|
Sehr geehrte Leserinnen
und Leser, die
aktuelle Unfallstatistik sagt uns, dass sich knapp zwei Drittel der
schweren Unfälle mit tödlichem Ausgang auf Bundes- und Landstraßen
ereignen. Danach erst kommen die innerörtlichen Straßen, und am Ende
der Statistik liegen die Autobahnen. Diese sind – trotz prinzipiell
unbegrenztem Tempo – noch immer die sichersten Straßen. Daraus
ergibt sich zwingend: Die sorgfältig geplante Überlandfahrt hat ein
besonderer Schwerpunkt der Fahrausbildung zu sein. Wer dies
verinnerlicht hat, wird nicht vorwiegend auf breiten, gut
ausgebauten Straßen fahren (obwohl auch das sein muss!), sondern
seine Fahrschüler vor allem auf Landstraßen mit erhöhtem
Schwierigkeitsgrad ausbilden: eng, kurvenreich, bergig, starker
Lkw-Gegenverkehr, unübersichtliche Kreuzungen usw. Solche
Überlandstrecken setzen jedoch eine gediegene Grundausbildung
voraus. Der Lerneffekt ist nämlich gleich null, wenn sich der
Schüler auf der Überlandfahrt noch groß auf die Bedienung des
Fahrzeugs konzentrieren muss.
Wer als Fahranfänger
die Gefahren schwieriger Landstraßen nicht kennt, läuft Gefahr, im
falschen Moment und an der falschen Stelle mit unangepasster
Geschwindigkeit zu fahren – häufige Ursache der sog. Alienunfälle.
Wer hingegen durch intensive, gezielte Ausbildung gelernt hat,
Kurven, Kuppen, „versteckte“ Einmündungen und andere
Unübersichtlichkeiten früh zu erkennen und das Tempo rechtzeitig zu
reduzieren, hat beste Chancen, den typischen Anfängerrisiken der
Landstraße und damit dem Unfall zu entkommen.
Zur guten Ausbildung
gehört eine adäquate Prüfung. Von engagierten Kolleginnen und
Kollegen höre ich über wirklich sorgsam, ja beispielhaft
strukturierte „Überlandprüfungen“. Aber leider höre ich immer wieder
auch vom krassen Gegenteil. Eine schwache Prüfung konterkariert die
Ausbildung, zieht zwangsläufig deren Niveau nach unten. Es ist
angesichts der erwähnten statistischen Erkenntnisse
unverantwortlich, den Prüfungsteil „Landstraße“ zu vernachlässigen.
Doch, wie eingangs erwähnt, „Landstraße“ ist mehr als auf einer gut
ausgebauten Bundesstraße mit „begradigten“ Kurven hin und her zu
fahren. Die Landstraße fordert uns heraus! Wir, Fahrlehrer und
Prüfer, sollten ihr um unserer Zöglinge willen mit einer
entschiedenen, nachhaltigen Kampfansage begegnen.
Mit besten Grüßen Ihr
Peter Tschöpe
Vorsitzender des
Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e. V. |