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Schon seit
mehreren Jahren gilt Stuttgart als die Stadt mit der höchsten
Feinstaubbelastung in Deutschland. Der zulässige Grenzwert wird an mehr
als fünfunddreißig Tagen im Jahr überschritten. Deswegen werden in der
Landeshauptstadt immer mehr Fahrverbote eingeführt.
Besonders gefährlich sind
Staubpartikel mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern (10
µm), der sogenannte PM10-Feinstaub. Diese mikroskopisch kleinen Teilchen
bilden für die menschliche Gesundheit ein extremes Risiko, weil sie
nicht in der Nase oder im Rachen hängen bleiben, sondern ungehindert in
die Lunge gelangen, wo sie Entzündungen, Asthma und Krebs auslösen
können. Vor allem an windstillen Tagen mit austauscharmer Wetterlage ist
die Konzentration des schädlichen Feinstaubs häufig sehr hoch. Der
Kraftfahrzeugverkehr mit seinen Verbrennungsvorgängen sowie dem Abrieb
von Bremsbelägen und Reifen gilt als einer der Hauptverursacher.
Mehrstufiger Aktionsplan
Um die hohe
Feinstaubbelastung langfristig in den Griff zu bekommen, hat die Stadt
Stuttgart einen mehrstufigen Aktionsplan erlassen, mit dem sukzessive
diverse Maßnahmen zur Luftreinhaltung eingeführt wurden und werden.
Stufe
1: Lkw-Durchfahrverbot
Bereits ab dem 1. Januar
2006 galt ein generelles Durchfahrverbot für Lkw, das zunächst mit der
Einführung von Umweltzonen und Feinstaubplaketten begann, aber mit
Ablauf des 28. Februar 2008 vorläufig wieder ausgesetzt wurde.
Stufe
2: Einrichtung von Umweltzonen
Zum 1. März 2008 wurden
erstmals in Stuttgart und in zunächst sieben weiteren
baden-württembergischen Städten die ersten Umweltzonen eingerichtet.
Dazu sind inzwischen bundesweit Dutzende von weiteren Städten gekommen.
Ab der Einführung durften Fahrzeuge ohne Feinstaubplakette nicht mehr in
die geschützten Bereiche einfahren. Der damaligen Planung zufolge waren
in Stuttgart weitere Verbote für Fahrzeuge mit roter Plakette erst ab
2012 geplant. Neben denen mit grüner sollten zunächst auch die Fahrzeuge
mit gelber Plakette unangetastet bleiben.
Stufe
3: Wiedereinführung des Lkw-Durchfahrverbotes
In den letzten Jahren ist
die Feinstaubbelastung kontinuierlich zurückgegangen: An der Messstation
„Am Neckartor“ wurde der EU-Grenzwert im Jahr 2005 noch an 187 Tagen
überschritten; im Jahr 2008 waren es nur noch 79 Tage. Allerdings bietet
die positive Tendenz keine Veranlassung zur Entwarnung, da die Belastung
an vielen Stellen nach wie vor viel zu hoch ist. Aus diesem Grund wurde
zum 1. März 2010 das Lkw-Durchfahrverbot wieder eingeführt. Weite
Bereiche des Stadtgebietes wurden mit dem Zeichen 253 und dem
Zusatzschild „Lieferverkehr frei“ für Brummis gesperrt.
Fahrschulen sind nicht betroffen
Auf eine Anfrage wurde
dem Fahrlehrerverband Baden-Württemberg e.V. vom Regierungspräsidium
mitgeteilt, dass Fahrschulen von diesem Verbot nicht betroffen sind. Sie
werden als „Lieferverkehr“ betrachtet. Die Polizei und die Ordnungsämter
wurden über diesen Sachverhalt informiert, sodass Fahrschulen bei
Ausbildungs- und Prüfungsfahrten im Stadtbereich Stuttgart keine
Probleme bekommen sollten. Das gilt auch für auswärtige Fahrschulen, die
bei Sonderfahrten - falls die Autobahn mal wieder dicht ist - eine
Schleife durch die gesperrten Gebiete ziehen müssen.
Stufe
4: Ab 01.07.2010 – Fahrverbot für Fahrzeuge mit roter Plakette
Das ursprünglich erst für
das Jahr 2012 geplante Fahrverbot für Fahrzeuge mit roter Plakette wurde
ziemlich überraschend auf 1. Juli 2010 vorgezogen, sodass ab diesem
Datum nur noch mit grüner oder gelber Plakette in die Umweltzonen
eingefahren werden darf. Von diesem bereits in wenigen Wochen wirksamen
Verbot sind nach derzeitigem Stand immerhin etwa fünfzigtausend
Stuttgarter Fahrzeughalter betroffen. Ebenso eine hohe Anzahl von
Berufspendlern.
Stufe
5: Ab 01.01.2012 – nur noch grün
Weiter werden - ebenfalls
entgegen der ursprünglichen Planung - mit Beginn des Jahres 2012 auch
alle Fahrzeuge mit gelber Plakette endgültig ausgesperrt, sodass dann
praktisch im gesamten Stadtgebiet (207 Quadratkilometer, 590.000
Einwohner) nur noch Fahrzeuge mit grüner Plakette geduldet sind. Es
bleibt abzuwarten, ob auch andere Städte im Land und im Bundesgebiet
nachziehen werden.
Ausführliche
Informationen und aktuelle Übersichtskarten zu diesem Thema gibt es
unter
www.umwelt-plakette.de im Internet.
Jochen
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