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Was Frauen über Motorrad
Total
denken und sagen, lesen Sie hier ...
„Als auf
einmal die traumhaft schöne Kvarner Bucht im milden Abendlicht vor mir
lag, kamen sogleich gute Erinnerungen an unseren ersten
Jugoslawien-Urlaub auf. Das war im Sommer 1969, also vor 40 Jahren.
Trotz Titos strenger kommunistischer Herrschaft war die kroatische
Adriaküste ab Anfang der 60er-Jahre zu einer „Enklave“ des westlichen
Tourismus geworden. Nicht alles war perfekt, manchmal gab es
zwangswirtschaftlich verwaltete und deshalb ranzige Frühstücksbutter,
aber die Kroaten gaben sich auch damals schon große Mühe, ihre
westlichen Gäste zu verwöhnen. Unsere D-Mark war hart und kaufkräftig,
der Dinar hingegen schwach, unser Urlaub entsprechend preiswert.“

Nur platte Reminiszenz eines
billigen Urlaubs? Nein, das Zitat eines bei Motorrad Total Mitgereisten
drückt vor allem Freude über das Wiedererleben einer der schönsten
Küstenlandschaften der nördlichen Adria aus. Heute freilich ist Kroatien
ein souveränes, demokratisch verfasstes Land, das dringend in die EU
will. Die Währung heißt Kuna und ist ziemlich hart, doch noch sind die
Preise mäßig. Die solide Qualität der Hotels und der freundliche Service
halten jeden Vergleich mit anderen südlichen Urlaubszielen Europas aus.
Motorrad Total auf Krk
Die mit dem Festland durch ein modernes
Brückenbauwerk verbundene Insel Krk ist eines der Touristikzentren der Kvarner Bucht. Hier, im idyllischen Städtchen Baška (sprich Baschka),
hatten die Organisatoren in diesem Jahr das Standquartier für Motorrad
Total aufgeschlagen. Der Wirtschafts- und Finanzkrise zum Trotz zog das
Spitzenseminar des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. wiederum
90 Teilnehmer an, die sich im komfortablen Vier-Sterne Hotel Zvonimir
ausgesprochen wohlfühlten. Dazu trug auch ein stabiles Hoch bei,
das die Mittagstemperaturen bis 28°C hochheizte. Wieder einmal hat sich
die dritte Dekade des Septembers in der östlichen Adria als sehr
wetterstabil erwiesen. An dieser Stelle ist zu vermerken, dass Motorrad
Total schon 1986 (Lovran) und wieder im Jahr 2000 (Insel Krk), knapp 5
Jahre nach Beendigung des Unabhängigkeitskrieges, freundliche Aufnahme
in Kroatien gefunden hatte.
Zum Kreuzbergpass
Auf
welchen Wegen sie an diesem 19. September zum fast 1.650 Meter hohen
Passhotel an der alten Römerstraße, dem Sammel- und Startpunkt der
Seminarwoche, kamen, war den Teilnehmern überlassen. Man darf annehmen,
die Biker haben sich nichts vom Charme der Dolomiten und speziell des Hochpustertals entgehen lassen. Nach einer Nacht im sehr gut geführten
Hotel Kreuzbergpass ging es anderntags auf die Piste. Die Kurven und
Serpentinen der Abfahrt nach San Pietro di Cadore haben es in sich. Wem
hier im Hochgefühl alpiner Motorradlust der Gaul durchginge, hätte beste
Aussicht, bald ganz oben zu Hause zu sein. Doch unsere Leute hatten sich
offensichtlich an das Sichtfahrgebot und die Regeln einer geordneten
Gruppenfahrt gehalten. Alle trafen programmgemäß und wohlbehalten am
Sonntagnachmittag in Baška ein. Bis auf einen, der seinen
Personalausweis vergessen hatte und deshalb an der
slowenisch-kroatischen Grenze (EU-Außengrenze) umkehren musste.
Unverdrossen brauste der Mann zurück nach München, holte seinen Pass,
und war Montagabend wieder bei der Truppe.
Realverkehr und Automotodrom
Am Montag ließ es Motorradreferent Karl-Heinz Hiller moderat angehen.
Man blieb auf der Insel und beschied sich mit 110 km Tagesleistung. Das
war für den Einstieg in diese prall gefüllte Seminarwoche und nach den
harten Ritten der beiden Vortage genau richtig. Hiller steigerte die
Anforderungen im Laufe der Woche. Zum einen mit einem
Sicherheitstraining auf „höchstem Niveau“ im Automotodrom Grobnik bei
Rijeka, zum anderen mit einer auf vier Inseln führenden Strecke von rd.
200 km. Die von Hiller sorgsam ausgewählten, präzise kartierten und
exakt kilometrierten Strecken waren anspruchsvoll und ließen in punkto
Kurven und Kehren nichts zu wünschen übrig. Obwohl die Landstraßen in
Kroatien allgemein sauber und gepflegt sind, ist an den Fahrbahnrändern
die Trennung zwischen Asphalt und Schotter oder Splitt manchmal etwas
fließend. Hier war speziell vor und in Kurven hohe Aufmerksamkeit
verlangt.
Workshop Theorie
Die fachliche Qualität eines Seminars bemisst
sich nicht zuletzt am Engagement der Teilnehmer. Daran fehlte es in
dieser Woche nie. Das zeigte sich so auch im „Klassenzimmer“. Karl-Heinz
Hiller und Ralf Nicolai hatten den Theorietag u.a. mit ausgezeichneten
Teilnehmermaterialien sehr sorgfältig vorbereitet. Neben Aktuellen
Rechtsänderungen wurden in Vorbereitung des im Motodrom bevorstehenden
Sicherheitstrainings Themen wie Blickführung, Fahrlinie in Kurven,
Gefahrbremsung, Bremsen in Kurven und andere fahrphysikalische
Fragestellungen behandelt.
