|
Die demografische
Entwicklung /
FIT IM VERKEHR
Regelmäßig wies der Verband
seine Mitglieder in den letzten Jahren auf die demografische Entwicklung
hin, die zu einem deutlichen Rückgang des Kerngeschäfts der Fahrschulen,
der Ausbildung von Führerscheinbewerbern, führen wird. In
Baden-Württemberg wird die Zahl der Achtzehnjährigen ab dem Jahr 2011
kontinuierlich zurückgehen. Deshalb hat der Verband im Jahr 2006 das
Programm
FIT IM VERKEHR entwickelt und es den
Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt. Noch bieten viel zu wenige
Fahrschulinhaber dieses Programm an und versäumen damit, sich neue
Kundengruppen zu erschließen. Nach der Fahrschüler-Ausbildungsordnung
soll in der Fahrausbildung „das selbstverantwortliche Weiterlernen nach
dem Erwerb der Fahrerlaubnis“ gefördert werden. Noch zu wenige
Fahrschulinhaber haben verstanden, dass lebenslanges Lernen nicht nur
für die jungen Fahrer gilt, sondern für alle Führerscheininhaber. Hier
ist ein kontinuierlich wachsendes Marktsegment entstanden. Die
Fahrschulen sollten sich beeilen, hier ihren Claim abzustecken, bevor
dort andere ihre Flagge hissen.
Anerkennung
ausländischer Fahrlehrerscheine
Im Jahr 2008 musste die
europäische Berufsanerkennungsrichtlinie umgesetzt werden. Die
erforderlichen Änderungen im Fahrlehrergesetz können eine erhebliche
Einbuße an Ausbildungsqualität künftiger Fahrlehrer bedeuten, weil ein
im europäischen Ausland erworbener Fahrlehrerschein prüfungsfrei in eine
deutsche Fahrlehrerlaubnis umgewandelt werden muss. Die ersten dubiosen
Geschäftemacher haben bereits damit begonnen, Fahrlehreranwärter, die
den deutschen Anforderungen nicht genügten, in europäische Nachbarländer
zu locken, um sie dort auf niedrigem Niveau zu Fahrlehrern zu machen.
Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die bestehenden Regeln zu ändern, um
diesen Missbrauch zu verhindern.
Wirtschaftsdaten des
Fahrschulmarktes in
Baden-Württemberg
Gegenüber dem Jahr 2008
ging die Zahl der Achtzehnjährigen im Jahr 2009 um knapp 1.000 auf
108.126 zurück. Dabei wird es auch 2011 in etwa bleiben, um dann
fortlaufend weniger zu werden.
Die Anzahl der
Führerscheinbewerber in allen Klassen sank von 203.091 im Jahr 2008 um
8.283 auf 194.808 im Jahr 2009.
Nur die Umsetzung der
EG-Richtlinie zur Grundqualifikation der Lkw-Fahrer verhinderte einen
noch stärkeren Einbruch, weil in den Lkw-Klassen eine Steigerung um
7.197 Führerscheinbewerber zu verzeichnen war.
Dieser Steigerung stand
bei den Pkw-Klassen ein Minus von 13.212 gegenüber.
Führerscheinfähige 18-Jährige
in Baden-Württemberg 2005-2022

Diagrammwerte:
|
Jahr |
Anzahl |
Jahr |
Anzahl |
Jahr |
Anzahl |
|
2005 |
95.303 |
2011 |
108.543 |
2017 |
99.335 |
|
2006 |
101.777 |
2012 |
104.326 |
2018 |
97.684 |
|
2007 |
102.672 |
2013 |
103.462 |
2019 |
93.257 |
|
2008 |
109.093 |
2014 |
105.484 |
2020 |
91.635 |
|
2009 |
108.126 |
2015 |
107.105 |
2021 |
89.788 |
|
2010 |
108.154 |
2016 |
102.172 |
2022 |
88.921 |
|
Unter Berücksichtigung
der Sterbeziffer und der Fahruntauglichen. Nach Zahlen des
Statistischen Landesamtes. |
Das Interesse am
Motorradfahren scheint bei Jugendlichen kontinuierlich nachzulassen. Nur
so ist die gegenüber dem Vorjahr wiederum geringere Anzahl der Bewerber
zu erklären, die den nun seit mehr als 10 Jahren anhaltenden Rückgang
fortsetzte. Zwar waren in der unbeschränkten Klasse A (5.891 Bewerber
gegenüber 5.409 im Jahr 2008) und in der Klasse A1 (4.745 Bewerber
gegenüber 4.617 im Jahr 2008) leichte Zugänge zu verzeichnen, diesen
standen aber in den Klassen A beschränkt (12.326 Bewerber gegenüber
13.058 im Jahr 2008) und M (4.653 Bewerber gegenüber 5.496 im Jahr 2008)
deutliche Rückgänge gegenüber.
