
Trotz
großflächigem Dauerregen waren am 13. September alle 26
Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die sich bereit erklärt hatten, am
1. landesweiten Sensomobiltag mitzuhelfen, pünktlich zur Stelle.
Unter der Leitung von Kollege Wolfgang Briege aus Buggingen hatten
schon am Vortag fleißige Helfer die verschiedenen Stände aufgebaut,
an denen sich die Teilnehmer des Sensomobiltages informieren und mit
Kaffee und Kuchen sowie mit warmen und kalten Imbissen stärken
konnten. In Vertretung der Schirmherrin, Frau Landrätin Störr-Ritter,
begrüßte der Amtsleiter des Versorgungsamtes Freiburg, Herr
Sinthuber, die Anwesenden.
Dabei führte er aus,
die Landrätin habe die Schirmherrschaft über diesen Sensomobiltag
gern übernommen. Sie freue sich darüber, dass durch diese Aktion
Blinde und Sehbehinderte eigene Eindrücke über die komplexe
Tätigkeit des Autofahrens bekommen und noch mehr Verständnis für das
richtige Verhalten im Straßenverkehr entwickeln könnten.
Dank an Initiatoren und Helfer
Zuvor hatte der
Vorsitzende des Vereins der Blinden und Sehbehinderten Südbaden
e.V., Herr Meyers, sich bei allen Helferinnen und Helfern bedankt.
Er wies in seiner Ansprache auf die Bedeutung dieses Tages für alle
Beteiligten hin. Zum einen könnten die Blinden und Sehbehinderten
bei den verschiedenen Fahrübungen einen eigenen Eindruck von der
Bedienung des Kraftfahrzeugs gewinnen und dabei erfahren, was der
Fahrer tun muss, um beispielsweise plötzlich zu stoppen. Auf der
anderen Seite könnten die Fahrlehrer einen unmittelbaren Eindruck
davon gewinnen, welche Schwierigkeiten Blinde und Sehbehinderte im
Straßenverkehr haben. Er hoffe, dass die Fahrlehrer die Erkenntnisse
dieses Tages auch an ihre Fahrschüler weitergäben.

Links: Blinde und
Sehbehinderte fahren nach präzisen Richtungsangaben des Fahrlehrers
/ Rechts: Permanent waren Fahrzeuge auf dem abgesteckten Parcours
unterwegs
Tasten, hören und fühlen
Der Vorsitzende des
Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg, Peter Tschöpe, nahm den Faden
auf und bekannte, als Fahrlehrer bei ähnlichen Veranstaltungen
wichtige Impulse für klare und präzise Richtungsangaben und
Bedienungshinweise gegenüber seinen (sehenden) Fahrschülern bekommen
zu haben. Beeindruckend war für ihn, wie schnell und feinfühlig
Blinde und Sehbehinderte das Kuppeln, Schalten und Lenken erlernten.
Dies habe ihn auf die Idee gebracht, Fahrschülern die Augen zu
verbinden, wenn sie anfänglich mit der Kupplung besondere Probleme
hatten. Weil sie sich im „blinden“ Zustand ganz auf das „Ertasten“
des Schleifpunktes konzentrierten, lernten sie leichter, gefühlvoll
mit der Kupplung umzugehen.
Lob
für Hilfsbereitschaft und Zuwendung
Sein Grußwort
beendete Tschöpe mit herzlichem Dank an die Kolleginnen und
Kollegen, die an diesem Tag ihre Fahrschule geschlossen ließen und
sich und ihre Fahrzeuge kostenlos zur Verfügung stellten. Dabei hob
er anerkennend hervor, einige hätten des schlechten Wetters wegen
bereits sehr früh losfahren müssen, um von Mannheim, Heidenheim,
Villingen oder Waldshut rechtzeitig nach Bremgarten zu kommen. Sein
Dank galt in gleicher Weise den vielen Helferinnen und Helfern des
Technischen Hilfswerks, der Feuerwehr, des Deutschen Roten Kreuzes,
des TÜV sowie den beiden Polizeibeamten. Alle Institutionen boten
den blinden und sehbehinderten Teilnehmern die Möglichkeit, deren
Einsatzfahrzeuge kennenzulernen. Ein ganz besonderer Dank galt dem
Leiter der Mercedes-Niederlassung in Freiburg, Michael Pistecky und
dessen Mitarbeitern. Die Niederlassung stellte drei mit
Doppelpedalen ausgestattete Fahrzeuge zur Verfügung und die
Mitarbeiter hatten schon am Vortag beim Aufbau der Stände geholfen.

Links: Andere Gefühls-Perspektiven im Überschlagsimulator / Rechts:
Wie fühlt sich so ein Motorrad eigentlich an?
Außerdem hatte der
für die Fahrschulen zuständige Repräsentant der Daimler AG, Jörg
Gajewski, dafür gesorgt, dass man in einem Überschlagsimulator die
Welt aus einer anderen „Gefühls-Perspektive“ erleben konnte. Viele
der Blinden und Sehbehinderten nahmen diese Möglichkeit wahr.
Beeindruckend war auch die Innenansicht eines Autos mit prall
gefüllten Airbags.
Auf
dem Parcours
Das Programm begann
damit, dass die Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer die Blinden und
Sehbehinderten am Steuer eines Fahrschulwagens einen Parcours fahren
ließen. Dabei galt nach dem Anfahren, dass sie sich zunächst mit der
Lenkung vertraut machten. Dabei mussten die Fahrlehrer lernen, wie
wichtig präzise Richtungsangaben sind. „Ein bisschen mehr rechts“
genügte nicht. Einige gaben ihre Lenkanweisung nach dem
Uhrzeigersystem: „Auf drei Uhr drehen!“ Andere versuchten es mit
Gradangaben: „10 Grad links!“. Mit beiden Angaben konnten die
Blinden und Sehbehinderten sehr präzise auch Slalomstrecken fahren.
Eine weitere interessante Erfahrung war, dass die Fahrer das Lenkrad
so lange in der vorgegebenen Richtung hielten, bis sie wieder die
Anweisung zum Geradeauslenken bekamen. „Wie manche Fahrschüler“,
kommentierte ein Kollege spontan.
Danach konnten die
„Fahrschüler“ auch einmal ausprobieren, was es heißt, in einer
Notsituation bremsen zu müssen und wie lang Bremswege sind. Ein
Blinder meinte nach dieser Übung: „Jetzt ist mir erst richtig klar,
dass es besser ist, mit dem Überqueren der Straße zu warten, wenn
ich ein Auto in der Nähe höre. Bisher habe ich mich mehr auf meinen
Blindenstock und darauf verlassen, dass die Autofahrer anhalten.“
Obwohl das schlechte
Wetter viele Blinde und Sehbehinderte davon abhielt, nach Bremgarten
zu kommen, hatten auch die Kollegen, welche die Blinden und
Sehbehinderten einluden, einmal als Sozius auf dem Motorrad
mitzufahren, genügend zu tun.
Ein guter Tag - darin
waren sich alle einig -, der für alle von Nutzen war und möglichst
regelmäßig wiederholt werden sollte.
Pjt |