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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Mai/2010, Seite 228 ff.

Geschäftsbericht 2009 des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e. V.

A Bericht zum Jahr 2009

Die demografische Entwicklung / FIT IM VERKEHR

Regelmäßig wies der Verband seine Mitglieder in den letzten Jahren auf die demografische Entwicklung hin, die zu einem deutlichen Rückgang des Kerngeschäfts der Fahrschulen, der Ausbildung von Führerscheinbewerbern, führen wird. In Baden-Württemberg wird die Zahl der Achtzehnjährigen ab dem Jahr 2011 kontinuierlich zurückgehen. Deshalb hat der Verband im Jahr 2006 das Programm FIT IM VERKEHR entwickelt und es den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellt. Noch bieten viel zu wenige Fahrschulinhaber dieses Programm an und versäumen damit, sich neue Kundengruppen zu erschließen. Nach der Fahrschüler-Ausbildungsordnung soll in der Fahrausbildung „das selbstverantwortliche Weiterlernen nach dem Erwerb der Fahrerlaubnis“ gefördert werden. Noch zu wenige Fahrschulinhaber haben verstanden, dass lebenslanges Lernen nicht nur für die jungen Fahrer gilt, sondern für alle Führerscheininhaber. Hier ist ein kontinuierlich wachsendes Marktsegment entstanden. Die Fahrschulen sollten sich beeilen, hier ihren Claim abzustecken, bevor dort andere ihre Flagge hissen.

Anerkennung ausländischer Fahrlehrerscheine

Im Jahr 2008 musste die europäische Berufsanerkennungsrichtlinie umgesetzt werden. Die erforderlichen Änderungen im Fahrlehrergesetz können eine erhebliche Einbuße an Ausbildungsqualität künftiger Fahrlehrer bedeuten, weil ein im europäischen Ausland erworbener Fahrlehrerschein prüfungsfrei in eine deutsche Fahrlehrerlaubnis umgewandelt werden muss. Die ersten dubiosen Geschäftemacher haben bereits damit begonnen, Fahrlehreranwärter, die den deutschen Anforderungen nicht genügten, in europäische Nachbarländer zu locken, um sie dort auf niedrigem Niveau zu Fahrlehrern zu machen. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die bestehenden Regeln zu ändern, um diesen Missbrauch zu verhindern.

Wirtschaftsdaten des
Fahrschulmarktes in
Baden-Württemberg

  • Anzahl der Bewerber

Gegenüber dem Jahr 2008 ging die Zahl der Achtzehnjährigen im Jahr 2009 um knapp 1.000 auf 108.126 zurück. Dabei wird es auch 2011 in etwa bleiben, um dann fortlaufend weniger zu werden.

Die Anzahl der Führerscheinbewerber in allen Klassen sank von 203.091 im Jahr 2008 um 8.283 auf 194.808 im Jahr 2009.

Nur die Umsetzung der EG-Richtlinie zur Grundqualifikation der Lkw-Fahrer verhinderte einen noch stärkeren Einbruch, weil in den Lkw-Klassen eine Steigerung um 7.197 Führerscheinbewerber zu verzeichnen war.

Dieser Steigerung stand bei den Pkw-Klassen ein Minus von 13.212 gegenüber.

Führerscheinfähige 18-Jährige
in Baden-Württemberg 2005-2022

Diagrammwerte:

Jahr

Anzahl

Jahr

Anzahl

Jahr

Anzahl

2005

95.303

2011

108.543

2017

99.335

2006

101.777

2012

104.326

2018

97.684

2007

102.672

2013

103.462

2019

93.257

2008

109.093

2014

105.484

2020

91.635

2009

108.126

2015

107.105

2021

89.788

2010

108.154

2016

102.172

2022

88.921

Unter Berücksichtigung der Sterbeziffer und der Fahruntauglichen. Nach Zahlen des Statistischen Landesamtes.