Nimmt man alle
Motorradklassen zusammen, wollten 965 Personen weniger als im Vorjahr
einen Motorradführerschein erwerben. Der Rückgang bei der Klasse M
dürfte zumindest teilweise darauf zurückzuführen sein, dass diese Klasse
beim Erwerb der Fahrerlaubnis im Rahmen des “Begleiteten Fahrens”
automatisch mit erteilt wird. Da in allen Bundesländern mit der
Einführung des “Begleiteten Fahrens” zum einen die Zahl der
Führerscheinbewerber in der Moped-Klasse zurückgehen, gleichzeitig aber
die Zahl der Unfälle mit Kleinkrafträdern zugenommen hat, ist der
Gesetzgeber gefordert zu prüfen, ob der Einschluss der Klasse M bei BF17
weiterhin verantwortet werden kann.
Das schon mehrfach
totgesagte Mofa hatte im abgelaufenen Jahr erneut das stärkste Wachstum
bei allen Zweirädern zu verzeichnen. Die Zahl der ausgehändigten
Mofa-Prüfbescheinigungen stieg von 10.123 um 971 auf 11.094. Wie schon
im Vorjahr wurden damit mehr Mofa-Prüfbescheinigungen erteilt als
Fahrerlaubnisse in den Klassen M und A1 zusammengenommen.
Sieht man den „normalen“
Erwerb der Klasse B für sich, hatte 2008 mit Einführung des Begleiteten
Fahrens die Anzahl der Führerscheinbewerber gegenüber 2007 um rund
16.000 abgenommen. Diese Entwicklung setzte sich im Jahr 2009 deutlich
stärker fort. 82.733 Bewerber, das waren 23.757 weniger als im Vorjahr,
wollten 2009 Klasse B auf dem üblichen Weg erwerben. Dagegen stieg die
Anzahl der BF-17-Bewerber um 10.257 auf 51.095. Allerdings konnte das
den Rückgang bei der Klasse B bei Weitem nicht ausgleichen.
Auch bei der
Anhängerklasse BE war lediglich im Bereich des Begleiteten Fahrens eine
Zunahme um 743 zu verzeichnen, der bei der „normalen“ Klasse BE ein
Rückgang von 455 gegenüberstand.
Geht man in der Klasse B
von durchschnittlichen Ausbildungskosten von 1.700 € aus, hatten die
baden-württembergischen Fahrschulen allein im Pkw-Bereich eine
Umsatzeinbuße von mehr als 2 Millionen Euro zu verzeichnen.
-
Begleitetes Fahren mit 17 (BF17)
Im Jahr der Einführung
des Begleiteten Fahrens lag der Anteil der BF-17-Bewerber an der Klasse
B bei 27,72%. Dieser Anteil stieg im Jahr 2009 auf 38,18% an und dürfte
damit wohl den Höchstwert erreicht haben. Das Begleitete Fahren wird von
Jugendlichen in Anspruch genommen, deren Eltern die Sicherheit ihrer
jungen Fahranfänger besonders wichtig ist, die ein geeignetes Fahrzeug
besitzen und die bereit sind, sich als Begleiter zur Verfügung zu
stellen. Das Engagement der Eltern dürfte neben der Tatsache der
längeren Erfahrungsbildung Erklärung dafür sein, dass die Teilnehmer an
BF 17 nach der Begleitphase deutlich seltener in Unfälle verwickelt sind
als andere junge Fahranfänger.
