|
Denken Sie, liebe Leser,
jetzt bitte nicht an die alljährlich in der 5. Münchner Jahreszeit
steigende Starkbierprobe, denn die ist nicht gemeint. Salvatore -
nicht Salvator - ist ein wohlklingender und in Italien sehr
gebräuchlicher Vorname. Die Lateiner unter Ihnen werden wissen, dass
sich der Name von „salús“ herleitet und Retter oder Erlöser
bedeutet. Nicht umsonst sprechen die Juristen von der salvatorischen
Klausel, mit der sie schräge Verträge am Leben zu erhalten trachten.

Salvatore
Aber lassen wir das
und kommen zu Salvatore aus Sardinien, dem diese Zeilen gelten.
Irgendwann Ende der 1960er Jahre kam Salvatore nach Deutschland.
Warum? Nun, weil auf Sardinien mit Arbeit „nix als dode Hose isch
gewest“. Er verdingte sich im südbadischen Gengenbach bei der Firma
Hukla, einer Polstermöbelfabrik. Da malochte er nun tagaus, tagein,
schickte brav sein Geld nach Pozzomaggiore und hatte Heimweh nach
seiner Sonneninsel. Doch eines Tages lernte der fesche Gasti das
hübsche Mädchen Maria, eine Tedesca, kennen. Und wie es klingt, wenn
ein glutvoller Latino ti amo stöhnt, das weiß Maria noch heute -
aber darüber später mehr.
In der letzten
Ausgabe der FahrSchulPraxis berichteten wir ausführlich über
Sardinien Total. Da war auch ein
Bild, auf dem einige Fahrlehrer in einer kleinen sardischen
Ortschaft Rast machen. Einer davon ist der Kollege Konrad Huber aus
Gengenbach. Als die Biker ihren Espresso schlürften, kam ein
älterer, leicht als einheimisch auszumachender Herr auf die Gruppe
zu: „Ich habe OG an euren Maschinen gesehen, ihr kommt aus
Offenburg, und ich war lang in Gengenbach!“ Konrad Huber fühlte sich
angesprochen und bekannte sich sogleich als nativer Gengenbacher. Da
war sofort Sympathie - es funkte gleichsam zwischen den beiden
„Landsleuten“. Salvatore nahm Konrad mit in seinen Weinkeller und
beschenkte ihn mit zwei Flaschen von seinem besten Tropfen. Dabei
ging ihm das Herz über und er schwärmte von seiner großen deutschen
Liebe, nämlich eben jener Maria. Wegen widriger, im familiären
Bereich liegender Umstände, so erzählte er Konrad, habe er das Mädel
in Gengenbach zurücklassen müssen, als er nach Jahren wieder in
seine Heimat zurückgekehrt sei.
Als Salvatore
schließlich den Nachnamen seiner geliebten Maria preisgab, war das
für Konrad ein leichter Schock, denn es war der Mädchenname seiner
Mutter, die auch Maria heißt. War Salvatore etwa sein Vater? Hatte
man ihm jahrzehntelang seinen wahren Erzeuger verschwiegen? War da
etwa ein familiärer Skandal vertuscht worden? Konrad schürfte bei
Salvatore etwas tiefer nach Daten und Fakten und konnte sich bald
selbst Entwarnung geben, denn die Vaterschaft passte zeitlich nicht!
Das hinderte die
umstehenden Kollegen jedoch nicht, noch Tage danach Konrad wegen
dessen momentaner Fassungslosigkeit zu frotzeln. Konrad seinerseits
versprach Salvatore, nach seiner Maria zu fahnden. Er fand sie, und
es stellte sich heraus, dass die nun auch schon etwas ältere Dame
eine entfernte Verwandte seiner Mutter ist. Konrad Huber besuchte
Maria und erzählte ihr von seiner sardischen Begegnung. Lang
betrachtete sie das Bild von Salvatore, der, wie Sie sich, liebe
Leser, selbst überzeugen können, noch immer ein gut aussehender Mann
ist. Maria bekannte sich unumwunden zu Salvatore als der ganz großen
Liebe ihres Lebens. Sie hat übrigens nie geheiratet. Ob sich die
beiden noch einmal wiedersehen werden? Konrad Huber hat jedenfalls
den Kontakt neu geknüpft. Wenn es zu einem Wiedersehen kommen
sollte, könnte demnächst eine Schlagzeile der FahrSchulPraxis so
lauten:
Motorrad Total revitalisiert alte Liebe!
GLH |