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Das Institut für Zweiradsicherheit (IfZ)
setzt sich für sicheres Motorrad fahren in Deutschland ein. Für den 11.
und 12. September 2000 hatte das Institut zur 3. internationalen
Motorradkonferenz nach München eingeladen.
Unter dem Motto "Sicherheit – Umwelt
– Zukunft" hatten sich Vertreter aus 15 Nationen zum
Gedankenaustausch in München eingefunden. Informationen über aktuelle
Erkenntnisse der Unfallforschung boten den Auftakt. Sie sollen weltweit helfen, den Trend sinkender
Unfallzahlen bei Zweiradfahrern auch für die Zukunft zu sichern. Dabei
zeigen multinationale Forschungsprojekte den Weg auf, wie die einzelnen
Staaten partnerschaftlich Erfahrungen nutzen und neue Erkenntnisse
flächendeckend umsetzen können.
Günter Luppart, der die Konferenz besucht hat,
berichtet über die Ergebnisse der Tagung, die speziell auch für die
Fahrausbildung bedeutsam sind.
In der ersten Session
berichtete Frederico Galliano über die Erkenntnisse von MAIDS (Motorcycle
Investigations from Theory to Practice). MAIDS ist eine in Brüssel angesiedelte
Unterorganisation der OECD, die von der ACEM (Motorradindustrie in
Europa) in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission finanziert wird.
Galliano legte eine umfassende Studie über Zweiradunfälle vor.
Zur Unfallverwicklung 16- und 17-jähriger
Leichtkraftradfahrer, ihren Motivationen und Einstellungen führte Ulrich Schulz
von der Universität Bielefeld u. a. aus: "Unfalldaten des Landes NRW aus
den Jahren 1995 -1997 zeigen, dass sich das Ausmaß der Unfallverwicklung junger
Leichtkraftradfahrer nicht verbessert hat. Im Vergleich zum Anteil im Bestand
sind 16- und 17-jährige Leichtkraftradfahrer bei Unfällen mit Getöteten und
schweren Verletzten nach wie vor 2 - 3 mal so stark vertreten. Dies trifft auch
auf Alleinunfälle zu."
Einer jüngst durch die Uni Bielefeld
durchgeführten Befragungsstudie zufolge hat das Fahrzeug bei 16- und
17-jährigen Leichtkraftradfahrern vor allem Bedeutung für das Ausleben von
Selbständigkeitstendenzen, der Entdeckung neuer Lebensbereiche und dem Testen
neuer Fähigkeiten. Das Sicherheitsbewusstsein der jungen Leichtkraftradfahrer
ist hingegen ziemlich niedrig.
Prozentverteilung des Bestandes an
Leichtkrafträdern in Deutschland 1995, 1996 und 1997 und Prozentverteilung der
Unfallentwicklung der Leichtkrafträder in NRW 1995, 1996 und 1997
aufgeschlüsselt nach Alter:
-
Zusammenspiel aktiver und passiver Sicherheit
bei
Zu diesem Thema referierte Thomas Kramlich vom
Institut für Fahrzeugsicherheit des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft
(GDV). Die amtliche Statistik der letzten Jahre lasse einen deutlichen Trend der
Minderung sowohl der Zahl der Unfälle pro zugelassenen Fahrzeugen als auch bei
der Anzahl der getöteten Krad-Fahrer erkennen, erklärte Kramlich. Dies sei
auch ein Zeichen für den Fortschritt der Motorradbranche bezüglich passiver
Sicherheit. Gerade auf dem Gebiet der Schutzkleidung und der Helmtechnik seien
in den letzten Jahren erhebliche Verbesserungen erzielt worden. Außerdem
scheine das Sicherheitsbewusstsein der Fahrer bezüglich Schutzkleidung stark
gestiegen zu sein. Leider sei dieser erfreuliche Trend im vergangenen Jahr
erheblich gestört worden. So sei im letzten Jahr die Zahl tödlich
verunglückter Motorradfahrer um 13,5% auf 981 und die Zahl der Schwerverletzten
um 9% auf 13.900 angestiegen.