Gesamtzahl der Schüler
2000-2009
(praktische Prüfung ohne Wiederholung)


Diagrammwerte:
|
|
Krad |
Pkw |
Lkw |
Bus |
L+T |
S* |
|
|
|
|
davon
BF17** |
|
|
|
|
|
2000 |
37.291 |
121.780 |
|
8.316 |
962 |
3.729 |
|
|
2001 |
34.669 |
116.621 |
|
8.540 |
864 |
3.754 |
|
|
2002 |
34.764 |
119.314 |
|
9.040 |
1.034 |
3.818 |
|
|
2003 |
33.686 |
117.796 |
|
9.714 |
1.121 |
3.731 |
|
|
2004 |
34.412 |
123.421 |
|
10.859 |
1.004 |
3.493 |
|
|
2005 |
32.261 |
122.962 |
|
9.895 |
723 |
3.963 |
61 |
|
2006 |
33.499 |
125.458 |
|
11.197 |
689 |
4.115 |
44 |
|
2007 |
31.966 |
128.166 |
|
14.253 |
694 |
4.168 |
50 |
|
2008 |
28.580 |
153.684 |
42.138 |
16.223 |
1.091 |
3.513 |
42 |
|
2009 |
27.615 |
140.472 |
53.138 |
23.420 |
871 |
2.387 |
43 |
|
*Neue Klasse seit 2005 /
**Einführung in Baden-Württemberg 2008 |
Weil am 10. September
2009 die Regelung über die Grundqualifikation von Lkw-Fahrern in Kraft
trat, war das Interesse am Lkw-Führerschein in den ersten drei Quartalen
des Jahres 2009 besonders groß. Zwar hatte es in den beiden
vorangegangenen Jahren schon deutliche Steigerungen in den Lkw-Klassen
gegeben, gleichwohl stieg in der Klasse C die Anzahl der Interessenten
von 8.364 auf 12.493; in der Klasse CE von 7.581 auf 10.613. Da die
überwiegende Zahl der C-Bewerber zeitgleich die Klasse CE mit
beantragte, konnte für diese Lkw-Klassen ein Zuwachs von 7.197 Bewerbern
verzeichnet werden. Auch bei den Klassen C1 und C1E waren geringe
Zuwächse zu verzeichnen: Die Klasse C1 verzeichnete 242 Bewerber, das
waren 23 mehr als im Vorjahr. In der Klasse C1E stieg die Anzahl der
Bewerber von 59 um 13 auf 72.
Man muss davon ausgehen,
dass im Jahr 2010 die Anzahl der Bewerber in allen Lkw-Klassen wegen des
hohen Aufwands für den Erwerb der Grundqualifikationen wieder deutlich
abnehmen wird.
Von neu hinzukommenden
Busfahrern wurde die Grundqualifikation bereits ab 10.09.2008 verlangt.
Das hatte 2008 eine deutliche Steigerung der Bus-Fahrerlaubnisse zur
Folge, jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei den Lkw-Klassen.
Im Jahr 2009 nahm das Interesse an der Klasse D wieder deutlich ab und
erreichte mit 772 (Vorjahr 1.036) die aus früheren Jahren gewohnte
Nachfrage. Allerdings setzte sich in der Klasse DE mit einer Zunahme von
47 Bewerbern der Trend der Vorjahre fort. Da die Klasse CE nicht mehr
Voraussetzung für den Erwerb einer Bus-Fahrerlaubnis ist, müssen
offensichtlich immer mehr Busfahrer die Anhängerklasse gesondert
erwerben.
-
Landwirtschaftliche Fahrzeuge
Bei den
landwirtschaftlichen Klassen setzte sich sowohl bei der Klasse L der
Abwärtstrend (-196) als auch bei der Klasse T der Aufwärtstrend (+240)
fort. Nur noch 1.170 Bewerber (Vorjahr 1.366) wollten die leichtere
Klasse L erwerben, während sich 2.387 für die Klasse T (Vorjahr 2.147)
entschieden.
Die auf Druck der
Europäischen Gemeinschaft im Jahr 2005 eingeführte Klasse S stößt in der
Bevölkerung nach wie vor auf äußerst geringes Interesse. Gegenüber dem
Vorjahr kam ein Bewerber hinzu, statt 42 waren es 43 im Jahr 2009.
Bewerber
2009 -aufgeschlüsselt nach Führerscheinklassen
(Angaben in Prozent)

Rundungsdifferenz = 0,01%
-
Entwicklung der Betriebsstellen
Ende des Jahres 2009
waren in Baden-Württemberg 1.886 Fahrschulen zugelassen. Diese betreiben
1.626 Zweigstellen. Die Anzahl der Fahrschulen ist im Berichtsjahr um
sieben gestiegen, die der Zweigstellen ist um drei gefallen, sodass in
Baden-Württemberg insgesamt vier Unterrichtsräume mehr als im Vorjahr
vorhanden sind.
