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Ligurien
ist ein besonders reizvoller Landstrich des italienischen Nordwestens.
Geschützt von den Seealpen, den Ligurischen Alpen und dem Ligurischen
Apennin ist die mediterrane Region mit seinen abwechselnden Sand- und
Felsenstränden von jeher beliebtes Ziel vieler Urlauber. Loano, ein
Touristenstädtchen mit Charme, nach Westen offen zur Ligurischen See, im
Übrigen von Bergen umrahmt, beherbergte für eine Woche die 95 Teilnehmer
des 28. Motorrad Total.

Motorradfans Total (Foto:
Manuel Picardi)
Wieder war es die 38.
Woche, für die Motorrad-Referent Karl-Heinz Hiller das Spitzen-Seminar
einberufen hatte. Und wieder gab es wunderbar mildes, sonniges
Herbstwetter, sieht man von einigen Stunden der Anfahrt und dem abrupten
Wetterwechsel während der Heimfahrt ab.
Samstagnachmittag (18.
Sept.) war Sammeln in Como, wo mit dem Hotel „Cruise“ ein gutes
Nachtquartier auf die aus vielen Teilen Deutschlands herbeigebrausten
Kolleginnen und Kollegen wartete. Die Freude der „Stammkunden“ über das
Wiedersehen war ebenso herzlich wie der Empfang für alle „Newcomer“. Bei
azurblauem Himmel scharten sich Sonntag früh die Gruppen um ihre
Instruktoren für die restlichen 250 Kilometer nach Loano.
Das 14. Mal
Italien
Was 1983 auf der
Baleareninsel Mallorca begann, fand in den letzten 27 Jahren in vielen
Ländern unserer näheren und weiteren Nachbarschaft seine Fortsetzung.
Doch Italien hält mit 14 von den bisher 28 Seminaren den Rekord. Woran
das liegt? Da wirken viele positive Momente zusammen. Zum einen ist es
die Toleranz, ja die Freude der Menschen, die sie Motorradfahrern
entgegenbringen. Hinzu kommt das optimistische Lebensgefühl unserer
südlichen Nachbarn. Nicht zuletzt sind es die traumhaft schönen
Landschaften mit ihren idealen Pisten, die allseits beliebte
italienische Küche und das meist stabile Herbstwetter, was für Biking in
Italy spricht. Das alles traf auch auf Ligurien Total zu. Eine runde
Sache, ein anspruchsvolles, lehrreiches Seminarprogramm, in dessen
Mittelpunkt das Thema ´Mentales Training für Motorradfahrer´
stand.
Psychologischer Hokuspokus?
Es soll noch Leute geben,
die mentales Training als psychologischen Hokuspokus abtun. Indes, eine
Glaubensfrage ist das längst nicht mehr, dafür sind die Erfolge auf
vielen Gebieten zu eindeutig. Hier ist freilich nicht Platz für eine
ausgefeilte Darstellung; deshalb in aller Kürze: Mentales Training ist
intensive geistige Vorbereitung auf die Bewältigung von Aufgaben und
Herausforderungen. Nicht selten werden in diesem Zusammenhang auch
Begriffe wie Coaching, Motivationstraining und perzeptorisches Lernen
genannt. Das „Hirntraining“ kann helfen, bestimmte Bewegungsabläufe zu
automatisieren; es hilft jedenfalls zu begreifen, worauf es in
entscheidenden Momenten ankommt und entsprechend zu handeln – zum
Beispiel beim Motorradfahren. Nach heutigen Erkenntnissen ist mentales
Training von vielen Ausbildungen, z.B. vom Sport, nicht mehr
wegzudenken. Die dabei gewonnenen Erfahrungen lassen sich prinzipiell
auf die Ausbildung von Motorradfahrschülern übertragen. Es ist deshalb
richtig, wenn das mentale Training einen festen Platz in der
Fahrlehrerfortbildung hat und auch behält. Üben, üben und noch einmal
üben ist auch hier der Schlüssel zu dauerhaftem Erfolg.
Gut sein, wenn
es darauf ankommt!
Prof. Dr. Eberspächer,
renommierter Sportpsychologe und leidenschaftlicher Motorradfahrer
(20.000 km pro Jahr!) war eigens aus Heidelberg angereist (per Bike!),
um den Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern zu erklären, wie man seinem Credo
„Gut sein, wenn es darauf ankommt!“ näher kommen kann. Die Zuhörer waren
ganz bei der Sache, als Eberspächer mit Humor und spritzigen Bonmots
über die Grundzüge des mentalen Trainings referierte und mit den Gruppen
praktisch übte.
„Gut sein“ kam im Seminar
auch in einem anderen Zusammenhang zur Sprache. Dabei ging es um die
Frage: „Was macht eine gute Motorradfahrschule aus?“ Die Antwort ist
weit komplexer als ein griffiger Werbeslogan. Hier wurde im Gespräch
eingehend untersucht, was Fahrschüler, Eltern und schließlich die
Gesellschaft von guter Motorradausbildung erwarten. Die Diskussion
zeigte einmal mehr, welche hohe Bedeutung die Kolleginnen und Kollegen
der Ausbildungsqualität beimessen.
