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Eine
junge Polin absolvierte bei der Kollegin Helga Bayer in Ulm ein
Praktikum. Kurz vor ihrer Ausreise aus Polen hatte sie in ihrer
Heimat den Führerschein erworben. Sie hat ihre Erfahrungen über
Ausbildung und Prüfung in einem kurzen Bericht zusammengefasst.
Freilich handelt es sich dabei um einen Einzelfall, der sich nicht
unbedingt verallgemeinern lässt. Die junge Frau betont aber, dass
auch andere Fahrschüler vergleichbare Erfahrungen gemacht haben.
Wenn dies die Realität widerspiegelt, drängt sich die Frage auf: Wie
kann das großspurige Versprechen „Führerschein in wenigen Tagen“
eingehalten werden?
Kollegin Bayer ließ ihre
Praktikantin an einem Seminar der zweiten Phase (FSF) teilnehmen.
Dieses hat der jungen Polin nach eigener Aussage mehr Sicherheit
gebracht. Ihr Vater fragte die Kollegin Bayer „Was haben Sie mit
meiner Tochter gemacht? Die fährt auf einmal viel überlegter und
auch vorsichtiger.“ Eine Aussage über den Nutzen der Seminare, die
sicher nicht nur für die junge Polin sondern für viele Fahranfänger
Gültigkeit haben dürfte.
Fahrausbildung in Polen -
der lange Weg zum Schein
Ein Bericht
Wer
in Polen einen Führerschein machen möchte, muss erst mal eine aus
den vielen Großfahrschulen auswählen. Wenn man seine Fahrschule
gefunden hat, muss man sich zuerst einer medizinischen Untersuchung
unterziehen (Sehtest und allgemeine ärztliche Untersuchung). Im
Pflichtschulungsprogramm sind jeweils 30 Theorie- und Fahrstunden zu
ca. 60 Min. inbegriffen. In der Theorie wird über die
Verkehrszeichen, Fahrsicherheit und ein ganz kleines bisschen über
die Mechanik gesprochen. Die Schüler werden auch für die staatliche
Theorieprüfung vorbereitet, in dem man mit ihnen sehr viele Tests
macht und die Fragen immer wieder durchgeht. Wenn man alle
Theoriestunden gemacht hat, muss man eine interne Prüfung ablegen,
um mit den Fahrstunden anfangen zu dürfen.
Im
Zeitraum, während dessen die Fahrstunden absolviert werden, legen
die meisten Fahrschüler die staatliche Theorieprüfung ab. Von den 30
Fahrstunden werden leider nur 15 bis 20 Stunden im Realverkehr
gefahren. Die restlichen Stunden verbringt man auf einem
Übungsplatz. Dort lernt jeder Fahrschüler, wie man richtig einparkt.
Das ist ein sehr wichtiger Punkt in der Fahrprüfung. Es ist sehr
schwer, weil die Lücken eng bemessen sind für das Fahrzeug, in dem
man sitzt. Man hat zwei Versuche und darf nur einmal korrigieren.
Durch den extremen Zeitaufwand für die Einparkübungen lernen die
Fahranfänger viel zu wenig darüber, wie man sich im Realverkehr
verhalten sollte. Was natürlich sehr ungünstig ist und nicht
unbedingt sicher für andere Verkehrsteilnehmer.
Wenn
man dann alle 30 Stunden hinter sich hat, legt man einen
Prüfungstermin fest (das macht jeder Fahrschüler selbst). Auf die
Fahrprüfung wartet man ungefähr einen Monat. Wenn dann der Tag der
Prüfung kommt, sind alle Prüflinge sehr gestresst, weil es sehr oft
vorkommt, das man, bevor man im Auto sitzt, schon weiß, dass man die
Prüfung nicht bestehen wird, weil der Prüfer in schlechter Laune ist
oder so etwas. Das nächste Problem ist das Fahrzeug. Die Prüfung
wird nicht auf dem Fahrzeug abgelegt, mit dem man gelernt hat,
sondern auf einem anderen, zwar meist mit demselben Modell, aber wir
alle wissen, jedes Fahrzeug ist anders.
Neuerdings sollen Kameras im Auto sein, früher war der Prüfling mit
dem Prüfer im Auto allein. Der Fahrlehrer ist nicht mit dabei - was
den Stressfaktor noch erhöht. Eigentlich ist es normal, dass man die
Prüfung mehrmals macht. Zuerst muss man zum Einparken auf den
Übungsplatz, wo schon viele Fahranfänger durchgefallen sind. Das
macht zwar den Stress nicht kleiner, aber die Lücken zum Einparken
sind größer.
Wenn
man schon so viel Glück hat und die Prüfung endlich besteht, geht
man mit seinen Papieren zum Kommunikationsamt und beantragt den
Führerschein. Die Ausstellung dauert dann nochmals mindestens einen
Monat!
Katja |