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Honda
hatte eingeladen und ca. 150, vor allem Motorrad-Journalisten aus
ganz Europa, folgten dem Ruf nach Neumünster. Auf dem
LUK-Bremsen-Testgelände standen am 9. Juni 2008 drei Prototypen der
neuentwickelten CBR 600 mit CBS-ABS zur Testfahrt bereit. Zuvor
informierte Honda Europe über seinen derzeitigen Wissensstand bei
der Forschung nach noch mehr Sicherheit für Motorradfahrer.
Airbag
für Motorräder
Die Entwicklung des
ersten Airbag-Systems für Motorräder war sehr kompliziert. Honda
wird die Forschung auf diesem Gebiet weiter forcieren. In der
Zeitschrift „Motorrad“ wurde schon von einem Unfall eines
Motorradfahrers berichtet, der auf seiner Gold Wing eine schwere
Kollision nur durch den Airbag überlebt hat. Es wäre zu wünschen,
dass sich auch andere Hersteller in gleicher Weise engagieren.

Demonstration eines aufgehenden Airbags bei einer Gold Wing
Sichtbarkeit der Motorradfahrer
Ein weiteres
hochinteressantes Ergebnis der Forschung war, dass die Silhouette
eines Motorrades immer weiter entfernt erscheint, als die eines Pkw.
Honda ist zu dem Ergebnis gekommen, dass dies daran liegt, dass der
Betrachter ein Zweirad etwas höher, also dichter an der
Horizontlinie sieht, als einen Pkw. Die Schlussfolgerung lautet:
Zusätzlich zum ohnehin eingeschalteten Abblendlicht Tagfahrleuchten
benutzen, die möglichst weit unten (also an der Gabel oder
Verkleidung) angebracht sein sollten.
Simulatoren
Honda setzt mehrere
unterschiedliche Simulatoren ein, um die Fahrer für ein höheres
Sicherheitsbewusstsein zu sensibilisieren. Nachdem ich die Geräte
„gefahren“ habe, halte ich sie für Spielzeuge, die nicht geeignet
sind, die Ausbildung zu unterstützen; sie verdienen nicht die
Bezeichnung Simulator. Sie sind einfach nicht gut und nicht
praxisgerecht genug. Allenfalls als Ergänzung der theoretischen
Ausbildung, etwa um Gefahrensituationen in der Stadt, auf der
Landstraße und der Autobahn oder bestimmte Witterungsbedingungen zu
simulieren, könnte ich mir diese Geräte vorstellen.

Ein Simulator ist nicht geeignet, die Fahrausbildung zu unterstützen
CBS-ABS für Supersportler
Kein Mensch käme auf
die Idee, für die Betriebsbremse eines Autos konstruktiv zwei
Bremspedale, eines für die Vorderachse und eines für die
Hinterachse, vorzusehen. Niemand, auch nicht ein absoluter Profi,
also zum Beispiel ein professioneller Motorradrennfahrer, kann in
einer Notsituation zwei Dinge gleichzeitig tun. Wie soll sich ein
Motorradfahrer auf zwei Bremssysteme konzentrieren? Die logische
Folgerung ist also eine kombinierte Bremse, bei der über einen Hebel
beide Räder abgebremst werden. Honda nennt diese Technik CBS (Combined
Brake System). Sie ist logischerweise auch mit ABS kombinierbar.
Honda nennt dies CBS-ABS. Dass Honda als erster Motorradhersteller
auch bei Supersportlern so weit ist, ein solches System zu
präsentieren, kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Gerade die
Fahrer von supersportlichen Motorrädern sind nicht als unbedingte
Befürworter von ABS-Systemen bekannt. Sie meinen wohl, es fehle
ihnen etwas. Das für die CBR-600-Prototypen entwickelte CBS-ABS
funktioniert aber so phänomenal, dass es sicherlich jeden Fahrer
eines sportlichen Motorrades überzeugen wird. Die noch so brutalen
Bremsungen endeten immer absolut spurstabil. Die Regelintervalle
waren so feinfühlig, dass sie nicht zu spüren waren. Der Fahrer
merkt quasi nichts vom ABS. Hinzu kommt, dass der Überschlagschutz
perfekt funktioniert. Die Hinterräder waren zwar oft kurzfristig in
der Luft, ein Überschlagen des Motorrades wird aber zuverlässig
verhindert.

Demonstration von Bremsvorgängen
Übrigens:
Interessanterweise waren Vergleichsbremsungen mit einer 600er ohne
ABS fast identisch, d.h. mit oder ohne ABS fast auf exakt dem
gleichen Niveau.
Das CBS-ABS-System
von Honda ist ein Meilenstein und es bleibt nur zu hoffen, dass es
möglichst bald auf den Markt kommt. Vielleicht können die
Supersportler schon 2009 kombiniert bremsen, wer weiß ...
Karl-Heinz Hiller, Motorradreferent |