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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Februar/2008, Seite 84

Leserbrief

Veni, Vidi, Vici_

Der Prüfer kam, sah und alle siegten

 

Prüfungsfahrt Klasse B. Schon kurz nach dem Losfahren fällt dem Prüfer auf, dass der Prüfling sehr nervös ist. Hier helfen auch keine aufmunternden Worte, wie man sie gewöhnlich gerne sagt, um die Anspannung des Prüflings zu mildern. Nach etwa 5 Minuten Fahrzeit wollen wir an einer Kreuzung außerorts die Vorfahrtstraße verlassen. Der Prüfling folgt der Anweisung des Prüfers, allerdings sehr rasant. Auch beim anschließenden Fahren auf einer Kraftfahrstraße verhält sich der Schüler nicht gerade so, wie er es in der Ausbildung gelernt hat (Sicherheitsabstand deutlich unter 2 Sekunden). Daraufhin verlassen wir diese Straße, fahren in ein Tankstellengelände, wo der Prüfer halten lässt. Es entwickelt sich folgender Dialog:

Prüfer: „Schalten Sie bitte den Motor aus.“

Schüler schaltet den Motor ab und wartet gespannt. Genauso wie ich.

Prüfer: „Treiben sie Sport?“

Schüler: „Ja, Fußball.“

Prüfer: “Prima. Dann wissen sie sicher auch, was eine Gelbe Karte ist?“

Schüler: „Ja!“

Prüfer: „Dann zeige ich Ihnen diese hiermit. Sie wissen warum?“

Schüler: „Ja. Weil ich vorhin zu schnell abgebogen bin.“

Prüfer: „Das auch. Aber vor allem, weil der Abstand zu dem Lkw sehr gering war. Wissen Sie auch, dass man mit einer Gelben Karte noch eine Chance hat?“

Fahrschüler nickt.

Prüfer: „Dass die Profiltiefe der Reifen mindestens 1,6 mm aufweisen muss, wissen Sie. Aber können sie mir bitte mal zeigen, wo man das nachprüfen kann?“

Wir steigen aus, der Fahrschüler zeigt den Abnutzungsanzeiger des Reifens. Nachdem wir wieder eingestiegen sind:

Prüfer: „So und jetzt holen Sie noch einmal tief Luft und dann zeigen Sie bitte, was Sie können!“

Die Prüfungsfahrt geht weiter ...

Raten Sie mal, wie es ausging? Der Prüfling hat danach einen guten Fahrstil gezeigt, teilweise sogar Dinge, die man von einem durchschnittlichen Prüfling so nicht erwarten kann.

Und die Moral von der Geschicht’? Hier hat ein Prüfer gezeigt, dass ihm der Erfolg des Prüflings sehr am Herzen liegt und dass man viel mehr erreicht, wenn man versucht zu prüfen, was der Schüler kann, statt mit Eifer zu suchen, was er nicht kann. Bei manchen anderen Prüfern hätte das Ergebnis nach 20 Minuten Prüfungsfahrt anders ausgesehen. Und deren Entscheidung wäre nach der Prüfungsrichtlinie nicht angreifbar gewesen. Aber hätten sie auch eine der Sache dienende Entscheidung getroffen? Ich jedenfalls freue mich, wenn dieser Prüfer wieder kommt. Auch bei ihm bestehen nicht alle. Ich weiß aber, dass er sich seine Entscheidungen nicht leicht macht.

Der Verfasser möchte nicht genannt werden,
er ist der Redaktion jedoch bekannt.

FahrSchulPraxis
Ausgabe Februar 2008

Erscheinungsdatum 15.02.2008

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