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© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe September/2000, Seite 512

Ferienfahrschulen:

Führerschein - aber dalli!

 

Ferienfahrschulen machen immer wieder von sich reden. Was unser Autor Xaver Edenhausen dazu zu meint, der sich während vieler Jahre mit diesem Thema und vor allem auch mit Klagen enttäuschter Fahrschüler befasst hat, lesen Sie im folgenden Beitrag:

Ich will den Führerschein, und zwar ganz schnell! Diesen oft gehörten Wunsch wollen vor allem Ferienfahrschulen erfüllen. Alles fertig in 2 bis 3 Wochen, verspricht die vollmundige Werbung. Die Pappe so ganz nebenbei, in den Ferien, im Urlaub oder während einer kurzen Auszeit zwischen zwei Jobs. Ohne jeden Stress! Wow! Hört sich gut an, was?

Stopp! Auch diese Münze hat zwei Seiten. Die andere, in der Werbung oft schamlos verschwiegen, muss man mit ganz scharfer Brille angucken, auch wegen des Kleindrucks und so... Und wenn man das tut, gibt's eine Menge Fragen. Die Wichtigsten in Kürze:

  • Reicht die Zeit des Urlaubs für Ausbildung und Prüfung?
  • Was ist, wenn ich durchfalle?
  • Kann ich hinterher wirklich fahren, auch in der (Groß-)Stadt, aus der ich komme?
  • Wie hoch sind die Kosten?

Kosten: Vorher checken – später kein Jammer

Fragen, die man vor dem Abschluss eines Ausbildungsvertrages mit einer Ferienfahrschule unbedingt stellen sollte. Um zutreffende, wahrheitsgemäße Antworten zu bekommen, muss man sehr sorgfältig vorgehen.

Zuerst die Kosten: Kurse in einer Ferienfahrschule sind immer teurer als am Wohnort. Warum? Weil neben der Ausbildung Kost und Logis extra zu bezahlen sind. Manche dieser Unternehmen sollen mehr an der Vermietung ihrer (überteuerten) Unterkünfte als an der Ausbildung interessiert sein. Die Ferienfahrschule dient in diesen Fällen vorwiegend der Auslastung überschüssiger Hotelkapazitäten. Zwar kostet jeder andere Urlaub auch Geld, aber man hat freie Wahl, ist nicht durch Vertrag an eine gepfefferte Unterkunft gebunden. Häufig liegen aber auch die Ausbildungskosten erheblich über dem Niveau der Fahrschulen des Wohnorts.

Führerscheinantrag und Prüfung

Nichts geht ohne den rechtzeitig gestellten und genehmigten Führerscheinantrag, vor allem die Prüfung nicht. Das erledigt nicht die Ferienfahrschule, das muss man selbst in die Hand nehmen. Ob alles klappt bis zur Prüfung, kann nur die für den Wohnort zuständige Führerscheinbehörde beantworten. Oft lässt die Führerscheinbehörde die Prüfung an anderen Orten als dem Wohnort gar nicht zu.

Zeit

Zeit verdient ein großes Fragezeichen. Zeit kann man in vielen Fällen auch mit Stress übersetzen! Denn wenn einem die Zeit wegläuft, weil man auf falsche Versprechungen hereingefallen ist wie "Drei Wochen reichen dicke!" oder ähnliche, wird man schon bald irre nervös. Der Stress kann aber geradezu unerträglich werden, wenn der Fahrlehrer schließlich alles mit Zeitraffer durchziehen will. Berichte über 8 und mehr Fahrstunden an einem Tag sind keine Seltenheit. Wer soll das verarbeiten, wer durchhalten können? Und dann mit ruinierten Nerven in die Prüfung?

Durchfallen

Durchfallen ist nie lustig. Aber es macht besonders traurig, wenn die Wiederholung der Prüfung in ziemliche Ferne rückt, weil man erneut hinreisen und weitere Urlaubstage opfern muss, gar nicht zu reden vom Geld.

Was habe ich gelernt?

Es ist nur fair zu sagen, dass nicht alle Ferienfahrschulen auf Nepp ausgehen. Manche sind seriös und klären potenzielle Kunden über die Bedingungen und Risiken eines Ferien-Fahrkurses angemessen auf. Soweit, so gut. Was aber immer etwas im Dunkeln bleibt, ist die Antwort auf die Frage, ob denn das Gelernte für die Verkehrsverhältnisse zu Hause ausreicht, ob man ihnen gewachsen sein wird. Denn meist sind Ferienfahrschulen in etwas abgelegenen, touristisch attraktiven Gegenden angesiedelt, wo der Verkehr weit beschaulicher läuft als in den Ballungszentren. Wie verloren muss sich ein Freiburger, Stuttgarter, Ulmer oder Göppinger usw. vorkommen, der gerade in Bums an der Knatter seine Prüfung bestanden hat?

Tipp: Zuerst zu Hause umschauen

O.k., Sie wollen den Führerschein im Urlaub machen. Nichts dagegen! Aber mit Sicherheit geht das auch an ihrem Wohnort oder einem Nachbarort. Viele Fahrschulen bieten heute sog. Kompaktkurse an. Da droht dann nicht Ungemach durch Zeitnot und hohe Zusatzkosten. Voraussetzung für das Gelingen ist allerdings auch, dass zuvor zeitlich alles gut abgestimmt ist. Doch auch das erledigt sich an Ort und Stelle leichter und einfacher als auf die Ferne.

Local business...

Ein altes englisches Sprichwort sagt: Local business is good business! Heißt: Geschäfte am Ort sind gute Geschäfte! Das beherzigen die Fahrschulen am Platz, denn sie haben keine "anonyme" (Ferien-)Laufkundschaft und auch nicht die Reklametrommeln von Reisebüros hinter sich. Sie sind vielmehr auf Kunden aus ihrer nahen Umgebung angewiesen. Ein wichtiger Grund, stets gute Leistung und erstklassigen Service zu bieten. Sollte das nicht auch eine Überlegung wert sein?

Xaver Edenhausen

September 2000
Erscheinungsdatum 15.09.2000

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