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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juli/2010, Seite 370
Mercedes setzt auf Verkehrserziehung

 

RoadSense! Ein geniales Logo, das teutonische Sprachpuristen einfach ertragen sollten. Wer will, kann sich ja an einer Übersetzung versuchen – aber, um es gleich zu sagen, so treffend kommt’s im Deutschen nie wieder rüber: „Verkehrssinn“– vielleicht „Verkehrsvernunft“ – oder was immer. Wichtiger aber ist, was dahinter steckt, und das ist eine Menge.

Mit RoadSense legt Mercedes-Benz für Schüler der 8. Klasse ein Verkehrserziehungsprogramm auf, das in ähnlicher Form seit Kurzem sehr erfolgreich in Großbritannien läuft. Die sorgsam durchdachte „Mitfahrer-Lektion“ soll die Jugendlichen durch einen ausgewogenen Mix von Unterweisung, praktischen Übungen und Diskussion für die Verkehrssicherheit sensibilisieren.


Das Konzept beinhaltet neben einem ausführlichen Theorieteil auch praktische Übungen (Foto: Jochen Klima)

Der Faktor Mensch

Mercedes hat als „Ur-Schmiede“ des Kraftfahrzeugs in der Vergangenheit oft Revolutionäres für die aktive und passive Sicherheit des Automobils und somit für die Verkehrssicherheit hervorgebracht. Dass sich der Stern nun – bei allem, was fortschrittliche Technik für die Sicherheit zu leisten vermag – mit RoadSense so aktiv um den (jugendlichen) Faktor Mensch kümmern will, werden Bissige mit clever auf die Zukunft gerichtete Marketingstrategie abtun wollen. Indes, bei näherer Betrachtung der Programminhalte und den mit der Umsetzung verbundenen Anstrengungen wird dieser Einwand belanglos. Richtig ist: Menschliches Versagen ist auch heute noch zu mehr als 90 Prozent Ursache aller Straßenverkehrsunfälle. Richtig ist auch, dass die Verkehrserziehung – von Ausnahmen abgesehen – ein Stiefkind unseres Schulwesens ist. Wenn da ein Automobilhersteller mit einer Idee von mehr Substanz als etwa einer Zielfahrt für Führerscheinneulinge in die Lücke stößt, ist das vor allem zu begrüßen. Mercedes will mit RoadSense Einfluss auf den Faktor Mensch nehmen. Dabei haben die Initiatoren wohl bedacht, dass, wie Prof. Mienert von der Uni Bremen es nennt, die „Entwicklungsaufgabe Automobilität“ zu einem viel früheren Zeitpunkt als dem Führerscheinalter angegangen werden muss. Nach Mienert ist bei Schülern der 8. Klasse das Interesse am Autofahren ein vorherrschendes: 88 Prozent nennen den Führerschein als besonders erstrebenswertes Ziel ihres späteren Erwachsenenlebens.

Es geht nicht um den Führerschein

Freilich, bei RoadSense geht es – jedenfalls vordergründig – nicht um den Führerschein. Das von der Jacobs Universität Bremen, dem DVR und der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. (vertreten durch den Fahrlehrerverband Baden-Württemberg) entwickelte Programm ist von grundlegender Art. Unter Anleitung speziell geschulter Fahrlehrer sollen die Jugendlichen zu bewussten Mitfahrern werden. Sie sollen lernen

  • die Perspektive zu wechseln (Was denkt und fühlt der andere Verkehrsteilnehmer?),
  • Situationen zu analysieren,
  • sich selbst einzuschätzen,
  • Risiken wahrzunehmen und zu vermeiden.

Es geht auch um Mitverantwortung und um Konfliktlösung, vor allem aber um die in dieser aufnahmebereiten Altersphase so wichtige Vermittlung von Werthaltungen und positiven Einstellungen zu partnerschaftlichem Verhalten. „Schlüsselübung“ Kernstück der vierstündigen Lektion sind praktische Übungen, die auf einem gesicherten, nicht öffentlichen Platz stattfinden. Aber keine Sorge, RoadSense wird die Teens nicht zum „Schwarzfahren“ animieren. Der praktische Teil beginnt mit einer psychologisch geschickt angelegten „Schlüsselübung“, die alle Konsequenzen unerlaubter Inbesitznahme und Benutzung des Autoschlüssels verdeutlicht. Ein bisschen fahren dürfen sie freilich auch, das gehört nun einmal dazu. Dabei lernen sie u.a., dass das Einsteigen bei jungen Fahrern wohl überlegt sein will. Die dichte Inhaltsfolge von RoadSense ist präzise abgestimmt. Das Konzept ist überzeugend. Es hat das Potenzial, ein neues Licht jugendspezifischer Verkehrserziehung zu setzen.

GLH

 

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Juli 2010

Erscheinungsdatum 15.07.2010

Artikel dieser Ausgabe im WWW:

 

Inhaltsverzeichnis

  EDITORIAL: Miteinander, nicht übereinander sprechen!
 

PC-Prüfung - Jetzt auch für alle Mofa-Aspiranten

  Neue Prüfungsfrage: Haltverbot
 

Fahrerassistenzsysteme in der Ausbildung: Seminar mit viel praktischem Nutzen

  Berufskraftfahrerausbildung: Fahrlehrerversicherung zeichnet die besonderen Risiken
 

Hilfe für Berufskraftfahrer - Wichtiges Merkblatt der IHK

 

Private Nutzung von Firmenfahrzeugen: BFH kippt Verwaltungspraxis

 

Günstiger Telefonieren: Neuer, besserer Rahmenvertrag mit der TELEKOM

 

Ligurien ruft! Das Neueste zu Motorrad Total 2010

 

Mercedes setzt auf Verkehrserziehung: RoadSense

 

Fahrausbildung und Prüfung in Österreich

 

RoadSense: Modellversuch in Stuttgart gestartet

  Kurz und aktuell: Zweifelhafte Studie über Fahrschulpreise / 20 Jahre Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V.
 

Gerichtsurteile: Auslandsfahrerlaubnis in Deutschland (1010) Abzüge für Motorradschutzkleidung (1009) Geschwindigkeitsbeschränkung nach dem Kreis (1008) Wenn zwei Fahrzeuge rückwärts fahren (1007) Auto von Automatiktor zerkratzt: Kfz- oder Privathaftpflicht? (1006) Kurkosten als Arbeitslohn (1005) Unlauterer Gewährleistungsausschluss (1004)

 

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