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Berufsverbände sind auf die dauerhafte Zustimmung ihrer Mitglieder
angewiesen. Die lässt sich nicht an momentanem Beifall festmachen.
Um zu erfahren, was die Mitglieder von ihrem Verband und dessen
Veranstaltungen halten, muss man schon etwas tiefer schürfen. Bei
der Hauptversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V.
am 21. April in Pforzheim lag den Mitgliedern ein Fragebogen vor,
auf dem sie sich zu neun die Pforzheimer Tagung betreffenden Fragen
anonym äußern konnten. Dazu mehr am Ende dieses Beitrags.
Kurz nach 10 Uhr
eröffnete Vorsitzender Peter Tschöpe an diesem strahlenden
Aprilmorgen die Versammlung im Pforzheimer Congress-Centrum. An
dieser Stelle darf herausgestellt werden, dass sich Veranstalter und
Besucher auch bei so großen Besucherzahlen - es waren wiederum mehr
als 500 - dort dank exzellentem Service, kurzer Wege und der guten
Küche immer wieder sehr gut aufgehoben wissen.
Der
Auftakt
Schon vor Beginn der
Versammlung wurden die zahlreichen Gäste des Tages auf einer großen
Leinwand im Bild vorgestellt. Die Cour der persönlichen Begrüßung
ging deshalb, wie von den Mitgliedern gewünscht, sehr zeitsparend
über die Bühne. Neben Innenminister Heribert Rech, dem er für
seinen Besuch bei den baden-württembergischen Fahrlehrern „trotz der
hohen Arbeitsbelastung als Abgeordneter und Chef des wichtigen
Innenressorts“ herzlich dankte, hieß Tschöpe von der Politik den
Landtagsabgeordneten Dr. Hans-Ulrich Rülke, FDP, persönlich
willkommen. Ebenso herzlich begrüßte er den Ersten Bürgermeister der
Stadt Pforzheim, Andreas Schütze, MinR Dietmar Enkel
vom Innenministerium, Heinz Dowerg von der Volkswagen AG,
Dr. Arne Bartels von der VW-Forschung, Joachim Krieger
vom Vogel-Verlag, Prof. Dr. Klaus Langwieder von der
Deutschen Fahrlehrer-Akademie e.V., Martin Jost und
Marcellus Kaup vom TÜV Süd, und den früheren Vorsitzenden des
Verbandes, Gebhard L. Heiler.
Herzliche Abschiedsworte für Ministerialrat Enkel
| Mit besonders
herzlichen, anerkennenden Worten wandte sich Tschöpe an
Ministerialrat Enkel, der Ende des letzten Jahres in das
Pressereferat des Innenministeriums gewechselt hatte: „Wir
haben Sie acht Mal als Leiter des zuerst beim Ministerium für
Umwelt und Verkehr und jetzt beim Innenministerium
resortierenden Referats 'Verkehrssicherheit' bei unserer
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Ministerialrat
Dietmar Enkel |
Hauptversammlung
begrüßen dürfen. Es war diese eine gute Zeit, eine Zeit
vertrauensvoller, partnerschaftlicher Zusammenarbeit. So gelang es
uns immer wieder, unterschiedliche Auffassungen dem gemeinsamen Ziel
der Verbesserung der Verkehrssicherheit unterzuordnen. Dabei half
Ihr bürgernahes Denken praktikable Lösungen zu finden. Wir haben in
all den Jahren mit Freude und Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass
Sie das Engagement der Fahrlehrer für die Verkehrssicherheit
schätzen. Sie haben 2002 auf der Mitgliederversammlung der Deutschen
Fahrlehrer-Akademie die Entwicklung eines Qualitätssicherungssystems
für Fahrschulen - wie es im Fahrlehrergesetz seit 1999 vorgesehen
ist - angeregt. Damit unterstrichen Sie Ihre von der Wissenschaft
geteilte Überzeugung, dass durch hohe Qualität der Fahrausbildung
die Sicherheit der Fahranfänger erheblich steigerungsfähig ist. Sie
haben sich in dieser Sache an die Spitze der Landesreferenten
gestellt. Heute können wir sagen, dass durch Ihren Anstoß erhebliche
Bewegung entstanden ist. Die Deutsche Fahrlehrer-Akademie hat mit
dem Projekt im Jahre 2003 völlig unbekanntes Neuland betreten, aber
heute wissen wir, wie es geht. Die Entwicklung ist nahezu
abgeschlossen und geht bald in eine weitere praktische Erprobung.
