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Freiburg
verpasst? Dann haben Sie an diesem 28. April in der Tat einiges versäumt: Eine
überaus gastliche Stadt, die Premiere der langen A-Klasse, ein herausragendes
Fachreferat, eine informative Fachausstellung, niveauvolle Reden und
Diskussionen, wichtige Satzungsänderungen, einen hinreißenden Ballabend,
kurzum einen quicklebendigen, hervorragend organisierten Verbandstag.
Als Julius
Fliegauf, Chef des Kreisvereins Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald, den 600
Mitgliedern und Gästen zurief, Freiburg lohne sich immer, auch wenn man aus dem
nördlichen Württemberg anreisen müsse, war das keine leere Floskel. Jawohl,
Freiburg war ein guter Verbandstag, und zwar rundherum. Die Schönheit der
freundlichen, gepflegten Stadt, das fabelhafte Konzerthaus und die exzellente
Gastronomie des Dorint-Hotels boten den äußeren Rahmen für das Gelingen der
51. ordentlichen Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg
e.V.
Wie bereits in der letzten Ausgabe berichtet, eröffnete Peter
Tschöpe die Versammlung mit einer überzeugenden Rede. Eindeutiger Höhepunkt
der morgendlichen Veranstaltung war das Fachreferat von Prof.
Dr.-Ing. Langwieder, Leiter des Instituts für Fahrzeugsicherheit im
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), München, zum Thema Neue Erkenntnisse zum Unfallrisiko junger
Fahrer. Langwieder legte
seine Forschungsergebnisse präzise dar und folgerte, die Reduzierung der
Unfallrisiken junger Fahrer müsse endlich als gesamtgesellschaftliches Problem
betrachtet werden. Er sprach sich eindeutig für die Einführung einer zweiten
Ausbildungsphase für Fahranfänger aus. (Das Referat wurde auch in der
FahrSchulPraxis 06/2001 -ab Seite 327 - veröffentlicht. )
Außergewöhnliche Ehrungen
Leo
Blattner aus Oberhausen-Rheinhausen, früher viele Jahre Vorsitzender
des Kreisvereins Karlsruhe Land und Mitglied des Beirates sowie des
Finanzausschusses, wurde für 50 Jahre erfolgreicher Tätigkeit als Fahrlehrer
geehrt.
Die gleiche Ehrung erhielt Gerhard
Horlacher aus
Stuttgart, Sohn des Gründungsvorsitzenden des Verbandes Hermann Horlacher und
Seniorchef der angesehenen, jetzt schon in der dritten Generationen geführten
Stuttgarter Fahrschule gleichen Namens. Peter Tschöpe würdigte die
Lebensleistung der beiden Jubilare mit anerkennenden Worten.
Dr.-Ing. Heiner Kamm
Der Nachmittag
Die interne
Versammlung am Nachmittag gedachte zunächst den 18 im Jahr 2000 verstorbenen
Mitgliedern. Mit Urkunde, Ehrennadel und vielen guten Wünschen ehrte der
Vorstand sodann die Kolleginnen und Kollegen, die 2001 auf 25 und 30 Jahre
Berufstätigkeit als Fahrlehrer zurückblicken können. Da der Jahresbericht des
Vorstands allen Teilnehmern ausgehändigt worden war, konnte sich der
Vorsitzende auf den Vortrag von Kernpunkten beschränken. Dabei fanden
insbesondere auch seine Betrachtungen zu wichtigen Eckdaten über die
Entwicklung der Auftragslage in den Jahren 1996 bis 2000 die Aufmerksamkeit der
Versammlung. Tschöpe machte die Versammlung mit Zahlen bekannt, die ziemliche
Nachdenklichkeit hervorriefen. So seine Feststellung, in Baden-Württemberg
komme auf jede Hauptstelle eine Zweigstelle, was betriebswirtschaftlich oft
keinen Sinn mache, denn eine Filiale mit 20 Anmeldungen pro Jahr bringe
zwar Arbeit, aber keinen Ertrag.
Signifikante Schrumpfung ist angesagt
Oft produziere die
Filiale sogar ein sattes Manko, das die Hauptstelle ausgleichen müsse. Wie
schon in der Vormittagsveranstaltung beklagte Tschöpe die Überbesetzung des
Gewerbes als „katastrophal“. In Baden-Württemberg kämen auf den einzelnen
Fahrlehrer gerade noch 37,6 Schüler der Klasse B pro Jahr. Eine signifikante
Schrumpfung der Fahrschulen sei in den nächsten Jahren dringend angesagt. Wer
überleben wolle, müsse sich gewaltig anstrengen. Die Versammlung quittierte
die Ausführungen mit starkem Beifall. Wortmeldungen gab es zum Geschäfts- und
Kassenbericht keine.