Besonders auffällig sei die Tatsache, dass in
allen Unfallsparten, außer bei den Zweiradfahrzeugen einschließlich
Fahrrädern, ein Rückgang der Getöteten zu verzeichnen ist. Der Zuwachs an
Getöteten bei den Motorradfahrern im letzten Jahr sei jedoch als höchst
dramatisch zu bezeichnen. Obwohl diese Entwicklung Handlungsbedarf fordere,
seien von der Motorradindustrie und auch seitens der Gesetzgebung kaum neue,
richtungsweisende Fortschritte bezüglich Motorradsicherheit zu beobachten,
obwohl auf dem Gebiet der aktiven als auch der passiven Sicherheit noch
Schutzpotential vorhanden wäre, das aber nur schleppend genutzt werde.
Mit Video-Simulationen von 2 Unfällen machte
Kramlich deutlich, dass die Motorradfahrer überlebt hätten, wenn ihre
Fahrzeuge mit einem automatischen Blockierverhinderer (ABV) ausgerüstet gewesen
wären. In beiden Fällen war es durch Überbremsung des Vorderrades zum Sturz
gekommen, weshalb die Motorradfahrer durch Anprall im unteren Bereich der
gegnerischen Pkw tödliche Verletzungen davon trugen.
Unfallskizze zum Fallbeispiel |
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Mehrphasige Ausrüstung aller Motorräder
mit ABV. In zwei bis drei Stufen sollte es möglich sein (Sportmaschinen
> Tourer > restliche Motorräder) alle Motorräder in absehbarer
Zeit mit ABV auszustatten.
-
Kostenreduzierung für optional angebotene
ABV-Systeme, da ein Aufpreis von bis zu DM 2000 für den Großteil der
Kunden zu viel ist.
-
ABV-Systeme massiv in die Werbung
einbringen. Sicherheitsbewusstsein sei beim Käufer zwar vorhanden,
Schutzsysteme müssten aber werblich stärker herausgehoben werden. Dies
könne die Kaufentscheidung beeinflussen.
-
Weitere Forschungsbemühungen, um mit
ABV-Bremssytemen auch bei Kurvenbremsung vernünftige Resultate erzielen
zu können.
-
Optimierte Motorradkomponenten
(Verkleidung, Lenker, Tankform, Sitzbank, Fußrasten) die beim Anprall
eine weitgehend kontrollierte Trennung des Fahrers vom Fahrzeug
ermöglichen.
-
Zusätzliche Ausstattung mit Airbag, um das
Verletzungsrisiko für den Motorradfahrer bei einer schweren Kollision mit
einem Pkw zu reduzieren.
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Prallpolster an den seitlichen Dachkanten
der Pkw, um diesen Gefahrenbereich ohne erheblichen Kostenaufwand zu
entschärfen. Diese Maßnahme würde auch bei Unfällen mit Fußgängern
oder Radfahrern einen positiven Effekt haben.
-
Trainingsmöglichkeiten und praktische
Erfahrung mit ABV-Anlagen ermöglichen (SHT).
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Bei Ablegung der Fahrprüfung auf einem
Kraftrad mit ABV, Beschränkung der Fahrerlaubnis auf das Führen von
Krafträdern mit ABV.
-
In der Fahrschule sollten den Bewerbern
um die Fahrerlaubnis der Klasse B gewisse Kenntnisse über die speziellen
Eigenschaften von Motorrädern vermittelt werden, z. B. über deren
Bremsverhalten und Beschleunigungsvermögen. Dies soll es den Autofahrern
erleichtern, Motorradfahrer besser einzuschätzen.
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Leitplanken und Begrenzungspfosten sollten
zumindest an Punkten, wo sich deshalb Unfälle häufen, entschärft
werden.
-
Bei baulichen Maßnahmen an Straßen
müssen die Bedürfnisse der Motorradfahrer besser berücksichtigt werden:
So tragen Ausbesserungen des Fahrbahnbelags mit Bitumen oder Rollsplitt
und oft viel zu breite Fahrbahnmarkierungen besonders bei Nässe noch
immer stark zu Stürzen von den Motorradfahrern bei.
Reproduzierbarkeit von Motorrad-Crashtests
am Beispiel der Konfiguration 413 nach ISO 13232.
