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Fangen
wir mit dem Letzten an: Der Frühling zeigte sich an diesem 26. April
2008 von seiner allerbesten Seite. Sonne und Bodensee - hat das so
viele Mitglieder nach Friedrichshafen gelockt? Was auch immer,
jedenfalls war auch die 58. ordentliche Jahresmitgliederversammlung
des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. sehr gut besucht.
Als Vorsitzender Peter
Tschöpe Schlag 10.00 Uhr die Versammlung eröffnete, war der Saal gut
gefüllt. Am Beginn seiner Begrüßungsrede bedankte er sich bei den
Mitgliedern und den Gästen mit sehr freundlichen Worten für deren
Kommen. Schon kurz zuvor waren alle Gäste auf einer großen
Video-Leinwand zu sehen gewesen. Persönlich begrüßte Tschöpe die
beiden Hauptredner des Tages, den Bundestagsabgeordneten und
Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung Baden-Württemberg
Christian Freiherr von Stetten und Dipl.-Päd. Kay Schulte
vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR). Ebenso herzlich
begrüßte er Jörg Gajewski und Robert Wilhelm von
Mercedes-Benz, Martin Jost und Marcellus Kaup vom TÜV
SÜD, Joachim Krieger vom Vogel-Verlag, München, sowie
Gebhard L. Heiler, den früheren Vorsitzenden des Verbandes.
Lob
für die ausstellenden Firmen
Sehr warmherzige
Willkommensgrüße richtete Tschöpe auch an die wiederum zahlreichen
Aussteller, deren Stände dem weitläufigen Foyer des
Graf-Zeppelin-Hauses Messe-Atmosphäre verliehen. Tschöpe lobte die
Präsenz und das Engagement der Firmen, „zumal weil Sie an diesem Tag
auch auf den Versammlungen von zwei anderen großen
Fahrlehrerverbänden präsent sein müssen“. Er ermunterte die
Mitglieder, in den Pausen die Stände zu besuchen, um das vielseitige
Angebot von Waren und Dienstleistungen, namentlich auch die
Neuheiten, kennenzulernen.
Expertenwissen nutzen
In Vertretung von
Oberbürgermeister Büchelmeier hieß Hans-Jörg Schraitle, Leiter des
Amtes für Bürgerservice, die Versammlung in seiner Stadt willkommen.
Schraitle forderte die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer auf, die
Behörden bei der Lenkung des Verkehrs und der Signalisierung mit
ihrem Expertenwissen und ihrer Erfahrung zu unterstützen.
Mercedes - ein Wagen von 1950
Als Hommage an die
Auto-Ästhetik der Nachkriegsjahre und an das Gründungsjahr des
Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg strahlte auf der Bühne wie
frisch aus dem Ei gepellt ein Mercedes-Benz 170 S Cabrio, Baujahr
1950. Die rote Schönheit stammt aus dem Museumsarsenal von Mercedes
und wurde eigens zum Verbandstag der Fahrlehrer nach Friedrichshafen
gebracht.

Neue Wagen von
Mercedes gab es freilich auch zu sehen. In seinem Grußwort wies Jörg
Gajewski vor allem auf eine mit Erdgas betriebene B-Klasse hin, die
er speziell auch für Fahrschulen als eine der überzeugenden
Antworten auf die ausgearteten Kraftstoffpreise und den Wunsch nach
Minderung der Schadstoffemission bezeichnete.

TÜV
setzt auf Zusammenarbeit
In seinem Grußwort
ging TP-Leiter Marcellus Kaup zunächst auf die vorübergehend
erhöhten Anforderungen ein, die das Begleitete Fahren für beide –
Fahrlehrer und Prüforganisation – mit sich bringt. Man werde seitens
des TÜV alles denkbar Mögliche aufbieten, um dem erhöhten
Prüfungsbedarf nachkommen zu können. Er sei sicher, dass die
Fahrschulen und der TÜV in gemeinsamer Anstrengung dieser und den
von der PC-Prüfung ausgehenden Herausforderungen erfolgreich
begegnen werden.
Werte
Im „politischen“ Teil
seiner Begrüßungsrede ging es Peter Tschöpe vor allem um die Werte
des in Jahrzehnten entwickelten gesetzlichen Fundaments des
Fahrlehrerberufs. Er brachte seine Enttäuschung über die den
deutschen Fahrlehrern durch die EG-Richtlinie 2005/36 und deren
Umsetzung in deutsches Recht drohende „Abwärts- Harmonisierung“ zum
Ausdruck. Die deutsche Politik habe nicht rechtzeitig und angemessen
reagiert, als sich die Inhalte der Richtlinie 2005/36/EG des
Europäischen Parlaments und des Rates über die Anerkennung von
Berufsqualifikationen abzeichneten.
An den Abgeordneten
von Stetten gerichtet mahnte Tschöpe den Erhalt des fachlichen und
pädagogischen Vorsprungs der deutschen Fahrlehrerausbildung und der
sachlich wohlbegründeten Zugangsregelungen zum Beruf an. Im
Interesse der Verkehrssicherheit müsse jetzt von der Politik jede
Unterstützung kommen, um missbräuchlichen Auslegung und Anwendung
der europäischen Regelungen einen Riegel vorzuschieben.
