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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juni/2007, Seite 311

Verbandstag 2007

Hohe Zufriedenheit der Mitglieder

 

Berufsverbände sind auf die dauerhafte Zustimmung ihrer Mitglieder angewiesen. Die lässt sich nicht an momentanem Beifall festmachen. Um zu erfahren, was die Mitglieder von ihrem Verband und dessen Veranstaltungen halten, muss man schon etwas tiefer schürfen. Bei der Hauptversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. am 21. April in Pforzheim lag den Mitgliedern ein Fragebogen vor, auf dem sie sich zu neun die Pforzheimer Tagung betreffenden Fragen anonym äußern konnten. Dazu mehr am Ende dieses Beitrags.

Kurz nach 10 Uhr eröffnete Vorsitzender Peter Tschöpe an diesem strahlenden Aprilmorgen die Versammlung im Pforzheimer Congress-Centrum. An dieser Stelle darf herausgestellt werden, dass sich Veranstalter und Besucher auch bei so großen Besucherzahlen - es waren wiederum mehr als 500 - dort dank exzellentem Service, kurzer Wege und der guten Küche immer wieder sehr gut aufgehoben wissen.

Der Auftakt

Schon vor Beginn der Versammlung wurden die zahlreichen Gäste des Tages auf einer großen Leinwand im Bild vorgestellt. Die Cour der persönlichen Begrüßung ging deshalb, wie von den Mitgliedern gewünscht, sehr zeitsparend über die Bühne. Neben Innenminister Heribert Rech, dem er für seinen Besuch bei den baden-württembergischen Fahrlehrern „trotz der hohen Arbeitsbelastung als Abgeordneter und Chef des wichtigen Innenressorts“ herzlich dankte, hieß Tschöpe von der Politik den Landtagsabgeordneten Dr. Hans-Ulrich Rülke, FDP, persönlich willkommen. Ebenso herzlich begrüßte er den Ersten Bürgermeister der Stadt Pforzheim, Andreas Schütze, MinR Dietmar Enkel vom Innenministerium, Heinz Dowerg von der Volkswagen AG, Dr. Arne Bartels von der VW-Forschung, Joachim Krieger vom Vogel-Verlag, Prof. Dr. Klaus Langwieder von der Deutschen Fahrlehrer-Akademie e.V., Martin Jost und Marcellus Kaup vom TÜV Süd, und den früheren Vorsitzenden des Verbandes, Gebhard L. Heiler.

Herzliche Abschiedsworte für Ministerialrat Enkel

Mit besonders herzlichen, anerkennenden Worten wandte sich Tschöpe an Ministerialrat Enkel, der Ende des letzten Jahres in das Pressereferat des Innenministeriums gewechselt hatte: „Wir haben Sie acht Mal als Leiter des zuerst beim Ministerium für Umwelt und Verkehr und jetzt beim Innenministerium resortierenden Referats 'Verkehrssicherheit' bei unserer


Ministerialrat
Dietmar Enkel

Hauptversammlung begrüßen dürfen. Es war diese eine gute Zeit, eine Zeit vertrauensvoller, partnerschaftlicher Zusammenarbeit. So gelang es uns immer wieder, unterschiedliche Auffassungen dem gemeinsamen Ziel der Verbesserung der Verkehrssicherheit unterzuordnen. Dabei half Ihr bürgernahes Denken praktikable Lösungen zu finden. Wir haben in all den Jahren mit Freude und Genugtuung zur Kenntnis genommen, dass Sie das Engagement der Fahrlehrer für die Verkehrssicherheit schätzen. Sie haben 2002 auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fahrlehrer-Akademie die Entwicklung eines Qualitätssicherungssystems für Fahrschulen - wie es im Fahrlehrergesetz seit 1999 vorgesehen ist - angeregt. Damit unterstrichen Sie Ihre von der Wissenschaft geteilte Überzeugung, dass durch hohe Qualität der Fahrausbildung die Sicherheit der Fahranfänger erheblich steigerungsfähig ist. Sie haben sich in dieser Sache an die Spitze der Landesreferenten gestellt. Heute können wir sagen, dass durch Ihren Anstoß erhebliche Bewegung entstanden ist. Die Deutsche Fahrlehrer-Akademie hat mit dem Projekt im Jahre 2003 völlig unbekanntes Neuland betreten, aber heute wissen wir, wie es geht. Die Entwicklung ist nahezu abgeschlossen und geht bald in eine weitere praktische Erprobung. Was noch immer aussteht, ist die im Gesetz vorgesehene Verordnung des Bundes, die das QSS auf eine solide rechtliche Basis stellen soll.“

