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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe November/2009, Seite 594
Zu Gast in Kroatien

27 Mal Motorrad TOTAL -

attraktiver denn je

Fotos: Karl-Heinz Beck

 

Was Frauen über Motorrad Total
denken und sagen, lesen Sie hier ...

„Als auf einmal die traumhaft schöne Kvarner Bucht im milden Abendlicht vor mir lag, kamen sogleich gute Erinnerungen an unseren ersten Jugoslawien-Urlaub auf. Das war im Sommer 1969, also vor 40 Jahren. Trotz Titos strenger kommunistischer Herrschaft war die kroatische Adriaküste ab Anfang der 60er-Jahre zu einer „Enklave“ des westlichen Tourismus geworden. Nicht alles war perfekt, manchmal gab es zwangswirtschaftlich verwaltete und deshalb ranzige Frühstücksbutter, aber die Kroaten gaben sich auch damals schon große Mühe, ihre westlichen Gäste zu verwöhnen. Unsere D-Mark war hart und kaufkräftig, der Dinar hingegen schwach, unser Urlaub entsprechend preiswert.“


 

Nur platte Reminiszenz eines billigen Urlaubs? Nein, das Zitat eines bei Motorrad Total Mitgereisten drückt vor allem Freude über das Wiedererleben einer der schönsten Küstenlandschaften der nördlichen Adria aus. Heute freilich ist Kroatien ein souveränes, demokratisch verfasstes Land, das dringend in die EU will. Die Währung heißt Kuna und ist ziemlich hart, doch noch sind die Preise mäßig. Die solide Qualität der Hotels und der freundliche Service halten jeden Vergleich mit anderen südlichen Urlaubszielen Europas aus.

Motorrad Total auf Krk

Die mit dem Festland durch ein modernes Brückenbauwerk verbundene Insel Krk ist eines der Touristikzentren der Kvarner Bucht. Hier, im idyllischen Städtchen Baška (sprich Baschka), hatten die Organisatoren in diesem Jahr das Standquartier für Motorrad Total aufgeschlagen. Der Wirtschafts- und Finanzkrise zum Trotz zog das Spitzenseminar des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. wiederum 90 Teilnehmer an, die sich im komfortablen Vier-Sterne Hotel Zvonimir ausgesprochen wohlfühlten. Dazu trug  auch ein stabiles Hoch bei, das die Mittagstemperaturen bis 28°C hochheizte. Wieder einmal hat sich die dritte Dekade des Septembers in der östlichen Adria als sehr wetterstabil erwiesen. An dieser Stelle ist zu vermerken, dass Motorrad Total schon 1986 (Lovran) und wieder im Jahr 2000 (Insel Krk), knapp 5 Jahre nach Beendigung des Unabhängigkeitskrieges, freundliche Aufnahme in Kroatien gefunden hatte.

Zum Kreuzbergpass

Auf welchen Wegen sie an diesem 19. September zum fast 1.650 Meter hohen Passhotel an der alten Römerstraße, dem Sammel- und Startpunkt der Seminarwoche, kamen, war den Teilnehmern überlassen. Man darf annehmen, die Biker haben sich nichts vom Charme der Dolomiten und speziell des Hochpustertals entgehen lassen. Nach einer Nacht im sehr gut geführten Hotel Kreuzbergpass ging es anderntags auf die Piste. Die Kurven und Serpentinen der Abfahrt nach San Pietro di Cadore haben es in sich. Wem hier im Hochgefühl alpiner Motorradlust der Gaul durchginge, hätte beste Aussicht, bald ganz oben zu Hause zu sein. Doch unsere Leute hatten sich offensichtlich an das Sichtfahrgebot und die Regeln einer geordneten Gruppenfahrt gehalten. Alle trafen programmgemäß und wohlbehalten am Sonntagnachmittag in Baška ein. Bis auf einen, der seinen Personalausweis vergessen hatte und deshalb an der slowenisch-kroatischen Grenze (EU-Außengrenze) umkehren musste. Unverdrossen brauste der Mann zurück nach München, holte seinen Pass, und war Montagabend wieder bei der Truppe.