  • Motorrad

Das Interesse am Motorradfahren scheint bei Jugendlichen kontinuierlich nachzulassen. Nur so ist die gegenüber dem Vorjahr wiederum geringere Anzahl der Bewerber zu erklären, die den nun seit mehr als 10 Jahren anhaltenden Rückgang fortsetzte. Zwar waren in der unbeschränkten Klasse A (5.891 Bewerber gegenüber 5.409 im Jahr 2008) und in der Klasse A1 (4.745 Bewerber gegenüber 4.617 im Jahr 2008) leichte Zugänge zu verzeichnen, diesen standen aber in den Klassen A beschränkt (12.326 Bewerber gegenüber 13.058 im Jahr 2008) und M (4.653 Bewerber gegenüber 5.496 im Jahr 2008) deutliche Rückgänge gegenüber.

Nimmt man alle Motorradklassen zusammen, wollten 965 Personen weniger als im Vorjahr einen Motorradführerschein erwerben. Der Rückgang bei der Klasse M dürfte zumindest teilweise darauf zurückzuführen sein, dass diese Klasse beim Erwerb der Fahrerlaubnis im Rahmen des “Begleiteten Fahrens” automatisch mit erteilt wird. Da in allen Bundesländern mit der Einführung des “Begleiteten Fahrens” zum einen die Zahl der Führerscheinbewerber in der Moped-Klasse zurückgehen, gleichzeitig aber die Zahl der Unfälle mit Kleinkrafträdern zugenommen hat, ist der Gesetzgeber gefordert zu prüfen, ob der Einschluss der Klasse M bei BF17 weiterhin verantwortet werden kann.

  • Mofa

Das schon mehrfach totgesagte Mofa hatte im abgelaufenen Jahr erneut das stärkste Wachstum bei allen Zweirädern zu verzeichnen. Die Zahl der ausgehändigten Mofa-Prüfbescheinigungen stieg von 10.123 um 971 auf 11.094. Wie schon im Vorjahr wurden damit mehr Mofa-Prüfbescheinigungen erteilt als Fahrerlaubnisse in den Klassen M und A1 zusammengenommen.

  • Pkw

Sieht man den „normalen“ Erwerb der Klasse B für sich, hatte 2008 mit Einführung des Begleiteten Fahrens die Anzahl der Führerscheinbewerber gegenüber 2007 um rund 16.000 abgenommen. Diese Entwicklung setzte sich im Jahr 2009 deutlich stärker fort. 82.733 Bewerber, das waren 23.757 weniger als im Vorjahr, wollten 2009 Klasse B auf dem üblichen Weg erwerben. Dagegen stieg die Anzahl der BF-17-Bewerber um 10.257 auf 51.095. Allerdings konnte das den Rückgang bei der Klasse B bei Weitem nicht ausgleichen.

Auch bei der Anhängerklasse BE war lediglich im Bereich des Begleiteten Fahrens eine Zunahme um 743 zu verzeichnen, der bei der „normalen“ Klasse BE ein Rückgang von 455 gegenüberstand.

Geht man in der Klasse B von durchschnittlichen Ausbildungskosten von 1.700 € aus, hatten die baden-württembergischen Fahrschulen allein im Pkw-Bereich eine Umsatzeinbuße von mehr als 2 Millionen Euro zu verzeichnen.

  • Begleitetes Fahren mit 17 (BF17)

Im Jahr der Einführung des Begleiteten Fahrens lag der Anteil der BF-17-Bewerber an der Klasse B bei 27,72%. Dieser Anteil stieg im Jahr 2009 auf 38,18% an und dürfte damit wohl den Höchstwert erreicht haben. Das Begleitete Fahren wird von Jugendlichen in Anspruch genommen, deren Eltern die Sicherheit ihrer jungen Fahranfänger besonders wichtig ist, die ein geeignetes Fahrzeug besitzen und die bereit sind, sich als Begleiter zur Verfügung zu stellen. Das Engagement der Eltern dürfte neben der Tatsache der längeren Erfahrungsbildung Erklärung dafür sein, dass die Teilnehmer an BF 17 nach der Begleitphase deutlich seltener in Unfälle verwickelt sind als andere junge Fahranfänger.