Wie schon in der letzten Ausgabe berichtet, wurde MinR Dietmar Enkel im Rahmen der Versammlung für seine Verdienste um die Hebung des Berufsbildes der Fahrlehrer und die Qualitätssicherung der Fahrausbildung mit der goldenen Ehrennadel mit Brillanten des Verbandes ausgezeichnet.

Was wären wir Fahrlehrer ohne gute Autos?

Gute Autos seien sehr wichtig, „aber nicht minder wichtig sind verlässliche Partner in der Industrie, die uns zuhören und unsere Probleme verstehen“ rief Peter Tschöpe dem beim Hauptaussteller Volkswagen AG für die Betreuung der Fahrschulen zuständigen Heinz Dowerg zu. Er bedankte sich im Namen der Mitglieder für das Engagement des Hauses Volkswagen. Damit und durch die Mitwirkung der anderen Aussteller falle es wesentlich leichter, eine große Versammlung wie die heutige auszurichten.

Kinderbetreuung

Bei der Mitgliederversammlung will der Fahrlehrerverband den Eltern einen „kinderfreien“ Tag spendieren. So auch in diesem Jahr. Peter Tschöpe bedankte sich bei Joachim Krieger vom Vogel-Verlag, München, denn „dank Ihrer Großzügigkeit nehmen auch heute wieder eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen ganz unbeschwert an der Mitgliederversammlung teil, weil ihr Nachwuchs von professionellen Kräften betreut wird“.


Im "Kinderzimmer" ging es wieder mal lustig zu

Worte des Dankes richtete Tschöpe auch an die Herren Jost und Kaup von der TÜV SÜD Auto Service GmbH für die auch in diesem Jahr wieder ausgesprochene Einladung zum gemeinsamen Mittagessen.

Tschöpe schloss den Reigen der Begrüßung mit der Bitte an die Mitglieder, im Foyer die Stände der Aussteller zu besuchen. Zugleich dankte er den Ausstellern für ihre Anwesenheit und ihre Treue zum Berufsstand der Fahrlehrer.

Die traditionelle Rede des Vorsitzenden


Verbandsvorsitzender Peter Tschöpe

Nur wer Peter Tschöpe gut kennt, konnte merken, dass er auf „Urlaubsschein“ nach Pforzheim gekommen war. In der Woche zuvor hatte er in Leipzig an einer Tagung der Europäischen Fahrlehrer-Assoziation teilgenommen. Schon dort rebellierte sein Blinddarm. Auf der Heimfahrt verschlimmerte sich der infektiöse Appendix und zwang ihn zur sofortigen Operation ins Heilbronner Krankenhaus. Doch niemand vermochte ihn davon abzuhalten, wenigstens am Vormittag die Hauptversammlung zu leiten, obwohl der nicht eben harmlose Eingriff keine Woche zurücklag. Tschöpe hielt durch, musste aber am Abend wieder zurück ins Hospital nach Heilbronn.