F. Alexander Berg (DEKRA) stellte in einer
Videoaufzeichnung zwei unterschiedliche Crashtests vor. Die Ergebnisse gaben den
Forderungen des GDV Recht.
Per Filmauswertung ermittelte
Trajektorien von Targets am
Dummy und am Motorrad |
Zu Beginn der 2. Session
erläuterte
Elmar Forke vom IfZ den Bestand motorisierter Zweiräder (Motorräder,
Motorroller, Leichtkrafträder). Dieser hat sich von durchschnittlich 1,4 Mill.
Fahrzeugen zwischen 1985 und 1990 in den neunziger Jahren mehr als verdoppelt.
1999 waren am 01. Juli ca. 3,2 Mill. Zweiräder in Deutschland zugelassen.
Die Altersgruppen der Motorradfahrer haben sich
in den letzten Jahren deutlich verändert. 1999 waren nur noch 7,2% der
motorisierten Zweiradfahrer zwischen 18 und 25 Jahren alt. Mit über 58%
dominiert 1999 als Ergebnis einer kontinuierlichen Entwicklung seit Beginn der
90er Jahre die Altersklasse der über 35-jährigen Zweiradbesitzer. Ein
wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist auch die Verteilung nach Geschlecht.
Die Zahl der Motorrad fahrenden Frauen in Deutschland steigt seit Jahren, 1999
waren fast 14% der Motorräder auf Frauen zugelassen.

Nach den Erläuterungen zum Bestand ging Forke
auf die Unfallzahlen ein. Entsprechend der Altersverteilung sind die absoluten
Unfallzahlen in der Altersgruppe der jungen Fahrer deutlich gesunken. Dies gilt
jedoch nicht nur für die absoluten Werte, sondern bei jungen Motorradfahrern
ist seit 1991 auch bestandsbezogen ein starker Rückgang der Unfallzahlen im
Vergleich zu den über 25-jährigen zu verzeichnen. Das Risiko zu verunglücken
ist für 18- bis 25-jährige Motorradfahrer jedoch nach wie vor deutlich höher
(2,9fach) als bei den über 25-jährigen.
Gleichzeitig verdeutlicht das geringe
Unfallrisiko für die älteren Motorradfahrer parallel zu anderen
Forschungsergebnissen, dass Alter und damit Fahrerfahrung sich positiv auf
die Unfallentwicklung auswirken.

Hartmut Kerwien von der Universität Bielefeld
nahm diese Frage unter die Lupe. Nach Auskunft des ADAC haben im Jahr 1999
insgesamt 23.291 Motorradfahrer an zumeist eintägigen SHT nach den Richtlinien
des DVR teilgenommen. Zu dieser beeindruckenden Zahl von trainingswilligen
Fahrern müssen noch all diejenigen Motorradfahrer hinzugerechnet werden, die
Trainings weiterer Anbieter besucht haben. Wenn Rennstreckentrainings keine
reinen Spaßveranstaltungen darstellen sollen, kann das Ziel letztlich nur darin
liegen, Fehlverhaltensweisen, kritische Situationen und Unfallzahlen sowie die
Schwere der Unfälle zu verringern und somit die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Das Fazit von Rennstreckentrainings auf der
Nürburgring-Nordschleife ist eindeutig: Geleitetes Fahren über eine
Rennstrecke ist der "sicherste" Weg, an die eigenen Grenzen
herangeführt zu werden, um den optimalen Genuss schnellen Motorradfahrens
erleben zu können.
Vor allem während des letzten Drittels eines
Trainings sollten Lockerungsübungen mit den Teilnehmern durchgeführt werden.
Vom sogenannten "freien Fahren" in der
Gruppe am Ende eines Trainings, wie es durchaus schon bei anderen
Veranstaltungen durchgeführt wurde, wird jedoch abgeraten.
Es kann festgehalten werden, dass während eines
Rennstreckentrainings keine ungünstigen Wirkungen auf die subjektive
Sicherheit, die subjektive Kompetenz sowie auf die Risikobereitschaft
festgestellt wurde, wenn sie durch die Instruktoren richtig angeleitet wurden.
