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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe März/2007, Seite 156

 

Eine junge Frau berichtet:

Führerschein in Polen

 

Eine junge Polin absolvierte bei der Kollegin Helga Bayer in Ulm ein Praktikum. Kurz vor ihrer Ausreise aus Polen hatte sie in ihrer Heimat den Führerschein erworben. Sie hat ihre Erfahrungen über Ausbildung und Prüfung in einem kurzen Bericht zusammengefasst. Freilich handelt es sich dabei um einen Einzelfall, der sich nicht unbedingt verallgemeinern lässt. Die junge Frau betont aber, dass auch andere Fahrschüler vergleichbare Erfahrungen gemacht haben. Wenn dies die Realität widerspiegelt, drängt sich die Frage auf: Wie kann das großspurige Versprechen „Führerschein in wenigen Tagen“ eingehalten werden?

Kollegin Bayer ließ ihre Praktikantin an einem Seminar der zweiten Phase (FSF) teilnehmen. Dieses hat der jungen Polin nach eigener Aussage mehr Sicherheit gebracht. Ihr Vater fragte die Kollegin Bayer „Was haben Sie mit meiner Tochter gemacht? Die fährt auf einmal viel überlegter und auch vorsichtiger.“ Eine Aussage über den Nutzen der Seminare, die sicher nicht nur für die junge Polin sondern für viele Fahranfänger Gültigkeit haben dürfte.

Fahrausbildung in Polen -
der lange  Weg zum Schein

Ein Bericht

Wer in Polen einen Führerschein machen möchte, muss erst mal eine aus den vielen Großfahrschulen auswählen. Wenn man seine Fahrschule gefunden hat, muss man sich zuerst einer medizinischen Untersuchung unterziehen (Sehtest und allgemeine ärztliche Untersuchung). Im Pflichtschulungsprogramm sind jeweils 30 Theorie- und Fahrstunden zu ca. 60 Min. inbegriffen. In der Theorie wird über die Verkehrszeichen, Fahrsicherheit und ein ganz kleines bisschen über die Mechanik gesprochen. Die Schüler werden auch für die staatliche Theorieprüfung vorbereitet, in dem man mit ihnen sehr viele Tests macht und die Fragen immer wieder durchgeht. Wenn man alle Theoriestunden gemacht hat, muss man eine interne Prüfung ablegen, um mit den Fahrstunden anfangen zu dürfen.

Im Zeitraum, während dessen die Fahrstunden absolviert werden, legen die meisten Fahrschüler die staatliche Theorieprüfung ab. Von den 30 Fahrstunden werden leider nur 15 bis 20 Stunden im Realverkehr gefahren. Die restlichen Stunden verbringt man auf einem Übungsplatz. Dort lernt jeder Fahrschüler, wie man richtig einparkt. Das ist ein sehr wichtiger Punkt in der Fahrprüfung. Es ist sehr schwer, weil die Lücken eng bemessen sind für das Fahrzeug, in dem man sitzt. Man hat zwei Versuche und darf nur einmal korrigieren. Durch den extremen Zeitaufwand für die Einparkübungen lernen die Fahranfänger viel zu wenig darüber, wie man sich im Realverkehr verhalten sollte. Was natürlich sehr ungünstig ist und nicht unbedingt sicher für andere Verkehrsteilnehmer.

Wenn man dann alle 30 Stunden hinter sich hat, legt man einen Prüfungstermin fest (das macht jeder Fahrschüler selbst). Auf die Fahrprüfung wartet man ungefähr einen Monat. Wenn dann der Tag der Prüfung kommt, sind alle Prüflinge sehr gestresst, weil es sehr oft vorkommt, das man, bevor man im Auto sitzt, schon weiß, dass man die Prüfung nicht bestehen wird, weil der Prüfer in schlechter Laune ist oder so etwas. Das nächste Problem ist das Fahrzeug. Die Prüfung wird nicht auf dem Fahrzeug abgelegt, mit dem man gelernt hat, sondern auf einem anderen, zwar meist mit demselben Modell, aber wir alle wissen, jedes Fahrzeug ist anders.

Neuerdings sollen Kameras im Auto sein, früher war der Prüfling mit dem Prüfer im Auto allein. Der Fahrlehrer ist nicht mit dabei - was den Stressfaktor noch erhöht. Eigentlich ist es normal, dass man die Prüfung mehrmals macht. Zuerst muss man zum Einparken auf den Übungsplatz, wo schon viele Fahranfänger durchgefallen sind. Das macht zwar den Stress nicht kleiner, aber die Lücken zum Einparken sind größer.

Wenn man schon so viel Glück hat und die Prüfung endlich besteht, geht man mit seinen Papieren zum Kommunikationsamt und beantragt den Führerschein. Die Ausstellung dauert dann nochmals mindestens einen Monat!

Katja

FahrSchulPraxis
Ausgabe März 2007

Erscheinungsdatum 15.03.2007

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