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Auf
Seite 370 dieser Ausgabe
berichten wir über die Grundzüge des von Mercedes-Benz initiierten
Verkehrssicherheitsprogramms RoadSense für Schüler der 8. Klasse (14-
bis 16-Jährige). Nach einem realen Pretest begann am 29. Juni 2010 die
praktische Erprobung des Programms mit Schülern einer Esslinger
Realschule in der Mercedes-Benz Niederlassung Stuttgart. An dem auf den
Großraum Stuttgart konzentrierten Modellversuch werden bis zum 22. Juli
600 Schüler aus 23 Klassen von Haupt-, Werkreal- und Realschulen, von
Gymnasien, einer Privatschule und einer internationalen Schule
teilnehmen. Die 4-stündigen Kurse sind auf jeweils 30 Teilnehmer
ausgelegt.
Begrüßung und
Kennenlernen
Die Mädchen und Jungen
sind voll bei der Sache. Eine kurze Einweisung über Organisation,
Inhalte und Ziele des Kurses kommt ebenso gut an wie die während der
Schulung geltenden Sicherheits- und Verhaltensregeln. Geführt von ihren
Coachs, ausnahmslos bewährte Fahrlehrer, nehmen die Dreiergruppen zehn
fahrschulmäßig ausgestattete Mercedes der A-, B- und C-Klasse in Besitz.
Auf der kurzen Fahrt zum Übungsplatz (nichtöffentlich, abgesperrt)
stimmen die Fahrlehrer ihre Beifahrerinnen und Beifahrer auf die vier
Bausteine des praktischen Programms ein:
- Schlüsselübung,
- Fliegende Bälle,
- Blindes Vertrauen,
- Die Engstelle.
Der Versuchung
widerstehen
Den Versuchungen eines
anvertrauten oder herumliegenden Autoschlüssels zu entsagen, gilt die
erste Übung. Die Reaktionen auf den vom Coach so großzügig dargereichten
Schlüssel sind unterschiedlich.
Manche wollen ihn gar
nicht nehmen, anderen juckt es in den Fingern, ihn zu bekommen, und
wieder andere lassen ahnen, dass sie Erfahrung im Umgang mit dem
Zündschlüssel haben. Diese scheinbar spielerische Übung ist eine sehr
ernste und wichtige. Hier wird Fahren ohne Fahrerlaubnis nicht bloß als
Tabu statuiert, sondern deutlich gemacht, wie heiß diese Herdplatte ist.
Mit Bällen
unterwegs
Bei dieser
eindrucksvollen Übung geht es in diesen vom Fußball dominierten Wochen
einmal nicht um den Worldcup, sondern um die Mitverantwortung als
Passagier. Schon vor der Fahrt sollte man Mitschauen, ob im Auto alles
am richtigen Platz gut gegen die Wirkungen der Innenbeschleunigung
gesichert ist.
Blindes
Vertrauen – i wo!
Blinde Kuh während einer
Fahrt im Auto? Wer würde da mitmachen? Hier lernen die Teens: Blindes
Vertrauen gegenüber einem Fahrer ist kein Zeichen von Mut, sondern von
mangelnder Überlegung und Schwäche. Bei jedem unbesehen einsteigen, ist
ebenso falsch. Wer sich als Mitfahrer überfordert und deshalb unwohl
fühlt, muss das sagen, nötigenfalls aussteigen.
Die Engstelle
Reicht’s, reicht’s nicht?
Eine Frage, mit der sich offensichtlich auch manche Autofahrer
schwertun. Die Übung steht symbolisch für viele unklare Situationen, in
denen das eigene Sicherheitsgefühl und die objektive Gefahr
auseinanderklaffen. Der Mitfahrer soll seine Gefühle äußern, um sich
wohlfühlen zu können.
Hinterm Steuer
Die Fahr-Session ist
zweifellos Kernstück des Kurses. Besonderes Glanzlicht dabei ist das
kurzzeitige Selbstlenken. Die Schüler sind begeistert. Sie sehen
Autofahren, wie die im dritten Kursteil erfolgte Diskussion ergab, nun
viel bewusster als bisher aus dem Blickwinkel eines Mitfahrers. In
kurzen spontanen Interviews äußerten sich die Schüler ungemein positiv
zu RoadSense. Die Inhalte des Kurses und die Art der Vermittlung treffen
offenbar die Empfindungswelt dieser Altersklasse sehr präzise. Mehr noch
als alle anderen Äußerungen überraschte der angeregte, ja
enthusiastische Meinungsaustausch der Schüler untereinander während der
Pausen.
Im
Sicherheitslabor
Vierter und letzter
Kursteil ist ein Besuch im Sicherheitslabor. Hier werden u.a.
physikalische Kräfte und die Gefahren des Toten Winkels anschaulich
gemacht. Hit ist hier der Überschlagsimulator und die Befreiung aus
hängender Lage kopfunter. In einer nächsten Station simuliert eine
„Rauschbrille“ unterschiedliche Stadien alkoholischer Beeinflussung.
Auch wie Geschwindigkeit und Gewicht die Auftreffwucht bei Unfällen
beeinflussen, wird im Sicherheitslabor eindrucksvoll demonstriert.
Mercedes-Benz
geht in die Vollen
RoadSense ist ein
anspruchsvolles interaktives Programm. Dank inhaltlicher und
pädagogischer Substanz, vorbildlicher Planung und Organisation,
ausgezeichneter Logistik, hervorragendem Anschauungsmaterial sowie einer
Truppe kompetenter, erfahrener Fahrlehrer hat RoadSense das Potenzial,
bei Jugendlichen mehr Aufgeschlossenheit für Verkehrssicherheit zu
bewirken. Man muss nicht gelernter Controller sein, um zu ahnen, dass
dieses Konzept richtig Geld kostet. Mercedes geht in puncto Sicherheit
auch beim Faktor Mensch in die Vollen. Respekt!
GLH

Die mitwirkenden Fahrlehrer - v. l.:
Michael Maurer, Bernhard Groß, Werner Lang, Ralf Klopfer, Stefan
Horlacher, Matthias Bihlmaier, Christian Ostermair
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