Gesamtzahl der Schüler
2000-2009

(praktische Prüfung ohne Wiederholung)

Diagrammwerte:

 

Krad

Pkw

Lkw

Bus

L+T

S*

 

 

 

davon
BF17**

 

 

 

 

2000

37.291

121.780

 

8.316

962

3.729

 

2001

34.669

116.621

 

8.540

864

3.754

 

2002

34.764

119.314

 

9.040

1.034

3.818

 

2003

33.686

117.796

 

9.714

1.121

3.731

 

2004

34.412

123.421

 

10.859

1.004

3.493

 

2005

32.261

122.962

 

9.895

723

3.963

61

2006

33.499

125.458

 

11.197

689

4.115

44

2007

31.966

128.166

 

14.253

694

4.168

50

2008

28.580

153.684

42.138

16.223

1.091

3.513

42

2009

27.615

140.472

53.138

23.420

871

2.387

43

 

*Neue Klasse seit 2005 / **Einführung in Baden-Württemberg 2008

  • Lkw

Weil am 10. September 2009 die Regelung über die Grundqualifikation von Lkw-Fahrern in Kraft trat, war das Interesse am Lkw-Führerschein in den ersten drei Quartalen des Jahres 2009 besonders groß. Zwar hatte es in den beiden vorangegangenen Jahren schon deutliche Steigerungen in den Lkw-Klassen gegeben, gleichwohl stieg in der Klasse C die Anzahl der Interessenten von 8.364 auf 12.493; in der Klasse CE von 7.581 auf 10.613. Da die überwiegende Zahl der C-Bewerber zeitgleich die Klasse CE mit beantragte, konnte für diese Lkw-Klassen ein Zuwachs von 7.197 Bewerbern verzeichnet werden. Auch bei den Klassen C1 und C1E waren geringe Zuwächse zu verzeichnen: Die Klasse C1 verzeichnete 242 Bewerber, das waren 23 mehr als im Vorjahr. In der Klasse C1E stieg die Anzahl der Bewerber von 59 um 13 auf 72.

Man muss davon ausgehen, dass im Jahr 2010 die Anzahl der Bewerber in allen Lkw-Klassen wegen des hohen Aufwands für den Erwerb der Grundqualifikationen wieder deutlich abnehmen wird.

  • Bus

Von neu hinzukommenden Busfahrern wurde die Grundqualifikation bereits ab 10.09.2008 verlangt. Das hatte 2008 eine deutliche Steigerung der Bus-Fahrerlaubnisse zur Folge, jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau als bei den Lkw-Klassen. Im Jahr 2009 nahm das Interesse an der Klasse D wieder deutlich ab und erreichte mit 772 (Vorjahr 1.036) die aus früheren Jahren gewohnte Nachfrage. Allerdings setzte sich in der Klasse DE mit einer Zunahme von 47 Bewerbern der Trend der Vorjahre fort. Da die Klasse CE nicht mehr Voraussetzung für den Erwerb einer Bus-Fahrerlaubnis ist, müssen offensichtlich immer mehr Busfahrer die Anhängerklasse gesondert erwerben.

  • Landwirtschaftliche Fahrzeuge

Bei den landwirtschaftlichen Klassen setzte sich sowohl bei der Klasse L der Abwärtstrend (-196) als auch bei der Klasse T der Aufwärtstrend (+240) fort. Nur noch 1.170 Bewerber (Vorjahr 1.366) wollten die leichtere Klasse L erwerben, während sich 2.387 für die Klasse T (Vorjahr 2.147) entschieden.

  • Klasse S

Die auf Druck der Europäischen Gemeinschaft im Jahr 2005 eingeführte Klasse S stößt in der Bevölkerung nach wie vor auf äußerst geringes Interesse. Gegenüber dem Vorjahr kam ein Bewerber hinzu, statt 42 waren es 43 im Jahr 2009.

Bewerber 2009 -aufgeschlüsselt nach Führerscheinklassen

(Angaben in Prozent)


Rundungsdifferenz = 0,01%

  • Entwicklung der Betriebsstellen

Ende des Jahres 2009 waren in Baden-Württemberg 1.886 Fahrschulen zugelassen. Diese betreiben 1.626 Zweigstellen. Die Anzahl der Fahrschulen ist im Berichtsjahr um sieben gestiegen, die der Zweigstellen ist um drei gefallen, sodass in Baden-Württemberg insgesamt vier Unterrichtsräume mehr als im Vorjahr vorhanden sind.

Bei sinkenden Schülerzahlen bedeutet dies, dass der Betrieb vieler Unterrichtsräume immer unwirtschaftlicher wird.

