
Joachim
Bullermann |
Wer den Straßenprediger Leppich, das „Maschinengewehr Gottes“,
einmal gehört hatte, verstand augenblicklich, warum Joachim
Bullermann gelegentlich mit ihm verglichen wird. Während Pater
Leppich in den frühen Jahren der Republik mit drastischer
Rhetorik die Gottvergessenheit der neuen deutschen
Wohlstandsgesellschaft |
geißelte, hielt Bullermann in nicht weniger kantiger Rede den in
Freiburg versammelten Fahrlehrern die Spiegel der
Kundenvergessenheit und des unseligen Preismarketings vor.
Zur 59. ordentlichen
Jahreshauptversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg
e.V. waren am letzten Aprilwochenende über 400 Kolleginnen und
Kollegen und viele Gäste aus allen Teilen des Bundeslandes ins
Konzerthaus nach Freiburg gekommen. In gelöster Atmosphäre eröffnete
Vorsitzender Peter Tschöpe den Verbandstag und begrüßte die
Versammlung mit einer erfrischenden Rede. Er dankte den Mitgliedern,
den Angehörigen und Mitarbeitern der Fahrschulen sowie namentlich
Herrn Dr. Kirschner und Herrn Weinstock vom Innenministerium
Baden-Württemberg, Herrn Wilhelm vom Vertrieb Deutschland der
Daimler AG, Herrn Krieger vom Verlag Heinrich Vogel, München, Herrn
Eichler, Mitglied der Geschäftsführung des TÜV SÜD aus München,
Herrn Kaup, Leiter der Technischen Prüfstelle, Filderstadt, sehr
herzlich für ihr Kommen. Den Reigen der namentlichen Begrüßungen
schloss Tschöpe mit den Vorsitzenden der Fahrlehrerverbände Hamburg
und Sachsen, Sabine Darjus und Horst Richter, sowie dem früheren
Vorsitzenden Gebhard L. Heiler.
Dank an die ausstellenden Firmen
Mit der Empfehlung an
die Mitglieder, sich das reiche und teilweise sehr innovative
Angebot der „Fahrlehrermesse“ im Foyer nicht entgehen zu lassen,
rief Tschöpe den ausstellenden Firmen ein herzliches Willkommen zu
und bedankte sich für ihre Präsenz.
Mercedes, in diesem
Jahr wiederum Hauptsponsor des Verbandstags, habe man in vielen
Jahren bundesweit als verlässlichen Partner der Fahrschulen
kennengelernt, lobte Tschöpe das Engagement des guten Sterns.
Ebenso freundliche
Anerkennung zollte Tschöpe dem Verlag Heinrich Vogel, München, für
das erneute Sponsoring der Kinderbetreuung. Nicht nur nebenbei zu
erwähnen: In diesem Jahr haben doppelt so viele Fahrlehrer-Eltern
als im Vorjahr ihre Kids mitgebracht und sie der professionellen
Betreuung der Spaßmacher anvertraut.
TÜV
– wichtiger Partner der Fahrschulen
Der TÜV, so Tschöpe,
ist ein wichtiger Partner, mit dem die Fahrlehrer in ihrer täglichen
Arbeit eng verbunden sind. Er freue sich, dass man in Herrn Kaup
einen TP-Leiter habe, der zuhöre und immer aktiv mithelfe, im
Prüfgeschäft aufkommende Fragen und Probleme rasch zu lösen. Tschöpe
dankte Kaup für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und äußerte sich
zuversichtlich zu der am Ende dieses Jahres anstehenden Einführung
der PC-Prüfung, deren Herausforderungen man in gemeinsamer
Anstrengung begegnen werde.
Zukunft gestalten
Tschöpe übermittelte
der Versammlung herzliche Grüße des Bundesvorsitzenden Gerhard von
Bressensdorf und berichtete, die Arbeit der Bundesvereinigung der
Fahrlehrerverbände e.V. konzentriere sich in diesem Jahr besonders
auf die Gestaltung der Zukunft des Fahrlehrerberufs. Auch er wolle
die Gelegenheit dieser Stunde nutzen und auf einige für die Zukunft
des Berufsstandes maßgebliche Fragestellungen eingehen. So dürfe die
geplante Entbürokratisierung des Fahrlehrerrechts
nicht zu weit getrieben werden. Die Fahrschulerlaubnis habe sich in
ihrer heutigen rechtlichen Ausgestaltung bewährt und dürfe ebenso
wenig angetastet werden wie die Ausbildungsbescheinigung.
