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Fahrschüler bevorzugen Fahrschulwagen mit
Klimaanlage. Warum? Weil geregelte Temperatur und ausgewogene Luftfeuchtigkeit
die psychomotorische Schwerstarbeit, was das Fahren lernen nun einmal ist,
erheblich erleichtern. Und das gilt nicht nur für die Hundstage, sondern auch
im Frühjahr und im Herbst, wenn die Luftfeuchtigkeit besonders hoch ist.
Im alten Käfer konnte man es an schwülen Tagen
bei raffiniert abgestimmter Öffnungsweite von Faltdach und Ausstellfensterchen
gerade noch aushalten. Doch für Frau Pinselmeier war das immer zu zugig. Etwas
hypochondrisch gestrickt, befürchtete sie ständig an Erkältungen zu
erkranken. Das Äußerste, was sie an Frischluftzufuhr zuließ, war das um einen
Spalt von 2 Zentimetern geöffnete Faltdach. Beim Rückwärtsfahren, das in
einer ca. 60 Meter langen S- Schlaufe darzustellen war - anno ‘58 manchem
Prüfer wichtiger als korrektes Linksabbiegen –, kam die Dame regelmäßig in
Hitze. Dann wurde auf ihr Geheiß hin pausiert, alles dicht gemacht - und
abgeschwitzt. Weil "Retourfahren", wie sie es nannte, nicht gerade zu
ihren preisverdächtigen Disziplinen zählte und deshalb entsprechend intensiv
geübt werden musste, hätte ich mir für die Enge der Käferkabine schon damals
nichts mehr gewünscht als zugfreie Kühle und eine etwas appetitlichere
Atmosphäre. Freilich, über Air Conditioner war zu jener Zeit allenfalls zu
lesen, dass sie in großen amerikanischen Straßenkreuzern gegen ein gesalzenes
Aufgeld zu haben seien.
Eine Untersuchung, die die Bergische
Universität/Gesamthochschule Wuppertal im Auftrag der Bundesanstalt
für Straßenwesen (bast) durch geführt hat, ergab u. a., dass
Wärmebelastung des Kraftfahrers großen Einfluss auf die Unfallhäufigkeit hat.
Wärmebelastung sei durch die Untersuchung als ein Faktor ins Blickfeld
gerückt, dessen starke Wirkung auf die Zahl der Unfälle bislang nicht in
dieser Weise bekannt oder belegt gewesen sei, resümieren die Wissenschaftler in
ihrem Untersuchungsbericht, den sie Mitte 1999 veröffentlichten.
Auto fahren sei eine sehr komplexe
psychomotorische Tätigkeit, ist dort weiter zu lesen, die das Aufnehmen und
Verarbeiten von Informationen sowie die zahlreichen Aufgaben des
Fahrzeughandlings umfasst. Das einwandfreie Zusammenspiel aller Teilfunktionen
sei für die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherheit von ausschlaggebender
Bedeutung. Schon ab einer Lufttemperatur von etwa 27 Grad, die im Fahrzeug schon
an mäßig warmen Tagen erreicht wird, könne der Körper sein thermisches
Gleichgewicht nur noch durch Schweißverdunstung aufrecht erhalten.
Folgende Gründe aber schränken die
Effektivität dieser ansonsten sehr wirkungsvollen Körperkühlung im Fahrzeug
ein:
Bei eingeschränkter Verdunstung schafft es der
Körper nicht mehr, sein thermisches Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Die
Körperkerntemperatur, die normalerweise 37°C plus/minus 0,5°C beträgt,
beginnt zu steigen. Aber schon bei einem nur geringfügigen Anstieg über
37,5°C hinaus setzt der Wärmestress ein, der sich physiologisch in steigenden
Schweißraten sowie hohen und oftmals stark schwankenden Pulsraten äußert.
Wärmestress beeinträchtigt aber nicht nur die Funktion des Körpers, sondern
auch die Effektivität der menschlichen Handlungen. Besonders wenn es sich um
komplexe Aufgaben mit einem hohen mentalen Anteil handelt, wie sie beim
Autofahren in dichtem Verkehr häufig vorkommen. Konkret, so die Forscher,
führe der Wärmestress zu
An den realen Straßentests der Wuppertaler
Wissenschaftler waren je 10 jüngere Frauen und Männer, alle erfahrene
Kraftfahrer, beteiligt; gefahren wurde mit serienmäßigen Pkw, und zwar nur bei
Tage. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind gerade auch für die praktische
Ausbildung von Fahrschülern von ziemlicher Bedeutung: Wenn Hitze und hohe
Luftfeuchtigkeit im Fahrzeuginneren so nachteilige Wirkungen auf die
Leistungsfähigkeit, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit routinierter
Kraftfahrer haben, dann doch erst recht auf Lernende, die ohnehin sehr
angespannt sind und weder über Routine noch über eingeschliffene Automatismen
verfügen.
Es ist lange her, aber ich bin sicher, Frau
Pinselmeiers Lernleistung hätte sich selbst beim Retourfahren verbessert, wenn
ich die Hitze jenes Sommers hätte zugfrei bannen können. Heute könnt ich’s.
Deshalb beim Neukauf des nächsten Fahrschulautos auf die Frage
"Klimaanlage?" ein klares "Ja, bitte!" Ihre Fahrschüler
werden es Ihnen danken, und für den Mundfunk ist es auch kein Nachteil.
Gebhard L. Heiler
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