Anzahl der Haupt- und Zweigstellen
1995-2009

Diagrammwerte:

Jahr

Haupt-
stellen

Zweig-
stellen

Jahr

Haupt-
stellen

Zweig-
stellen

1995

1.857

1.441

2003

1.853

1.568

1996

1.913

1.515

2004

1.840

1.546

1997

1.914

1.530

2005

1.845

1.560

1998

1.934

1.589

2006

1.870

1.600

1999

1.907

1.528

2007

1.881

1.603

2000

1.904

1.556

2008

1.879

1.629

2001

1.860

1.563

 

 

 

2002

1.850

1.591

2009

1.886

1.626

  • Zweigstellen

Im Durchschnitt hatte eine Fahrschule in Baden-Württemberg 0,86 Zweigstellen. Die Anzahl der Fahrschulen ohne Zweigstellen hat gegenüber dem Vorjahr um 11 zugenommen. Die Anzahl der Fahrschulen mit drei Zweigstellen nahm um 10 zu, während die der Fahrschulen mit einer Zweigstelle um sieben und die der Fahrschulen mit zwei Zweigstellen um 13 zurückging.

Die Verteilung im Land ist aber sehr unterschiedlich. In Tübingen wird mit 1,56 Zweigstellen pro Fahrschulerlaubnis der höchste Wert erreicht, während die Stadt Pforzheim nur 0,36 Zweigstellen je Fahrschulerlaubnis meldet.

  • Rechtsformen

Die Fahrschulen in Baden-Württemberg sind überwiegend Einzelunternehmen. 133 Fahrschulinhaber haben sich für die Gemeinschaftsfahrschule entschieden. Derzeit sind 60 Gemeinschaftsfahrschulen registriert. Das bedeutet, die meisten Gemeinschaftsfahrschulen haben nur zwei Gesellschafter. Darüber hinaus gibt es 196 Fahrschulen in der Rechtsform einer juristischen Person (GmbH).

  • Überkapazität

Mit dem Problem der Überkapazitäten beschäftigt sich seit Jahren das „Branchen special“ der Volksbanken. Dort heißt es u. a.:

„Da sich die Anzahl der Fahranfänger aus demographischen Gründen bis 2025 dramatisch verringern wird, droht sich das Problem der ohnehin schon vorhandenen Überkapazitäten am Markt deutlich zu verstärken. Dazu kommt, dass viele Fahrschulen auch noch mehrere Filialen unterhalten. Schon mittelfristig werden nicht genug Fahrschüler vorhanden sein, um alle diese Filialen rentabel zu halten. Nur wenn sich die Anzahl der Fahrschulen in den kommenden Jahren erheblich reduziert, haben die im Markt verbleibenden Unternehmen eine reelle Erfolgschance.“

  • Umsätze

Aus dem Bericht ergibt sich weiter, dass

  • 2.980 der insgesamt 13.179 Fahrschulen in Deutschland Umsätze zwischen 17.500 und 50.000 € pro Jahr erzielen.
     
  • 4.489 Fahrschulen kommen auf Umsätze zwischen 50.000 und 100.000 €.

Das bedeutet, dass mehr als die Hälfte (56,7 %) der Fahrschulen in Deutschland einen Jahresumsatz von maximal 100.000 € erzielt.

  • 4.530 Fahrschulen (34,4 %) liegen in der Umsatzklasse zwischen 100.000 und 250.000 € und
     
  • 939 Fahrschulen (7,1 %) liegen im Umsatzbereich zwischen 250.000 und 500.000 € pro Jahr.
     
  • Die restlichen 241 Fahrschulen (1,8 %) haben Umsätze von mehr als 500.000 €.

Es darf davon ausgegangen werden, dass in unserem Bundesland der Anteil der Fahrschulen mit einem Umsatz von weniger als 100.000 € niedriger liegen dürfte als im Bundesdurchschnitt.

  • Fahrschüler pro Fahrschule

Fasst man die Bewerber der einzelnen Klassen zu Gruppen zusammen, hatte jede Fahrschule - statistisch gesehen - 75,57 Pkw- und 16,14 Motorrad-Fahrschüler.

Auf jede Fahrschule mit der Fahrschulerlaubnis CE kamen 17,6 Bewerber um die Klasse C und 14,95 um die Klasse CE. Da in der Regel die Klasse CE zusammen mit der Klasse C erworben wird, hatte jede Lkw-Fahrschule pro Monat etwas mehr als einen Lkw-Fahrschüler.

