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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juni/2007, Seite 295

Editorial

Fahranfänger: Unfallort Landstraße

 

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die aktuelle Unfallstatistik sagt uns, dass sich knapp zwei Drittel der schweren Unfälle mit tödlichem Ausgang auf Bundes- und Landstraßen ereignen. Danach erst kommen die innerörtlichen Straßen, und am Ende der Statistik liegen die Autobahnen. Diese sind – trotz prinzipiell unbegrenztem Tempo – noch immer die sichersten Straßen. Daraus ergibt sich zwingend: Die sorgfältig geplante Überlandfahrt hat ein besonderer Schwerpunkt der Fahrausbildung zu sein. Wer dies verinnerlicht hat, wird nicht vorwiegend auf breiten, gut ausgebauten Straßen fahren (obwohl auch das sein muss!), sondern seine Fahrschüler vor allem auf Landstraßen mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad ausbilden: eng, kurvenreich, bergig, starker Lkw-Gegenverkehr, unübersichtliche Kreuzungen usw. Solche Überlandstrecken setzen jedoch eine gediegene Grundausbildung voraus. Der Lerneffekt ist nämlich gleich null, wenn sich der Schüler auf der Überlandfahrt noch groß auf die Bedienung des Fahrzeugs konzentrieren muss.

Wer als Fahranfänger die Gefahren schwieriger Landstraßen nicht kennt, läuft Gefahr, im falschen Moment und an der falschen Stelle mit unangepasster Geschwindigkeit zu fahren – häufige Ursache der sog. Alienunfälle. Wer hingegen durch intensive, gezielte Ausbildung gelernt hat, Kurven, Kuppen, „versteckte“ Einmündungen und andere Unübersichtlichkeiten früh zu erkennen und das Tempo rechtzeitig zu reduzieren, hat beste Chancen, den typischen Anfängerrisiken der Landstraße und damit dem Unfall zu entkommen.

Zur guten Ausbildung gehört eine adäquate Prüfung. Von engagierten Kolleginnen und Kollegen höre ich über wirklich sorgsam, ja beispielhaft strukturierte „Überlandprüfungen“. Aber leider höre ich immer wieder auch vom krassen Gegenteil. Eine schwache Prüfung konterkariert die Ausbildung, zieht zwangsläufig deren Niveau nach unten. Es ist angesichts der erwähnten statistischen Erkenntnisse unverantwortlich, den Prüfungsteil „Landstraße“ zu vernachlässigen. Doch, wie eingangs erwähnt, „Landstraße“ ist mehr als auf einer gut ausgebauten Bundesstraße mit „begradigten“ Kurven hin und her zu fahren. Die Landstraße fordert uns heraus! Wir, Fahrlehrer und Prüfer, sollten ihr um unserer Zöglinge willen mit einer entschiedenen, nachhaltigen Kampfansage begegnen.

Mit besten Grüßen Ihr

Peter Tschöpe
Vorsitzender des
Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e. V.

FahrSchulPraxis
Ausgabe Juni 2007

Erscheinungsdatum 15.06.2007

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