Bei sinkenden
Schülerzahlen bedeutet dies, dass der Betrieb vieler Unterrichtsräume
immer unwirtschaftlicher wird.
Anzahl der Haupt-
und Zweigstellen
1995-2009

Diagrammwerte:
|
Jahr |
Haupt-
stellen |
Zweig-
stellen |
Jahr |
Haupt-
stellen |
Zweig-
stellen |
|
1995 |
1.857 |
1.441 |
2003 |
1.853 |
1.568 |
|
1996 |
1.913 |
1.515 |
2004 |
1.840 |
1.546 |
|
1997 |
1.914 |
1.530 |
2005 |
1.845 |
1.560 |
|
1998 |
1.934 |
1.589 |
2006 |
1.870 |
1.600 |
|
1999 |
1.907 |
1.528 |
2007 |
1.881 |
1.603 |
|
2000 |
1.904 |
1.556 |
2008 |
1.879 |
1.629 |
|
2001 |
1.860 |
1.563 |
|
|
|
|
2002 |
1.850 |
1.591 |
2009 |
1.886 |
1.626 |
Im Durchschnitt hatte
eine Fahrschule in Baden-Württemberg 0,86 Zweigstellen. Die Anzahl der
Fahrschulen ohne Zweigstellen hat gegenüber dem Vorjahr um 11
zugenommen. Die Anzahl der Fahrschulen mit drei Zweigstellen nahm um 10
zu, während die der Fahrschulen mit einer Zweigstelle um sieben und die
der Fahrschulen mit zwei Zweigstellen um 13 zurückging.
Die Verteilung im Land
ist aber sehr unterschiedlich. In Tübingen wird mit 1,56 Zweigstellen
pro Fahrschulerlaubnis der höchste Wert erreicht, während die Stadt
Pforzheim nur 0,36 Zweigstellen je Fahrschulerlaubnis meldet.
Die Fahrschulen in
Baden-Württemberg sind überwiegend Einzelunternehmen. 133
Fahrschulinhaber haben sich für die Gemeinschaftsfahrschule entschieden.
Derzeit sind 60 Gemeinschaftsfahrschulen registriert. Das bedeutet, die
meisten Gemeinschaftsfahrschulen haben nur zwei Gesellschafter. Darüber
hinaus gibt es 196 Fahrschulen in der Rechtsform einer juristischen
Person (GmbH).
Mit dem Problem der
Überkapazitäten beschäftigt sich seit Jahren das „Branchen special“ der
Volksbanken. Dort heißt es u. a.:
„Da sich die Anzahl der
Fahranfänger aus demographischen Gründen bis 2025 dramatisch
verringern wird, droht sich das Problem der ohnehin schon vorhandenen
Überkapazitäten am Markt deutlich zu verstärken. Dazu kommt, dass
viele Fahrschulen auch noch mehrere Filialen unterhalten. Schon
mittelfristig werden nicht genug Fahrschüler vorhanden sein, um alle
diese Filialen rentabel zu halten. Nur wenn sich die Anzahl der
Fahrschulen in den kommenden Jahren erheblich reduziert, haben die im
Markt verbleibenden Unternehmen eine reelle Erfolgschance.“
Aus dem Bericht ergibt
sich weiter, dass
- 2.980 der insgesamt
13.179 Fahrschulen in Deutschland Umsätze zwischen 17.500 und 50.000 €
pro Jahr erzielen.
- 4.489 Fahrschulen
kommen auf Umsätze zwischen 50.000 und 100.000 €.
Das bedeutet, dass mehr
als die Hälfte (56,7 %) der Fahrschulen in Deutschland einen
Jahresumsatz von maximal 100.000 € erzielt.
- 4.530 Fahrschulen
(34,4 %) liegen in der Umsatzklasse zwischen 100.000 und 250.000 € und
- 939 Fahrschulen (7,1
%) liegen im Umsatzbereich zwischen 250.000 und 500.000 € pro Jahr.
- Die restlichen 241
Fahrschulen (1,8 %) haben Umsätze von mehr als 500.000 €.
