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Ferienfahrschulen machen immer
wieder von sich reden. Was unser Autor Xaver Edenhausen dazu zu meint, der sich
während vieler Jahre mit diesem Thema und vor allem auch mit Klagen enttäuschter
Fahrschüler befasst hat, lesen Sie im folgenden Beitrag:
Ich will den Führerschein, und
zwar ganz schnell! Diesen oft gehörten Wunsch wollen vor allem
Ferienfahrschulen erfüllen. Alles fertig in 2 bis 3 Wochen, verspricht die
vollmundige Werbung. Die Pappe so ganz nebenbei, in den Ferien, im Urlaub oder während
einer kurzen Auszeit zwischen zwei Jobs. Ohne jeden Stress! Wow! Hört sich gut
an, was?
Stopp! Auch diese Münze hat zwei
Seiten. Die andere, in der Werbung oft schamlos verschwiegen, muss man mit ganz
scharfer Brille angucken, auch wegen des Kleindrucks und so... Und wenn man das
tut, gibt's eine Menge Fragen. Die Wichtigsten in Kürze:
- Reicht die Zeit des Urlaubs für Ausbildung
und Prüfung?
- Was ist, wenn ich durchfalle?
- Kann ich hinterher wirklich fahren, auch in
der (Groß-)Stadt, aus der ich komme?
- Wie hoch sind die Kosten?
Kosten: Vorher
checken – später kein Jammer
Fragen, die man vor dem Abschluss
eines Ausbildungsvertrages mit einer Ferienfahrschule unbedingt stellen sollte.
Um zutreffende, wahrheitsgemäße Antworten zu bekommen, muss man sehr sorgfältig
vorgehen.
Zuerst die Kosten: Kurse in einer
Ferienfahrschule sind immer teurer als am Wohnort. Warum? Weil neben der
Ausbildung Kost und Logis extra zu bezahlen sind. Manche dieser Unternehmen
sollen mehr an der Vermietung ihrer (überteuerten) Unterkünfte als an der
Ausbildung interessiert sein. Die Ferienfahrschule dient in diesen Fällen
vorwiegend der Auslastung überschüssiger Hotelkapazitäten. Zwar kostet jeder
andere Urlaub auch Geld, aber man hat freie Wahl, ist nicht durch Vertrag an
eine gepfefferte Unterkunft gebunden. Häufig liegen aber auch die
Ausbildungskosten erheblich über dem Niveau der Fahrschulen des Wohnorts.
Führerscheinantrag und Prüfung
Nichts geht ohne den rechtzeitig
gestellten und genehmigten Führerscheinantrag, vor allem die Prüfung nicht.
Das erledigt nicht die Ferienfahrschule, das muss man selbst in die Hand nehmen.
Ob alles klappt bis zur Prüfung, kann nur die für den Wohnort zuständige Führerscheinbehörde
beantworten. Oft lässt die Führerscheinbehörde die Prüfung an anderen Orten
als dem Wohnort gar nicht zu.
Zeit
Zeit verdient ein großes
Fragezeichen. Zeit kann man in vielen Fällen auch mit Stress übersetzen! Denn
wenn einem die Zeit wegläuft, weil man auf falsche Versprechungen
hereingefallen ist wie "Drei Wochen reichen dicke!" oder ähnliche,
wird man schon bald irre nervös. Der Stress kann aber geradezu unerträglich
werden, wenn der Fahrlehrer schließlich alles mit Zeitraffer durchziehen will.
Berichte über 8 und mehr Fahrstunden an einem Tag sind keine Seltenheit. Wer
soll das verarbeiten, wer durchhalten können? Und dann mit ruinierten Nerven in
die Prüfung?
Durchfallen
Durchfallen ist nie lustig. Aber
es macht besonders traurig, wenn die Wiederholung der Prüfung in ziemliche
Ferne rückt, weil man erneut hinreisen und weitere Urlaubstage opfern muss, gar
nicht zu reden vom Geld.
Was habe ich
gelernt?
Es ist nur fair zu sagen, dass
nicht alle Ferienfahrschulen auf Nepp ausgehen. Manche sind seriös und klären
potenzielle Kunden über die Bedingungen und Risiken eines Ferien-Fahrkurses
angemessen auf. Soweit, so gut. Was aber immer etwas im Dunkeln bleibt, ist die
Antwort auf die Frage, ob denn das Gelernte für die Verkehrsverhältnisse zu
Hause ausreicht, ob man ihnen gewachsen sein wird. Denn meist sind
Ferienfahrschulen in etwas abgelegenen, touristisch attraktiven Gegenden
angesiedelt, wo der Verkehr weit beschaulicher läuft als in den
Ballungszentren. Wie verloren muss sich ein Freiburger, Stuttgarter, Ulmer oder
Göppinger usw. vorkommen, der gerade in Bums an der Knatter seine Prüfung
bestanden hat?
Tipp: Zuerst zu
Hause umschauen
O.k., Sie wollen den Führerschein
im Urlaub machen. Nichts dagegen! Aber mit Sicherheit geht das auch an ihrem
Wohnort oder einem Nachbarort. Viele Fahrschulen bieten heute sog. Kompaktkurse
an. Da droht dann nicht Ungemach durch Zeitnot und hohe Zusatzkosten.
Voraussetzung für das Gelingen ist allerdings auch, dass zuvor zeitlich alles
gut abgestimmt ist. Doch auch das erledigt sich an Ort und Stelle leichter und
einfacher als auf die Ferne.
Local business...
Ein altes englisches Sprichwort
sagt: Local business is good business! Heißt: Geschäfte am Ort sind gute Geschäfte!
Das beherzigen die Fahrschulen am Platz, denn sie haben keine
"anonyme" (Ferien-)Laufkundschaft und auch nicht die Reklametrommeln
von Reisebüros hinter sich. Sie sind vielmehr auf Kunden aus ihrer nahen
Umgebung angewiesen. Ein wichtiger Grund, stets gute Leistung und erstklassigen
Service zu bieten. Sollte das nicht auch eine Überlegung wert sein?
Xaver Edenhausen
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