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Am 21. und
22. September 2009 fand in Berlin das Internationale Motorradsymposium
2009 statt. An der von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) und dem
Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) ausgerichteten Veranstaltung
nahmen mehr als 100 Fachleute aus den Disziplinen Unfallforschung und
Verkehrssicherheit, daneben Politiker, Polizeibeamte, Repräsentanten der
Motorradhersteller teil. Die Fahrlehrerverbände waren durch den
Bundesvorsitzenden Gerhard von Bressensdorf und die Vorsitzende des
Fahrlehrerverbandes Hamburg e.V., Sabine Darjus, vertreten.
Das Programm zielte vor
allem auf Minderung des hohen Unfallrisikos der Motorradfahrer in
Europa. Zum Abschluss des Symposiums wurden Empfehlungen als Grundlage
für weitere Aktivitäten zur Motorradsicherheit auf europäischer Ebene
formuliert.
Empfehlungen des Symposiums
So forderte der
Arbeitskreis Fahrzeug und Infrastruktur unter anderem, zur
besseren Sichtbarkeit von Zweiradfahrern seien auffälligere
Schutzkleidung und spezielle Tagfahrleuchten erforderlich. Außerdem
müsse die Forschung für die Entwicklung von Fahrerassistenz und
Warnsystemen intensiviert werden. Von Motorradfahrern stark
frequentierte Strecken sollten im Hinblick auf Sicherheitsdefizite
untersucht werden. Kreuzungen sollten grundsätzlich mit speziellen
Ampelphasen für Linksabbieger ausgestattet sein. Der
Arbeitskreis Fahrer
und Recht sprach sich für eine regelmäßige Teilnahme der
Motorradfahrer an Sicherheitstrainings - auch im realen Straßenverkehr -
aus. Darüber hinaus sei auch eine gezielte Verkehrsüberwachung
notwendig, um alle möglichen gesetzlichen Instrumente konsequent
ausschöpfen zu können. An die Motorradmedien erging der Appell, künftig
auf Berichte über riskante Fahr- und Verhaltensweisen zu verzichten.
Das
Programm im Download
Das Programm, die
Referate und die Empfehlungen sind in einem Tagungsband zusammengefasst,
der als Download unter
www.udv.de zur Verfügung steht.
Nahezu gleiche Ergebnisse wie dieses Symposium brachte auch schon die
internationale Motorradkonferenz vom 6. und 7. Oktober 2008, über die in
dieser Zeitschrift in den Ausgaben Februar 2009 (S. 92 ff.) und
März 2009 (Seite 148 ff.) ausführlich
berichtet wurde.
Selbstzufriedenheit?
Im internationalen
Vergleich schneidet die Ausbildung der deutschen Motorradeleven gewiss
gut ab. Doch es gibt in den Ländern der EU vereinzelt Modelle, die
zeigen: Motorradausbildung kann noch besser sein. Überheblichkeit ist
bekanntlich oft der Anfang eines verhängnisvollen Stillstands. Am Beginn
der Motorradsaison rufe ich Sie, liebe Leserinnen und Leser in Nah und
Fern, deshalb dazu auf, auch 2010 wieder alles für die bestmögliche
Vorbereitung Ihrer Motorradfahrschüler/innen zu geben; sie sollen dank
einer Spitzenausbildung von Anfang an die besten Chancen haben, im
Straßenverkehr sicher unterwegs zu sein.
Setzen
Sie Ihre „Marke“
Freilich fällt es in
wirtschaftlich schwieriger Zeit besonders schwer, zusätzlich Geld für
die Optimierung der Motorradausbildung in die Hand zu nehmen. Doch Ihre
Investitionen in Fortbildung, in ein angemessenes Motorrad zum
Begleiten, Ihre eigene Motorradbekleidung, ordentliche Schutzkleidung
für Ihre Fahrschüler, passende Maschinen für die unterschiedlichen
Körpergrößen der Fahrschüler, eine zweite Funkanlage für das Begleiten
vom Motorrad und so weiter, lohnen sich. Sie investieren damit in Ihre
„Marke“ als Motorradspezialist und somit in Ihre Zukunft. Weil der Markt
der Zweiradführerscheine voraussichtlich noch etwas schrumpfen wird,
kommt es in den kommenden Jahren mehr denn je darauf an, sich einen
Namen als Motorradprofi zu machen.
Kundenfang mit schwacher Motorradausbildung?