Es darf davon ausgegangen
werden, dass in unserem Bundesland der Anteil der Fahrschulen mit einem
Umsatz von weniger als 100.000 € niedriger liegen dürfte als im
Bundesdurchschnitt.
-
Fahrschüler pro Fahrschule
Fasst man die Bewerber
der einzelnen Klassen zu Gruppen zusammen, hatte jede Fahrschule -
statistisch gesehen - 75,57 Pkw- und 16,14 Motorrad-Fahrschüler.
Auf jede Fahrschule mit
der Fahrschulerlaubnis CE kamen 17,6 Bewerber um die Klasse C und 14,95
um die Klasse CE. Da in der Regel die Klasse CE zusammen mit der Klasse
C erworben wird, hatte jede Lkw-Fahrschule pro Monat etwas mehr als
einen Lkw-Fahrschüler.
Bei der geringen
Auslastung in der Klasse D (2,51 Fahrschüler je Fahrschule) kann man
davon ausgehen, dass ein großer Teil dieser Fahrschulen ihre
Berechtigung nicht nutzt.
Auch in der Klasse
T konnte mit 3,36 Fahrschülern je Fahrschule keine rentable Auslastung
erreicht werden. Da diese Bewerber im theoretischen Unterricht aber zum
größten Teil zusammen mit den Lkw-Fahrschülern ausgebildet werden
können, ist ein flächendeckendes Angebot gleichwohl möglich.
-
Bewerber pro Unterrichtsraum
Betrachtet man die Anzahl
der Bewerber pro Unterrichtsraum, fällt die betriebswirtschaftliche
Beurteilung der Situation noch kritischer aus. Durchschnittlich bildeten
die Fahrschulen in ihren Unterrichtsräumen 40,21 Bewerber um eine
Pkw-Klasse aus. Angesichts dieses statistischen Wertes müssen die
laufenden Raumkosten und die Kosten des theoretischen Unterrichts mit
dem Grundbetrag von drei (3!) Fahrschülern gedeckt werden. Legt man die
in der Preisübersicht, FahrSchulPraxis März 2010, Seite 128, genannten
Werte zugrunde, dürfte dies kaum möglich sein. Der Betrieb der
Unterrichtsräume wird offensichtlich in vielen Fahrschulen über die
Entgelte für andere Leistungen subventioniert.
Zwar sind die
Kraftstoffkosten im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr etwas
zurückgegangen. Die Kosten für die Ausbildungsfahrzeuge jedoch sind nach
einer Untersuchung des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in den
letzten 15 Jahren um 34,3 % und damit deutlich stärker gestiegen als die
Verbraucherpreise, die nur um 20 % zugelegt haben.
Fahrerlaubnisprüfungen
-
Quoten der Theorieprüfung
Leider lassen die zur
Verfügung stehenden Zahlen keinen exakten Rückschluss auf das Bestehen
der Erstprüfungen zu, weil in der Statistik nur die Gesamtzahl der
Prüfungen und die darin enthaltene Anzahl der Wiederholungsprüfungen
angegeben sind. Auffällig ist, dass Quoten der bestandenen Prüfungen in
den einzelnen Klassen erheblich voneinander abweichen; das gilt
gleichermaßen für die theoretische wie für die praktische Prüfung.
Motorrad
Bei den Motorradklassen
erreichten die Bewerber um die Klasse A (unbeschränkt) mit 87,92% das
beste Ergebnis, gefolgt von den Bewerbern um die Klasse A
(beschränkt), die auf eine Quote von 80% kommen. Bei der Klasse M
liegt die Erfolgsquote bei 71,06%, bei der Klasse A1 bei 70,95%.
Nimmt man alle
Kraftradklassen zusammen, bestanden 78,27% der Bewerber die Prüfung.
Pkw
Bei den Pkw-Klassen gab
es deutliche Unterschiede zwischen den „normalen“ Bewerbern, die in
der Theorie eine Erfolgsquote von 67,6 % erreichten, und den
BF-17-Bewerbern, die mit 78,43 % wesentlich besser abschnitten. Der
deutliche Unterschied lässt sich sicher damit erklären, dass nur ganz
bestimmte Gruppen von Bewerbern an BF17 teilnehmen.
Nimmt man beide Gruppen
zusammen, kommen sie auf 71,33 %.
Lkw
Mit 90,23 % lagen die
Bewerber der Klasse C1 deutlich vor denen der Klasse C, die eine
Erfolgsquote von 81,62 % erreichten, und auch vor denen der Klasse CE
mit 87,31 %.