Kasse o.k.
Tschöpe erntete erneut Beifall,
als er die Arbeit der Kreisvorsitzenden und der Mitarbeiterinnen des Verbandsbüros
lobend hervorhob. Der anschließend von Robert Larbig,
Kronau, vorgetragene Bericht der Rechnungsprüfer fand die uneingeschränkte
Zustimmung der Versammlung; die seinem Entlastungsantrag einstimmig folgte.
Satzung modernisiert
Satzungsänderungen,
so heißt es, seien bei Vorständen und Mitgliedern von Vereinen gleichermaßen
unpopulär, ja geradezu gefürchtet. Trotzdem hat es der Vorstand nach
intensiver Vorbereitung im Beirat unternommen, der Mitgliederversammlung ein
kleines Paket von Änderungen zu präsentieren, die aber - von wenigen abgesehen
- im Wesentlichen der Klarstellung bereits praktizierter Satzungsaufträge und
der redaktionellen Anpassung dienten. Bei nur drei Enthaltungen und keiner
Gegenstimme wurden die Vorschläge unverändert angenommen. Mit ebenfalls großer
Zustimmung wurden auch die Wettbewerbsregeln des Verbandes in geringem Umfang geändert.
Die neue Fassung der Satzung geht den Mitgliedern in Bälde zu.
Vertrauen für Tschöpe und Klima
Dieser Mitgliederversammlung
oblagen wichtige Wahlen, weil nach der Entlastung die vierjährige Wahlperiode
des ersten und des dritten Vorsitzenden abgelaufen war. Auf Vorschlag berief die
Versammlung den Altvorsitzenden Gebhard L.
Heiler zum Wahlleiter, dem es die Mitglieder recht leicht machten, denn für das
Amt des ersten Vorsitzenden benannten sie nur einen Kandidaten: Peter
Tschöpe. Schriftlich wählen wollte die
Versammlung nicht, wodurch sich das Prozedere
stark verkürzte. Peter
Tschöpe wurde mit absolut überzeugendem
Ergebnis für weitere vier Jahre wiedergewählt. So konnte Heiler nach wenigen
Minuten die Versammlungsleitung an ihn zurückgeben und ihm weiterhin eine glückliche
Hand für seine verantwortungsvolle Aufgabe wünschen. Die Versammlung
applaudierte anhaltend.
Auch Jochen
Klima
wurde als dritter Vorsitzender einstimmig wiedergewählt.
Damit
waren die Wahlen aber noch nicht erledigt. Es musste über einen neuen
Rechnungsprüfer und einen Stellvertreter abgestimmt werden, weil die Amtszeit
von Peter Opel abgelaufen und eine erneute
Wiederwahl nach der Satzung nicht zulässig gewesen wäre. Die Wahl fiel auf Christian
Ostermair,
Ludwigsburg, zum Stellvertreter wurde Erwin
Hodapp,
Rheinau,
gewählt.
Der EURO kommt - auch beim Verband
Das
alljährliche „Budgetgespräch“ mit den Mitgliedern schien zunächst reine
Routine zu sein, weil der Vorstand vorschlug, es für den Rest dieses Jahres bei
den bisherigen Beiträgen zu belassen: Selbstständige DM 550, Angestellte DM
275, Sonderbeitrag (Rentner, Inaktive) DM 147,50. Doch weil das „Fiskaljahr“
des Verbandes mit dem gleichen Datum wie die DM endet und die
Rundungsproblematik der alten DM-Beträge möglichst umgangen werden sollte, sah
der frisch gewählte Vorsitzende offensichtlich die Chance für eine maßvolle
Anpassung, und zwar gleich in EURO.
In
seiner wohlerwogenen Vorrede hierzu bezog er sich vor allem auch auf den Beirat,
„der gestern auf seiner Sitzung nach intensiver Beratung vorgeschlagen hat,
den Beitrag für Selbstständige ab 01.01.
2002 auf € 300 und für die
anderen Beitragsgruppen analog anzupassen“. Gerechnet seit der letzten
Beitragsanpassung im Jahre 1997, sei das eine sehr mäßige Erhöhung um
lediglich 1,34% pro anno, die noch nicht einmal die Inflationsrate der
vergangenen 5 Jahre ausgleiche. In DM ausgedrückt seien es rd. 86 Mark mehr.
Wortmeldungen gab es dazu zwar keine, aber bei der Abstimmung zählte man bei
mehrheitlicher Zustimmung immerhin 7 Gegenstimmen und 15 Enthaltungen.
