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Prüfungsfahrt Klasse B.
Schon kurz nach dem Losfahren fällt dem Prüfer auf, dass der
Prüfling sehr nervös ist. Hier helfen auch keine aufmunternden
Worte, wie man sie gewöhnlich gerne sagt, um die Anspannung des
Prüflings zu mildern. Nach etwa 5 Minuten Fahrzeit wollen wir an
einer Kreuzung außerorts die Vorfahrtstraße verlassen. Der Prüfling
folgt der Anweisung des Prüfers, allerdings sehr rasant. Auch beim
anschließenden Fahren auf einer Kraftfahrstraße verhält sich der
Schüler nicht gerade so, wie er es in der Ausbildung gelernt hat
(Sicherheitsabstand deutlich unter 2 Sekunden). Daraufhin verlassen
wir diese Straße, fahren in ein Tankstellengelände, wo der Prüfer
halten lässt. Es entwickelt sich folgender Dialog:
Prüfer:
„Schalten Sie bitte den Motor aus.“
Schüler schaltet
den Motor ab und wartet gespannt. Genauso wie ich.
Prüfer:
„Treiben sie Sport?“
Schüler:
„Ja, Fußball.“
Prüfer:
“Prima. Dann wissen sie sicher auch, was eine Gelbe Karte ist?“
Schüler:
„Ja!“
Prüfer: „Dann
zeige ich Ihnen diese hiermit. Sie wissen warum?“
Schüler:
„Ja. Weil ich vorhin zu schnell abgebogen bin.“
Prüfer: „Das
auch. Aber vor allem, weil der Abstand zu dem Lkw sehr gering war.
Wissen Sie auch, dass man mit einer Gelben Karte noch eine Chance
hat?“
Fahrschüler nickt.
Prüfer: „Dass
die Profiltiefe der Reifen mindestens 1,6 mm aufweisen muss, wissen
Sie. Aber können sie mir bitte mal zeigen, wo man das nachprüfen
kann?“
Wir steigen aus,
der Fahrschüler zeigt den Abnutzungsanzeiger des Reifens. Nachdem
wir wieder eingestiegen sind:
Prüfer: „So
und jetzt holen Sie noch einmal tief Luft und dann zeigen Sie bitte,
was Sie können!“
Die Prüfungsfahrt
geht weiter ...
Raten Sie mal, wie es
ausging? Der Prüfling hat danach einen guten Fahrstil gezeigt,
teilweise sogar Dinge, die man von einem durchschnittlichen Prüfling
so nicht erwarten kann.
Und die Moral von der
Geschicht’? Hier hat ein Prüfer gezeigt, dass ihm der Erfolg des
Prüflings sehr am Herzen liegt und dass man viel mehr erreicht, wenn
man versucht zu prüfen, was der Schüler kann, statt mit Eifer zu
suchen, was er nicht kann. Bei manchen anderen Prüfern hätte das
Ergebnis nach 20 Minuten Prüfungsfahrt anders ausgesehen. Und deren
Entscheidung wäre nach der Prüfungsrichtlinie nicht angreifbar
gewesen. Aber hätten sie auch eine der Sache dienende Entscheidung
getroffen? Ich jedenfalls freue mich, wenn dieser Prüfer wieder
kommt. Auch bei ihm bestehen nicht alle. Ich weiß aber, dass er sich
seine Entscheidungen nicht leicht macht.
Der
Verfasser möchte nicht genannt werden,
er ist der Redaktion jedoch bekannt. |