Das Begleitete Fahren

In einer eindrucksvollen Rede adressierte Tschöpe allem voran das Begleitete Fahren mit 17. Er forderte die rasche Einführung im Land Baden-Württemberg, das sich fürs Überlegen lange Zeit gelassen habe. Nach ersten Auswertungen hätten durch das Begleitete Fahren die Unfallzahlen der Fahranfänger in Niedersachsen um 40 Prozent und die der Auffälligkeiten gar um 60 Prozent abgenommen. Diese Zahlen klängen sehr vielversprechend, ob sie in dieser Größenordnung eingehender wissenschaftlicher Nachprüfung standhielten, wisse man zwar noch nicht. Es seien dies Werte des ersten Jahres, die z.B. noch keinen Schluss darauf zuließen, was nach dem Aussteigen des Begleiters, also beim Alleinfahren nach dem 18. Geburtstag geschehe. Die BASt werte den Modellversuch im Jahr 2009 wissenschaftlich aus. Auch wenn dabei nur ein Rückgang der Unfallbelastung um 10 Prozent herauskäme, wäre das schon ein beachtlicher Erfolg.

Obligatorische Nachbetreuung

Er wolle hier nichts kleinreden, führte Tschöpe weiter aus, aber man komme mit dem Begleiteten Fahren und noch viel weniger mit der freiwilligen Fortbildung in der Probezeit, der so genannten Zweiten Phase, an die Masse der jungen Fahrerinnen und Fahrer heran. „Da muss uns dringend noch etwas Genialeres einfallen. Die Problemgruppen und damit die größten Zugewinne an Sicherheit für junge Fahrerinnen und Fahrer erreiche man mit freiwilligen Programmen leider nicht, sondern nur durch ein allgemein verbindliches, gesetzlich geregeltes Programm der Nachbetreuung, hob Tschöpe hervor. Das sei eine Forderung, die man nicht aufgeben dürfe, sondern immer wieder aufs Neue stellen müsse. Der Vorwurf, wir Fahrlehrer würden damit nur auf unseren eigenen Geldbeutel schielen, sei leicht zu entkräften. Denn man könne sich hier mit etwas pädagogischer Fantasie durchaus weithin kostenneutrale Lösungen vorstellen, mit denen man die jungen Fahrerinnen und Fahrer in bisher nie gekannter Intensität unterstützen könnte. An den Innenminister gewandt, bat er, ihm diese Gedanken einmal im Detail vortragen zu dürfen.

0,0 Promille

Schon 1991 hätten namhafte Unfallexperten gefordert, Fahranfängern qua Gesetz das Führen von Kraftfahrzeugen nach dem Genuss auch nur geringster Mengen alkoholischer Getränke zu verbieten. Der Fahrlehrerverband habe das von Anfang an unterstützt. Und weiter: „Schon eine geringe Menge Alkohol im Blut wirkt sich bei jungen Fahranfängern besonders negativ aus, weil die Verhaltensautomatismen noch nicht tief genug verankert sind und sie für viele dynamische Verkehrsvorgänge noch nicht über momentan abrufbare Erfahrungen verfügen. Situative Entscheidungen verlangen aber sofortige, bewusste Reaktionen, die selbst durch geringe alkoholische Beeinflussung empfindlich gestört werden. Wir sind überzeugt, dass das Verbot bei den 18- bis 22-jährigen Fahrern zu einer deutlichen Minderung der Unfallbelastung beitragen kann; überdies würde es den Gruppendruck, ebenfalls zum Glas greifen zu müssen, stark mindern.“ Leider lasse das Null-Promille-Gesetz noch immer auf sich warten. „Wir erwarten“, forderte Tschöpe, „dass nach dem Fehlstart vor einigen Monaten, der wegen rechtlicher Ungereimtheiten vom Bundesrat gestoppt wurde, nun bald ein neuer Vorschlag auf den Tisch kommt, der auch einen wirksamen Vollzug des neuen Gesetzes sicherzustellen vermag.“

PC-Prüfung

Gegen die Optimierung der Fahrerlaubnisprüfung gebe es seitens der Fahrlehrer keine grundsätzlichen Einwände. Auch nicht gegen die Einführung der PC-Prüfung. Tschöpe zählte eine Reihe von Vorteilen gegenüber der heutigen Papierprüfung auf, machte aber zugleich geltend, dass Flächendeckung erhalten bleiben und sich die Kosten für die theoretische Prüfung in einem vertretbaren Rahmen halten müssten. Es könne nicht angehen, dass für langfristig angelegte Investitionen der Return on Investment binnen Jahresfrist oder einem noch kürzeren Zeitraum zu erfolgen habe. Die Politik solle hier nicht übersehen, dass es sich um eine Massenprüfung handele, der sich pro anno weit mehr als eine Million Menschen unterzögen.

