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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe April/2007, Seite 210

Gebhard L. Heiler

Volksseuche Bleifuß

 

Klimaschutz! Dieses in den letzten Wochen so viel strapazierte und auch missbrauchte Wort kommt mir nur noch mit Widerwillen über die Lippen. Dabei bin ich ein überzeugter Anhänger umweltverträglicher Technik. Und ich ignoriere auch nicht die hohe Wahrscheinlichkeit menschlichen Zutuns an der nicht mehr bestreitbaren Erwärmung des Weltklimas während der letzten fünf bis zehn Dekaden.

Was mich in Rage bringt, ist die ideologische Instrumentalisierung des Klimaschutzes durch Politiker und Interessenvertreter. Wenn sich der grüne Oberbürgermeister von Tübingen medienwirksam einen Hybrid-Japaner als Dienstwagen bestellt, ist das nichts weiter als ein durchsichtiges populistisches Manöver, das man in unserer wirtschaftlich vernetzten Welt gelassen zur Kenntnis nehmen sollte. Jedoch zu behaupten, die deutsche Automobilindustrie habe es jahrelang „verpennt“, sparsame, umweltverträgliche Motoren zu konstruieren, ist nichts weiter als üble Demagogik und Verleumdung. Tatsache ist, dass die sparsame Dieseltechnik von den deutschen Autoherstellern ausging und hierzulande in einzigartiger Weise kultiviert wurde. Das Gleiche gilt für die effiziente Kraftstoffeinspritzung beim Ottomotor, die in deutschen Premiumautos den Vergaser schon vor fast 50 Jahren abgelöst hat.

Apropos Hybridauto: Das ist vorübergehend sicher eine interessante Alternative zum Monoantrieb mit Verbrennungsmotor, aber nicht die Lösung des Problems schlechthin. Dieses Aushängeschild von Toyota verliert übrigens erheblich an Glanz, wenn man an die durstigen Luxusautos und Geländewagen (SUV) dieser Company denkt. Am meisten jedoch wurmt mich, dass in dieser Diskussion um die „Stinker“ offenbar nur die Technik zählt. Das erinnert mich an den Spruch eines etwas schlichten Sheriffs aus dem Mittleren Westen: „Fahrschule, wozu Fahrschule? Mom oder Dad machen das zwischen Karfreitag und Ostern, dann setzen wir die Kids in ein gutes amerikanisches Auto, schnallen sie richtig an, und so kommen die auf unseren prima Straßen auch wieder gut nach Hause.“ Das Getöse um den Schadstoffausstoß in Gramm pro Kilometer ist so laut, dass das Nächstliegende darin untergeht.

Meine Damen und Herren Umweltpolitiker, prangern Sie doch zur Abwechslung einmal die Volksseuche Bleifuß öffentlich an. Da zucken Sie, was? Sie haben Angst, das könnte als Wählerbeschimpfung verstanden werden? Wenn Sie es sich aber doch trauten, könnten Sie Ihren Wählern sagen, dass man mit kluger Fahrweise ohne technischen Aufwand aus einem großen „Stinker„ nachweislich einen um bis zu 30 Prozent kleineren Stinker machen kann. Freilich, Ihren Tübinger Kollegen würden Sie damit in eine arge Bredouille bringen, denn er müsste zerknirscht einsehen, dass er seiner Stadt das teure Hybridauto hätte ersparen können …

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe April 2007

Erscheinungsdatum 15.04.2007

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