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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Mai/2008, Seite 242

Verbandstag 2008

Werte, Wagen, Wetter

 

Fangen wir mit dem Letzten an: Der Frühling zeigte sich an diesem 26. April 2008 von seiner allerbesten Seite. Sonne und Bodensee - hat das so viele Mitglieder nach Friedrichshafen gelockt? Was auch immer, jedenfalls war auch die 58. ordentliche Jahresmitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. sehr gut besucht.

Als Vorsitzender Peter Tschöpe Schlag 10.00 Uhr die Versammlung eröffnete, war der Saal gut gefüllt. Am Beginn seiner Begrüßungsrede bedankte er sich bei den Mitgliedern und den Gästen mit sehr freundlichen Worten für deren Kommen. Schon kurz zuvor waren alle Gäste auf einer großen Video-Leinwand zu sehen gewesen. Persönlich begrüßte Tschöpe die beiden Hauptredner des Tages, den Bundestagsabgeordneten und Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung Baden-Württemberg Christian Freiherr von Stetten und Dipl.-Päd. Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR). Ebenso herzlich begrüßte er Jörg Gajewski und Robert Wilhelm von Mercedes-Benz, Martin Jost und Marcellus Kaup vom TÜV SÜD, Joachim Krieger vom Vogel-Verlag, München, sowie Gebhard L. Heiler, den früheren Vorsitzenden des Verbandes.

Lob für die ausstellenden Firmen

Sehr warmherzige Willkommensgrüße richtete Tschöpe auch an die wiederum zahlreichen Aussteller, deren Stände dem weitläufigen Foyer des Graf-Zeppelin-Hauses Messe-Atmosphäre verliehen. Tschöpe lobte die Präsenz und das Engagement der Firmen, „zumal weil Sie an diesem Tag auch auf den Versammlungen von zwei anderen großen Fahrlehrerverbänden präsent sein müssen“. Er ermunterte die Mitglieder, in den Pausen die Stände zu besuchen, um das vielseitige Angebot von Waren und Dienstleistungen, namentlich auch die Neuheiten, kennenzulernen.

Expertenwissen nutzen

In Vertretung von Oberbürgermeister Büchelmeier hieß Hans-Jörg Schraitle, Leiter des Amtes für Bürgerservice, die Versammlung in seiner Stadt willkommen. Schraitle forderte die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer auf, die Behörden bei der Lenkung des Verkehrs und der Signalisierung mit ihrem Expertenwissen und ihrer Erfahrung zu unterstützen.

Mercedes - ein Wagen von 1950

Als Hommage an die Auto-Ästhetik der Nachkriegsjahre und an das Gründungsjahr des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg strahlte auf der Bühne wie frisch aus dem Ei gepellt ein Mercedes-Benz 170 S Cabrio, Baujahr 1950. Die rote Schönheit stammt aus dem Museumsarsenal von Mercedes und wurde eigens zum Verbandstag der Fahrlehrer nach Friedrichshafen gebracht.

Neue Wagen von Mercedes gab es freilich auch zu sehen. In seinem Grußwort wies Jörg Gajewski vor allem auf eine mit Erdgas betriebene B-Klasse hin, die er speziell auch für Fahrschulen als eine der überzeugenden Antworten auf die ausgearteten Kraftstoffpreise und den Wunsch nach Minderung der Schadstoffemission bezeichnete.

TÜV setzt auf Zusammenarbeit

In seinem Grußwort ging TP-Leiter Marcellus Kaup zunächst auf die vorübergehend erhöhten Anforderungen ein, die das Begleitete Fahren für beide – Fahrlehrer und Prüforganisation – mit sich bringt. Man werde seitens des TÜV alles denkbar Mögliche aufbieten, um dem erhöhten Prüfungsbedarf nachkommen zu können. Er sei sicher, dass die Fahrschulen und der TÜV in gemeinsamer Anstrengung dieser und den von der PC-Prüfung ausgehenden Herausforderungen erfolgreich begegnen werden.

Werte

Im „politischen“ Teil seiner Begrüßungsrede ging es Peter Tschöpe vor allem um die Werte des in Jahrzehnten entwickelten gesetzlichen Fundaments des Fahrlehrerberufs. Er brachte seine Enttäuschung über die den deutschen Fahrlehrern durch die EG-Richtlinie 2005/36 und deren Umsetzung in deutsches Recht drohende „Abwärts- Harmonisierung“ zum Ausdruck. Die deutsche Politik habe nicht rechtzeitig und angemessen reagiert, als sich die Inhalte der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Anerkennung von Berufsqualifikationen abzeichneten.

An den Abgeordneten von Stetten gerichtet mahnte Tschöpe den Erhalt des fachlichen und pädagogischen Vorsprungs der deutschen Fahrlehrerausbildung und der sachlich wohlbegründeten Zugangsregelungen zum Beruf an. Im Interesse der Verkehrssicherheit müsse jetzt von der Politik jede Unterstützung kommen, um missbräuchlichen Auslegung und Anwendung der europäischen Regelungen einen Riegel vorzuschieben.