Bus
Da sich lediglich vier
Bewerber für die Klasse D1 interessierten, hat die Quote von 100% eher
Zufallscharakter. Bei der Klasse D lag die Erfolgsquote bei 87,53 %
Landwirtschaftliche Fahrzeuge
Die niedrigste
Erfolgsquote aller Klassen verzeichnete die Klasse L mit 64,96 %; bei
der Klasse T war das Ergebnis mit 66,11 % geringfügig besser.
Klasse
S
In dieser Klasse lag die
Erfolgsquote bei 66,23%.
-
Quoten der praktischen Prüfung
Bei den praktischen
Prüfungen zeigte sich ein sehr differenziertes Bild:
|
Klasse B |
Am schwächsten schnitten
mit 71,54 % die Bewerber um die „normale“ Klasse B ab. |
|
BF-17-Bewerber |
Sie erzielten eine Quote
von 79,67 %. |
|
Klasse T |
bestanden 96,64 %. Damit
ist diese Klasse der Spitzenreiter in der praktischen Prüfung.
|
|
Klasse S |
bestanden 95,56 %.
|
|
Klasse M |
bestanden 91,27 %.
|
|
Klasse A1 |
bestanden 89,77 %. Das
ist das schlechteste Ergebnis bei den Motorradklassen. |
|
Klasse A
(beschränkt)
|
bestanden 95,15 %.
|
|
Klasse A
(unbeschränkt) |
bestanden 93,72 %. |
|
Bus-Klassen
|
bestanden 92,27 %.
|
|
Lkw-Klassen
|
bestanden 90,26 %.
|
Die Pkw-Klassen fallen -
zusammengefasst - mit 75,17 % aus dem Rahmen. Sicher wäre es interessant
zu prüfen, worauf der Unterschied zu den anderen Klassen von mehr als 15
Prozentpunkten zurückzuführen ist.
Tätigkeiten
außerhalb
des Kerngeschäfts
Aktuell sind 913
Seminarleiter in Baden-Württemberg registriert. Davon sind 730
Fahrschulinhaber und 183 angestellte Fahrlehrer. Damit ist die Zahl der
Seminarleiter gegenüber dem Vorjahr um 43 zurückgegangen. Der Rückgang
betraf fast ausschließlich die angestellten Fahrlehrer.
Die überwiegende Anzahl
der Seminarleiter ist in Verteilerstellen organisiert, weil anders keine
ausreichende Anzahl von Teilnehmern zustande käme. Das ist aber wichtig,
weil sonst die den auffälligen Führerscheininhabern von der Behörde
verordnete Abgabefrist für die Teilnahmebescheinigung nicht eingehalten
werden könnte. Im Durchschnitt führt ein Seminarleiter im Abstand von
rund 10 Monaten ein Aufbauseminar für Fahranfänger im Rahmen der
Fahrerlaubnis auf Probe durch.
Punkteabbauseminare
kommen wesentlich seltener zustande; hier müssen Seminarleiter oft
länger als ein Jahr warten, bevor sie das nächste Seminar durchführen
können. Dies bedeutet natürlich für die betroffenen Seminarleiter eine
sehr intensive und zeitaufwändige Vorbereitung auf das jeweilige
Seminar.
-
Berufskraftfahrerqualifikation
Die Regelung über den
Erwerb der Berufskraftfahrerqualifikation gilt seit 10. September 2009
auch für Lkw-Fahrer. Sie müssen zusätzlich zur Fahrerlaubnis auch noch
den Nachweis der Grundqualifikationen erwerben, wenn sie gewerblich
Güter befördern. Außerdem sind alle unter das
Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz fallenden Lkw-Fahrer, unabhängig
vom Zeitpunkt des Erwerbs der Fahrerlaubnis, verpflichtet, innerhalb von
jeweils fünf Jahren an einer Fortbildung von mindestens 35 Stunden
teilzunehmen.
Weil CE- und
DE-Fahrschulen von Gesetzes wegen als Ausbildungsstätten anerkannt sind,
hat sich diesen Betrieben ein neues, interessantes Betätigungsfeld
eröffnet.
