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Die
Anmerkungen von G. L. Heiler in Heft 8/2010, Seite
424 ff., möchte ich um einige weitere Argumente und
Überlegungen ergänzen, die im Zusammenhang mit der anstehenden
Neuregelung bedacht werden sollten.
Heiler stellt u.a. fest,
dass das heutige Mofa 25 im (innerörtlichen) Verkehr nicht mehr
mithalten kann. Das sehen offensichtlich auch die meisten jugendlichen
Fahrer so: Kaum einer von denen, die ein Mofa 25 besitzen, fährt auch
wirklich ein Mofa 25!
Ich habe während einiger
Jahre Kurse für jugendliche „Verkehrsstraftäter“ gegeben. Die meisten
davon waren wegen „Fahrens ohne Fahrerlaubnis“ zum Nachsitzen verknackt
worden, weil sie – nach ihren eigenen, vielleicht manchmal etwas
übertriebenen Angaben – mit ihrem Mofa statt der erlaubten 25 locker 50,
70 oder gar 90 km/h gefahren sind. Das dafür notwendige Tuning erfordert
in gewissen Grenzen kaum technisches Geschick, sondern kann in den
meisten Fällen durch einen vom Hersteller bereits vorgesehenen Eingriff
in die Motorregelung vorgenommen werden. Wird man erwischt, muss für die
Vorführung des Fahrzeugs kurz der Originalzustand wiederhergestellt
werden. Anschließend wird dies wieder rückgängig gemacht und erneut mit
einem nicht zugelassenen, nicht versicherten Fahrzeug gefahren.
Bisweilen sind von dieser Problematik auch Mädchen ohne jede
Bastelambition betroffen, weil sie guten Glaubens ein manipuliertes Mofa
fahren bzw. gekauft haben.
Polizisten, die sich auf
die Feststellung dieses Straftatbestandes (!) spezialisiert haben,
beklagen zu Recht, dass Hersteller und Händler hier mit unschuldigem
Blick kräftig Vorschub leisten. Und den Jugendlichen fehlt jegliches
Unrechtsbewusstsein, da sie wissen, dass das von ihnen getunte Fahrzeug
auch serienmäßig mit höherer Geschwindigkeit – nämlich ganz legal als
Moped – verkauft wird. Es ist für die höhere Geschwindigkeit also
werksseitig bereits ausgelegt.
Den jungen Leuten fehlt
heute also in aller Regel nicht das schnelle Moped, sondern es fehlt
ihnen die dafür wichtige, gründliche Ausbildung. Die Einführung von
„Moped mit 15“ bedeutet daher de facto gar keine Senkung des
Mindestalters, sondern eine dringend erforderliche Verbesserung der
Ausbildung.
Die
Verkehrssicherheitsverbände, die sich jetzt noch gegen das „Moped mit
15“ wehren, täten gut daran, mit größtem Engagement dafür zu sorgen,
dass Fahrzeug-Manipulationen wirksam verhindert werden. Eine solche
Zusage hat es seitens der Hersteller bereits vor Jahren einmal gegeben,
ist dann aber offensichtlich im Zuge neuer technischer Entwicklungen,
insbesondere durch den Einzug der Elektronik ganz offensichtlich „in
Vergessenheit“ geraten.
Flankierend zu einer
strikten Verpflichtung der Hersteller (und Händler), Manipulationen zu
erschweren, könnten weitere Maßnahmen hilfreich sein, um diejenigen zu
bremsen, denen dann evtl. auch 45 km/h nicht ausreichen. Zum Beispiel
könnte man verlangen, dass ein Fahrzeug, das einmal unerlaubt schnell
angetroffen wurde, anschließend nicht nur einmalig, sondern monatlich
zur Kontrolle vorgeführt werden muss. Auch die konsequente Anwendung des
heute schon rechtlich möglichen Einzugs manipulierter Fahrzeuge wäre
sicherlich eine wirksame Maßnahme. Man muss halt nur wollen!
„Moped mit 15“ wirft
natürlich die zusätzliche Frage auf, was denn dann aus dem Mofa 25 wird.
Für die 15-Jährigen wird (oder sollte man besser sagen: bleibt) dieses
Fahrzeug dann erst recht unattraktiv. Eine Senkung des Mofa-Alters auf
14 Jahre kommt jedoch auf keinen Fall in Frage, denn dann hätte man
tatsächlich die ganze Problematik dieses Fahrzeugs und seiner oft
ungenügend ausgebildeten Fahrer nur um ein Jahr vorverlegt. In wessen
Interesse?
Michael
Fingskes
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