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Es heißt, Schwaben seien
gute Rechner. Manchmal sogar recht knickig. Wenn Sie Letzteres und
dazu noch ein Workaholic-Fahrlehrer sind, sollten Sie nicht nach
Wolfsburg fahren, um Ihren neuen VW abzuholen. Denn rein vom
Geldbeutel her würde es sich nicht lohnen. Da Schwaben aber
bekanntlich auch weltoffen, wonderfitzig (Hochdeutsch: neugierig,
wissensdurstig) und reiselustig sind, könnte ein Trip zur
Autostadt diesen Wesenszügen mehr als entgegenkommen. Die dicht
beim Werk liegende Autostadt ist, wenn man so will, ein Erlebnispark
mit angegliedertem Autosalon. Einmal angenommen, Sie sind mehr
Baden-Württemberger als „päber“ Kernschwabe, dann leisten Sie sich
beim Kauf des nächsten VW diese kleine Lustreise. Es bietet sich
dafür ein Wochenende an, denn die Autostadt hat, ausgenommen
Heiliger Abend und Silvester, an jedem Tag des Jahres geöffnet. So
viel vorweg: Das unter Alemannen und Schwaben weit verbreitete
Vorurteil, jenseits des Weißwurstäquators sei die Lebensart eher
unfröhlich, was sich vor allem in den aus Küche und Keller kommenden
Erzeugnissen dokumentiere, werden Sie danach reuevoll ablegen.

Autostadt Wolfsburg (Bild:
Volkswagen-Presse)
Sie überzeugen also
Ihre Frau (oder umgekehrt), steigen um 12.51 Uhr ab Stuttgart (oder
wo immer) in den ICE und brausen gen Norden. In Braunschweig steigen
Sie nach kurzem Aufenthalt in einen Bummelzug um, der noch vor 18.00
Uhr in Wolfsburg ankommt. Für ein Ticket der ersten Klasse zahlen
Sie zu zweit ohne Bahncard 324 €, für die zweite Klasse nur 206 €.
Mit Ihrem für eine Nacht sicher sehr leichten Gepäck nehmen Sie als
Ausgleich zum langen Sitzen den Fußweg zum RITZ CARLTON. In
diesem Hotel der ganz oberen Klasse hat Ihr VW-Händler für Sie
gebucht. Dafür und für die Attraktionen der Autostadt zahlen Sie 199
€. Der Abend ist noch jung, und zuerst einmal wollen Sie sich zu
zweit über Ihr Luxusquartier freuen. Danach laden Sie sie (oder
umgekehrt) nebenan ins CHARDONEY zum Abendessen ein. Comme il
faut, wie unsere westlichen Nachbarn es loben würden. Mit etwas
gutem Wein und einem schönen Digestif legen Sie dafür ca. 90 € hin.
Am anderen Morgen gehen Ihnen beim Frühstück erst einmal die Augen
über. Da fehlt gar nichts! Kaviar und Champagner? -
Selbstverständlich! Um den Tag in der Autostadt voll nutzen zu
können, sollten Sie sich nun etwas sputen. Die AbholerWelt
öffnet um 7.30 Uhr. Den großen gelben Alkoven erreichen Sie zu Fuß
in drei Minuten. Dort geben Sie den Abholschein und die Kennzeichen
ab. Vergessen Sie nicht die Zulassungsbescheinigung Teil I,
Personalausweis und Führerschein mitzubringen. Falls das neue Auto
nicht auf Sie zugelassen ist, müssen Sie überdies eine Vollmacht des
Halters vorlegen. Wenn Sie um halb acht dort sind, ist die Wartezeit
kurz. Danach wandern Sie in aller Ruhe zum KundenCenter, wo
Sie wenig später von einem freundlichen VW-Menschen Ihren Neuen
überreicht bekommen. Ihre Fragen werden bereitwillig beantwortet,
der Service ist auch dort vorbildlich. Es wäre falsch, jetzt sofort
nach Hause zu fahren. Wenigstens für ein paar Attraktionen der
Autostadt sollten Sie sich Zeit nehmen. Neben der WerkTour gibt es
viel Sehens- und Erlebenswertes rund ums Auto. Am besten besuchen
Sie zuvor die Website
www.autostadt.de. Aber auch Ihr
Händler kann Ihnen gute Tipps für den Aufenthalt an der
Geburtsstätte des Käfers geben. Mit einem guten Plan reist es sich
schon immer leichter. Und jetzt noch einmal zum Geld. Die
Überführung Ihres Autos per Lkw hätte Sie 495 € gekostet. Bis jetzt
haben Sie mit einem Ticket der 2. Klasse gerade so viel ausgegeben.
Freilich kommt jetzt noch der Sprit für die Heimfahrt hinzu. Aber
bitte, was sind die paar Kröten gegenüber zwei schönen Tagen zu
zweit, die viel Neues und viel Freude bieten? Diese Rechnung sollte
eigentlich auch einen knausrigen Kernschwaben überzeugen. Oder
nicht?
X.E.
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