Die Gemeinschaftsfahrschule bedürfe anderer, ins
System passender Regelungen. Für sie müsse eine eigene
Fahrschulerlaubnis sowie der verantwortliche Leiter eingeführt
werden. Der obligatorische Lehrgang über
Fahrschulbetriebswirtschaft für angehende Fahrschulinhaber
müsse dringend erweitert und künftig mit einer IHK-Prüfung einen die
Kenntnisse verifizierenden Abschluss finden. Tschöpe mahnte auch die
seit langem fälligen höheren Bildungsvoraussetzungen
für Fahrlehreranwärter an. Es sei nicht länger zu tolerieren, dass
junge Menschen ein Jahr ihres Lebens in eine Ausbildung
investierten, um hinterher zu erfahren, dass sie mangels Eignung
damit eigentlich gar nicht hätten anfangen sollen. Unter anhaltendem
Beifall der Versammlung mahnte Tschöpe die vom
Bundesverkehrsministerium zu erlassende Verordnung über
Qualitätssicherung an. Es sei ein „Trauerspiel“, was hier
seit mehr als vier Jahren ablaufe.
Mit Ausführungen zu
weiteren wichtigen Themen, über die in der Juni-Ausgabe ausführlich
berichtet wird, und dem Appell an die Mitglieder, die Zukunft
brauche mehr denn je eine starke Berufsvertretung und das aktive
Mittun aller Mitglieder, schloss Tschöpe unter großem Applaus seine
beeindruckende Ansprache.
Grußworte

Karl Leible |
Karl
Leible, Vorsitzender des Kreisvereins
Freiburg-Breisgau/Hochschwarzwald, wünschte der Versammlung
einen erfolgreichen, harmonischen Verlauf. Dabei ging er auch
kurz auf die Schönheiten Freiburgs und seiner Umgebung ein und
meinte etwas spitz, die Attraktivität dieser Gegend sei wohl der
Grund, weshalb sich hier so viele Fahrschulen niedergelassen
hätten. |
|
Hansjörg Sandler, Vorsitzender des
Verkehrsausschusses des Stadtrates von Freiburg, überbrachte
Grüße von Oberbürgermeister Dr. Salomon. Sandler ging in seiner
kurzen Ansprache auf die Geschichte der Stadt ein, die schon vor
1000 Jahren ein Drehkreuz des Verkehrs gewesen sei. |

Hansjörg Sandler |
|
Er lobte die in
Freiburg erreichte Kanalisierung des Individualverkehrs
zugunsten großer Fußgängerbereiche. Abschließend würdigte
Sandler die Arbeit der Fahrlehrer, die überragende Bedeutung für
die Verkehrssicherheit habe. |

Robert Wilhelm |
Robert
Wilhelm, in der Vertriebsorganisation der Daimler AG in
Berlin u.a. für die Betreuung der Fahrschulen zuständig, ging
sehr offen auf die derzeitige Krise der Wirtschaft ein, die
besonders auch der Automobilindustrie zusetze. Er sei aber
zuversichtlich, dass Mercedes dank der innovativen Technologie
und der hohen Werthaltigkeit seiner Fahrzeuge - ganz aktuell an
der neuen E-Klasse zu |
|
messen - schon bald
gestärkt aus diesem Tal heraustreten werde. Wilhelm sagte auch
für die Zukunft die gewohnt hohe Aufmerksamkeit und
Unterstützung seines Hauses für die Arbeit der Fahrschulen zu.
|
|
Marcellus Kaup, von der TÜV SÜD Auto Service GmbH,
ging als Leiter der Technischen Prüfstelle auf den zahlenmäßig
großen Erfolg des Modells Begleitetes Fahren in
Baden-Württemberg ein, das einen außerordentlichen Anstieg der
Prüflinge - bis zu 6.000 mehr pro Monat - hervorgerufen habe.
Das sei für beide, Fahrlehrer und Prüfer, eine enorme
Mehrbelastung gewesen, die man in gemeinsamer |

Marcellus Kaup |
|
Anstrengung souverän
bewältigt habe. Kaup ging im Weiteren kurz auf die wesentlichen
Modalitäten der für das Jahresende bevorstehenden Einführung der
PC-Theorieprüfung ein. Er gab bekannt, die beim Inkasso der
Prüfgebühren entstehenden Bankgebühren würden ab 1.1.2010
pauschal mit 25 € pro Jahr vergütet, sofern sich die Fahrschule
zum Bankeinzug verstehe. |
Ehrungen
Traditionell
zeichnete der Vorstand in der Versammlung viele Kolleginnen und
Kollegen für ihre 50-, 40-, 30- und 25-jährige Tätigkeit als
Fahrlehrer aus. Mitglieder, die seit der letzten Hauptversammlung
das 70. Lebensjahr vollendet hatten, wurden zu Ehrenmitgliedern
ernannt.
