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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 19.10.11

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juli/2010, Seite 370

 

Modellversuch in Stuttgart gestartet

 

Auf Seite 370 dieser Ausgabe berichten wir über die Grundzüge des von Mercedes-Benz initiierten Verkehrssicherheitsprogramms RoadSense für Schüler der 8. Klasse (14- bis 16-Jährige). Nach einem realen Pretest begann am 29. Juni 2010 die praktische Erprobung des Programms mit Schülern einer Esslinger Realschule in der Mercedes-Benz Niederlassung Stuttgart. An dem auf den Großraum Stuttgart konzentrierten Modellversuch werden bis zum 22. Juli 600 Schüler aus 23 Klassen von Haupt-, Werkreal- und Realschulen, von Gymnasien, einer Privatschule und einer internationalen Schule teilnehmen. Die 4-stündigen Kurse sind auf jeweils 30 Teilnehmer ausgelegt.

Begrüßung und Kennenlernen

Die Mädchen und Jungen sind voll bei der Sache. Eine kurze Einweisung über Organisation, Inhalte und Ziele des Kurses kommt ebenso gut an wie die während der Schulung geltenden Sicherheits- und Verhaltensregeln. Geführt von ihren Coachs, ausnahmslos bewährte Fahrlehrer, nehmen die Dreiergruppen zehn fahrschulmäßig ausgestattete Mercedes der A-, B- und C-Klasse in Besitz. Auf der kurzen Fahrt zum Übungsplatz (nichtöffentlich, abgesperrt) stimmen die Fahrlehrer ihre Beifahrerinnen und Beifahrer auf die vier Bausteine des praktischen Programms ein:

  • Schlüsselübung,
  • Fliegende Bälle,
  • Blindes Vertrauen,
  • Die Engstelle.

Der Versuchung widerstehen

Den Versuchungen eines anvertrauten oder herumliegenden Autoschlüssels zu entsagen, gilt die erste Übung. Die Reaktionen auf den vom Coach so großzügig dargereichten Schlüssel sind unterschiedlich.

Manche wollen ihn gar nicht nehmen, anderen juckt es in den Fingern, ihn zu bekommen, und wieder andere lassen ahnen, dass sie Erfahrung im Umgang mit dem Zündschlüssel haben. Diese scheinbar spielerische Übung ist eine sehr ernste und wichtige. Hier wird Fahren ohne Fahrerlaubnis nicht bloß als Tabu statuiert, sondern deutlich gemacht, wie heiß diese Herdplatte ist.

Mit Bällen unterwegs

Bei dieser eindrucksvollen Übung geht es in diesen vom Fußball dominierten Wochen einmal nicht um den Worldcup, sondern um die Mitverantwortung als Passagier. Schon vor der Fahrt sollte man Mitschauen, ob im Auto alles am richtigen Platz gut gegen die Wirkungen der Innenbeschleunigung gesichert ist.

Blindes Vertrauen – i wo!

Blinde Kuh während einer Fahrt im Auto? Wer würde da mitmachen? Hier lernen die Teens: Blindes Vertrauen gegenüber einem Fahrer ist kein Zeichen von Mut, sondern von mangelnder Überlegung und Schwäche. Bei jedem unbesehen einsteigen, ist ebenso falsch. Wer sich als Mitfahrer überfordert und deshalb unwohl fühlt, muss das sagen, nötigenfalls aussteigen.

Die Engstelle

Reicht’s, reicht’s nicht? Eine Frage, mit der sich offensichtlich auch manche Autofahrer schwertun. Die Übung steht symbolisch für viele unklare Situationen, in denen das eigene Sicherheitsgefühl und die objektive Gefahr auseinanderklaffen. Der Mitfahrer soll seine Gefühle äußern, um sich wohlfühlen zu können.

Hinterm Steuer

Die Fahr-Session ist zweifellos Kernstück des Kurses. Besonderes Glanzlicht dabei ist das kurzzeitige Selbstlenken. Die Schüler sind begeistert. Sie sehen Autofahren, wie die im dritten Kursteil erfolgte Diskussion ergab, nun viel bewusster als bisher aus dem Blickwinkel eines Mitfahrers. In kurzen spontanen Interviews äußerten sich die Schüler ungemein positiv zu RoadSense. Die Inhalte des Kurses und die Art der Vermittlung treffen offenbar die Empfindungswelt dieser Altersklasse sehr präzise. Mehr noch als alle anderen Äußerungen überraschte der angeregte, ja enthusiastische Meinungsaustausch der Schüler untereinander während der Pausen.