Die von der Bundesarbeitsgemeinschaft
Motorrad (BAGMO) gestellte Forderung nach Änderung der StVO, wonach bei
Stau mit stehendem Verkehr Motorradfahrern das vorsichtige Überholen
gestattet werden soll, fand nach eingehender Diskussion große
Zustimmung.
Geteilter Meinung war die
Gruppe hingegen über den pädagogischen Wert sogenannter „Schockvideos“
im theoretischen Fahrunterricht, wie sie derzeit vom
nordrhein-westfälischen Innenministerium angeboten werden.
Glanzlicht Automotodrom Grobnik
Diese
Rennstrecke bei Rijeka scheint eigens fürs Motorrad gemacht zu sein:
übersichtlich, griffig, mit Kurvenradien für Könner und auch für solche,
die es noch werden wollen. Hier bekam der Begriff Grenzbereich für viele
Teilnehmer eine ganz neue Bedeutung. Gefahrbremsung aus 100 und mehr
km/h? Bremsen in der Kurve? Wie das „Aufrichten“ beherrschen? Optimale
Fahrlinie? Präziser Einlenkpunkt? Ultimative Schräglage? Gibt es die oft
zitierte Ideallinie? Alles nur graue Theorie? Nein, hier in Grobnik war
all das Realität. Keine Akrobatik, aber ein Tag anspruchsvollen
Perfektionstrainings auf einer Piste ohne Gegenverkehr. Zum Schluss, wie
sich das gehört, etwas freies Fahren. Spektakuläre Wheelies, Stoppies
und Asphaltberührung mit dem Knie waren auch dabei nicht gefragt. Aber
manch einer konnte damit brillieren.
Doch Hillers Reglement lässt an
Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Inhalte des von ihm
konsequent weiterentwickelten Seminars richten sich zuvorderst auf zwei
Ziele: höchstmögliche Motorradsicherheit und die Kompetenz, sie anderen
zu vermitteln.
Motorrad Total als Marke
Motorrad Total ist auf dem
mittlerweile stark umworbenen Markt der Fahrlehrer-Fortbildung längst
zur Marke geworden. Oft kopiert - aber auch erreicht? Was einen guten
Markenartikel ausmacht, ist bekannt: gleichbleibend gute Qualität und
trotzdem kein Stillstand, kein Ausruhen auf den einmal errungenen
Lorbeeren. In den zurückliegenden 27 Jahren war Motorrad Total immer am
Puls der Zeit, ohne jedoch kurzlebigen Hypes hinterherzurennen. Keine
Frage, hier finden sich von Jahr zu Jahr Gleichgesinnte: keine
ausgeflippten Motorrad-Freaks, sondern sehr ernsthafte Fahrlehrerinnen
und Fahrlehrer, die ihren Schülern das Beste geben wollen, was bei der
Schulung fürs Motorradfahren möglich ist. Das Seminar sei wie eine
Bruderschaft, hieß es in dieser Zeitschrift einmal mit Blick auf den
hohen Kameradschaftswert. Die Bruderschaft hat sich in 27 Jahren dank
ihres Zusammenhalts, ihrer Disziplin sowie der Freude an Erneuerung und
Fortschritt als sehr beständig erwiesen. Ebenso klar ist die
Ordensregel, wonach neu Hinzukommende wie alte Freunde aufgenommen und
integriert werden. Im Laufe der Jahre ist es zur guten Übung geworden,
auch die Partnerinnen der aktiven Seminarteilnehmer herzlich einzuladen.
Die Frauen sind mit Begeisterung dabei und gestalten und genießen die
Tage auf ihre Weise. Sie geben der Woche einen Hauch von Urlaub und
helfen, die abendlichen Gespräche nicht in reinen Biker-Chat abdriften
zu lassen.
Organisation und Service
Inhalte und Ziele sind die
wichtigsten Schlüssel zum Erfolg eines Seminars. Aber nicht minder
bedeutsam sind reibungslose Organisation, klare Führung und präsenter
Service. Nadine Kirn, Karl-Heinz Hiller, Ralf Nicolai und die
Instruktoren Franz Enghauser, Stefan Hamberger (in Vertretung des
verhinderten Jan Kluge), Michael Lindner, Siegfried Nill,
Marcus
Pollermann, Georg Rück und Helmut Storck haben, wie es eine Teilnehmerin
ausdrückte, für ihre Leistung, Umsicht und Zuwendung „eine glatte Eins“
verdient. Ihnen allen sagt Verbandsvorsitzender Peter Tschöpe im Namen
der Teilnehmer ganz herzlichen Dank. Lieben Dank auch an Karl-Heinz Beck
für seine nimmermüde Präsenz als Fotograf, ebenso an Gustav Hild und
Sascha Stoll von der Autovermietung Hild für ihren hilfreichen
Bereitschaftsdienst und die Champion-Tassen. In gleicher Weise dankt
Peter Tschöpe der Mercedes Vertriebsorganisation Deutschland in Berlin,
die auch dieses Mal mit einem für Biker sehr nützlichen Geschenk, einer
eleganten Transporthilfe und der wiederum sehr freundlichen Gestaltung
des traditionellen Stern-Abends zum Gelingen der außerprotokollarischen
Seminarteile beigetragen hat. Besonderer Dank gebührt auch diesmal den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Ihr Gemeinsinn, ihre hohe
Gruppendisziplin und ihre Besonnenheit haben auch das 27. Motorrad Total
zu einem vollen Erfolg gemacht und alle ohne Blessuren nach Hause kommen
lassen.
Gebhard L. Heiler
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