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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe September/2007, Seite 490

www.verkehrsprofi.com

Abzocke mit Führerscheintest

 

Wer über eine E-Mail-Adresse verfügt und diese bei Online-Bestellungen in Chatrooms, Diskussionsforen oder Ähnlichem im Internet bekannt gibt, kann ein Lied davon singen: Die Zahl unerwünschter Spam- und Werbemails nimmt immer mehr zu. Manch auf den ersten Blick verlockendes Angebot erweist sich dabei aber bald als teure Fehlinvestition. Lesen Sie im folgenden Bericht mehr über eine neue Art der Abzocke mit einem so genannten Führerschein-Test.

In jüngster Zeit erhielten viele Internetnutzer folgende E-Mail: „Guten Tag, wir laden Sie hiermit persönlich zur Fahrprüfung ein: Testen Sie anhand der amtlichen Prüfungsbögen, ob Sie zum Autofahren geeignet sind. Sie können sich sowohl als Fahranfänger als auch als Führerscheininhaber testen. Testen Sie sich jetzt – denn jeder aktive Prüfling wird von uns mit einem exklusiven Erste-Hilfe-Set fürs Auto belohnt, das Sie per Post nach Hause erhalten. Jetzt an der Fahrprüfung teilnehmen – sind Sie noch fit für den Führerschein? Mit freundlichen Grüßen, Ihre Prüfungsstelle.“

Lockvogel: „Von Fahrlehrern empfohlen“

Ein Klick auf den in der E-Mail enthaltenen Link führt auf die bunt aufgemachte Seite www.verkehrsprofi.com, die nach dem Impressum von der Firma Netventure s.r.l. mit Sitz und Handelsregistereintrag in Rumänien betrieben wird. Neben dem nach Art eines Siegels aufgemachten Schriftzug „Von Fahrlehrern empfohlen“ gibt es dort zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Der Interessent kann entweder den Test für Führerscheinbesitzer „Bestehe ich die Prüfung heute noch?“ oder die Variante für Einsteiger „Ich möchte mich auf die Prüfung vorbereiten“ auswählen. Klickt man auf den entsprechenden Button „Jetzt Test starten“ öffnet sich eine weitere Seite, auf der neben Namen und Adresse auch das Geburtsdatum und die E-Mail-Adresse angegeben werden müssen.

Aus „jedem“ wird „jeder Zehnte“!

Pikantes Detail am Rande: Das vollmundige Versprechen aus der Werbemail, jeder Teilnehmer bekomme ein Erste-Hilfe-Set geschenkt, wird unter der Überschrift „Anmeldebonus“ auf ein nicht mehr ohne Weiteres nachprüfbares „Jeder 10. Anmelder erhält ein hochwertiges Erste-Hilfe-Set direkt nach Hause geschickt“ reduziert. Dies ist sicher kein Indiz für die Seriosität dieses Angebots.

Über drei Seiten Kleingedrucktes

Der abschließende Klick auf „Jetzt mitmachen“ erfordert zunächst eine Eingabe (Häkchen) bei „Ich habe die AGB und Kunden-Infos gelesen und nehme am Führerscheintest teil“. Diese Geschäftsbedingungen und die Kunden-Infos bestehen aus insgesamt mehr als drei Seiten von ziemlich klein gedrucktem Text. Sie können durch Anklicken auf dem Bildschirm angezeigt oder auch ausgedruckt werden. Leider lassen sich nun viele Verbraucher – und dazu gehören natürlich vor allem auch Jugendliche – zum Mitmachen verleiten, ohne diese Texte gründlich gelesen zu haben. Der Haken an diesem „Häkchen“ und damit an der ganzen Angelegenheit kommt nämlich erst zutage, wenn man sich die Zeit nimmt, die AGB, die Kundeninfos oder einen kleinen Hinweis am unteren Teil des Bildschirms in Ruhe zu lesen.

Hohe Kosten für einen einzigen Test!

Die einmalige Teilnahme an dem „Führerscheintest“ kostet stolze 79,00 €. Da ist es ein schwacher Trost, dass die Mehrwertsteuer bereits enthalten ist. Der Verfasser dieser Zeilen hat – aus verständlichen Gründen – an dieser Stelle die Homepage verlassen und nicht am Test teilgenommen. Deshalb kann zur Qualität des angebotenen Führerscheintests keine Stellung genommen werden.

Rechnung kommt ein paar Tage später

Wer sich jedoch auf das „Spielchen“ einlässt, findet einige Tage später die Rechnung einer Firma S.C.NET Venture GmbH & Co. KG mit Sitz in Bad Salzuflen im Briefkasten. Bei Nichtbezahlung wird der Testteilnehmer in der Folge mit mehreren Mahnschreiben und Androhungen, ein Inkassounternehmen zu beauftragen, traktiert. Es ist nicht bekannt, ob die Firma bereits gerichtliche Mahnverfahren eingeleitet hat.

Fahrschüler aufklären!

Und die Moral von der Geschicht? Fahrlehrer sollten ihre Kunden über solche Abzockermethoden aufklären und sie dringend darauf hinweisen, vor einem Vertragsabschluss immer auch das Kleingedruckte zu lesen.

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe September 2007

Erscheinungsdatum 15.09.2007

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