Bei der geringen Auslastung in der Klasse D (2,51 Fahrschüler je Fahrschule) kann man davon ausgehen, dass ein großer Teil dieser Fahrschulen ihre Berechtigung nicht nutzt.

 Auch in der Klasse T konnte mit 3,36 Fahrschülern je Fahrschule keine rentable Auslastung erreicht werden. Da diese Bewerber im theoretischen Unterricht aber zum größten Teil zusammen mit den Lkw-Fahrschülern ausgebildet werden können, ist ein flächendeckendes Angebot gleichwohl möglich.

  • Bewerber pro Unterrichtsraum

Betrachtet man die Anzahl der Bewerber pro Unterrichtsraum, fällt die betriebswirtschaftliche Beurteilung der Situation noch kritischer aus. Durchschnittlich bildeten die Fahrschulen in ihren Unterrichtsräumen 40,21 Bewerber um eine Pkw-Klasse aus. Angesichts dieses statistischen Wertes müssen die laufenden Raumkosten und die Kosten des theoretischen Unterrichts mit dem Grundbetrag von drei (3!) Fahrschülern gedeckt werden. Legt man die in der Preisübersicht, FahrSchulPraxis März 2010, Seite 128, genannten Werte zugrunde, dürfte dies kaum möglich sein. Der Betrieb der Unterrichtsräume wird offensichtlich in vielen Fahrschulen über die Entgelte für andere Leistungen subventioniert.

  • Kosten

Zwar sind die Kraftstoffkosten im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr etwas zurückgegangen. Die Kosten für die Ausbildungsfahrzeuge jedoch sind nach einer Untersuchung des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in den letzten 15 Jahren um 34,3 % und damit deutlich stärker gestiegen als die Verbraucherpreise, die nur um 20 % zugelegt haben.

Fahrerlaubnisprüfungen

  • Quoten der Theorieprüfung

Leider lassen die zur Verfügung stehenden Zahlen keinen exakten Rückschluss auf das Bestehen der Erstprüfungen zu, weil in der Statistik nur die Gesamtzahl der Prüfungen und die darin enthaltene Anzahl der Wiederholungsprüfungen angegeben sind. Auffällig ist, dass Quoten der bestandenen Prüfungen in den einzelnen Klassen erheblich voneinander abweichen; das gilt gleichermaßen für die theoretische wie für die praktische Prüfung.

Motorrad

Bei den Motorradklassen erreichten die Bewerber um die Klasse A (unbeschränkt) mit 87,92% das beste Ergebnis, gefolgt von den Bewerbern um die Klasse A (beschränkt), die auf eine Quote von 80% kommen. Bei der Klasse M liegt die Erfolgsquote bei 71,06%, bei der Klasse A1 bei 70,95%.

Nimmt man alle Kraftradklassen zusammen, bestanden 78,27% der Bewerber die Prüfung.

Pkw

Bei den Pkw-Klassen gab es deutliche Unterschiede zwischen den „normalen“ Bewerbern, die in der Theorie eine Erfolgsquote von 67,6 % erreichten, und den BF-17-Bewerbern, die mit 78,43 % wesentlich besser abschnitten. Der deutliche Unterschied lässt sich sicher damit erklären, dass nur ganz bestimmte Gruppen von Bewerbern an BF17 teilnehmen.

Nimmt man beide Gruppen zusammen, kommen sie auf 71,33 %.

Lkw

Mit 90,23 % lagen die Bewerber der Klasse C1 deutlich vor denen der Klasse C, die eine Erfolgsquote von 81,62 % erreichten, und auch vor denen der Klasse CE mit 87,31 %.

Bus

Da sich lediglich vier Bewerber für die Klasse D1 interessierten, hat die Quote von 100% eher Zufallscharakter. Bei der Klasse D lag die Erfolgsquote bei 87,53 %

Landwirtschaftliche Fahrzeuge

Die niedrigste Erfolgsquote aller Klassen verzeichnete die Klasse L mit 64,96 %; bei der Klasse T war das Ergebnis mit 66,11 % geringfügig besser.

Klasse S

In dieser Klasse lag die Erfolgsquote bei 66,23%.