Rahmenbedingungen und Qualitätssicherung

„Unsere Mitglieder fragen nie nach staatlicher Hilfe oder Subventionen. Aber wir vernehmen zunehmend deutliches Murren, weil es mit den Rahmenbedingungen nicht stimmt. Besonders auch, weil es mit der Verordnung über die Regeln eines Qualitätssicherungssystems für Fahrschulen nicht vorangeht.“ Damit brachte Tschöpe die Stimmung vieler Mitglieder auf den Punkt. Schon lange wäre es Sache des Bundes gewesen, die notwendige QSS-Verordnung auf den Weg zu bringen. „Wir sind nicht für die lauten Töne, aber allmählich fragen wir uns, wie es auf die Öffentlichkeit wirkt, wenn kleinliches Rechtsdenken, das jeder realen Substanz entbehrt, das Streben nach höherer Qualität der Fahrausbildung blockiert.“ An den Minister gewandt bat er, mit seinen Kollegen in den Ländern zu sprechen, damit die Blockadehaltung endlich aufgebrochen werden könne.

Zugangsvoraussetzungen/ Fahrlehrerausbildung

Ganz wesentlich für die Ausbildungsqualität sei die Qualifikation der Lehrer, so Tschöpe weiter. Seit Jahren fordere der Berufsstand, die Zugangsvoraussetzungen für den Fahrlehrerberuf den heutigen Anforderungen anzupassen. Es gehe dabei um die so genannten Schlüsselqualifikationen der Fahrlehreranwärter, aber auch um die Fahrlehrerausbildung im Ganzen. Die heute im Gesetz verlangten Bildungsvoraussetzungen - Hauptschulabschluss und abgeschlossene berufliche Lehre - hätten sich längst als unzureichend erwiesen. Weil aus Gründen der Durchlässigkeit des Systems niemand ausgeschlossen werden soll, sei es anscheinend nicht möglich, wenigstens die mittlere Reife ins Gesetz zu schreiben. Die Deutsche Fahrlehrer-Akademie habe deshalb einen validen Berufseignungstest entwickelt, durch den zuverlässig ermittelt werden könne, ob ein Interessent am Fahrlehrerberuf die notwendigen Schlüsselqualifikationen besitzt. „Wenn hier - entgegen einer Resolution des Deutschen Bundestages aus dem Jahr 1997 - aus der Bundespolitik nichts kommt, sollte, sehr geehrter Herr Minister, unser Land die Gesetzgebungsinitiative ergreifen, damit die Fahrlehrerausbildung endlich modernisiert wird.“ Man habe schon vor vier Jahren konkrete Pläne vorgelegt. Leider seien sie im politischen Getriebe stecken geblieben.

Mit einem leidenschaftlichen Appell an die Mitglieder, künftig noch mehr unternehmerisch zu denken und sich angesichts der in den kommenden Jahren zurückgehenden Bewerberzahlen andere Geschäftszweige, namentlich die der Fortbildung von Kraftfahrern, zu erschließen, schloss Tschöpe seine mehrfach durch anhaltenden Beifall unterbrochene Rede.

Grußworte

Manfred Träris, Vorsitzender des Kreisvereins Pforzheim/Enzkreis, gab seiner Freude über die wiederholte Wahl seiner Heimatstadt Pforzheim als Tagungsort Ausdruck und hieß die Versammlung im Namen der Mitglieder des Kreisvereins herzlich willkommen. Er empfahl, neben der notwendigen und wichtigen Tagungsarbeit die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten der Stadt zu genießen.

