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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 20.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Oktober/2008, Seite 534

Sensomobiltag in Bremgarten

Trotz Regen ein voller Erfolg

 

Trotz großflächigem Dauerregen waren am 13. September alle 26 Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die sich bereit erklärt hatten, am 1. landesweiten Sensomobiltag mitzuhelfen, pünktlich zur Stelle. Unter der Leitung von Kollege Wolfgang Briege aus Buggingen hatten schon am Vortag fleißige Helfer die verschiedenen Stände aufgebaut, an denen sich die Teilnehmer des Sensomobiltages informieren und mit Kaffee und Kuchen sowie mit warmen und kalten Imbissen stärken konnten. In Vertretung der Schirmherrin, Frau Landrätin Störr-Ritter, begrüßte der Amtsleiter des Versorgungsamtes Freiburg, Herr Sinthuber, die Anwesenden.

Dabei führte er aus, die Landrätin habe die Schirmherrschaft über diesen Sensomobiltag gern übernommen. Sie freue sich darüber, dass durch diese Aktion Blinde und Sehbehinderte eigene Eindrücke über die komplexe Tätigkeit des Autofahrens bekommen und noch mehr Verständnis für das richtige Verhalten im Straßenverkehr entwickeln könnten.

Dank an Initiatoren und Helfer

Zuvor hatte der Vorsitzende des Vereins der Blinden und Sehbehinderten Südbaden e.V., Herr Meyers, sich bei allen Helferinnen und Helfern bedankt. Er wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung dieses Tages für alle Beteiligten hin. Zum einen könnten die Blinden und Sehbehinderten bei den verschiedenen Fahrübungen einen eigenen Eindruck von der Bedienung des Kraftfahrzeugs gewinnen und dabei erfahren, was der Fahrer tun muss, um beispielsweise plötzlich zu stoppen. Auf der anderen Seite könnten die Fahrlehrer einen unmittelbaren Eindruck davon gewinnen, welche Schwierigkeiten Blinde und Sehbehinderte im Straßenverkehr haben. Er hoffe, dass die Fahrlehrer die Erkenntnisse dieses Tages auch an ihre Fahrschüler weitergäben.


Links: Blinde und Sehbehinderte fahren nach präzisen Richtungsangaben des Fahrlehrers / Rechts: Permanent waren Fahrzeuge auf dem abgesteckten Parcours unterwegs

Tasten, hören und fühlen

Der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg, Peter Tschöpe, nahm den Faden auf und bekannte, als Fahrlehrer bei ähnlichen Veranstaltungen wichtige Impulse für klare und präzise Richtungsangaben und Bedienungshinweise gegenüber seinen (sehenden) Fahrschülern bekommen zu haben. Beeindruckend war für ihn, wie schnell und feinfühlig Blinde und Sehbehinderte das Kuppeln, Schalten und Lenken erlernten. Dies habe ihn auf die Idee gebracht, Fahrschülern die Augen zu verbinden, wenn sie anfänglich mit der Kupplung besondere Probleme hatten. Weil sie sich im „blinden“ Zustand ganz auf das „Ertasten“ des Schleifpunktes konzentrierten, lernten sie leichter, gefühlvoll mit der Kupplung umzugehen.

Lob für Hilfsbereitschaft und Zuwendung

Sein Grußwort beendete Tschöpe mit herzlichem Dank an die Kolleginnen und Kollegen, die an diesem Tag ihre Fahrschule geschlossen ließen und sich und ihre Fahrzeuge kostenlos zur Verfügung stellten. Dabei hob er anerkennend hervor, einige hätten des schlechten Wetters wegen bereits sehr früh losfahren müssen, um von Mannheim, Heidenheim, Villingen oder Waldshut rechtzeitig nach Bremgarten zu kommen. Sein Dank galt in gleicher Weise den vielen Helferinnen und Helfern des Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes, des TÜV sowie den beiden Polizeibeamten. Alle Institutionen boten den blinden und sehbehinderten Teilnehmern die Möglichkeit, deren Einsatzfahrzeuge kennenzulernen. Ein ganz besonderer Dank galt dem Leiter der Mercedes-Niederlassung in Freiburg, Michael Pistecky und dessen Mitarbeitern. Die Niederlassung stellte drei mit Doppelpedalen ausgestattete Fahrzeuge zur Verfügung und die Mitarbeiter hatten schon am Vortag beim Aufbau der Stände geholfen.


