogar ohne Taschenrechner) auszurechnen, dass eine Grundgebühr
von 70 € nicht den Grundsätzen von Preisklarheit und Preiswahrheit
entsprechen kann. Somit ist die einzige Chance gegen diese
machthungrigen Egoisten anzutreten, eine hervorragende
Ausbildungsqualität. Ich muss entscheiden: Bin ich billig oder bin ich
gut? (Qualität hat ja bekanntlich ihren Preis!) Der Einstieg in eine
abwärts gerichtete Preisspirale führt entweder in die Illegalität oder
in die Pleite. Arbeite ich mit Dumping-Preisen, kann ich nur existieren,
wenn ich entweder meine Angestellten oder mich selbst ausbeute, oder
indem ich meine Fahrschüler oder den Staat betrüge. Dabei reicht ein
schwarzes Schaf, der an einem Ort die Basis für vernünftiges Arbeiten
kaputt macht. Habe ich vernünftige Preise, muss ich einfach besser sein.
Nur wenn bei meiner Leistung klar wird, dass sie besser ist, kann ich
erwarten, dass ich auch morgen noch Fahrschüler haben werde. Dabei
sollten wir nicht vergessen, dass es unsere Aufgabe ist, junge Menschen
zu ihrer Verantwortung als Kraftfahrer zu erziehen. Das kann nicht durch
jugendhaft flippiges Auftreten und anbiedernd cooles Gehabe ersetzt
werden; wer glaubt, dies sei der Weg, sich ein möglichst großes Stück
vom Kuchen herausschneiden zu können, wird früher oder später
Schiffbruch erleiden. Unsere Aufgabe ist die Verkehrssicherheit. Jeder
junge Mensch, der einem Unfall zum Opfer fällt, ist einer zu viel.
Ich möchte Sie aufrufen, weiter daran zu
arbeiten, noch besser, noch effektiver, noch bewusster, noch
erfolgreicher im Sinne der Minderung der Unfallzahlen auszubilden. Die
alltägliche Leistung der überwiegenden Mehrheit der Fahrschulen in
Baden-Württemberg ist eine ganz hervorragende. Wir dürfen uns diesen
wunderbaren Beruf nicht kaputtmachen lassen. Wir müssen uns aber für die
Zukunft immer weiter entwickeln. Und das kann nur heißen: Unser Tun
immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und ganz ehrlich uns selbst
die Frage zu stellen: Wo kann ich noch mehr tun? Und ich bin sicher, wer
das tut, dem gehört die Zukunft. Dazu möchte ich ein klein wenig
beitragen. Deshalb freue ich mich auf die Diskussion mit Ihnen, wie wir
gemeinsam noch besser werden können.
Bei unserem Langstreckentraining und in
vielen Gesprächen bei der Beiratssitzung in Höchenschwand am 20. und 21.
Oktober habe ich schon zahlreiche Ideen und Vorschläge gehört. Zwar ist
manches nicht leicht umsetzbar, aber es waren auch ganz hervorragende
Ideen dabei. Und wir arbeiten schon an deren Umsetzung. Gleichstand ist
Rückschritt. Wir müssen uns vorwärts entwickeln. Dabei möchte ich auch
Gewohnheiten auf den Prüfstand stellen, die wir als selbstverständlich
erachten.
Ist es z. B. richtig, dass wir als
Motorradausbilder bei Sommerhitze in der Öffentlichkeit das Bild eines
Im-klimatisierten-Auto-sitzenden-Genießers abgeben? Oder das des
Molligwarmen-Hinterherfahrers, wenn der Schüler bei nahe Null Grad auf
dem Motorrad zittert?
Mit motorradfreundlichen Grüßen aus
Hohenlohe
Ihr Karl-Heinz Hiller
PS: Hier noch meine Vita:
- Seit 1979 Fahrlehrer
- Seit 1985 Motorrad-SHT-Instruktor
- Seit 1986 Fahrschulerlaubnis
- Seit 1998 Kreisvorsitzender Hohenlohe”
E-Mail:
info@fs-hiller.de