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RoadSense!
Ein geniales Logo, das teutonische Sprachpuristen einfach ertragen
sollten. Wer will, kann sich ja an einer Übersetzung versuchen – aber,
um es gleich zu sagen, so treffend kommt’s im Deutschen nie wieder
rüber: „Verkehrssinn“– vielleicht „Verkehrsvernunft“ – oder was immer.
Wichtiger aber ist, was dahinter steckt, und das ist eine Menge.
Mit RoadSense legt
Mercedes-Benz für Schüler der 8. Klasse ein Verkehrserziehungsprogramm
auf, das in ähnlicher Form seit Kurzem sehr erfolgreich in
Großbritannien läuft. Die sorgsam durchdachte „Mitfahrer-Lektion“ soll
die Jugendlichen durch einen ausgewogenen Mix von Unterweisung,
praktischen Übungen und Diskussion für die Verkehrssicherheit
sensibilisieren.

Das Konzept beinhaltet neben einem
ausführlichen Theorieteil auch praktische Übungen (Foto: Jochen Klima)
Der Faktor
Mensch
Mercedes hat als
„Ur-Schmiede“ des Kraftfahrzeugs in der Vergangenheit oft Revolutionäres
für die aktive und passive Sicherheit des Automobils und somit für die
Verkehrssicherheit hervorgebracht. Dass sich der Stern nun – bei allem,
was fortschrittliche Technik für die Sicherheit zu leisten vermag – mit
RoadSense so aktiv um den (jugendlichen) Faktor Mensch kümmern will,
werden Bissige mit clever auf die Zukunft gerichtete Marketingstrategie
abtun wollen. Indes, bei näherer Betrachtung der Programminhalte und den
mit der Umsetzung verbundenen Anstrengungen wird dieser Einwand
belanglos. Richtig ist: Menschliches Versagen ist auch heute noch zu
mehr als 90 Prozent Ursache aller Straßenverkehrsunfälle. Richtig ist
auch, dass die Verkehrserziehung – von Ausnahmen abgesehen – ein
Stiefkind unseres Schulwesens ist. Wenn da ein Automobilhersteller mit
einer Idee von mehr Substanz als etwa einer Zielfahrt für
Führerscheinneulinge in die Lücke stößt, ist das vor allem zu begrüßen.
Mercedes will mit RoadSense Einfluss auf den Faktor Mensch nehmen. Dabei
haben die Initiatoren wohl bedacht, dass, wie Prof. Mienert von der Uni
Bremen es nennt, die „Entwicklungsaufgabe Automobilität“ zu einem viel
früheren Zeitpunkt als dem Führerscheinalter angegangen werden muss.
Nach Mienert ist bei Schülern der 8. Klasse das Interesse am Autofahren
ein vorherrschendes: 88 Prozent nennen den Führerschein als besonders
erstrebenswertes Ziel ihres späteren Erwachsenenlebens.
Es geht nicht
um den Führerschein
Freilich, bei RoadSense
geht es – jedenfalls vordergründig – nicht um den Führerschein. Das von
der Jacobs Universität Bremen, dem DVR und der Bundesvereinigung der
Fahrlehrerverbände e.V. (vertreten durch den Fahrlehrerverband
Baden-Württemberg) entwickelte Programm ist von grundlegender Art. Unter
Anleitung speziell geschulter Fahrlehrer sollen die Jugendlichen zu
bewussten Mitfahrern werden. Sie sollen lernen
- die Perspektive zu
wechseln (Was denkt und fühlt der andere Verkehrsteilnehmer?),
- Situationen zu
analysieren,
- sich selbst
einzuschätzen,
- Risiken wahrzunehmen
und zu vermeiden.
Es geht auch um
Mitverantwortung und um Konfliktlösung, vor allem aber um die in dieser
aufnahmebereiten Altersphase so wichtige Vermittlung von Werthaltungen
und positiven Einstellungen zu partnerschaftlichem Verhalten.
„Schlüsselübung“ Kernstück der vierstündigen Lektion sind praktische
Übungen, die auf einem gesicherten, nicht öffentlichen Platz
stattfinden. Aber keine Sorge, RoadSense wird die Teens nicht zum
„Schwarzfahren“ animieren. Der praktische Teil beginnt mit einer
psychologisch geschickt angelegten „Schlüsselübung“, die alle
Konsequenzen unerlaubter Inbesitznahme und Benutzung des Autoschlüssels
verdeutlicht. Ein bisschen fahren dürfen sie freilich auch, das gehört
nun einmal dazu. Dabei lernen sie u.a., dass das Einsteigen bei jungen
Fahrern wohl überlegt sein will. Die dichte Inhaltsfolge von RoadSense
ist präzise abgestimmt. Das Konzept ist überzeugend. Es hat das
Potenzial, ein neues Licht jugendspezifischer Verkehrserziehung zu
setzen.
GLH
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