Erster Bürgermeister Andreas Schütze ging sehr launig auf die Geschichte der Stadt Pforzheim ein. Schon in der Antike sei die Stadt Knotenpunkt römischer Heerstraßen gewesen. Wenn er sich heute auf der Autobahn der Stadt nähere, komme ihm dieses Bild in den Sinn, denn viel schlechter könnten die Straßen der alten Römer auch nicht gewesen sein. In sehr freundlicher Weise ging er auf seine Fahrausbildung ein. Dem pädagogischen Geschick seines Fahrlehrers, den er namentlich nannte, verdanke er es, bis heute gut und sicher gefahren zu sein.

Heinz Dowerg von VW unterstrich die jahrzehntelange vertrauensvolle Zusammenarbeit seines Hauses mit den Fahrlehrerverbänden und gab seiner Freude über die hohe Durchdringung dieses Marktes mit Produkten des VW-Konzerns Ausdruck. Auch in Zukunft werde man alles tun, um den Fahrschulen adäquate Fahrzeuge und umfassende Unterstützung für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit zur Verfügung stellen zu können.

Marcellus Kaupp vom TÜV SÜD überbrachte die Grüße seiner Organisation. Viele aktuelle Themen wie BF 17, dritte EU-Führerscheinrichtlinie, Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz bewegten zurzeit die Fahrschulen wie auch die Prüforganisation. Die Halbierung der Anzahl der Verkehrstoten in Europa bis zum Jahr 2010, ausgehend vom Jahr 2000, sei eine weitere Herausforderung, die besonderer Anstrengungen bedürfe. BF 17, wenn es denn eingeführt sei, werde vorübergehend steigende Bewerberzahlen bringen, die man in gemeinsamen Anstrengungen zu bewältigen habe. Die TÜV SÜD Auto Service GmbH werde sich darauf vorbereiten.

Innenminister Rech: Wir müssen Straßen bauen

Rech ging zu Beginn seiner sehr politischen Rede auf den deutlichen Rückstand Baden-Württembergs gegenüber anderen Bundesländern im Straßenbau ein und forderte, dass es mit „der chronischen Unterfinanzierung des Straßenbaues in Baden-Württemberg“ ein Ende haben müsse. Der Innenminister unterstrich, dass die Sicherheit im Straßenverkehr der Landesregierung ein zentrales Anliegen ist. „Wir werden unsere bewährte Doppelstrategie von konsequenter Verkehrsüberwachung und Prävention zielgerichtet weiter verfolgen."

 
Innenminister Heribert Rech

Nachdem die Zahl der Verkehrstoten in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen sei, habe man im Jahr 2006 wieder einen Anstieg mit einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 7,6 Prozent verzeichnen müssen. Auch die Unfallzahlen auf Autobahnen seien wieder angestiegen. Die Verkehrssicherheitsarbeit des Landes reagiere auf die Unfallsituation und auf die gesellschaftlichen Entwicklungen. Hauptzielgruppen seien in den kommenden Jahren die jungen Fahrer, die Senioren und der gewerbliche Güterverkehr.

Mit Blick auf das hohe Fahranfängerrisiko sagte der Minister, dass sich das Land sehr intensiv mit dem Modellversuch Begleitetes Fahren mit 17 auseinander setze. Und weiter: "Ich stehe dem Begleiteten Fahren aufgeschlossen gegenüber. Deshalb habe ich das Thema in die Verkehrsministerkonferenz am 18. und 19. April 2007 eingebracht, um von den Kollegen der Länder, die am Modellversuch teilnehmen, einen unmittelbaren Eindruck über ihre Erfahrungen zu bekommen. Wir werden die bisherigen Ergebnisse begutachten lassen, um auf dieser Grundlage dem Landtag und dem Ministerrat einen Entscheidungsvorschlag über die Teilnahme am Modellprojekt zu unterbreiten. Ich gehe davon aus, dass dies in den Sommermonaten erfolgen kann."

Zugleich unterstrich Rech die Notwendigkeit, ein absolutes Alkoholverbot für Fahranfänger einzuführen. Fahranfänger müssten sich erst noch in das komplexe Verkehrsgeschehen einfinden. Alkoholkonsum und fehlende Erfahrung würden das Unfallrisiko nach oben treiben. Baden-Württemberg habe deshalb die gesetzliche Änderung im Bundesrat unterstützt.

