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Ein
kleines Mädchen gab auf die Frage Was ist Krankheit? die Antwort:
"Wenn ich im Bett bleiben darf und nicht zur Schule muss." Diese Art
„Krankheitsvergnügen“ erleben Erwachsene in der Regel nicht mehr. Im
Gegenteil, oft stellt sich die Frage, ob ein wichtiger Termin nicht
trotz Unpässlichkeit wahrgenommen werden muss, ob man eine
Fahrstunde oder Prüfungsfahrt deshalb ausfallen lassen darf.
In unserem
Krankenversicherungssystem wird eine Krankheit (genauer: die
Arbeitsunfähigkeit infolge einer Erkrankung) formal durch einen Arzt
festgestellt und in der Regel dem Arbeitgeber mitgeteilt. Einer
formalen Krankschreibung geht stets eine Selbsteinschätzung voraus,
bei der sich jeder die Frage stellt, ob er im Bett bleibt oder seine
Arbeit aufnehmen und Auto fahren kann.
Krankheit immer gleich Fahrverbot?
Krankheit bedeutet
nicht zwangsläufig Fahrverbot. Das Fahrerlaubnisrecht hebt zu Recht
auf den Begriff der "Eignung" im Zusammenhang mit einer Krankheit
oder Erkrankung ab. Zu vielen dauerhaften (chronischen) Erkrankungen
wird in Deutschland seit Jahrzehnten eine maßgebende Expertise
veröffentlicht. Diese "Begutachtungsleitlinien zur
Kraftfahrereignung" richten sich an Gutachter oder Betriebsärzte bei
der Beurteilung chronischer Krankheiten im Hinblick auf die
Fahreignung.
Die
Selbstdiagnose kann täuschen
Jeder Fahrer muss
sich bei Beschwerden wie starken Kopfschmerzen oder einer Erkältung
selbst die Frage stellen, ob er sich für fahrtüchtig hält. Fieber
schränkt in der Regel das Reaktionsvermögen und damit die
Fahrtüchtigkeit ein. Ein akuter Infekt der oberen Luftwege
(Schnupfen) ohne Fieber ist in der Regel kein Problem beim
Autofahren. Bei einem Infekt mit Fieber (wie beispielsweise bei
einem Darminfekt), stellt sich die Frage, ob die körperliche
Verfassung nicht durch Einnahme von Fiebermitteln oder sonstigen
Medikamenten verbessert werden könnte. Beim Griff zum Medikament ist
unbedingt darauf zu achten, ob in der Packungsbeilage auf
Einschränkungen des Reaktionsvermögens hingewiesen wird. Im Zweifel
fragen Sie einen Arzt oder Apotheker. Fiebersenkende Wirkstoffe wie
Paracetamol oder Acetylsalicylsäure beeinträchtigen das Fahrvermögen
im Allgemeinen nicht. Wenn Sie sich nach der Einnahme von
Medikamenten müde oder unkonzentriert fühlen, sollten Sie Ihr
Fahrzeug stehen lassen.
Fitness-Check schafft Klarheit
Eine ganz andere
Herangehensweise ist bei dauerhaften (chronischen) Erkrankungen wie
beim Zustand nach Herzinfarkt oder bei Zuckerkrankheit angezeigt.
Für diese Fragestellung bietet der TÜV SÜD den "Fitness-Check" an,
bei dem sich Verkehrsmediziner und Psychologen ausführlich mit dem
Krankheitsbild auseinander setzen und eine persönliche Empfehlung
abgeben. Der Fitness-Check kostet etwa 150 €.
Was
tun bei plötzlicher Erkrankung?
Für plötzlich
auftretende Erkrankungen sei nochmals zusammengefasst:
- Wenn Sie sich
krank fühlen, messen Sie Fieber. Bei Fieber ist körperliche
Schonung angesagt, bleiben Sie an diesem Tag möglichst zu Hause.
- Bei Kopfschmerzen
und Unwohlsein ohne Fieber nehmen Sie zunächst eine
Schmerztablette (am besten eine aus Ihrer eigenen Hausapotheke,
deren Wirkung Sie kennen). Werden Sie im Verlauf des weiteren
Tages müde oder unkonzentriert, beenden Sie diesen Arbeitstag.
Dr.
med. Klaus-Dieter Koch-Wrenger,
Betriebsarzt, TÜV SÜD Life Service GmbH |