Unveräußerliche Regeln
Sein Verband sei für
Entbürokratisierung, man habe dazu bereits Vorschläge unterbreitet,
aber für die übergroße Mehrheit der deutschen Fahrlehrerinnen und
Fahrlehrer seien die gesetzlich normierte Verantwortlichkeit des
Fahrschulinhabers / des verantwortlichen Leiters sowie die
Ausbildungsbescheinigung unveräußerliche Regeln für die
Sicherstellung einer ordnungsmäßigen, sicherheitsbetonten Ausbildung
der Fahrschüler, rief Tschöpe unter starkem Beifall der Versammlung
dem Bundestagsabgeordneten zu.
Unzufrieden mit der Politik
Große Unzufriedenheit
mit der Politik rufe bei den Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern die
anhaltende Missachtung der Entschließung des Deutschen Bundestages
aus dem Jahre 1999 hervor, worin die Bundesregierung aufgefordert
worden sei, „für den Fahrlehrerberuf ein Konzept zu entwickeln, das
aus einer pädagogischen Grundausbildung sowie aus einer
fahrlehrerspezifischen theoretischen und praktischen Ausbildung
besteht und in zwei Jahren dem Deutschen Bundestag hierüber zu
berichten“. Nicht minder ärgerlich sei die bis heute andauernde
Unterlassung, eine Verordnung über die Anforderungen an
Qualitätssicherungssysteme für Fahrschulen und die Durchführung der
Qualitätssicherung zu erlassen, obwohl auch dies bereits seit 1999
im Fahrlehrergesetz stehe.
PC-Prüfung kommt
Tschöpe ging auch auf
die theoretische Prüfung am PC ein. Die elektronische Prüfung werde
in Baden-Württemberg zum 1. Januar 2010 eingeführt. Im Land
Brandenburg laufe die papierlose Prüfung bereits jetzt ohne
nennenswerte Probleme. Sein Verband sehe die elektronische Prüfung
als Fortschritt an, sofern die Prüfungsinhalte verständlich und die
Flächendeckung im heutigen Maße erhalten blieben.
BF17 und die demografische Entwicklung
Die momentan etwas
bessere, hauptsächlich dem Modell Begleitetes Fahren zuzuschreibende
Auslastung der Fahrschulen dürfe nicht über die kommende Abnahme der
Anzahl der 18-Jährigen hinwegtäuschen. Es sei jetzt wichtig,
rechtzeitig neue Geschäftsfelder zu erschließen, riet Tschöpe den
Fahrschulinhabern. Der Verband habe dafür mit dem Programm
Fit im Verkehr gute Vorarbeit
geleistet. Es liege jetzt an jedem selbst – gerade auch in
Anbetracht der kommenden Berufskraftfahrerqualifikation – Kompetenz
für die Übernahme neuer Bildungsaufgaben anzustreben. Tschöpe
schloss seine mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Rede mit dem
Appell an die Mitglieder weiterhin dafür zu sorgen, „dass Ihre
Berufsvertretung stark und geeint bleibt, damit wir gemeinsam die
Zukunft meistern können“.
Lebenslanges lernen
Kay Schulte vom DVR
hatte während seines Referats, in dem er besonders auch auf die
Gefühlswelt der jungen Fahranfänger einging, die ganze
Aufmerksamkeit der Versammlung.

Kay Schulte (Foto: Dietmar Fund)
Es sei durch viele
Untersuchungen evident geworden, dass junge Menschen nach klaren
Leitlinien verlangten. Fahrausbildung dürfe deshalb kein Schmusekurs
sein. Der Fahrlehrer müsse neben der Vermittlung von Regeln,
Kenntnissen und Fähigkeiten den noch immer hoch unfallgefährdeten
Fahranfängern vor allem deutlich vor Augen führen, dass die
Aushändigung des Führerscheins keineswegs das Ende, sondern der
Beginn eines lebenslangen Lernprozesses bedeute.
Mittelstandspolitik
An den neuen Regelungen der EU zur Anerkennung von
Berufsqualifikationen könne man nichts mehr ändern, es gelte jetzt,
das Bestmögliche daraus zu machen, sagte Bundestagsabgeordneter von
Stetten zum Auftakt seine Rede. Er kenne die Sorgen der Fahrlehrer
und werde sich zusammen mit anderen Abgeordneten seiner Fraktion für
den Schutz der berechtigten Interessen der deutschen Fahrlehrer
einsetzen.

Christian Freiherr von Stetten (Foto: Dietmar Fund) Er wolle auch die ausstehende Verordnung zur
Qualitätssicherung anmahnen. Im Weiteren erläuterte er die
Vorstellungen seiner Partei zur Erbschaftssteuer, die den
Mittelstand bei Betriebsübernahmen auch dann nicht überbelasten
dürfe, wenn der definitiven Übergabe an den Erben ein
Pachtverhältnis vorausgehe. Von Stetten erhielt starken Beifall der
Versammlung, als er die Minderung der Mehrwertsteuer für
lohnintensive Dienstleistungen ein Ziel der Mittelstandspolitik der
CDU nannte.