Recht
Im theoretischen Teil des
Seminars kam auch das Recht ausgiebig zu Wort. Ralf Nicolai schlug einen
weiten Bogen: Von der „nichtigen“ StVO Änderung vom 01.09.2009 und der
zur Heilung noch in der Röhre steckenden „Reparaturverordnung“, dem
Feuerwehrführerschein, neuen Vorstellungen zum Fahrlehrerrecht bis hin
zur Umsetzung der Dritten EG-Führerscheinrichtlinie in deutsches Recht
blieb keines der aktuellen, für Fahrlehrer bedeutsamen Rechtsthemen
unberührt. Dabei gab es auch interessante Diskussionen. So über den
Vorschlag des IVM, den Zugang zum Leichtkraftrad (Klasse A1) nach
mindestens fünfjährigem Besitz des Führerscheins Klasse B und Nachweis
einer bestimmten Anzahl von in einer Fahrschule absolvierten Fahrstunden
zu erleichtern.
Realverkehr
Die Filetstücke von
Motorrad Total waren, sind und bleiben mit Bedacht ausgesuchte Straßen
des öffentlichen Verkehrs. Das erfordert sorgfältige, sensible
Vorarbeit, bei der neben der Sicherheit zeitliche und logistische
Gesichtspunkte zu beachten sind. Es geht nicht um das Herunterrattern
einer Anreihung scharfer Kurven im Doppelpack, sondern vielmehr um ein
didaktisch wertvolles Arrangement, um guten Aufbau und eine vernünftige
Steigerung der Anforderungen. Hier zeigt der Motorradreferent, was er
kann, also wie er die infrastrukturellen und topografischen
Gegebenheiten der jeweiligen Region zu nutzen weiß. Das ist beileibe
kein leichter Job, zumal die Erwartungen der „Kunden“ von Motorrad Total
nicht gerade gering sind. Als Chronist und manchmal sicher auch lästiger
(Be-)Frager komme ich zu dem Schluss, Karl-Heinz Hiller ist es auch in
den Bergen Liguriens, dem Land der „Spitz-Spitzkehren“ (O-Ton Prof.
Eberspächer), gut gelungen, einen zugleich ausgewogenen wie auch
fordernden „Fahrplan“ zu gestalten.
Familiäres
Familiär? Ja, so darf man
das Miteinander bei Motorrad Total nennen. Hier kommen Jahr für Jahr
zwar nicht immer exakt dieselben, aber immer gleichgesinnte positive
Menschen zusammen, die ihre Arbeit als Berufung empfinden. Es sind
Leute, die das Philosophenwort „Lehren heißt zweimal lernen“
verinnerlicht haben und wissen, dass mit „zweimal“ nichts anderes als
„lebenslang“ gemeint ist. „Man ist abends ja meistens etwas geschafft,
aber auf die gemütliche abendliche Hocketse will keiner verzichten!“
Diesen Satz eines Kollegen würden wohl alle Fans von Motorrad Total
unterschreiben. Wie gern sie zusammenhocken, sah man allabendlich: Die
motociclisti tedeschi verließen immer als Letzte den Speisesaal, nur um
sich gleich danach zum „Absacker“ im Atrium des Hotels zu treffen. Zur
guten Stimmung trug auch diesmal der schon traditionelle, wiederum sehr
stilvolle Mercedes-Abend bei. Ebenso ein wunderbarer Lunch im
bezaubernden alten Bergstädtchen Pigna, das vom Verlag Heinrich Vogel,
München, vertreten durch seinen motorradbegeisterten Vertriebschef Jörg
Gajewski, spendiert wurde.
Organisation
ist nicht alles ...
…aber ohne sie wäre alles
nichts. Da stimmte, dank Nadine Kirn und Karl-Heinz Hiller, einfach
alles. Die Instruktoren Franz Enghauser, Stefan Hamberger, Jan Kluge,
Michael Lindner, Siegfried Nill, Markus Pollerman und Helmut Storck
führten ihre Gruppen mit gewohnter Kompetenz und Umsicht. Bewährte
Helfer waren auch diesmal Sascha Stoll und Tanja Zoller von der Firma
Fahrschul-Leihwagen Hild GmbH, Vöhringen.
Das 28. Motorrad Total
hat den seit 1983 anhaltenden Erfolg des Top-Seminars eindrucksvoll
fortgesetzt. Auf ein Neues in Kärnten/ Österreich im September 2011.
Gebhard
L. Heiler
Herzlichen Dank
Ligurien
Total war ein schöner Erfolg, an dem viele Anteil hatten. Mein
herzlicher Dank richtet sich an unsere Teilnehmer, von denen viele
seit Jahren Motorrad Total die Treue halten. Ebenso herzlich danke
ich der Daimler AG und dem Verlag Heinrich Vogel, die auch diesmal
ganz maßgeblich zum gelungenen Rahmenprogramm beitrugen. Ein
freundliches Dankeschön geht an die Firma Leihwagen Hild, die auch
in diesem Jahr bereitstand, bei Bedarf zu helfen. Großen Dank auch
an die Instruktoren und Referenten, die durch ihre ausgezeichnete
Arbeit das hervorragende Renommee von Motorrad Total weiter
stärkten. Freundschaftlichen Dank richte ich an unseren
italienischen Kollegen Manuel Picardi aus Mailand für dessen
Interesse und aktive Teilnahme an Motorrad Total. Als Repräsentant
der UNASCA, des nationalen Fahrlehrerverbandes Italiens, wird er den
Gremien seiner Organisation über Motorrad Total berichten.
Die
gesamte Planung und Organisation des Seminars lag zum wiederholten Mal
in den bewährten Händen von Nadine Kirn und Motorradreferent Karl-Heinz
Hiller, bei denen ich mich für ihre wiederum erstklassige Leistung
wärmstens bedanke.
Peter Tschöpe
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