  • Quoten der praktischen Prüfung

Bei den praktischen Prüfungen zeigte sich ein sehr differenziertes Bild:

Klasse B

Am schwächsten schnitten mit 71,54 % die Bewerber um die „normale“ Klasse B ab.

BF-17-Bewerber

Sie erzielten eine Quote von 79,67 %.

Klasse T

bestanden 96,64 %. Damit ist diese Klasse der Spitzenreiter in der praktischen Prüfung.

Klasse S

bestanden 95,56 %.

Klasse M

bestanden 91,27 %.

Klasse A1

bestanden 89,77 %. Das ist das schlechteste Ergebnis bei den Motorradklassen.

Klasse A
(beschränkt)

bestanden 95,15 %.

Klasse A
(unbeschränkt)

bestanden 93,72 %.

Bus-Klassen

bestanden 92,27 %.

Lkw-Klassen

bestanden 90,26 %.

Die Pkw-Klassen fallen - zusammengefasst - mit 75,17 % aus dem Rahmen. Sicher wäre es interessant zu prüfen, worauf der Unterschied zu den anderen Klassen von mehr als 15 Prozentpunkten zurückzuführen ist.

Tätigkeiten außerhalb
des Kerngeschäfts

  • Aufbauseminare

Aktuell sind 913 Seminarleiter in Baden-Württemberg registriert. Davon sind 730 Fahrschulinhaber und 183 angestellte Fahrlehrer. Damit ist die Zahl der Seminarleiter gegenüber dem Vorjahr um 43 zurückgegangen. Der Rückgang betraf fast ausschließlich die angestellten Fahrlehrer.

Die überwiegende Anzahl der Seminarleiter ist in Verteilerstellen organisiert, weil anders keine ausreichende Anzahl von Teilnehmern zustande käme. Das ist aber wichtig, weil sonst die den auffälligen Führerscheininhabern von der Behörde verordnete Abgabefrist für die Teilnahmebescheinigung nicht eingehalten werden könnte. Im Durchschnitt führt ein Seminarleiter im Abstand von rund 10 Monaten ein Aufbauseminar für Fahranfänger im Rahmen der Fahrerlaubnis auf Probe durch.

Punkteabbauseminare kommen wesentlich seltener zustande; hier müssen Seminarleiter oft länger als ein Jahr warten, bevor sie das nächste Seminar durchführen können. Dies bedeutet natürlich für die betroffenen Seminarleiter eine sehr intensive und zeitaufwändige Vorbereitung auf das jeweilige Seminar.

  • Berufskraftfahrerqualifikation

Die Regelung über den Erwerb der Berufskraftfahrerqualifikation gilt seit 10. September 2009 auch für Lkw-Fahrer. Sie müssen zusätzlich zur Fahrerlaubnis auch noch den Nachweis der Grundqualifikationen erwerben, wenn sie gewerblich Güter befördern. Außerdem sind alle unter das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz fallenden Lkw-Fahrer, unabhängig vom Zeitpunkt des Erwerbs der Fahrerlaubnis, verpflichtet, innerhalb von jeweils fünf Jahren an einer Fortbildung von mindestens 35 Stunden teilzunehmen.

Weil CE- und DE-Fahrschulen von Gesetzes wegen als Ausbildungsstätten anerkannt sind, hat sich diesen Betrieben ein neues, interessantes Betätigungsfeld eröffnet.

Der Verband hat frühzeitig zu Informationsveranstaltungen eingeladen und allen interessierten Mitgliedern Gelegenheit gegeben, sich auf diese Aufgabe intensiv vorzubereiten. Teilweise bieten unsere Mitgliedsfahrschulen sowohl Ausbildungs- als auch Fortbildungslehrgänge in eigener Regie an, teilweise sind sie auch als Kooperationspartner für Speditionen und Busunternehmen aktiv. In Verhandlungen konnten die Verantwortlichen im Ministerium davon überzeugt werden, dass für Fahrschulen hinsichtlich der Überwachung keine strengeren Regelungen gelten dürfen als für die übrigen gesetzlich oder behördlich anerkannten Ausbildungsbetriebe.

