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Viele gute Werke gehen
schief, weil eine besondere Gruppe von Menschen und Organisationen
tätig ist. Die Gruppe heißt "Trittbrettfahrer". Das sind Menschen
oder Organisationen, die mit einem Zug mitfahren, aber dafür nicht
bezahlen wollen.
Trittbrettfahrer sind
beispielsweise Unternehmen, die händeringend qualifizierte
Fachkräfte suchen, aber keine Ausbildungsplätze anbieten.
Trittbrettfahrer sind auch Automobil-Unternehmen, die zwar immer
wieder die Verantwortung der Wirtschaft für das Klima betonen, aber
selber nicht bereit sind, dafür zu sorgen, dass ihre Fahrzeuge mit
viel weniger Sprit auskommen.
Trittbrettfahrer sind
Arbeitnehmer, die zwar froh sind, wenn die Gewerkschaften höhere
Einkommen oder günstigere Arbeitsbedingungen erkämpfen, aber selber
keine Gewerkschaftsbeiträge bezahlen. Trittbrettfahrer sind ganz
alltägliche Menschen, Unternehmen oder Organisationen.
Schon vor vielen
Jahren hat der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Mancur Olsen
gezeigt, dass wegen der vielen Trittbrettfahrer in der Gesellschaft
das, was alle wollen, nie so gut erreicht wird, wie es alle wollen.
Trittbrettfahrer sorgen dafür, dass das, was in der Gesellschaft für
uns alle notwendig wäre, zu wenig geschieht - ob das nun
Umweltschutz, qualifizierte Arbeitsplätze oder gute Ausbildung ist.
Trittbrettfahrer sind auch verantwortlich dafür, dass das, was alle
wollen, viel schwieriger zu bewerkstelligen ist als das, was wenige
wollen. Sie sorgen dafür, dass die Interessenorganisationen und
Verbände, welche die Interessen der großen Mehrheit in der
Gesellschaft vertreten, viel weniger schlagkräftig sind, als die
Organisationen, die Interessen kleiner Minderheiten vertreten.
Trittbrettfahrer sind
eigentlich vernünftige Menschen, die aber für etwas, was sie haben
wollen, nichts zahlen, wenn sie nicht müssen. Es sind Menschen, die
sich zu Recht sagen können, dass ihr kleiner Beitrag zum großen Ziel
doch fast unerheblich sei. Aber das stimmt nur bedingt: Wenn viele
nicht zahlen, ist das große Ziel nicht zu erreichen. Das Dumme ist,
dass gegen das im Einzelfall scheinbar harmlose Trittbrettfahren
meist nur ein Kraut gewachsen ist: Zwang. Man muss ein Gesetz
machen, wenn freiwillige Vereinbarungen wegen der Trittbrettfahrer
nicht funktionieren - selbst wenn Trittbrettfahrer dann über den
bösen Staat schimpfen.
Franz Lehner ist Professor für angewandte Sozialforschung an der
Ruhr-Universität und Direktor des Instituts Arbeit und Technik der
FH Gelsenkirchen.
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