Unveräußerliche Regeln

Sein Verband sei für Entbürokratisierung, man habe dazu bereits Vorschläge unterbreitet, aber für die übergroße Mehrheit der deutschen Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer seien die gesetzlich normierte Verantwortlichkeit des Fahrschulinhabers / des verantwortlichen Leiters sowie die Ausbildungsbescheinigung unveräußerliche Regeln für die Sicherstellung einer ordnungsmäßigen, sicherheitsbetonten Ausbildung der Fahrschüler, rief Tschöpe unter starkem Beifall der Versammlung dem Bundestagsabgeordneten zu.

Unzufrieden mit der Politik

Große Unzufriedenheit mit der Politik rufe bei den Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern die anhaltende Missachtung der Entschließung des Deutschen Bundestages aus dem Jahre 1999 hervor, worin die Bundesregierung aufgefordert worden sei, „für den Fahrlehrerberuf ein Konzept zu entwickeln, das aus einer pädagogischen Grundausbildung sowie aus einer fahrlehrerspezifischen theoretischen und praktischen Ausbildung besteht und in zwei Jahren dem Deutschen Bundestag hierüber zu berichten“. Nicht minder ärgerlich sei die bis heute andauernde Unterlassung, eine Verordnung über die Anforderungen an Qualitätssicherungssysteme für Fahrschulen und die Durchführung der Qualitätssicherung zu erlassen, obwohl auch dies bereits seit 1999 im Fahrlehrergesetz stehe.

PC-Prüfung kommt

Tschöpe ging auch auf die theoretische Prüfung am PC ein. Die elektronische Prüfung werde in Baden-Württemberg zum 1. Januar 2010 eingeführt. Im Land Brandenburg laufe die papierlose Prüfung bereits jetzt ohne nennenswerte Probleme. Sein Verband sehe die elektronische Prüfung als Fortschritt an, sofern die Prüfungsinhalte verständlich und die Flächendeckung im heutigen Maße erhalten blieben.

BF17 und die demografische Entwicklung

Die momentan etwas bessere, hauptsächlich dem Modell Begleitetes Fahren zuzuschreibende Auslastung der Fahrschulen dürfe nicht über die kommende Abnahme der Anzahl der 18-Jährigen hinwegtäuschen. Es sei jetzt wichtig, rechtzeitig neue Geschäftsfelder zu erschließen, riet Tschöpe den Fahrschulinhabern. Der Verband habe dafür mit dem Programm Fit im Verkehr gute Vorarbeit geleistet. Es liege jetzt an jedem selbst – gerade auch in Anbetracht der kommenden Berufskraftfahrerqualifikation – Kompetenz für die Übernahme neuer Bildungsaufgaben anzustreben. Tschöpe schloss seine mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Rede mit dem Appell an die Mitglieder weiterhin dafür zu sorgen, „dass Ihre Berufsvertretung stark und geeint bleibt, damit wir gemeinsam die Zukunft meistern können“.

Lebenslanges lernen

Kay Schulte vom DVR hatte während seines Referats, in dem er besonders auch auf die Gefühlswelt der jungen Fahranfänger einging, die ganze Aufmerksamkeit der Versammlung.


Kay Schulte (Foto: Dietmar Fund)

Es sei durch viele Untersuchungen evident geworden, dass junge Menschen nach klaren Leitlinien verlangten. Fahrausbildung dürfe deshalb kein Schmusekurs sein. Der Fahrlehrer müsse neben der Vermittlung von Regeln, Kenntnissen und Fähigkeiten den noch immer hoch unfallgefährdeten Fahranfängern vor allem deutlich vor Augen führen, dass die Aushändigung des Führerscheins keineswegs das Ende, sondern der Beginn eines lebenslangen Lernprozesses bedeute.

Mittelstandspolitik

An den neuen Regelungen der EU zur Anerkennung von Berufsqualifikationen könne man nichts mehr ändern, es gelte jetzt, das Bestmögliche daraus zu machen, sagte Bundestagsabgeordneter von Stetten zum Auftakt seine Rede. Er kenne die Sorgen der Fahrlehrer und werde sich zusammen mit anderen Abgeordneten seiner Fraktion für den Schutz der berechtigten Interessen der deutschen Fahrlehrer einsetzen.


Christian Freiherr von Stetten (Foto: Dietmar Fund)

Er wolle auch die ausstehende Verordnung zur Qualitätssicherung anmahnen. Im Weiteren erläuterte er die Vorstellungen seiner Partei zur Erbschaftssteuer, die den Mittelstand bei Betriebsübernahmen auch dann nicht überbelasten dürfe, wenn der definitiven Übergabe an den Erben ein Pachtverhältnis vorausgehe. Von Stetten erhielt starken Beifall der Versammlung, als er die Minderung der Mehrwertsteuer für lohnintensive Dienstleistungen ein Ziel der Mittelstandspolitik der CDU nannte.