Erfreulicherweise hat es eine stattliche Zahl von Mitgliedsfahrschulen geschafft, sich gegenüber den großen Anbietern wie SVG, TÜV- und Dekra-Akademie am Markt zu etablieren. Fahrschulen haben als kleinere Unternehmen leichter die Möglichkeit, flexibel auf Kundenwünsche einzugehen und auch Seminare für kleinere Gruppen anzubieten. Wer sich kundenorientiert am Markt positioniert, hat die Möglichkeit, sich in diesem Bereich ein zusätzliches wirtschaftliches Standbein zu schaffen.

Das im Jahr 2006 entwickelte und den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellte Nachbetreuungsprogramm FIT IM VERKEHR wurde, wie schon eingangs erwähnt, anfangs von den Fahrschulen nur sehr zögernd angenommen. Deshalb hat die Mitgliederversammlung im Jahr 2009 die Geschäftsstelle beauftragt, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, um Kunden für dieses Programm zu gewinnen. Diesen Auftrag hat der Vorstand umgesetzt und über 1000 Unternehmen mit größeren Fuhrparks angeschrieben. Gegen Ende des Jahres konnten trotz Wirtschafts- und Finanzkrise die ersten Teilnehmer für Fit-im-Verkehr-Seminare an interessierte Mitgliedsfahrschulen vermittelt werden. Die Geschäftsstelle wird diese Vermittlungstätigkeit auch in Zukunft beibehalten.

  • Fahrtraining für Zivildienstleistende

Nachdem der Bundesbeauftragte für den Zivildienst angeordnet hatte, dass alle überwiegend im Fahrdienst beschäftigten Zivildienstleistende vor Dienstantritt an einem Fahrtraining teilnehmen müssen, hat die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. mit Unterstützung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V. ein entsprechendes Programm entwickelt. Dieses Programm wurde auch dem Bundesbeauftragten für den Zivildienst vorgestellt und von diesem gutgeheißen.

Die ersten Kolleginnen und Kollegen haben bereits an Einweisungsseminaren teilgenommen und konnten sich damit zusätzliche Aufgaben erschließen. Zwar bieten auch die großen Automobilclubs ihre Fahrsicherheitstrainings für Zivildienstleistende an. Da Fahrschulen mit dem Programm der BVF aber gezielt auf die Probleme der Zivildienstleistenden eingehen, dürften sie selbst bei leicht höheren Preisen einen Wettbewerbsvorteil haben.

Angestellte Fahrlehrer
und Fahrlehrerinnen

  • Angestellte Fahrlehrer

Die Anzahl der hauptberuflichen angestellten Fahrlehrer stieg im Jahr 2009 von 1.001 um 73 auf 1.074, die der nebenberuflich beschäftigten erhöhte sich um 39 von 1.236 auf 1.275. Damit kommen auf 100 in Vollzeit beschäftigte Fahrlehrer 119 nebenberufliche. Ein Teil der nebenberuflich tätigen Fahrlehrer sucht keine Vollzeitbeschäftigung als Fahrlehrer, weil diese Kolleginnen und Kollegen sich entweder um die Kindererziehung kümmern oder noch in einem anderen Beruf tätig sind. Die Annahme, dass vier teilzeitbeschäftigte Fahrlehrer einen Vollzeit-Fahrlehrer arbeitsmäßig ersetzen, erscheint realistisch.

Legt man die aus Umfragen bekannten Fahrstundenzahlen der einzelnen Klassen zu Grunde, gibt es in Baden-Württemberg nach wie vor ein deutliches Überangebot an Ausbildungsleistung. Gleichwohl ist es für Fahrschulinhaber oft sehr schwer, gute Mitarbeiter zu finden. Dieser scheinbare Widerspruch erklärt sich zum einen dadurch, dass Fahrlehrer in einem guten Beschäftigungsverhältnis den Arbeitgeber nicht wechseln. Teilweise könnte es auch an der mangelnden Qualität der Stellensuchenden liegen. Aufgrund der vorliegenden Wirtschaftsdaten ist davon auszugehen, dass ein Teil der Fahrschulen in Baden-Württemberg nicht gut ausgelastet ist.

Durch Unterstützung des Staatsministeriums ist es gelungen, ein Modell zu entwickeln, das es den Fahrschulen ermöglicht, einen nicht voll ausgelasteten angestellten Fahrlehrer einer anderen Fahrschule zu überlassen. Die Arbeitsleistung kann zwischen den Fahrschulen abgerechnet werden, sodass nicht beide Fahrschulinhaber verpflichtet sind, eine Lohnbuchhaltung zu führen.