Der Verband hat
frühzeitig zu Informationsveranstaltungen eingeladen und allen
interessierten Mitgliedern Gelegenheit gegeben, sich auf diese Aufgabe
intensiv vorzubereiten. Teilweise bieten unsere Mitgliedsfahrschulen
sowohl Ausbildungs- als auch Fortbildungslehrgänge in eigener Regie an,
teilweise sind sie auch als Kooperationspartner für Speditionen und
Busunternehmen aktiv. In Verhandlungen konnten die Verantwortlichen im
Ministerium davon überzeugt werden, dass für Fahrschulen hinsichtlich
der Überwachung keine strengeren Regelungen gelten dürfen als für die
übrigen gesetzlich oder behördlich anerkannten Ausbildungsbetriebe.
Erfreulicherweise hat es
eine stattliche Zahl von Mitgliedsfahrschulen geschafft, sich gegenüber
den großen Anbietern wie SVG, TÜV- und Dekra-Akademie am Markt zu
etablieren. Fahrschulen haben als kleinere Unternehmen leichter die
Möglichkeit, flexibel auf Kundenwünsche einzugehen und auch Seminare für
kleinere Gruppen anzubieten. Wer sich kundenorientiert am Markt
positioniert, hat die Möglichkeit, sich in diesem Bereich ein
zusätzliches wirtschaftliches Standbein zu schaffen.
Das im Jahr 2006
entwickelte und den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellte
Nachbetreuungsprogramm
FIT IM VERKEHR wurde, wie schon
eingangs erwähnt, anfangs von den Fahrschulen nur sehr zögernd
angenommen. Deshalb hat die Mitgliederversammlung im Jahr 2009 die
Geschäftsstelle beauftragt, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, um Kunden
für dieses Programm zu gewinnen. Diesen Auftrag hat der Vorstand
umgesetzt und über 1000 Unternehmen mit größeren Fuhrparks
angeschrieben. Gegen Ende des Jahres konnten trotz Wirtschafts- und
Finanzkrise die ersten Teilnehmer für Fit-im-Verkehr-Seminare an
interessierte Mitgliedsfahrschulen vermittelt werden. Die
Geschäftsstelle wird diese Vermittlungstätigkeit auch in Zukunft
beibehalten.
-
Fahrtraining für Zivildienstleistende
Nachdem der
Bundesbeauftragte für den Zivildienst angeordnet hatte, dass alle
überwiegend im Fahrdienst beschäftigten Zivildienstleistende vor
Dienstantritt an einem Fahrtraining teilnehmen müssen, hat die
Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. mit Unterstützung des
Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. ein entsprechendes Programm
entwickelt. Dieses Programm wurde auch dem Bundesbeauftragten für den
Zivildienst vorgestellt und von diesem gutgeheißen.
Die ersten Kolleginnen
und Kollegen haben bereits an Einweisungsseminaren teilgenommen und
konnten sich damit zusätzliche Aufgaben erschließen. Zwar bieten auch
die großen Automobilclubs ihre Fahrsicherheitstrainings für
Zivildienstleistende an. Da Fahrschulen mit dem Programm der BVF aber
gezielt auf die Probleme der Zivildienstleistenden eingehen, dürften sie
selbst bei leicht höheren Preisen einen Wettbewerbsvorteil haben.
Angestellte
Fahrlehrer
und Fahrlehrerinnen
Die Anzahl der
hauptberuflichen angestellten Fahrlehrer stieg im Jahr 2009 von 1.001 um
73 auf 1.074, die der nebenberuflich beschäftigten erhöhte sich um 39
von 1.236 auf 1.275. Damit kommen auf 100 in Vollzeit beschäftigte
Fahrlehrer 119 nebenberufliche. Ein Teil der nebenberuflich tätigen
Fahrlehrer sucht keine Vollzeitbeschäftigung als Fahrlehrer, weil diese
Kolleginnen und Kollegen sich entweder um die Kindererziehung kümmern
oder noch in einem anderen Beruf tätig sind. Die Annahme, dass vier
teilzeitbeschäftigte Fahrlehrer einen Vollzeit-Fahrlehrer arbeitsmäßig
ersetzen, erscheint realistisch.