Neue Aktion des Verbandes
Tschöpe
informierte die Versammlung über zwei Vorhaben des Verbandes: Die Curricularen
Leitfäden und die dazugehörigen Diagrammkarten dienten der
Ausbildungstransparenz. Mangelnde Transparenz sei aber immer wieder Gegenstand
von massiven Beschwerden. Aus diesem Grunde werde künftig für die
Diagrammkarte kräftig geworben, und zwar mit Postern, die von der Geschäftsstelle
gegen Portoerstattung zu erhalten seien.
Weiter berichtete Tschöpe über
eine von der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg initiierte Aktion für intakte Stoßdämpfer. Hierfür
soll den Fahrschulen im kommenden Herbst kostenlos ein Werbeplakat übersandt
werden. Dieses soll in den Fahrschulen ausgehängt werden und darauf aufmerksam
machen, wie wichtig gute Stoßdämpfer für die Fahrzeugsicherheit sind. Die
Fahrschüler würden aufgefordert, an einem Preisausschreiben im Internet
teilzunehmen. Zweimal im Jahr wird die Fahrschule mit der höchsten
Teilnehmerzahl ermittelt, die dann einen Stapel Gutscheine für Stoßdämpfertests
erhält. Die Versammlung stimmte der Aktion, die vorerst nur in Baden-Württemberg
durchgeführt wird, zu.
Anträge – die Mitglieder haben das Wort
Wie
in jedem Jahr gab es bei diesem Punkt der Tagesordnung zahlreiche Fragen, Beiträge
und auch Kritik. Man brauche für die neue Übung „Vollbremsung mit dem Pkw“
Übungsplätze an den Prüforten, forderte ein Mitglied. Nein, das brauche man
nicht, sagte der Vorsitzende, denn diese Übung könne bei entsprechender
Sorgfalt auf vielen Straßen durchgeführt werden, auf denen das Halten erlaubt
sei. Man müsse aufpassen, dass man nicht Forderungen erhebe, die am Schluss
dazu führten, dass nur noch an wenigen Orten in Baden-Württemberg geprüft
werden könne. Diese und andere Fragen beschied der Vorsitzende sachlich und
kompetent. So auch die Kritik eines jüngeren Kollegen, dem die Nachtfahrt im
Sommer nicht so richtig gefallen will. Tschöpe gab ihm zwar Recht, dass die
französischen Fahrlehrer dazu nicht verpflichtet seien, aber dennoch täten
viele es freiwillig. Auch müsse man sehen, dass es in Frankreich noch immer
keine gesetzliche Verpflichtung zum Besuch der Fahrschule gebe.
Die
Zeit wurde schon knapp, als ein junger Kollege den Antrag stellte, der Verband möge
sich dafür einsetzen, dass die zulässige praktische Ausbildung an zwei
Wochentagen von jetzt 11 auf 13 Fahrstunden angehoben werde. Es gehe dabei nicht
um mehr Wochenstunden, die sollten gerne auf 66 festgeschrieben werden, sondern
lediglich um etwas mehr zeitlichen Spielraum an einzelnen Tagen, namentlich vor
Prüfungen. Pro und Kontra hielten sich in der mit Niveau geführten Diskussion
des Antrags die Waage. Auch Gebhard Heiler griff in die Debatte ein und erläuterte,
wie es im Jahre 1969 zu dieser Bestimmung gekommen ist. Die Versammlung wies den
Antrag mit deutlicher Mehrheit ab.
Kollege Bartlog
erinnerte an die Sterbekasse ‚Stock’, die noch nicht zur Sprache gekommen
sei. Tschöpe räumte das mit der Bitte um Nachsicht ein und verwies auf den
Geschäftsbericht. Dort stehe alles über die Sterbekasse, die ausgezeichnet
funktioniere und erhalten bleibe. Er schlage jedoch vor, die Sterbekasse in
diesem Herbst erneut zu öffnen, um die Zahl der Mitglieder zu erhöhen. Der
Beirat habe in seiner Sitzung am Vortag angeregt, auch die TÜV-Mitarbeiter
anzuschreiben, die laut Satzung ebenfalls beitreten können.
Tschöpe lässt über die Öffnung der Sterbekasse abstimmen
und erhält auch dafür das Plazet der Mitglieder. Die Anregung eines Kollegen,
den Fragenkatalog der theoretischen Prüfung um vernünftige Fragen zum Fahren
mit Anhängern zu erweitern, wird vom Vorsitzenden mit dem Versprechen
aufgenommen, diesen Gedanken an die Bundesvereinigung weiterzuleiten. Die
Wortmeldungen waren damit aufgearbeitet.
Der Vorsitzende schloss die Versammlung mit freundlichen
Worten des Dankes an die Mitglieder für ihre ausgezeichnete Mitarbeit.
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