Was noch immer aussteht, ist die im Gesetz vorgesehene Verordnung
des Bundes, die das QSS auf eine solide rechtliche Basis stellen
soll.“
Wie schon in der
letzten Ausgabe berichtet, wurde MinR Dietmar Enkel im Rahmen der
Versammlung für seine Verdienste um die Hebung des Berufsbildes der
Fahrlehrer und die Qualitätssicherung der Fahrausbildung mit der
goldenen Ehrennadel mit Brillanten des Verbandes ausgezeichnet.
Was
wären wir Fahrlehrer ohne gute Autos?
Gute Autos seien sehr
wichtig, „aber nicht minder wichtig sind verlässliche Partner in der
Industrie, die uns zuhören und unsere Probleme verstehen“ rief Peter
Tschöpe dem beim Hauptaussteller Volkswagen AG für die
Betreuung der Fahrschulen zuständigen Heinz Dowerg zu. Er
bedankte sich im Namen der Mitglieder für das Engagement des Hauses
Volkswagen. Damit und durch die Mitwirkung der anderen Aussteller
falle es wesentlich leichter, eine große Versammlung wie die heutige
auszurichten.
Kinderbetreuung
Bei der
Mitgliederversammlung will der Fahrlehrerverband den Eltern einen
„kinderfreien“ Tag spendieren. So auch in diesem Jahr. Peter Tschöpe
bedankte sich bei Joachim Krieger vom Vogel-Verlag,
München, denn „dank Ihrer Großzügigkeit nehmen auch heute wieder
eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen ganz unbeschwert an der
Mitgliederversammlung teil, weil ihr Nachwuchs von professionellen
Kräften betreut wird“.

Im "Kinderzimmer" ging
es wieder mal lustig zu
Worte des Dankes
richtete Tschöpe auch an die Herren Jost und Kaup von
der TÜV SÜD Auto Service GmbH für die auch in diesem Jahr
wieder ausgesprochene Einladung zum gemeinsamen Mittagessen.
Tschöpe schloss den
Reigen der Begrüßung mit der Bitte an die Mitglieder, im Foyer die
Stände der Aussteller zu besuchen. Zugleich dankte er den
Ausstellern für ihre Anwesenheit und ihre Treue zum Berufsstand der
Fahrlehrer.
Die
traditionelle Rede des Vorsitzenden

Verbandsvorsitzender Peter Tschöpe
Nur wer Peter Tschöpe
gut kennt, konnte merken, dass er auf „Urlaubsschein“ nach Pforzheim
gekommen war. In der Woche zuvor hatte er in Leipzig an einer Tagung
der Europäischen Fahrlehrer-Assoziation teilgenommen. Schon dort
rebellierte sein Blinddarm. Auf der Heimfahrt verschlimmerte sich
der infektiöse Appendix und zwang ihn zur sofortigen Operation ins
Heilbronner Krankenhaus. Doch niemand vermochte ihn davon
abzuhalten, wenigstens am Vormittag die Hauptversammlung zu leiten,
obwohl der nicht eben harmlose Eingriff keine Woche zurücklag.
Tschöpe hielt durch, musste aber am Abend wieder zurück ins Hospital
nach Heilbronn.
Das
Begleitete Fahren
In einer
eindrucksvollen Rede adressierte Tschöpe allem voran das
Begleitete Fahren mit 17. Er forderte die rasche Einführung im
Land Baden-Württemberg, das sich fürs Überlegen lange Zeit gelassen
habe. Nach ersten Auswertungen hätten durch das Begleitete Fahren
die Unfallzahlen der Fahranfänger in Niedersachsen um 40 Prozent und
die der Auffälligkeiten gar um 60 Prozent abgenommen. Diese Zahlen
klängen sehr vielversprechend, ob sie in dieser Größenordnung
eingehender wissenschaftlicher Nachprüfung standhielten, wisse man
zwar noch nicht. Es seien dies Werte des ersten Jahres, die z.B.
noch keinen Schluss darauf zuließen, was nach dem Aussteigen des
Begleiters, also beim Alleinfahren nach dem 18. Geburtstag geschehe.