Legt man die aus Umfragen
bekannten Fahrstundenzahlen der einzelnen Klassen zu Grunde, gibt es in
Baden-Württemberg nach wie vor ein deutliches Überangebot an
Ausbildungsleistung. Gleichwohl ist es für Fahrschulinhaber oft sehr
schwer, gute Mitarbeiter zu finden. Dieser scheinbare Widerspruch
erklärt sich zum einen dadurch, dass Fahrlehrer in einem guten
Beschäftigungsverhältnis den Arbeitgeber nicht wechseln. Teilweise
könnte es auch an der mangelnden Qualität der Stellensuchenden liegen.
Aufgrund der vorliegenden Wirtschaftsdaten ist davon auszugehen, dass
ein Teil der Fahrschulen in Baden-Württemberg nicht gut ausgelastet ist.
Durch Unterstützung des
Staatsministeriums ist es gelungen, ein Modell zu entwickeln, das es den
Fahrschulen ermöglicht, einen nicht voll ausgelasteten angestellten
Fahrlehrer einer anderen Fahrschule zu überlassen. Die Arbeitsleistung
kann zwischen den Fahrschulen abgerechnet werden, sodass nicht beide
Fahrschulinhaber verpflichtet sind, eine Lohnbuchhaltung zu führen.
Angestellte Fahrlehrer
Voll- und teilzeitbeschäftigte Fahrlehrer
Entwicklung 1995-2009

Diagrammwerte:
|
Jahr |
Vollzeit |
Teilzeit |
Jahr |
Vollzeit |
Teilzeit |
|
1995 |
812 |
1.378 |
2003 |
933 |
1.468 |
|
1996 |
841 |
1.368 |
2004 |
893 |
1.652 |
|
1997 |
894 |
1.425 |
2005 |
881 |
1.290 |
|
1998 |
970 |
1.475 |
2006 |
861 |
1.290 |
|
1999 |
979 |
1.530 |
2007 |
927 |
1.273 |
|
2000 |
971 |
1.545 |
2008 |
1.001 |
1.236 |
|
2001 |
952 |
1.530 |
|
|
|
|
2002 |
947 |
1.483 |
2009 |
1.074 |
1.275 |
Auf Nachfrage der
Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. hat die Grundsatzabteilung
der Deutschen Rentenversicherung schriftlich bestätigt, dass Fahrlehrer
nicht als freie Mitarbeiter beschäftigt werden dürfen. Man kann deshalb
davon ausgehen, dass künftig bei Prüfungen in den Fahrschulen freie
Mitarbeiter nicht akzeptiert werden. Damit wurde zum einen für die
Fahrschulinhaber Wettbewerbsgleichheit geschaffen, zum anderen werden
beschäftigte Fahrlehrer nicht mehr um den Arbeitgeberanteil zu den
Sozialabgaben geprellt.
Der Anteil der Frauen im
Beruf stieg gegenüber dem Vorjahr wieder leicht an. 95 Frauen waren als
Fahrschulinhaberinnen tätig. Damit betrug der Anteil der Frauen bei den
Selbstständigen 5,04%. 365 Fahrlehrerinnen waren als Angestellte
beschäftigt; der Frauenanteil bei den beschäftigten Fahrlehrern betrug
15,54%.
Unfallstatistik
Erfreulicherweise ist in
Baden-Württemberg nicht nur die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten,
sondern auch die der Verletzten in den letzten Jahren kontinuierlich
zurückgegangen. Die Zahl der an den Folgen von Verkehrsunfällen
gestorbenen Personen sank von 828 im Jahr 2000 auf 535 im Jahr 2009; die
der Verletzten von 58.795 auf 46.902. Diese erfreuliche Entwicklung wird
meistens den verbesserten Bedingungen im Rettungswesen, Straßenbau und
technischen Entwicklungen im Kraftfahrzeugbau zugeschrieben. Betrachtet
man aber die Zahl der Unfälle insgesamt, so ist auch dort ein spürbarer
Rückgang zu verzeichnen. Ereigneten sich im Jahr 2000 noch 43.371
Unfälle mit Personenschäden sank, diese Zahl auf 35.922 im Jahr 2009.
Ganz sicher dürfen sich auch die Fahrschulen einen Teil der Verbesserung
des Unfallgeschehens auf ihre Fahnen schreiben. Die Entwicklung ist
beachtlich, aber noch weit von gut entfernt und darf deshalb nicht dazu
führen, die Hände in den Schoß zu legen; sie muss vielmehr auch für die
Fahrschulen Ansporn sein, durch intensive Arbeit weiter zur Minderung
der Verkehrsunfälle beizutragen.
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