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Das Stellenangebot der
schwäbischen Fabrik fand starke Resonanz: Mehr als 200 Frauen und Männer
bewarben sich um die Stelle des Cheffahrers. „Er darf nicht zu alt sein,
muss so sicher fahren und so zuverlässig sein wie mein Anton, und
Kinderstube muss er auch haben,“ beschwor der Seniorchef seinen
Personalvorstand.
Den fast 70-jährigen altgedienten Anton zu ersetzen, würde nicht ganz
leicht sein. Deshalb nahm sich der Personalchef die wenigen nach
sorgsamer Vorauswahl übrig gebliebenen Kandidaten persönlich vor.
Darunter den 26 Jahre alten Industriekaufmann Klaus F., der einige
Wochen zuvor seinen Job verloren hatte, weil ein amerikanischer Konzern
seine deutsche Filiale krisenbedingt plattgemacht hatte.
Das Interview lief gut, Klaus trat sicher auf und machte einen guten
Eindruck. Nach seiner Fahrpraxis befragt, erklärte er, seit seinem 18.
Lebensjahr unfallfrei Pkw zu fahren, meist mehr als 20 000 km pro Jahr,
Strafzettel und Punkte habe er noch nie bekommen. „In acht Jahren noch
nie aufgefallen, wie schafft man das?“, fragte der Personalchef etwas
ungläubig. Lapidare Antwort: „Ich hatte einen guten Fahrlehrer.“
Apropos: Klaus hat den Job bekommen, Anton ist inzwischen im
wohlverdienten Ruhestand, und der Seniorchef ruft den Neuen oft Anton
statt Klaus …
„Ich fahre bis heute
unfallfrei, das verdanke ich meinem Fahrlehrer!“ Aus diesem späten
Lob, das so oder ähnlich schon tausendfach ausgesprochen wurde, darf man
zurecht schließen, dass gute Fahrausbildung nachhaltigen Einfluss auf
das spätere Verkehrsverhalten hat. Zugleich widerlegt es die oft
wissenschaftlich bemäntelte Behauptung, die relativ kurze Fahrausbildung
lasse die Bildung und Verankerung positiver Haltungen und Werte nicht
oder nur bedingt zu. Es mag eine Binsenwahrheit sein, doch man kann sie
nicht oft genug wiederholen: Auf die Qualität des Fahrlehrers kommt es
an. Nicht alle Fahrlehrer verdienen ein Lob wie das von Klaus. Wir
wissen nicht, wie viele der schweren Anfängerunfälle alljährlich auf
mangelhafte Fahrausbildung zurückzuführen sind. Jedoch lassen Berichte
von Fahrschülern die Annahme zu, dass es - einmal abgesehen von
Schlampereien und der Unterdrückung von Ausbildungsinhalten zur
Erschleichung von Wettbewerbsvorteilen - mit der Kompetenz des Lehrens
nicht immer und überall zum Besten bestellt ist.
Es fängt damit an, dass
die Auswahl des Nachwuchses ein ausgesprochener Schwachpunkt des Systems
ist. Die maßgeblichen Kriterien des Berufszugangs, allen voran die der
Vorbildung, entstammen den traditionsverhafteten Vorstellungen eines
technischen Anlernberufs, nicht aber den eines mit Erwachsenenbildung,
mit Verkehrspädagogik, Lernpsychologie und Verkehrspsychologie befassten
Berufs. Die wegen der oft ungenügenden Schlüsselqualifikationen nicht
ausreichend leistbare pädagogische Ausbildung der Bewerber steht in
einem deutlichen Missverhältnis zu den 1998 neu gefassten Inhalten und
Zielen der Fahrschüler-Ausbildungsordnung, die mit großer Exaktheit die
Anforderungen des Straßenverkehrs an Novizen wiedergeben.
Weil abgeschlossene
Hauptschule und irgendein Gesellenbrief wenig bis nichts über die
Schlüsselqualifikationen eines Bewerbers aussagen, klagen die Seriösen
unter den Fahrlehrer-Ausbildungsstätten seit Langem über die zunehmende
Anzahl von Bewerbern, die im Grunde für den Fahrlehrerberuf ungeeignet
sind. Zugleich mangelt es an jungen intelligenten Menschen, die in
puncto Lernfähigkeit den Takt angeben. Es darf nicht sein, dass der
Beruf allmählich zu einem Sammelbecken von gescheiterten Existenzen
wird, die nach der x-ten aus öffentlichen Kassen bezahlten Maßnahme auch
noch den Fahrlehrer probieren.
Nach der Einführung der
4½monatigen praktischen Ausbildung für Fahrlehreranwärter im Jahr 1999
ist der notwendige Weiterbau am Berufsbild ins Stocken geraten. Das ist
bedauerlich, zumal das Symposion der
Deutschen Fahrlehrer-Akademie e. V. im
November 2001 weitere maßgebliche Schritte vorzeichnete.
Nachwuchsförderung ist eine der existenziell wichtigen Aufgaben jedes
Berufsstandes; wenn man sie vernachlässigt, riskiert man, in die
Bedeutungslosigkeit abzudriften und ruft, wenn auch ungewollt,
Alternativen auf den Plan. Das Berufsbild der Fahrlehrer muss dringend
wieder auf den Bildschirm der Politik, namentlich aber auf den der
Bundesregierung. Wie wichtig das ist, so jedenfalls mein Eindruck von
der diesjährigen Hauptversammlung des Fahrlehrerverbandes
Baden-Württemberg e.V., haben die Mitglieder längst verstanden und
verinnerlicht.
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