Realverkehr und Automotodrom

Am Montag ließ es Motorradreferent Karl-Heinz Hiller moderat angehen. Man blieb auf der Insel und beschied sich mit 110 km Tagesleistung. Das war für den Einstieg in diese prall gefüllte Seminarwoche und nach den harten Ritten der beiden Vortage genau richtig. Hiller steigerte die Anforderungen im Laufe der Woche. Zum einen mit einem Sicherheitstraining auf „höchstem Niveau“ im Automotodrom Grobnik bei Rijeka, zum anderen mit einer auf vier Inseln führenden Strecke von rd. 200 km. Die von Hiller sorgsam ausgewählten, präzise kartierten und exakt kilometrierten Strecken waren anspruchsvoll und ließen in punkto Kurven und Kehren nichts zu wünschen übrig. Obwohl die Landstraßen in Kroatien allgemein sauber und gepflegt sind, ist an den Fahrbahnrändern die Trennung zwischen Asphalt und Schotter oder Splitt manchmal etwas fließend. Hier war speziell vor und in Kurven hohe Aufmerksamkeit verlangt.

Workshop Theorie

Die fachliche Qualität eines Seminars bemisst sich nicht zuletzt am Engagement der Teilnehmer. Daran fehlte es in dieser Woche nie. Das zeigte sich so auch im „Klassenzimmer“. Karl-Heinz Hiller und Ralf Nicolai hatten den Theorietag u.a. mit ausgezeichneten Teilnehmermaterialien sehr sorgfältig vorbereitet. Neben Aktuellen Rechtsänderungen wurden in Vorbereitung des im Motodrom bevorstehenden Sicherheitstrainings Themen wie Blickführung, Fahrlinie in Kurven, Gefahrbremsung, Bremsen in Kurven und andere fahrphysikalische Fragestellungen behandelt.

Die von der Bundesarbeitsgemeinschaft Motorrad (BAGMO) gestellte Forderung nach Änderung der StVO, wonach bei Stau mit stehendem Verkehr Motorradfahrern das vorsichtige Überholen gestattet werden soll, fand nach eingehender Diskussion große Zustimmung.

Geteilter Meinung war die Gruppe hingegen über den pädagogischen Wert sogenannter „Schockvideos“ im theoretischen Fahrunterricht, wie sie derzeit vom nordrhein-westfälischen Innenministerium angeboten werden.

Glanzlicht Automotodrom Grobnik

Diese Rennstrecke bei Rijeka scheint eigens fürs Motorrad gemacht zu sein: übersichtlich, griffig, mit Kurvenradien für Könner und auch für solche, die es noch werden wollen. Hier bekam der Begriff Grenzbereich für viele Teilnehmer eine ganz neue Bedeutung. Gefahrbremsung aus 100 und mehr km/h? Bremsen in der Kurve? Wie das „Aufrichten“ beherrschen? Optimale Fahrlinie? Präziser Einlenkpunkt? Ultimative Schräglage? Gibt es die oft zitierte Ideallinie? Alles nur graue Theorie? Nein, hier in Grobnik war all das Realität. Keine Akrobatik, aber ein Tag anspruchsvollen Perfektionstrainings auf einer Piste ohne Gegenverkehr. Zum Schluss, wie sich das gehört, etwas freies Fahren. Spektakuläre Wheelies, Stoppies und Asphaltberührung mit dem Knie waren auch dabei nicht gefragt. Aber manch einer konnte damit brillieren.

Doch Hillers Reglement lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Inhalte des von ihm konsequent weiterentwickelten Seminars richten sich zuvorderst auf zwei Ziele: höchstmögliche Motorradsicherheit und die Kompetenz, sie anderen zu vermitteln.

Motorrad Total als Marke

Motorrad Total ist auf dem mittlerweile stark umworbenen Markt der Fahrlehrer-Fortbildung längst zur Marke geworden. Oft kopiert - aber auch erreicht? Was einen guten Markenartikel ausmacht, ist bekannt: gleichbleibend gute Qualität und trotzdem kein Stillstand, kein Ausruhen auf den einmal errungenen Lorbeeren. In den zurückliegenden 27 Jahren war Motorrad Total immer am Puls der Zeit, ohne jedoch kurzlebigen Hypes hinterherzurennen. Keine Frage, hier finden sich von Jahr zu Jahr Gleichgesinnte: keine ausgeflippten Motorrad-Freaks, sondern sehr ernsthafte Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer, die ihren Schülern das Beste geben wollen, was bei der Schulung fürs Motorradfahren möglich ist. Das Seminar sei wie eine Bruderschaft, hieß es in dieser Zeitschrift einmal mit Blick auf den hohen Kameradschaftswert. Die Bruderschaft hat sich in 27 Jahren dank ihres Zusammenhalts, ihrer Disziplin sowie der Freude an Erneuerung und Fortschritt als sehr beständig erwiesen. Ebenso klar ist die Ordensregel, wonach neu Hinzukommende wie alte Freunde aufgenommen und integriert werden. Im Laufe der Jahre ist es zur guten Übung geworden, auch die Partnerinnen der aktiven Seminarteilnehmer herzlich einzuladen. Die Frauen sind mit Begeisterung dabei und gestalten und genießen die Tage auf ihre Weise. Sie geben der Woche einen Hauch von Urlaub und helfen, die abendlichen Gespräche nicht in reinen Biker-Chat abdriften zu lassen.