Bullermann: „Wer Preise sät, wird Pleite ernten“
Auch der gewandteste
Schreiber hätte Mühe, wollte er die durch das rhetorische Feuerwerk
dieses begnadeten Redners erzeugte Spannung auch nur einigermaßen
zutreffend schildern. Wenn Bullermann redet, will man keine Silbe
verpassen. Der studierte Verkaufs- und Motivationstrainer hat seine
Zuhörer voll im Griff. Warum? Weil er ihnen gnadenlos die Augen für
die ganze Palette unternehmerischer Fehler, Ungeschicklichkeiten,
Dummheiten und Versäumnisse öffnet, aber vor allem auch sagt, wie
man es besser macht. Dass er dabei mit rustikalem Humor, fetzigen
Sprüchen und weisen Zitaten aus der Literatur agiert, verleiht
Bullermanns Kampfrede gegen lethargisches Preismarketing und
mangelndes Selbstwertgefühl („Wer Preise sät, wird Pleite ernten“)
nebenbei auch noch Unterhaltungswert. Sein Plädoyer für
„Profilierung durch Differenzierung“ und „Menschenmarketing statt
Preismarketing“ enthält die dringliche Aufforderung, aus dem eigenen
„Erfahrungsgefängnis“ auszubrechen und „anders als andere“, besser
als andere“ und „cleverer als andere“ zu werden. Hinter Joachim
Bullermanns Botschaft „Vergiss im Leben nie, wer die Rechnung
bezahlt!“ steckt der Rat an den Unternehmer, den Kunden als Mensch
in den Mittelpunkt seines Denkens und Handelns zu stellen.
Mittagspause
Nach dem
beeindruckenden Vortrag von Bullermann ging es zum vom TÜV
spendierten Badischen Schäufele an Kraut und Knöpfle. Das war sehr
gut und wurde trotz der großen Anzahl Gäste auffallend flott
serviert. Auch an dieser Stelle herzlichen Dank der TÜV SÜD Auto
Service GmbH für die freundliche Einladung.
Großen Dank auch für
die wiederum hervorragende Organisation des Verbandstages. Unter der
Regie von Iris Wimpff zeigten die Mitarbeiterinnen von Verband und
FSG/ TTVA mbH einmal mehr, wie wahre Kundenorientierung auszusehen
hat.
Der
Nachmittag
Mit der Ehrung der
seit der letzten Jahreshauptversammlung verstorbenen Mitglieder
begann der interne Teil der Versammlung. Danach ging es zu den
Regularien.
Besonders wichtige
Punkte des ausführlichen schriftlichen Jahresberichts des
Vorstandes, den die Mitglieder (samt Kassenberichten für Verband und
Sterbekasse STOCK) beim Einlass erhalten hatten, erläuterte und
kommentierte Vorsitzender Peter Tschöpe. Die Kassenberichte trug der
2. Vorsitzende, Jochen Klima, vor. Dem folgte der Bericht der
Rechnungsprüfer, den Kollege Erwin Hodapp aus Rheinau vortrug. Zum
Tagesordnungspunkt „Aussprache über Jahres- und Kassenberichte“ gab
es keine Wortmeldungen. Der vom Rechnungsprüfer Hodapp beantragten
Entlastung des Vorstandes stimmte die Versammlung ohne Gegenstimme
bei einer Enthaltung zu.
Mitgliedsbeitrag bleibt stabil
Obwohl die Gewinn-
und Verlustrechnung für das Jahr 2008 einen Fehlbetrag von knapp
2.500 € und auch der Voranschlag für 2009 ein Minus von fast 3.500 €
ausweist schlug der Vorstand vor, den Mitgliedsbeitrag nicht zu
erhöhen. Offenbar will die Verbandsführung durch noch strengeres
Haushalten - anders kann man sich die Zurückhaltung an der
Beitragsfront nicht erklären - Einsparungen bewirken. Klima schloss
aber eine Beitragserhöhung im nächsten Jahr nicht aus, zumal da der
Beitrag seit 2001 nicht erhöht worden sei. Bei einer Gegenstimme und
keiner Enthaltung nahm die Versammlung den Vorschlag des Vorstandes
an.