Wer gut aufpasste, konnte das Missvergnügen des Ministers über die verschobene Einführung des BF 17 deutlich orten. Aus verständlichen Gründen hat er freilich nicht gesagt, sein Ministerium habe daran keine Schuld. Aber seine Zurückhaltung war deutlich. Das war auch gut so, denn niemand im Saal hätte ihm abgenommen, dass das Innenministerium Baden-Württemberg als oberste Landesverkehrsbehörde nicht in der Lage gewesen wäre, die erforderliche Einführungsverordnung vor der Jahresmitte hinzukriegen. Die halbherzige Ausflucht, es seien weitere Prüfungen erforderlich, soll hier nicht weiter kommentiert werden. Zu sagen wäre da aber noch, dass andere von der Landesregierung in jüngster Zeit forcierte Projekte politisch weit riskanter waren als die Einführung von BF 17.

Fahrerassistenzsysteme – Fahrlehrer sind gefragt

Was automatische Distanzregelung, dynamisches Kurvenlicht, Bremsassistenz, Parkpilot, Park Assist und Side Scan können, erläuterte Dr. Arne Bartels von der VW-Forschung.


Dr. Arne Bartels

Und er ließ keinen Zweifel daran, das hier Jahr für Jahr weitere dieser Heinzelmännchen hinzu kommen. Hier ist nicht der Platz für epische Erklärungen, aber so viel kann gesagt werden: Fahrlehrer sollten über diese Hilfsaggregate gut Bescheid wissen. Sie sind übrigens trotz ähnlich klingender oder gleicher Bezeichnungen von Hersteller zu Hersteller in den Funktionen oft sehr unterschiedlich. In einer Art hierarchischen Pyramide machte Dr. Bartels deutlich, auch Handbücher, Volkswagen-Händler, die Medien und das Internet hielten hierzu Informationen bereit, aber der technisch und pädagogisch versierte Fahrlehrer sei die beste Adresse für die Vermittlung der Fähigkeiten und Grenzen dieser Systeme.

Würdigung der Ehrenmitglieder

Zum Abschluss des Vormittags wurden 52 Kolleginnen und Kollegen zu Ehrenmitgliedern ernannt und durch den Vorstand gewürdigt. Zugleich wurden die Kolleginnen und Kollegen geehrt, die den Fahrlehrerberuf seit 50 Jahren ausüben (Namen und Bild s. FPX, Seite 332).

Der aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand ausgeschiedene Kollege Wolfgang Fischer - wir haben bereits darüber berichtet - wurde für seine Arbeit als 2. Vorsitzender mit der silbernen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet.


Wolfgang Fischer

Ehrung für langjährige Berufsarbeit

Die interne Versammlung am Nachmittag begann mit der Ehrung der Kolleginnen und Kollegen für 25 und 30 Berufsjahre als Fahrlehrer. Die Zahlen zeigen (43 für 25 Jahre und 53 für 30 Jahre), dass der Beruf in den 70er Jahren überdurchschnittlich starken Zugang hatte (Namen u. Bilder s. FPX, Seite 328 u. 330).

Gedenken der Verstorbenen

Die Versammlung gedachte der 15 im Berichtsjahr verstorbenen Mitglieder in einer Schweigeminute.

Jahresbericht

In seinem Jahresbericht, der im vollen Wortlaut in der letzten Ausgabe der FahrSchulPraxis veröffentlicht wurde, ging Tschöpe neben der Darstellung der im Berichtsjahr geleisteten Arbeit auch auf die Ertragslage der Fahrschulen und die künftige Entwicklung dieses Marktes ein. Dabei hob er die Notwendigkeit hervor, sich als Fahrschulinhaber beizeiten auf die kleiner werdenden Jahrgänge der 18-Jährigen einzustellen und sich neue Geschäftsfelder zu erschließen. Fit im Verkehr, das vom Verband für die Fortbildung älterer Fahrer entwickelte Programm, sei eine ausgezeichnete Anleitung für den Einstieg in diesen Markt.

