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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe April/2007, Seite 218

 

Trotz Krankheit ans Steuer?

 

Ein kleines Mädchen gab auf die Frage Was ist Krankheit? die Antwort: "Wenn ich im Bett bleiben darf und nicht zur Schule muss." Diese Art „Krankheitsvergnügen“ erleben Erwachsene in der Regel nicht mehr. Im Gegenteil, oft stellt sich die Frage, ob ein wichtiger Termin nicht trotz Unpässlichkeit wahrgenommen werden muss, ob man eine Fahrstunde oder Prüfungsfahrt deshalb ausfallen lassen darf.

In unserem Krankenversicherungssystem wird eine Krankheit (genauer: die Arbeitsunfähigkeit infolge einer Erkrankung) formal durch einen Arzt festgestellt und in der Regel dem Arbeitgeber mitgeteilt. Einer formalen Krankschreibung geht stets eine Selbsteinschätzung voraus, bei der sich jeder die Frage stellt, ob er im Bett bleibt oder seine Arbeit aufnehmen und Auto fahren kann.

Krankheit immer gleich Fahrverbot?

Krankheit bedeutet nicht zwangsläufig Fahrverbot. Das Fahrerlaubnisrecht hebt zu Recht auf den Begriff der "Eignung" im Zusammenhang mit einer Krankheit oder Erkrankung ab. Zu vielen dauerhaften (chronischen) Erkrankungen wird in Deutschland seit Jahrzehnten eine maßgebende Expertise veröffentlicht. Diese "Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrereignung" richten sich an Gutachter oder Betriebsärzte bei der Beurteilung chronischer Krankheiten im Hinblick auf die Fahreignung.

Die Selbstdiagnose kann täuschen

Jeder Fahrer muss sich bei Beschwerden wie starken Kopfschmerzen oder einer Erkältung selbst die Frage stellen, ob er sich für fahrtüchtig hält. Fieber schränkt in der Regel das Reaktionsvermögen und damit die Fahrtüchtigkeit ein. Ein akuter Infekt der oberen Luftwege (Schnupfen) ohne Fieber ist in der Regel kein Problem beim Autofahren. Bei einem Infekt mit Fieber (wie beispielsweise bei einem Darminfekt), stellt sich die Frage, ob die körperliche Verfassung nicht durch Einnahme von Fiebermitteln oder sonstigen Medikamenten verbessert werden könnte. Beim Griff zum Medikament ist unbedingt darauf zu achten, ob in der Packungsbeilage auf Einschränkungen des Reaktionsvermögens hingewiesen wird. Im Zweifel fragen Sie einen Arzt oder Apotheker. Fiebersenkende Wirkstoffe wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure beeinträchtigen das Fahrvermögen im Allgemeinen nicht. Wenn Sie sich nach der Einnahme von Medikamenten müde oder unkonzentriert fühlen, sollten Sie Ihr Fahrzeug stehen lassen.

Fitness-Check schafft Klarheit

Eine ganz andere Herangehensweise ist bei dauerhaften (chronischen) Erkrankungen wie beim Zustand nach Herzinfarkt oder bei Zuckerkrankheit angezeigt. Für diese Fragestellung bietet der TÜV SÜD den "Fitness-Check" an, bei dem sich Verkehrsmediziner und Psychologen ausführlich mit dem Krankheitsbild auseinander setzen und eine persönliche Empfehlung abgeben. Der Fitness-Check kostet etwa 150 €.

Was tun bei plötzlicher Erkrankung?

Für plötzlich auftretende Erkrankungen sei nochmals zusammengefasst:

  • Wenn Sie sich krank fühlen, messen Sie Fieber. Bei Fieber ist körperliche Schonung angesagt, bleiben Sie an diesem Tag möglichst zu Hause.
  • Bei Kopfschmerzen und Unwohlsein ohne Fieber nehmen Sie zunächst eine Schmerztablette (am besten eine aus Ihrer eigenen Hausapotheke, deren Wirkung Sie kennen). Werden Sie im Verlauf des weiteren Tages müde oder unkonzentriert, beenden Sie diesen Arbeitstag.

Dr. med. Klaus-Dieter Koch-Wrenger,
Betriebsarzt, TÜV SÜD Life Service GmbH

FahrSchulPraxis
Ausgabe April 2007

Erscheinungsdatum 15.04.2007

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