Peter Tschöpe überzeugend wiedergewählt
Der
Tagesordnungspunkt Wahlen brachte keine personellen Überraschungen.
Zur Wahl stand zunächst das Amt des ersten Vorsitzenden, das Peter
Tschöpe seit 1997 bekleidet. Die Versammlung stellte außer Tschöpe
keinen Kandidaten auf und bestand auf Abstimmung durch Handzeichen.
Tschöpe wurde mit überzeugendem Ergebnis (nur eine Gegenstimme,
keine Enthaltung) für weitere vier Jahre zum 1. Vorsitzenden des
Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. gewählt.
| Für
das Amt des dritten Vorsitzenden bewarb sich außer Ralf Nicolai,
Vorsitzender des Kreisvereins Ludwigsburg, niemand. In einer
kurzen Vorstellungsrede ging Nicolai auf seinen beruflichen
Werdegang ein. Danach war er schon während seines Jurastudiums
im elterlichen Betrieb als Fahrlehrer tätig gewesen. Nach
erfolgreichem Abschluss von Studium, Referendariat und der
|

Der neue dritte
Verbandsvorsitzende Ralf Nicolai |
zweiten juristischen
Prüfung stieg Nicolai voll in den Fahrlehrerberuf ein und ist
seitdem im Familienunternehmen tätig. Seine Wahl erfolgte nach
entsprechender Abstimmung durch die Versammlung ebenfalls durch
Handzeichen. Nicolai wurde bei zwei Gegenstimmen und keiner
Enthaltung für die kommenden vier Jahre zum 3. Vorsitzenden gewählt.
Weil Rechnungsprüfer
laut Satzung nur einmal wiedergewählt werden dürfen, musste Erwin
Hodapp ausscheiden. Für ihn rückte Kollege Biehlmaier aus Böblingen,
der bei zwei Enthaltungen ohne Gegenstimme gewählt wurde, nach.
Zum stellvertretenden
Rechnungsprüfer wurde Kollege Haller aus Radolfzell bei einer
Enthaltung ohne Gegenstimme gewählt.
Fahrlehrerversicherung: Im Mittelpunkt stehen die Versicherten
In einem kurzen, aber
inhaltsreichen Referat legte Vorstandsmitglied Andreas Anft die
eindeutig auf die Bedürfnisse des Berufsstandes ausgerichtete
Geschäftspolitik des Unternehmens dar. Ganz im Sinne der Gründer
komme es bei der Fahrlehrerversicherung nicht auf hohe Gewinne für
Aktionäre an. Es gehe vielmehr darum, den Versicherten mit günstigen
Prämien, passgenau auf den Berufsstand zugeschnittenen Produkten und
mit bestem Service zu dienen. Trotz einiger schwerer Unfälle, die
hohe Rückstellungen verlangten, habe das berufseigene Unternehmen im
letzten Jahr einen bescheidenen Überschuss erwirtschaftet, der dem
Eigenkapital zugeführt worden sei. Um auch in Krisenzeiten solvent
zu sein und zu bleiben, sei die kontinuierliche Stärkung des
Eigenkapitals erklärtes Ziel der Unternehmensführung.
Theorieprüfung am PC
TP-Leiter Kaup trug
der Versammlung sehr eingehend den Stand des technischen und
organisatorischen Ablaufs der zum Jahresende einzuführenden
PC-Prüfung vor. Kaup begründete die Forderung nach im Regelfalle 30
Teilnehmern pro Prüfungstermin mit dem höheren Aufwand, den die
Logistik der elektronischen Prüfung erfordere; auf Nachfrage räumte
er in wirklich begründeten Fällen Abweichung bis mindestens 20
Teilnehmer ein. Dem wichtigen Anliegen der Fahrschulen,
flächendeckend Prüfungen anzubieten, werde weitgehend entsprochen.
Der Vortrag war eine anschauliche Vorschau auf die neue Ära der
theoretischen Fahrerlaubnisprüfung, die Zweifel und Unsicherheiten
der Fahrlehrer weithin zu zerstreuen und von den Vorteilen der
elektronischen gegenüber der Papierprüfung zu überzeugen vermochte.