Finanzbericht, Entlastung und Beitragsfestsetzung

Den Finanzbericht und den Bericht der Rechnungsprüfer nahm die Versammlung ohne Aussprache an. Obwohl in 2006 ein kleines Defizit entstand, bleibt der Jahresbeitrag auf Antrag des Vorstandes in bisheriger Höhe bestehen. Die Entlastung des Vorstandes erfolgte einstimmig und ohne Enthaltung.

Wahlen

Wie bereits berichtet, wurde Jochen Klima in offener Wahl einstimmig zum 2. Vorsitzenden gewählt.

In geheimer Wahl wurde Kollege Karl-Heinz Schmid, Sigmaringendorf, für die Restperiode von 2 Jahren mit großer Mehrheit in das Amt des 3. Vorsitzenden gewählt.


2. Vorsitzender
Jochen Klima

3. Vorsitzender
Karl-Heinz Schmid

Der schon bisher als Rechnungsprüfer tätige Kollege Sven Dorn wurde für die Dauer von vier Jahren wiedergewählt.

Aussprache

Top-Thema war die Verschiebung der Einführung von BF 17 (wir haben darüber bereits ausführlich berichtet). Ein weiteres Thema war die Qualität der Fahrprüfung. Ein Kollege berichtete sehr eindrucksvoll von gravierenden Unterschieden hinsichtlich Prüfungszeit und Prüfungsanforderungen. Wenn die Auditoren der BASt mit im Auto säßen, gehe alles nach Vorschrift. Bei der nächsten Prüfung aber scheine das alles wieder vergessen zu sein. Der Verband müsse sich dringend um mehr Gleichheit der Prüfungen kümmern. Kurz nach 17.00 Uhr schloss der Vorsitzende die erfolgreiche Jahreshauptversammlung mit herzlichem Dank an alle Teilnehmer und Mitwirkende.

Die Gala

Der ereignisreiche Tag endete mit einer fröhlichen Gala, der die Men in Black einen extra Glanz gaben. Wer wollte, konnte das Tanzbein bis in den frühen Morgen schwingen. Insgesamt ein gelungenes Fest, obwohl die Musik mitunter als etwas zu laut empfunden wurde.

Die Umfrage

Nur alle zwei Jahre? Das Vereinsrecht lässt offen, wie oft ein Idealverein Mitgliederversammlungen einberufen muss. Man könnte, wenn es denn der Wille der Mitglieder wäre und sie einer entsprechenden Satzungsänderung zustimmten, statt jährlich auch nur alle zwei oder drei Jahre eine Mitgliederversammlung abhalten. Doch wenn - wie jetzt geschehen – 72 Prozent der anwesenden Mitglieder bekunden, sie nähmen regelmäßig an der Jahresmitgliederversammlung teil, erübrigt sich wohl jede weitere Debatte darüber, ob man an der jährlichen Hauptversammlung festhalten soll oder nicht.

Bestnote für Organisation

Der Organisation des Verbandstages, wozu von der Einladung über die Logistik und den Service vor Ort alles zählt, was zum angenehmen, reibungslosen Ablauf einer Tagung beiträgt, gaben die Mitglieder die Traumnote 1,3.

Und obwohl schon das Vormittagsprogramm stark im Zeichen der unseligen Verschiebung des Modells Begleitetes Fahren mit 17 (BF 17) stand, bedachten es die Mitglieder noch mit einer knappen Zwei.

Der Nachmittag mit seinen Regularien und Wahlen kam mit einer starken Drei nicht ganz so gut weg. Darüber sollte nachgedacht werden.

Im Großen und Ganzen jedoch wurde der Verbandstag den Erwartungen der Mitglieder gerecht: 39,88 Prozent der Befragten gaben eine Eins, 50,6 Prozent eine glatte Zwei. 7,14 Prozent sahen ihre Erwartungen nicht voll erfüllt, während 2,38 Prozent absolut unzufrieden waren.

X. E.

FahrSchulPraxis
Ausgabe Juni 2007

Erscheinungsdatum 15.06.2007

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