Risikobereitschaft und
Befindlichkeiten während des Trainings |
Martin Winkelbauer vom Kuratorium für
Verkehrssicherheit (KfV) in Wien referierte über eine aktuelle Studie, bei der
209 Bremsmanöver erfasst und anschließend ausgewertet wurden. Ausführende
waren 110 Testpersonen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher
Fahrpraxis.
Das Test-Motorrad war mit einer konventionellen
Bremsanlage ausgerüstet. Es zeigte sich, dass die erzielten durchschnittlichen
Bremsverzögerungen unter den Erwartungen blieben. Etwa 50% der Testpersonen
nutzen die maximal mögliche Bremsverzögerung nur zu 58% oder weniger aus. Die
Ergebnisse dieses Großversuches zeigten auch, dass Motorradfahrer mit
durchschnittlicher Fahrpraxis fahrerische Defizite bei Vollbremsungen aufweisen.
Nicht nur technische Verbesserungen im Bereich
der Bremsanlagen sind erforderlich, sondern auch in der Fahrausbildung müsste
das Bremstraining verstärkt werden.
Dabei muss dem Fahrer vermittelt werden, dass
eine richtig ausgeführte Gefahrbremsung komplexe koordinatorische Fertigkeiten
des Motorradfahrers verlangt, welche in regelmäßigen Abständen geübt werden
müssen, weil sie sonst wieder verlernt werden und im Ernstfall nicht abrufbar
sind.
Am Versuchsfahrzeug erfasste
Messgrößen |
Ermittlung der Ankoppelungskräfte von
Motorradfahrern – Ein Ansatz zur Untersuchung des
"Mensch-Maschine-Systems"
In der dritten Session
befasste
sich J. Funke von der Uni Darmstadt mit den reziprok wirkenden Kräften von
Fahrer und Motorrad.
Der Mensch macht ca. 1/4
bis 1/3 der Gesamtmasse des Systems Motorrad/Fahrer aus.
Sein Verhalten und auch seine Konstitution beeinflussen deshalb
in großem Maße die Fahrdynamik, unterliegen aber gleichzeitig erheblichen
Rückwirkungen in Form von Belastung durch statische Haltearbeit, Schwingungen
und klimatische Einflüsse. Funke berichtete auch über eine teilweise neuartige
messtechnische Ausrüstung des Versuchsfahrzeugs BMW R1100 RS, an dem die Hand-,
Fuß-, und Sitzkräfte in allen Raumrichtungen gemessen wurden.
Mit dem Versuchsmotorrad wurde ein Werkzeug
geschaffen, das erstmalig ermöglichte, die Kräfte des Menschen während der
Fahrt unabhängig vom Kraftangriffspunkt zu bestimmen. Mit der vorgestellten
Untersuchungsmethodik ist eine Isolierung der für die Kraftaufbringung des
Menschen relevanten Einzelparameter möglich. Die gewonnenen Ergebnisse können
sowohl zur Ermittlung von Daten für die Motorrad/Fahrer-Simulation als auch zur
Schaffung von Grundlagen zur weiteren Forschung an Fahrer-Assitenz-systemen für
Motorräder genutzt werden.
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Fernsteuerung und Signalleuchte zur
Übermittlung der
Bremsreaktionaufforderung an die Versuchsperson |
Michael Schmidt vom MuZ Engineering, Zschopau,
stellte in seinem Referat die moderne Motorradentwicklung vor. Dabei ging es
besonders um die Anforderungen an die
Fahrsicherheit, Senkung der Abgasemission, Reduzierung des Geräuschpegels sowie
einer ausreichenden Lebensdauer der tragenden Motorradteile. Die Aussagen zur
Lebensdauer wurden an Hand einzelner Baugruppen dargestellt. Als
Referenzfahrzeug diente eine MZ Skorpion Tour.
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Gesamtsystem Motorrad-Fahrer
Forschungsprojekt Betriebsfestigkeit
Messaufbau zur Bestimmung der
Trägheitsellipse |
Toshio Yamagiwa von Honda, Japan, brachte aus
Fernost eine Neuheit mit. Er stellte einen Schlauch vor, der zwei Lagen hat. Ein
Zweikammersystem also, in dem sich eine Flüssigkeit befindet, die beim
Eindringen eines Gegenstandes das entstandene Loch selbständig schließt. Bei
der Entwicklung musste berücksichtigt werden, dass auch bei hoher
Geschwindigkeit die Statik nicht verloren geht und keine Unwuchten entstehen
dürfen. Da die meisten Zweiräder heute schlauchlose Reifen benutzen, wird auch
an einem Zweikammersystem für schlauchlose Motorradreifen geforscht.
