|
Als
ich vor Jahren davon hörte, Fahrlehrer lüden Blinde und
Sehbehinderte ein, auf gesicherten Plätzen selbst einmal ein Auto zu
lenken, fand ich diese Idee bedenklich. Darf man, so fragte ich
mich, in Menschen Begierden auf etwas wecken, das sie nie
selbstständig praktizieren können? Es erinnerte mich an das Narren
eines Kindes mit einem begehrten Spielzeug.
Jahre später wurde ich
von Schweizer Kollegen zu einer solchen Veranstaltung eingeladen.
Meine Bedenken waren unverändert da, aber ich behielt sie für mich.
Dann jedoch eine große Überraschung: Bevor die Blinden und
Sehbehinderten kamen, trafen sich die Fahrlehrer und bereiteten sich
unter Anleitung professioneller Blindenbetreuer auf das Ereignis
vor. Zunächst verband man der einen Hälfte der Fahrlehrer die Augen.
Die „Erblindeten“ mussten sodann unter Anleitung eines Kollegen über
einen Parcours gehen. Anschließend wurden die Rollen getauscht. Bei
den danach folgenden Fahrübungen wurde den Fahrlehrern bald klar,
dass die bei der Fahrausbildung üblichen Anweisungen nicht
ausreichten. Mit „bitte ein bisschen mehr rechts fahren“ oder „ein
bisschen zurücklenken“ konnten die „Erblindeten“ nichts anfangen.
Die Fahrlehrer mussten lernen, den Fahrern präzisere Anweisungen zu
geben.
Initiativen der Kreisvereine
In den letzten Jahren
führten einige Kreisvereine auf lokaler Ebene Aktionstage mit
Blinden und Sehbehinderten durch. Diese erfreulichen Initiativen
wollen wir in diesem Jahr in einem landesweiten Sensomobiltag
bündeln. Die Veranstaltung läuft in Zusammenarbeit mit dem
Landesverband der Blinden und Sehbehinderten Baden-Württemberg e.V.
am
13.
September 2008
auf dem Gelände des
ehemaligen Flugplatzes Bremgarten in der Nähe von Freiburg.
Freiburg plant und organisiert
Planung und
Durchführung liegen unter der Leitung von Wolfgang Briege in den
bewährten Händen der Freiburger Kolleginnen und Kollegen. Erwartet
werden etwa 150 bis 200 Blinde und Sehbehinderte aus ganz
Baden-Württemberg. Sie dürfen unter Anleitung eines Fahrlehrers
selbst Auto fahren und können bei verschiedenen
Geschicklichkeitsaufgaben ihre hohe Sensibilität zur Geltung
bringen. Darüber hinaus werden sie wichtige Erkenntnisse für ihre
weitere Teilnahme am Straßenverkehr mitnehmen.
Bitte melden
Kolleginnen und
Kollegen, die bereit sind, für diese gute Sache einige Stunden zu
opfern und ihr Auto zur Verfügung zu stellen, werden herzlich
gebeten, an diesem Tag das Freiburger Aktions-Team zu unterstützen.
Interessenten melden
sich bitte bei der Geschäftsstelle des Verbandes,
Irene Blank, Telefon 0711/839875-22 oder
per
E-Mail...
Ich bin sicher, diese
erste landesweite Veranstaltung wird ein voller Erfolg werden. Die
Fahrlehrer werden mit dem Gefühl nach Hause gehen, eine gute Sache
unterstützt zu haben, und sie werden begeistert davon sein, wie viel
sie als Sehende von den Blinden lernen konnten.
Peter Tschöpe |