Organisation und Service

Inhalte und Ziele sind die wichtigsten Schlüssel zum Erfolg eines Seminars. Aber nicht minder bedeutsam sind reibungslose Organisation, klare Führung und präsenter Service. Nadine Kirn, Karl-Heinz Hiller, Ralf Nicolai und die Instruktoren Franz Enghauser, Stefan Hamberger (in Vertretung des verhinderten Jan Kluge), Michael Lindner, Siegfried Nill, Marcus Pollermann, Georg Rück und Helmut Storck haben, wie es eine Teilnehmerin ausdrückte, für ihre Leistung, Umsicht und Zuwendung „eine glatte Eins“ verdient. Ihnen allen sagt Verbandsvorsitzender Peter Tschöpe im Namen der Teilnehmer ganz herzlichen Dank. Lieben Dank auch an Karl-Heinz Beck für seine nimmermüde Präsenz als Fotograf, ebenso an Gustav Hild und Sascha Stoll von der Autovermietung Hild für ihren hilfreichen Bereitschaftsdienst und die Champion-Tassen. In gleicher Weise dankt Peter Tschöpe der Mercedes Vertriebsorganisation Deutschland in Berlin, die auch dieses Mal mit einem für Biker sehr nützlichen Geschenk, einer eleganten Transporthilfe und der wiederum sehr freundlichen Gestaltung des traditionellen Stern-Abends zum Gelingen der außerprotokollarischen Seminarteile beigetragen hat. Besonderer Dank gebührt auch diesmal den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ihr Gemeinsinn, ihre hohe Gruppendisziplin und ihre Besonnenheit haben auch das 27. Motorrad Total zu einem vollen Erfolg gemacht und alle ohne Blessuren nach Hause kommen lassen.

Gebhard L. Heiler

Was Frauen über Motorrad Total denken und sagen, lesen Sie hier ...

 

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe November 2009

Erscheinungsdatum 15.11.2009

Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe im WWW:

 

Inhaltsverzeichnis

 

EDITORIAL - Laienausbildung oder Verkehrssicherheit?

 

Theoretische Prüfung: Änderungen des Fragenkatalogs

 

Landes-Tag der Verkehrssicherheit in Ulm: Fahrlehrerverband mit neuen Programmen dabei

 

Fragen zur Überwachung: Innenministerium stellt klar

 

Fahrtraining für Zivildienstleistende: Jetzt aktiv in das Training einsteigen

 

Zu Gast in Kroatien: 27 Mal Motorrad Total - attraktiver denn je

 

Was Frauen über Motorrad Total denken und sagen

 

Haltverbot nach Abreise: Wer zahlt die Abschleppkosten?

 

Klasse T: Welche Fahrten sind erlaubt?

 

Gesetzliche Fortbildung: Verpflichtung nur für Fahrlehrer?

 

Achtung Berufsstarter: Mit minimalem Einsatz das Maximale bekommen

 

Gerichtsurteile: Kein Fahrradfahrverbot (942) Quietschende Bremsgeräusche (941) Geschwindigkeitsverstoß und Messmethode (940) Abschleppfristen (939) Sorgfaltspflichten eines Rettungswagens (938) Private Nutzung einer betrieblichen Hebebühne (937) Rückwärtsfahren nur ohne Gefährdung anderer (936) Lizenzentzug für unzuverlässigen Fahrlehrer (935)


****Hotel Zvonimir in Băska


Entspannung beim Welcome-Drink unter freiem Himmel


Realverkehrstrecken mit hohem Anspruch


Realverkehr auf der Schotterpiste


Das "Klassenzimmer" beim Workshop Theorie


Vor Freude einen Wheelie


Motorrad Total auf dem Automotodrom Grobnik


Das Motorrad ist ihr "Element"


Nervenkitzel auf dem Asphalt


Am Limit der Bodenhaftung?


Motorradfahren par excellence


Dank an die Herren Instruktoren


v. li.: Ralf Nicolai, Karl-Heinz Hiller, Nadine Kirn