Im Sicherheitslabor

Vierter und letzter Kursteil ist ein Besuch im Sicherheitslabor. Hier werden u.a. physikalische Kräfte und die Gefahren des Toten Winkels anschaulich gemacht. Hit ist hier der Überschlagsimulator und die Befreiung aus hängender Lage kopfunter. In einer nächsten Station simuliert eine „Rauschbrille“ unterschiedliche Stadien alkoholischer Beeinflussung. Auch wie Geschwindigkeit und Gewicht die Auftreffwucht bei Unfällen beeinflussen, wird im Sicherheitslabor eindrucksvoll demonstriert.

Mercedes-Benz geht in die Vollen

RoadSense ist ein anspruchsvolles interaktives Programm. Dank inhaltlicher und pädagogischer Substanz, vorbildlicher Planung und Organisation, ausgezeichneter Logistik, hervorragendem Anschauungsmaterial sowie einer Truppe kompetenter, erfahrener Fahrlehrer hat RoadSense das Potenzial, bei Jugendlichen mehr Aufgeschlossenheit für Verkehrssicherheit zu bewirken. Man muss nicht gelernter Controller sein, um zu ahnen, dass dieses Konzept richtig Geld kostet. Mercedes geht in puncto Sicherheit auch beim Faktor Mensch in die Vollen. Respekt!

GLH


Die mitwirkenden Fahrlehrer - v. l.: Michael Maurer, Bernhard Groß, Werner Lang, Ralf Klopfer, Stefan Horlacher, Matthias Bihlmaier, Christian Ostermair

 

FahrSchulPraxis
Ausgabe Juli 2010

Erscheinungsdatum 15.07.2010

Artikel dieser Ausgabe im WWW:

 

Inhaltsverzeichnis

  EDITORIAL: Miteinander, nicht übereinander sprechen!
 

PC-Prüfung - Jetzt auch für alle Mofa-Aspiranten

  Neue Prüfungsfrage: Haltverbot
 

Fahrerassistenzsysteme in der Ausbildung: Seminar mit viel praktischem Nutzen

  Berufskraftfahrerausbildung: Fahrlehrerversicherung zeichnet die besonderen Risiken
 

Hilfe für Berufskraftfahrer - Wichtiges Merkblatt der IHK

 

Private Nutzung von Firmenfahrzeugen: BFH kippt Verwaltungspraxis

 

Günstiger Telefonieren: Neuer, besserer Rahmenvertrag mit der TELEKOM

 

Ligurien ruft! Das Neueste zu Motorrad Total 2010

 

Mercedes setzt auf Verkehrserziehung: RoadSense

 

Fahrausbildung und Prüfung in Österreich

 

RoadSense: Modellversuch in Stuttgart gestartet

  Kurz und aktuell: Zweifelhafte Studie über Fahrschulpreise / 20 Jahre Deutsche Fahrlehrer-Akademie e.V.
 

Gerichtsurteile: Auslandsfahrerlaubnis in Deutschland (1010) Abzüge für Motorradschutzkleidung (1009) Geschwindigkeitsbeschränkung nach dem Kreis (1008) Wenn zwei Fahrzeuge rückwärts fahren (1007) Auto von Automatiktor zerkratzt: Kfz- oder Privathaftpflicht? (1006) Kurkosten als Arbeitslohn (1005) Unlauterer Gewährleistungsausschluss (1004)

 

Fortbildungsangebote

Fotos: Jochen Klima


Verkehrssicherheit - made by Mercedes-Benz


Schüler/innen der 8. Klasse - Begrüßung und Einweisung


Autoschlüssel - der Versuchung keine Chance!


Blindes Vertrauen - niemals beim Mitfahren


Engstelle - "Angststelle"?


Engstelle von außen betrachtet


Blickwinkel erweitert


Überschlagsimulator - eine beeindruckende Erfahrung


Wobei habe ich mich als Beifahrer unwohl gefühlt?