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Cross section of developed double
construction tube |
In der 4. Session "Umwelt"
unterzog Jost Gail von der Bundesanstalt für Straßenwesen (bast) die
Schadstoffemission der in Deutschland auf Grund einer nationalen Bestimmung auf
80 km/h gedrosselten Leichtkrafträder einer kritischen Betrachtung.
Häufig seien es ursprünglich schnellere
Leichtkrafträder, die auf diese Höchstgeschwindigkeit gedrosselt werden.
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Motor |
Emissionen (kg/a) |
Emissions-
erhöhung |
|
eines ungedrosselten LKR |
eines gedrosselten LKR |
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CO |
4-Takt |
51,7 |
55,7 |
8 % |
|
2-Takt |
49,4 |
59,1 |
20 % |
|
HC |
4-Takt |
3,1 |
15,6 |
398 % |
|
2-Takt |
15,4 |
30,1 |
96 % |
|
Nox |
4-Takt |
0,6 |
0,8 |
32 % |
|
2-Takt |
0,2 |
0,2 |
10 % |
|
Kraftstoff-
verbrauch |
4-Takt |
70,0 |
80,1 |
14 % |
|
2-Takt |
78,9 |
99,7 |
26 % |
| Vergleich der jährlichen
Emissionen eines gedrosselten und eines ungedrosselten Leichtkraftrades,
differenziert nach 2-Takt – und 4-Takt-Motoren |
Erfolgt die Drosselung durch Abschalten der
Zündung, so nehmen Schadstoffemissionen und Kraftstoffverbrauch im Bereich der
Höchstgeschwindigkeit stark zu, wie eine Untersuchung der Abgasprüfstelle
Berlin-Adlerhof GmbH im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigt.
Die Session 5, Entwicklung und Trends,
eröffnete Peter Sandl von der ADAC-Zentrale in München mit einem Referat zu
einem seit Jahren in der Biker-Fachwelt heiß diskutierten Thema: Soll man auch
in Deutschland das Hindurchschlängeln von Motorrädern zwischen wartenden
Fahrzeugschlangen zulassen? Ein derartiges Fahrverhalten ist in Österreich
ausdrücklich zugelassen (§ 12 Abs. 5 StVO) und auch in Frankreich, in den
Niederlanden, in Italien und Großbritannien gängige, ungeahndete Praxis. Die
Diskussion über dieses Thema wurde erneut angeheizt, als der
Bund-Länder-Fachausschuss (BLFA StVO) im Frühjahr 1999 mit seiner
Rechtsauffassung an die Öffentlichkeit trat, wonach zumindest innerorts, also
im Stadtverkehr, das Durchschlängeln mit dem Motorrad zwischen auf den
Fahrstreifen wartenden Fahrzeugschlangen erlaubt sei, wenn zwischen den
Fahrstreifen ausreichend Platz vorhanden ist und niemand gefährdet oder
behindert wird. Diese Auffassung steht im Widerspruch zur herrschenden
Rechtsprechung, wonach das Hindurchschlängeln mit dem Kraftrad zwischen
wartenden Fahrzeugschlangen – inner- wie außerorts – ein unerlaubtes
Rechtsüberholen darstellt, weil Rechtsüberholen grundsätzlich einen freien
Fahrstreifen für den Überholenden voraussetzt. Auch im DAR 9/2000 vertritt
Assessor Florian Weigel, München, diese Auffassung. Die BLFA-Auffassung zum
innerörtlichen Rechtsüberholen ist weder durch die bestehende
Straßenverkehrsordnung noch durch die Rechtsprechung gedeckt. Rechtsklarheit
kann nur eine entsprechende StVO-Änderung, wie in Österreich erfolgt,
erbringen.
Grafiken und Textauszüge mit
freundlicher
Unterstützung des Instituts für Zweiradsicherheit e. V.
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