Kaup verwies auch auf eine Prüfungs-Demo, die unter
www.fahrerlaubnis.tuev-dekra.de
oder
direkt zur Demo-Version Baden-Württemberg gelangen Sie mit diesem
Link:
www.fahrerlaubnis.tuev-dekra.de/download.php?land=Baden-Wuerttemberg&lang=D)
im Web zu finden ist.
Demokratietest glänzend bestanden
Als Kaup jedoch
verkündete, PC-Prüfungen würden nur in neutralen Räumen, also nicht
in den Lehrräumen von Fahrschulen abgehalten, kam erhebliche
Bewegung, um nicht zu sagen Unruhe in die Versammlung. Ein an die
Jahreshauptversammlung gestellter schriftlicher Antrag des
Kreisvereins Freiburg lautete, die Versammlung möge sich dafür
aussprechen, die Theorieprüfung solle, wie in Jahrzehnten ohne
Beanstandung praktiziert, auch nach Einführung der PC-Prüfung unter
Wahrung der Konditionen des TÜV weiterhin in Räumen der Fahrschulen
stattfinden dürfen. Die Spannung im Saal nahm mit der Anzahl der
Wortmeldungen zu. Die „gefühlte Stimmung“ signalisierte von Anfang
an deutlichen Widerstand gegen das völlig „unbegründbare Diktat“ des
TÜV. „Neutralität und Gleichheit“ waren die Hauptgründe des TÜV für
die einseitige Aufkündigung einer in Jahrzehnten gewachsenen Übung.
Einem näheren Besehen hielten diese jedoch nicht Stand. Denn warum
müssen beim bloßen Wechsel des Mediums mit einem Mal Antworten auf
Fragen gegeben werden, die niemand gestellt hat? Es gab auch
Befürworter für die vom TÜV angesteuerte Abkehr von der von vielen
Fahrschülern befürworteten Möglichkeit, die theoretische Prüfung auf
vertrautem Terrain ablegen zu können. Verzerrung des Wettbewerbs
soll das sein. Ja warum plötzlich jetzt - und in 50 und mehr Jahren
zuvor nicht? Die Antragsteller und ihre Mitstreiter - häufig auch
Prüfgemeinschaften - ließen keinen Zweifel an ihrer Bereitschaft,
die neuen Konditionen des TÜV zu erfüllen, also jeweils die
erforderliche Anzahl von Prüflingen zu stellen. Es gab auch neutrale
Beobachter. Im Zwiegespräch fragte einer, ob denn die Fahrschulen
für die Benutzung ihrer Lehrräume zu Prüfungszecken Wuchermieten
verlangten? Die Antwort war ernüchternd, denn es ist nie etwas
verlangt worden. Da meinte der Neutrale, er habe angesichts der oft
beklagten knappen Gebühren große Not, die Haltung des TÜV zu
verstehen.

Die Mitglieder stimmen
ab
Wer es bisher noch
nicht erlebt hatte, durfte nach dieser Debatte stolz auf die
Diskussionskultur seiner berufsständischen Vertretung sein.
Sachlichkeit und gegenseitiger Respekt wurden zu keinem Zeitpunkt
verlassen. Die Beiträge waren fast ausnahmslos wohlüberlegt und
sorgsam artikuliert. Die Abstimmung gab den Antragstellern Recht und
wurde mit anhaltendem Beifall quittiert.
Der
Abschluss
Einmal mehr hat die
Jahreshauptversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg den
Demokratietest glänzend bestanden, doch die Debatte hatte Zeit
gekostet, sodass man erst nach 17.00 Uhr zur Behandlung der
Tagesordnungspunkte „Die Mitglieder haben das Wort“ und
„Verschiedenes“ kam. Der Vorstand beantwortete die Fragen der
Mitglieder und nahm ihre Anliegen und Anregungen zur weiteren
Bearbeitung auf. Mit einer knappen halben Stunde Verspätung schloss
der Vorsitzende die Versammlung mit herzlichem Dank an alle und dem
Wunsch nach einem gesunden Wiedersehen im kommenden Jahr in Ulm zur
Feier des 60-jährigen Bestehens des Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e.V.
Viele Teilnehmer
fuhren nicht nach Hause, sondern blieben zum traditionellen
Fahrlehrerball. Heinrich Del Core, ein schwäbischer Komödiant mit
italienischen Wurzeln, riss die Gäste zu immer neuen Lachsalven und
begeistertem Applaus hin. Auch die Tänzer kamen, der City Live Band
sei Dank - bis lang nach Mitternacht auf ihre Kosten.
GLH
|