Die BASt werte den Modellversuch im Jahr 2009 wissenschaftlich aus.
Auch wenn dabei nur ein Rückgang der Unfallbelastung um 10 Prozent
herauskäme, wäre das schon ein beachtlicher Erfolg.
Obligatorische Nachbetreuung
Er wolle hier nichts
kleinreden, führte Tschöpe weiter aus, aber man komme mit dem
Begleiteten Fahren und noch viel weniger mit der freiwilligen
Fortbildung in der Probezeit, der so genannten Zweiten Phase, an die
Masse der jungen Fahrerinnen und Fahrer heran. „Da muss uns dringend
noch etwas Genialeres einfallen. Die Problemgruppen und damit die
größten Zugewinne an Sicherheit für junge Fahrerinnen und Fahrer
erreiche man mit freiwilligen Programmen leider nicht, sondern nur
durch ein allgemein verbindliches, gesetzlich geregeltes Programm
der Nachbetreuung, hob Tschöpe hervor. Das sei eine Forderung, die
man nicht aufgeben dürfe, sondern immer wieder aufs Neue stellen
müsse. Der Vorwurf, wir Fahrlehrer würden damit nur auf unseren
eigenen Geldbeutel schielen, sei leicht zu entkräften. Denn man
könne sich hier mit etwas pädagogischer Fantasie durchaus weithin
kostenneutrale Lösungen vorstellen, mit denen man die jungen
Fahrerinnen und Fahrer in bisher nie gekannter Intensität
unterstützen könnte. An den Innenminister gewandt, bat er, ihm diese
Gedanken einmal im Detail vortragen zu dürfen.
0,0
Promille
Schon 1991 hätten
namhafte Unfallexperten gefordert, Fahranfängern qua Gesetz das
Führen von Kraftfahrzeugen nach dem Genuss auch nur geringster
Mengen alkoholischer Getränke zu verbieten. Der Fahrlehrerverband
habe das von Anfang an unterstützt. Und weiter: „Schon eine geringe
Menge Alkohol im Blut wirkt sich bei jungen Fahranfängern besonders
negativ aus, weil die Verhaltensautomatismen noch nicht tief genug
verankert sind und sie für viele dynamische Verkehrsvorgänge noch
nicht über momentan abrufbare Erfahrungen verfügen. Situative
Entscheidungen verlangen aber sofortige, bewusste Reaktionen, die
selbst durch geringe alkoholische Beeinflussung empfindlich gestört
werden. Wir sind überzeugt, dass das Verbot bei den 18- bis
22-jährigen Fahrern zu einer deutlichen Minderung der
Unfallbelastung beitragen kann; überdies würde es den Gruppendruck,
ebenfalls zum Glas greifen zu müssen, stark mindern.“ Leider lasse
das Null-Promille-Gesetz noch immer auf sich warten. „Wir erwarten“,
forderte Tschöpe, „dass nach dem Fehlstart vor einigen Monaten, der
wegen rechtlicher Ungereimtheiten vom Bundesrat gestoppt wurde, nun
bald ein neuer Vorschlag auf den Tisch kommt, der auch einen
wirksamen Vollzug des neuen Gesetzes sicherzustellen vermag.“
PC-Prüfung
Gegen die Optimierung
der Fahrerlaubnisprüfung gebe es seitens der Fahrlehrer keine
grundsätzlichen Einwände. Auch nicht gegen die Einführung der
PC-Prüfung. Tschöpe zählte eine Reihe von Vorteilen gegenüber der
heutigen Papierprüfung auf, machte aber zugleich geltend, dass
Flächendeckung erhalten bleiben und sich die Kosten für die
theoretische Prüfung in einem vertretbaren Rahmen halten müssten. Es
könne nicht angehen, dass für langfristig angelegte Investitionen
der Return on Investment binnen Jahresfrist oder einem noch kürzeren
Zeitraum zu erfolgen habe. Die Politik solle hier nicht übersehen,
dass es sich um eine Massenprüfung handele, der sich pro anno weit
mehr als eine Million Menschen unterzögen.