Links: Andere Gefühls-Perspektiven im Überschlagsimulator / Rechts: Wie fühlt sich so ein Motorrad eigentlich an?

Außerdem hatte der für die Fahrschulen zuständige Repräsentant der Daimler AG, Jörg Gajewski, dafür gesorgt, dass man in einem Überschlagsimulator die Welt aus einer anderen „Gefühls-Perspektive“ erleben konnte. Viele der Blinden und Sehbehinderten nahmen diese Möglichkeit wahr. Beeindruckend war auch die Innenansicht eines Autos mit prall gefüllten Airbags.

Auf dem Parcours

Das Programm begann damit, dass die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer die Blinden und Sehbehinderten am Steuer eines Fahrschulwagens einen Parcours fahren ließen. Dabei galt nach dem Anfahren, dass sie sich zunächst mit der Lenkung vertraut machten. Dabei mussten die Fahrlehrer lernen, wie wichtig präzise Richtungsangaben sind. „Ein bisschen mehr rechts“ genügte nicht. Einige gaben ihre Lenkanweisung nach dem Uhrzeigersystem: „Auf drei Uhr drehen!“ Andere versuchten es mit Gradangaben: „10 Grad links!“. Mit beiden Angaben konnten die Blinden und Sehbehinderten sehr präzise auch Slalomstrecken fahren. Eine weitere interessante Erfahrung war, dass die Fahrer das Lenkrad so lange in der vorgegebenen Richtung hielten, bis sie wieder die Anweisung zum Geradeauslenken bekamen. „Wie manche Fahrschüler“, kommentierte ein Kollege spontan.

Danach konnten die „Fahrschüler“ auch einmal ausprobieren, was es heißt, in einer Notsituation bremsen zu müssen und wie lang Bremswege sind. Ein Blinder meinte nach dieser Übung: „Jetzt ist mir erst richtig klar, dass es besser ist, mit dem Überqueren der Straße zu warten, wenn ich ein Auto in der Nähe höre. Bisher habe ich mich mehr auf meinen Blindenstock und darauf verlassen, dass die Autofahrer anhalten.“

Obwohl das schlechte Wetter viele Blinde und Sehbehinderte davon abhielt, nach Bremgarten zu kommen, hatten auch die Kollegen, welche die Blinden und Sehbehinderten einluden, einmal als Sozius auf dem Motorrad mitzufahren, genügend zu tun.

Ein guter Tag - darin waren sich alle einig -, der für alle von Nutzen war und möglichst regelmäßig wiederholt werden sollte.

Pjt

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Oktober 2008

Erscheinungsdatum 15.10.2008

Artikel dieser Ausgabe im WWW:

 

  Inhaltsverzeichnis
  Sensomobiltag in Bremgarten: Trotz Regen ein Erfolg
  Mindestalter beim Führerschein: BF 17 rechtfertigt keine Ausnahme (Verwaltungsgericht Braunschweig, AZ 6 B 411/07)
  Überforderung: Rasante Ausbildung mit geringem Nutzen
  Wegen Unzuverlässigkeit Fahrlehrerschein weg - Schüler gehört volle Aufmerksamkeit (Oberverwaltungsgericht Niedersachsen, AZ 9 B 2897/08)
  Mini-GmbH: Alternative Rechtsform für Fahrschulen?
  Erfahrungen bündeln: Prüfungsangst und Fahrangst bewältigen
  Kampf dem Stau: Ein Seminar der besonderen Art
  Gerichtsurteile: Fahrverbot und Berufsexistenz (815) Handeln auf eigene Gefahr (814) Einmaliger Konsum harter Drogen (813) Schadenersatz bei Falschbetankung (812) Entziehung der Fahrerlaubnis (811) Kosten der Fahrerkarte für digitalen Tachografen (810) Fehlende Angaben auf Geschäftsbriefbogen (809) Keine Gnade bei Steuerrückständen (808)