Wer die
Motorradausbildung nicht aus Berufung und Leidenschaft, sondern nur aus
Wettbewerbsgründen eher schlecht als recht betreibt (man will diese
Kunden nicht dem Mitbewerber überlassen), sollte sich überlegen, ob das
für das Image seiner Fahrschule auf Dauer gut sein kann. Wäre da nicht
die Zusammenarbeit mit einer kompetenten, weil spezialisierten
Motorradfahrschule viel sinnvoller? Es gibt immer noch zu viele
Kollegen, die seit Jahren selbst nicht mehr Motorrad fahren, aber in
diesem diffizilen Zweig ausbilden. Es ist einfach nicht akzeptabel, dass
einer, der anderen das Motorradfahren beibringen will, selbst nicht
Motorrad fährt. Ein Fluglehrer, der selbst nicht mehr aufstiege, wäre
nach kurzer Zeit seine Lizenz los. Ein Tanzlehrer, der die Schritte
nicht mehr selbst beherrschte und vortanzte, wäre in Nullkommanichts
bankrott!
Ich zitiere hierzu aus
dem „Curricularen Leitfaden“ für die Motorradausbildung:
"Ein Motorradfahrlehrer
hat bei der Ausbildung keine direkte Möglichkeit einzugreifen. Seine
Verantwortung ist deshalb besonders groß. Vom Fahrlehrer wird
erwartet, dass er über ausreichende Erfahrung mit dem Motorrad
verfügt, die auch noch in die heutige Zeit hineinreicht. Ein guter
Fahrlehrer ist mit Leib und Seele Motorradfahrer und hat ein
persönliches Verhältnis zu seiner Maschine. Noch immer hat das Vorbild
des Lehrers am meisten Wirkung. Motorradausbildung, nur um das Angebot
zu komplettieren, ist zu wenig. Fahrlehrer, die ihre Motorradschüler
nur vom geschützten Raum des Pkw dirigieren, lassen weder impulsives
Mitergriffenwerden noch besondere Sympathie beim Fahrschüler
aufkommen."
Ein
„Tag der Motorradfahrlehrer“
Wie wäre es, wenn wir
über dieses Manko und viele andere aktuelle Fragen einmal in einem
größeren Kreis miteinander sprechen würden? Wenn Sie, liebe Kolleginnen
und Kollegen, das auch wollen, lädt Sie Ihr Verband in diesem Jahr gerne
zum ersten
Tag der Motorradfahrlehrer ein.
Vorgesehen ist
Montag, der
12. Juli 2010, ganztägig,
Ort:
Neuhausen ob Eck.
Diesen Termin bitte schon
jetzt vormerken!
Hier
eine kurze Programmvorschau:
- Workshops,
- Diskussionen,
- Sicherheits-Übungen,
- Ausstellung.
Sicherheitstraining – eine originäre Aufgabe für Fahrlehrer
Zum Schluss greife ich
eine der Empfehlungen des Motorradsymposiums noch einmal auf. Schon im
Bericht über die internationale Motorradkonferenz und auch jetzt wieder
auf dem Berliner Symposium wurden Sicherheitstrainings für
Motorradfahrer/innen dringend empfohlen. Deshalb muss sich jeder
engagierte Motorradausbilder darüber Gedanken machen, ob es nicht als
Ergänzung zu einer guten Erstausbildung der Motorradfahrer hervorragend
passte, ehemalige Kunden (und andere!) auch nach bestandener
Fahrerlaubnisprüfung durch Sicherheitstrainings im oder außerhalb des
Realverkehrs zu betreuen. Ein in finanzieller Hinsicht lukratives
Geschäft ist das sicherlich nicht. Aber jedes Training ist auch für uns
als Fahrlehrer/in immer sehr aufschlussreich. So erhält man viele
Rückmeldungen für seine Ausbildung. Ich kenne viele Fahrlehrer/innen,
die Inhalte aus dem Motorrad-Sicherheitstraining in ihren
Ausbildungsalltag einfließen lassen.
Der Fahrlehrerverband
Baden-Württemberg e.V. war übrigens die erste Organisation, die vor mehr
als 30 Jahren erfolgreich Sicherheitsübungen für Fahrlehrer entworfen
und praktisch durchgeführt hat. Das war die Keimzelle des späteren
Sicherheitstrainings. Wir haben schon Sicherheitstrainer ausgebildet,
als andere noch gar nicht daran dachten. Es wäre nach meiner Ansicht
sehr schade, wenn dieser Bereich vor allem angelernten Laien überlassen
würde. Fahrlehrer/innen sind prädestiniert für diesen „Job“, der neben
Fachlichkeit ausgeprägte pädagogische Erfahrung verlangt.
Deshalb: Werden Sie Instruktor für das Motorrad-Sicherheitstraining.
Ihr Verband bietet in
Neuhausen ob Eck ein zweitägiges Einweisungsseminar (mit vorausgehendem
Sicherheitstraining für Fahrlehrer: drei Tage) an.
Termin: 8. und 9. Juni 2010 +
SHT: 7. bis 9. Juni 2010.
(Siehe
aktuelle Fortbildungsangebote ...)
Mit freundlichem Gruß aus
Hohenlohe
Karl-Heinz Hiller
Motorradreferent |