Angestellte Fahrlehrer
Voll- und teilzeitbeschäftigte Fahrlehrer
Entwicklung 1995-2009

Diagrammwerte:

Jahr

Vollzeit

Teilzeit

Jahr

Vollzeit

Teilzeit

1995

812

1.378

2003

933

1.468

1996

841

1.368

2004

893

1.652

1997

894

1.425

2005

881

1.290

1998

970

1.475

2006

861

1.290

1999

979

1.530

2007

927

1.273

2000

971

1.545

2008

1.001

1.236

2001

952

1.530

 

 

 

2002

947

1.483

2009

1.074

1.275

  • Freie Mitarbeiter

Auf Nachfrage der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. hat die Grundsatzabteilung der Deutschen Rentenversicherung schriftlich bestätigt, dass Fahrlehrer nicht als freie Mitarbeiter beschäftigt werden dürfen. Man kann deshalb davon ausgehen, dass künftig bei Prüfungen in den Fahrschulen freie Mitarbeiter nicht akzeptiert werden. Damit wurde zum einen für die Fahrschulinhaber Wettbewerbsgleichheit geschaffen, zum anderen werden beschäftigte Fahrlehrer nicht mehr um den Arbeitgeberanteil zu den Sozialabgaben geprellt.

  • Frauen im Beruf

Der Anteil der Frauen im Beruf stieg gegenüber dem Vorjahr wieder leicht an. 95 Frauen waren als Fahrschulinhaberinnen tätig. Damit betrug der Anteil der Frauen bei den Selbstständigen 5,04%. 365 Fahrlehrerinnen waren als Angestellte beschäftigt; der Frauenanteil bei den beschäftigten Fahrlehrern betrug 15,54%.

Unfallstatistik

Erfreulicherweise ist in Baden-Württemberg nicht nur die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten, sondern auch die der Verletzten in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Die Zahl der an den Folgen von Verkehrsunfällen gestorbenen Personen sank von 828 im Jahr 2000 auf 535 im Jahr 2009; die der Verletzten von 58.795 auf 46.902. Diese erfreuliche Entwicklung wird meistens den verbesserten Bedingungen im Rettungswesen, Straßenbau und technischen Entwicklungen im Kraftfahrzeugbau zugeschrieben. Betrachtet man aber die Zahl der Unfälle insgesamt, so ist auch dort ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen. Ereigneten sich im Jahr 2000 noch 43.371 Unfälle mit Personenschäden sank, diese Zahl auf 35.922 im Jahr 2009. Ganz sicher dürfen sich auch die Fahrschulen einen Teil der Verbesserung des Unfallgeschehens auf ihre Fahnen schreiben. Die Entwicklung ist beachtlich, aber noch weit von gut entfernt und darf deshalb nicht dazu führen, die Hände in den Schoß zu legen; sie muss vielmehr auch für die Fahrschulen Ansporn sein, durch intensive Arbeit weiter zur Minderung der Verkehrsunfälle beizutragen.

 

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Mai 2010

Erscheinungsdatum 15.05.2010

Ausgewählte Artikel dieser Ausgabe im WWW:

 

Inhaltsverzeichnis

 

EDITORIAL: Ein dynamischer Samstag im April

 

3. Deutscher Fahrlehrerkongress in Berlin: Attraktive Mitgliederreise geplant

 

60 Jahre Fahrlehrerverband Baden-Württemberg: Spannender Dialog zu gestern, heute und morgen

 

Fotostrecken der Mitgliederversammlung 2010

 

Geschäfts- und Kassenbericht 2009 - Inhalt

A - Bericht zum Jahr 2009
B - Der Verband und seine Aufgaben
C - Ziele und Forderungen
Wettbewerb 2009

 

Gerichtsurteile: Pkw-Kollision mit Kuhherde (993) Versagen der EU-Fahrerlaubnis (992) Unbefugte Bekanntgabe interner Fahrprüferliste (991) Ausschwenkender Lkw (990) Ein Beitrag zur Schadenminderung (989) Lockvogelwerbung (988) Fundstellen für Testsieger (987) Geklaute Stadtpläne (986) Beste Preise (985) Erwerbstätigkeit während des Urlaubs (984)