Rahmenbedingungen und Qualitätssicherung
„Unsere Mitglieder
fragen nie nach staatlicher Hilfe oder Subventionen. Aber wir
vernehmen zunehmend deutliches Murren, weil es mit den
Rahmenbedingungen nicht stimmt. Besonders auch, weil es mit der
Verordnung über die Regeln eines Qualitätssicherungssystems für
Fahrschulen nicht vorangeht.“ Damit brachte Tschöpe die Stimmung
vieler Mitglieder auf den Punkt. Schon lange wäre es Sache des
Bundes gewesen, die notwendige QSS-Verordnung auf den Weg zu
bringen. „Wir sind nicht für die lauten Töne, aber allmählich fragen
wir uns, wie es auf die Öffentlichkeit wirkt, wenn kleinliches
Rechtsdenken, das jeder realen Substanz entbehrt, das Streben nach
höherer Qualität der Fahrausbildung blockiert.“ An den Minister
gewandt bat er, mit seinen Kollegen in den Ländern zu sprechen,
damit die Blockadehaltung endlich aufgebrochen werden könne.
Zugangsvoraussetzungen/ Fahrlehrerausbildung
Ganz wesentlich für
die Ausbildungsqualität sei die Qualifikation der Lehrer, so Tschöpe
weiter. Seit Jahren fordere der Berufsstand, die
Zugangsvoraussetzungen für den Fahrlehrerberuf den heutigen
Anforderungen anzupassen. Es gehe dabei um die so genannten
Schlüsselqualifikationen der Fahrlehreranwärter, aber auch um die
Fahrlehrerausbildung im Ganzen. Die heute im Gesetz verlangten
Bildungsvoraussetzungen - Hauptschulabschluss und abgeschlossene
berufliche Lehre - hätten sich längst als unzureichend erwiesen.
Weil aus Gründen der Durchlässigkeit des Systems niemand
ausgeschlossen werden soll, sei es anscheinend nicht möglich,
wenigstens die mittlere Reife ins Gesetz zu schreiben. Die Deutsche
Fahrlehrer-Akademie habe deshalb einen validen Berufseignungstest
entwickelt, durch den zuverlässig ermittelt werden könne, ob ein
Interessent am Fahrlehrerberuf die notwendigen
Schlüsselqualifikationen besitzt. „Wenn hier - entgegen einer
Resolution des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 1997 - aus der
Bundespolitik nichts kommt, sollte, sehr geehrter Herr Minister,
unser Land die Gesetzgebungsinitiative ergreifen, damit die
Fahrlehrerausbildung endlich modernisiert wird.“ Man habe schon vor
vier Jahren konkrete Pläne vorgelegt. Leider seien sie im
politischen Getriebe stecken geblieben.
Mit einem
leidenschaftlichen Appell an die Mitglieder, künftig noch mehr
unternehmerisch zu denken und sich angesichts der in den kommenden
Jahren zurückgehenden Bewerberzahlen andere Geschäftszweige,
namentlich die der Fortbildung von Kraftfahrern, zu erschließen,
schloss Tschöpe seine mehrfach durch anhaltenden Beifall
unterbrochene Rede.
Grußworte
Manfred Träris,
Vorsitzender des Kreisvereins Pforzheim/Enzkreis, gab seiner
Freude über die wiederholte Wahl seiner Heimatstadt Pforzheim als
Tagungsort Ausdruck und hieß die Versammlung im Namen der Mitglieder
des Kreisvereins herzlich willkommen. Er empfahl, neben der
notwendigen und wichtigen Tagungsarbeit die Schönheiten und
Sehenswürdigkeiten der Stadt zu genießen.