Ehrungen

Über die zahlreichen Ehrungen von Mitgliedern für langjährige erfolgreiche Berufsausübung und die Ernennung von Ehrenmitgliedern berichten wir mit Bildern in der Juni-Ausgabe der FahrSchulPraxis.

Die Regularien

Nach dem wiederum vom TÜV SÜD gesponserten Mittagessen, dessen Qualität allgemein gelobt wurde, ging es mit den von der Satzung bestimmten Regularien weiter. Vorsitzender Tschöpe ging auf die wichtigsten Passagen des den Mitgliedern schriftlich vorliegenden Geschäfts- und Kassenberichts ein. Beide Berichte wurden von den Mitgliedern ohne Wortmeldungen angenommen.

Nach den bestätigenden Ausführungen des Kassenprüfers Erwin Hodapp wurde der Vorstand einstimmig entlastet.

Die Wiederwahl des Kollegen Günter Rau als Vertreter der Angestellten erfolgte mit überzeugender Mehrheit.

Einstimmig nahm die Versammlung den Vorschlag des Vorstandes an, die Jahresbeiträge wie bisher zu belassen. Der Antrag einer Kollegin, den Mitgliedsbeitrag für Fahrschulen nach deren Größe zu staffeln, lehnte die Versammlung nach kurzer Diskussion mit überwältigender Mehrheit ab.

Die Mitglieder haben das Wort

Dieser Punkt der Tagesordnung brachte etwas mehr Dynamik in die Versammlung als die Abhandlung der Regularien.

  • PC-Prüfung

In sachlichen Beiträgen ging es vor allem um die für 2010 angesagte PC-Prüfung. Hier befürchten manche Mitglieder offenbar, die Digitalisierung der Prüfung könne zu Nachteilen für die Fahrschulen und die Prüflinge führen. Dabei ging es sowohl um Standort- als auch um Kapazitätsfragen. TP-Leiter Kaup konnte zum jetzigen Zeitpunkt die teils sehr ins Detail gehenden Fragen nicht abschließend beantworten, weil sich der TÜV zurzeit noch am Beginn der Planungsphase befindet. Ob die theoretische Prüfung dann auch noch in den Räumen von Fahrschulen stattfinden könne, sei ungewiss. Man werde aber dafür sorgen, dass der Übergang vom Papier zur Elektronik reibungslos verlaufe. An Orten, an denen heute geprüft werde, fänden auch in Zukunft theoretische Prüfungen statt.

  • Entbürokratisierung des Fahrlehrerrechts

Ein weiteres Diskussionsthema war die Entbürokratisierung des Fahrlehrerrechts. Die Vorschläge des Vorstandes, künftig die Aufzeichnungspflichten nach § 18 FahrlG von für die Nachvollziehbarkeit des Ausbildungsverlaufs unbedeutenden Pflichten zu entrümpeln, fanden die volle Zustimmung der Versammlung.

  • Dritte EG-Führerscheinrichtlinie

Die dritte EG-Führerscheinrichtlinie lässt den Mitgliedstaaten kleinere Freiräume. Wo in einzelnen Klassen alternativ Ausbildung oder Prüfung, aber nicht beides einzuführen zulässig ist, sprach sich die Versammlung eindeutig für die Prüfung aus. Der Vorstand wies in diesem Zusammenhang auch auf die Neudefinition der Klasse BE hin, für die in aller Regel die bisher verwendeten Fahrzeugkombinationen nicht mehr ausreichten. Die nach der Richtlinie mögliche Klasse „B-plus“ (bis 4,25 t zG) lehnte die Versammlung entschieden ab.

Eine Reihe weiterer Fragen und Diskussionsbeiträge wurden ausführlich behandelt.

Der Vorsitzende schloss die sehr ersprießliche Mitgliederversammlung kurz nach 17.00 Uhr mit einem herzlichen Dankeswort an alle Beteiligten.

Der Ball

Der traditionelle Ball war – kurz gesagt – eine Wucht. Das große Vergnügen der Gäste und ihre Freude an dem hervorragenden Programm versetzten den Saal in eine tolle Partystimmung. Getanzt wurde bis zum frühen Morgen. Dieser Ball gehört einfach zum Fahrlehrerverband Baden-Württemberg, er ist mehr als nur Tradition, er ist Ausdruck einer auch zu großer Lebensfrohheit fähigen Gemeinschaft.

Verbandsteam: eine von A bis Z reife Leistung

Der Chronist darf die im Hintergrund eines solchen Tages agierenden Menschen nicht vergessen. Organisation und Service waren von A bis Z eine reife Leistung. Dafür hat das Verbandsteam um Iris Wimpff einmal mehr eine Eins plus verdient.

GLH

FahrSchulPraxis
Ausgabe Mai 2008

Erscheinungsdatum 15.05.2008

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