Ehrungen
Über die zahlreichen Ehrungen von Mitgliedern
für langjährige erfolgreiche Berufsausübung und die Ernennung von
Ehrenmitgliedern berichten wir mit Bildern in der Juni-Ausgabe der
FahrSchulPraxis.
Die Regularien
Nach dem wiederum vom TÜV SÜD
gesponserten Mittagessen, dessen Qualität allgemein gelobt wurde,
ging es mit den von der Satzung bestimmten Regularien weiter.
Vorsitzender Tschöpe ging auf die wichtigsten Passagen des den
Mitgliedern schriftlich vorliegenden Geschäfts- und Kassenberichts
ein. Beide Berichte wurden von den Mitgliedern ohne Wortmeldungen
angenommen.
Nach den bestätigenden Ausführungen des Kassenprüfers
Erwin Hodapp wurde der Vorstand einstimmig entlastet.
Die Wiederwahl
des Kollegen Günter Rau als Vertreter der Angestellten erfolgte mit
überzeugender Mehrheit.
Einstimmig nahm die Versammlung den
Vorschlag des Vorstandes an, die Jahresbeiträge wie bisher zu
belassen. Der Antrag einer Kollegin, den Mitgliedsbeitrag für
Fahrschulen nach deren Größe zu staffeln, lehnte die Versammlung
nach kurzer Diskussion mit überwältigender Mehrheit ab.
Die
Mitglieder haben das Wort
Dieser Punkt der Tagesordnung brachte
etwas mehr Dynamik in die Versammlung als die Abhandlung der
Regularien.
In sachlichen Beiträgen ging es vor allem
um die für 2010 angesagte PC-Prüfung. Hier befürchten manche
Mitglieder offenbar, die Digitalisierung der Prüfung könne zu
Nachteilen für die Fahrschulen und die Prüflinge führen. Dabei ging
es sowohl um Standort- als auch um Kapazitätsfragen. TP-Leiter Kaup
konnte zum jetzigen Zeitpunkt die teils sehr ins Detail gehenden
Fragen nicht abschließend beantworten, weil sich der TÜV zurzeit
noch am Beginn der Planungsphase befindet. Ob die theoretische
Prüfung dann auch noch in den Räumen von Fahrschulen stattfinden
könne, sei ungewiss. Man werde aber dafür sorgen, dass der Übergang
vom Papier zur Elektronik reibungslos verlaufe. An Orten, an denen
heute geprüft werde, fänden auch in Zukunft theoretische Prüfungen
statt.
- Entbürokratisierung des Fahrlehrerrechts
Ein weiteres
Diskussionsthema war die Entbürokratisierung des Fahrlehrerrechts.
Die Vorschläge des Vorstandes, künftig die Aufzeichnungspflichten
nach § 18 FahrlG von für die Nachvollziehbarkeit des
Ausbildungsverlaufs unbedeutenden Pflichten zu entrümpeln, fanden
die volle Zustimmung der Versammlung.
-
Dritte
EG-Führerscheinrichtlinie
Die dritte EG-Führerscheinrichtlinie lässt den Mitgliedstaaten
kleinere Freiräume. Wo in einzelnen Klassen alternativ Ausbildung
oder Prüfung, aber nicht beides einzuführen zulässig ist, sprach
sich die Versammlung eindeutig für die Prüfung aus. Der Vorstand
wies in diesem Zusammenhang auch auf die Neudefinition der Klasse BE
hin, für die in aller Regel die bisher verwendeten
Fahrzeugkombinationen nicht mehr ausreichten. Die nach der
Richtlinie mögliche Klasse „B-plus“ (bis 4,25 t zG) lehnte die
Versammlung entschieden ab.
Eine Reihe weiterer Fragen und
Diskussionsbeiträge wurden ausführlich behandelt.
Der Vorsitzende
schloss die sehr ersprießliche Mitgliederversammlung kurz nach 17.00
Uhr mit einem herzlichen Dankeswort an alle Beteiligten.
Der Ball
Der traditionelle Ball war – kurz gesagt – eine Wucht. Das große
Vergnügen der Gäste und ihre Freude an dem hervorragenden Programm
versetzten den Saal in eine tolle Partystimmung. Getanzt wurde bis
zum frühen Morgen. Dieser Ball gehört einfach zum Fahrlehrerverband
Baden-Württemberg, er ist mehr als nur Tradition, er ist Ausdruck
einer auch zu großer Lebensfrohheit fähigen Gemeinschaft.
Verbandsteam: eine von A bis Z reife Leistung
Der Chronist darf die
im Hintergrund eines solchen Tages agierenden Menschen nicht
vergessen. Organisation und Service waren von A bis Z eine reife
Leistung. Dafür hat das Verbandsteam um Iris Wimpff einmal mehr eine
Eins plus verdient.
GLH |