Erster
Bürgermeister Andreas Schütze ging sehr launig auf die
Geschichte der Stadt Pforzheim ein. Schon in der Antike sei
die Stadt Knotenpunkt römischer Heerstraßen gewesen. Wenn er sich
heute auf der Autobahn der Stadt nähere, komme ihm dieses Bild in
den Sinn, denn viel schlechter könnten die Straßen der alten Römer
auch nicht gewesen sein. In sehr freundlicher Weise ging er auf
seine Fahrausbildung ein. Dem pädagogischen Geschick seines
Fahrlehrers, den er namentlich nannte, verdanke er es, bis heute gut
und sicher gefahren zu sein.
Heinz Dowerg
von VW unterstrich die jahrzehntelange vertrauensvolle
Zusammenarbeit seines Hauses mit den Fahrlehrerverbänden und gab
seiner Freude über die hohe Durchdringung dieses Marktes mit
Produkten des VW-Konzerns Ausdruck. Auch in Zukunft werde man alles
tun, um den Fahrschulen adäquate Fahrzeuge und umfassende
Unterstützung für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit zur Verfügung
stellen zu können.
Marcellus Kaupp
vom TÜV SÜD überbrachte die Grüße seiner Organisation. Viele
aktuelle Themen wie BF 17, dritte EU-Führerscheinrichtlinie,
Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz bewegten zurzeit die
Fahrschulen wie auch die Prüforganisation. Die Halbierung der Anzahl
der Verkehrstoten in Europa bis zum Jahr 2010, ausgehend vom Jahr
2000, sei eine weitere Herausforderung, die besonderer Anstrengungen
bedürfe. BF 17, wenn es denn eingeführt sei, werde vorübergehend
steigende Bewerberzahlen bringen, die man in gemeinsamen
Anstrengungen zu bewältigen habe. Die TÜV SÜD Auto Service GmbH
werde sich darauf vorbereiten.
Innenminister Rech: Wir müssen Straßen bauen
Rech ging zu Beginn
seiner sehr politischen Rede auf den deutlichen Rückstand
Baden-Württembergs gegenüber anderen Bundesländern im Straßenbau
ein und forderte, dass es mit „der chronischen Unterfinanzierung des
Straßenbaues in Baden-Württemberg“ ein Ende haben müsse. Der
Innenminister unterstrich, dass die Sicherheit im Straßenverkehr
der Landesregierung ein zentrales Anliegen ist. „Wir werden unsere
bewährte Doppelstrategie von konsequenter Verkehrsüberwachung und
Prävention zielgerichtet weiter verfolgen."

Innenminister Heribert Rech
Nachdem die Zahl der
Verkehrstoten in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen
sei, habe man im Jahr 2006 wieder einen Anstieg mit einer Zunahme
gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent verzeichnen müssen. Auch die
Unfallzahlen auf Autobahnen seien wieder angestiegen. Die
Verkehrssicherheitsarbeit des Landes reagiere auf die
Unfallsituation und auf die gesellschaftlichen Entwicklungen.
Hauptzielgruppen seien in den kommenden Jahren die jungen Fahrer,
die Senioren und der gewerbliche Güterverkehr.
Mit Blick auf das
hohe Fahranfängerrisiko sagte der Minister, dass sich das Land sehr
intensiv mit dem Modellversuch Begleitetes Fahren mit 17
auseinander setze. Und weiter: "Ich stehe dem Begleiteten Fahren
aufgeschlossen gegenüber. Deshalb habe ich das Thema in die
Verkehrsministerkonferenz am 18. und 19. April 2007 eingebracht, um
von den Kollegen der Länder, die am Modellversuch teilnehmen, einen
unmittelbaren Eindruck über ihre Erfahrungen zu bekommen. Wir werden
die bisherigen Ergebnisse begutachten lassen, um auf dieser
Grundlage dem Landtag und dem Ministerrat einen
Entscheidungsvorschlag über die Teilnahme am Modellprojekt zu
unterbreiten. Ich gehe davon aus, dass dies in den Sommermonaten
erfolgen kann."
Zugleich unterstrich
Rech die Notwendigkeit, ein absolutes Alkoholverbot für
Fahranfänger einzuführen. Fahranfänger müssten sich erst noch in
das komplexe Verkehrsgeschehen einfinden. Alkoholkonsum und fehlende
Erfahrung würden das Unfallrisiko nach oben treiben.
Baden-Württemberg habe deshalb die gesetzliche Änderung im Bundesrat
unterstützt.
Wer gut aufpasste,
konnte das Missvergnügen des Ministers über die verschobene
Einführung des BF 17 deutlich orten. Aus verständlichen Gründen hat
er freilich nicht gesagt, sein Ministerium habe daran keine Schuld.
Aber seine Zurückhaltung war deutlich. Das war auch gut so, denn
niemand im Saal hätte ihm abgenommen, dass das Innenministerium
Baden-Württemberg als oberste Landesverkehrsbehörde nicht in der
Lage gewesen wäre, die erforderliche Einführungsverordnung vor der
Jahresmitte hinzukriegen. Die halbherzige Ausflucht, es seien
weitere Prüfungen erforderlich, soll hier nicht weiter kommentiert
werden. Zu sagen wäre da aber noch, dass andere von der
Landesregierung in jüngster Zeit forcierte Projekte politisch weit
riskanter waren als die Einführung von BF 17.
Fahrerassistenzsysteme – Fahrlehrer sind gefragt
Was automatische
Distanzregelung, dynamisches Kurvenlicht, Bremsassistenz, Parkpilot,
Park Assist und Side Scan können, erläuterte Dr. Arne Bartels von
der VW-Forschung.

Dr. Arne Bartels
Und er ließ keinen
Zweifel daran, das hier Jahr für Jahr weitere dieser Heinzelmännchen
hinzu kommen. Hier ist nicht der Platz für epische Erklärungen, aber
so viel kann gesagt werden: Fahrlehrer sollten über diese
Hilfsaggregate gut Bescheid wissen. Sie sind übrigens trotz ähnlich
klingender oder gleicher Bezeichnungen von Hersteller zu Hersteller
in den Funktionen oft sehr unterschiedlich. In einer Art
hierarchischen Pyramide machte Dr. Bartels deutlich, auch
Handbücher, Volkswagen-Händler, die Medien und das Internet hielten
hierzu Informationen bereit, aber der technisch und pädagogisch
versierte Fahrlehrer sei die beste Adresse für die Vermittlung der
Fähigkeiten und Grenzen dieser Systeme.
Würdigung der Ehrenmitglieder
Zum Abschluss des
Vormittags wurden 52 Kolleginnen und Kollegen zu Ehrenmitgliedern
ernannt und durch den Vorstand gewürdigt. Zugleich wurden die
Kolleginnen und Kollegen geehrt, die den Fahrlehrerberuf seit 50
Jahren ausüben (Namen und Bild s. FPX, Seite 332).
Der aus persönlichen
Gründen aus dem Vorstand ausgeschiedene Kollege Wolfgang Fischer -
wir haben bereits darüber berichtet - wurde für seine Arbeit als 2.
Vorsitzender mit der silbernen Ehrennadel des Verbandes
ausgezeichnet.

Wolfgang Fischer
Ehrung für langjährige Berufsarbeit
Die interne
Versammlung am Nachmittag begann mit der Ehrung der Kolleginnen und
Kollegen für 25 und 30 Berufsjahre als Fahrlehrer. Die Zahlen zeigen
(43 für 25 Jahre und 53 für 30 Jahre), dass der Beruf in den 70er
Jahren überdurchschnittlich starken Zugang hatte (Namen u. Bilder s.
FPX, Seite 328 u. 330).
Gedenken der Verstorbenen
Die Versammlung
gedachte der 15 im Berichtsjahr verstorbenen Mitglieder in einer
Schweigeminute.
Jahresbericht
In seinem
Jahresbericht, der im vollen Wortlaut in der letzten Ausgabe der
FahrSchulPraxis veröffentlicht wurde, ging Tschöpe neben der
Darstellung der im Berichtsjahr geleisteten Arbeit auch auf die
Ertragslage der Fahrschulen und die künftige Entwicklung dieses
Marktes ein. Dabei hob er die Notwendigkeit hervor, sich als
Fahrschulinhaber beizeiten auf die kleiner werdenden Jahrgänge der
18-Jährigen einzustellen und sich neue Geschäftsfelder zu
erschließen. Fit im Verkehr, das vom Verband für die Fortbildung
älterer Fahrer entwickelte Programm, sei eine ausgezeichnete
Anleitung für den Einstieg in diesen Markt.
Finanzbericht, Entlastung und Beitragsfestsetzung
Den Finanzbericht und
den Bericht der Rechnungsprüfer nahm die Versammlung ohne Aussprache
an. Obwohl in 2006 ein kleines Defizit entstand, bleibt der
Jahresbeitrag auf Antrag des Vorstandes in bisheriger Höhe bestehen.
Die Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig und ohne
Enthaltung.
Wahlen
Wie bereits
berichtet, wurde Jochen Klima in offener Wahl einstimmig zum
2. Vorsitzenden gewählt.
In geheimer Wahl
wurde Kollege Karl-Heinz Schmid, Sigmaringendorf, für die
Restperiode von 2 Jahren mit großer Mehrheit in das Amt des 3.
Vorsitzenden gewählt.

2. Vorsitzender
Jochen Klima |

3. Vorsitzender
Karl-Heinz Schmid |
Der schon bisher als
Rechnungsprüfer tätige Kollege Sven Dorn wurde für die Dauer
von vier Jahren wiedergewählt.
Aussprache
Top-Thema war die
Verschiebung der Einführung von BF 17 (wir haben darüber bereits
ausführlich berichtet). Ein weiteres Thema war die Qualität der
Fahrprüfung. Ein Kollege berichtete sehr eindrucksvoll von
gravierenden Unterschieden hinsichtlich Prüfungszeit und
Prüfungsanforderungen. Wenn die Auditoren der BASt mit im Auto
säßen, gehe alles nach Vorschrift. Bei der nächsten Prüfung aber
scheine das alles wieder vergessen zu sein. Der Verband müsse sich
dringend um mehr Gleichheit der Prüfungen kümmern. Kurz nach 17.00
Uhr schloss der Vorsitzende die erfolgreiche Jahreshauptversammlung
mit herzlichem Dank an alle Teilnehmer und Mitwirkende.
Die
Gala
Der ereignisreiche
Tag endete mit einer fröhlichen Gala, der die Men in Black einen
extra Glanz gaben. Wer wollte, konnte das Tanzbein bis in den frühen
Morgen schwingen. Insgesamt ein gelungenes Fest, obwohl die Musik
mitunter als etwas zu laut empfunden wurde.
Die Umfrage
Nur alle zwei Jahre?
Das Vereinsrecht lässt offen, wie oft ein Idealverein
Mitgliederversammlungen einberufen muss. Man könnte, wenn es denn
der Wille der Mitglieder wäre und sie einer entsprechenden
Satzungsänderung zustimmten, statt jährlich auch nur alle zwei oder
drei Jahre eine Mitgliederversammlung abhalten. Doch wenn - wie
jetzt geschehen – 72 Prozent der anwesenden Mitglieder bekunden, sie
nähmen regelmäßig an der Jahresmitgliederversammlung teil, erübrigt
sich wohl jede weitere Debatte darüber, ob man an der jährlichen
Hauptversammlung festhalten soll oder nicht.
Bestnote für Organisation
Der Organisation des
Verbandstages, wozu von der Einladung über die Logistik und den
Service vor Ort alles zählt, was zum angenehmen, reibungslosen
Ablauf einer Tagung beiträgt, gaben die Mitglieder die Traumnote
1,3.
Und obwohl schon das
Vormittagsprogramm stark im Zeichen der unseligen Verschiebung des
Modells Begleitetes Fahren mit 17 (BF 17) stand, bedachten es die
Mitglieder noch mit einer knappen Zwei.
Der Nachmittag mit
seinen Regularien und Wahlen kam mit einer starken Drei nicht ganz
so gut weg. Darüber sollte nachgedacht werden.
Im Großen und Ganzen
jedoch wurde der Verbandstag den Erwartungen der Mitglieder gerecht:
39,88 Prozent der Befragten gaben eine Eins, 50,6 Prozent eine
glatte Zwei. 7,14 Prozent sahen ihre Erwartungen nicht voll erfüllt,
während 2,38 Prozent absolut unzufrieden waren.
X.
E. |