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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 29.09.03

 

© FahrSchulPraxis
Entnommen aus Ausgabe Juni/2001, Seite 307

Verbandstag 2001

Freiburg war eine Reise wert

Freiburg verpasst? Dann haben Sie an diesem 28. April in der Tat einiges versäumt: Eine überaus gastliche Stadt, die Premiere der langen A-Klasse, ein herausragendes Fachreferat, eine informative Fachausstellung, niveauvolle Reden und Diskussionen, wichtige Satzungsänderungen, einen hinreißenden Ballabend, kurzum einen quicklebendigen, hervorragend organisierten Verbandstag.

Als Julius Fliegauf, Chef des Kreisvereins Freiburg/Breisgau-Hochschwarzwald, den 600 Mitgliedern und Gästen zurief, Freiburg lohne sich immer, auch wenn man aus dem nördlichen Württemberg anreisen müsse, war das keine leere Floskel. Jawohl, Freiburg war ein guter Verbandstag, und zwar rundherum. Die Schönheit der freundlichen, gepflegten Stadt, das fabelhafte Konzerthaus und die exzellente Gastronomie des Dorint-Hotels boten den äußeren Rahmen für das Gelingen der 51. ordentlichen Mitgliederversammlung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg e.V.

Wie bereits in der letzten Ausgabe berichtet, eröffnete Peter Tschöpe die Versammlung mit einer überzeugenden Rede. Eindeutiger Höhepunkt der morgendlichen Veranstaltung war das Fachreferat von Prof. Dr.-Ing. Langwieder, Leiter des Instituts für Fahrzeugsicherheit im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), München, zum Thema Neue Erkenntnisse zum Unfallrisiko junger Fahrer. Langwieder legte seine Forschungsergebnisse präzise dar und folgerte, die Reduzierung der Unfallrisiken junger Fahrer müsse endlich als gesamtgesellschaftliches Problem betrachtet werden. Er sprach sich eindeutig für die Einführung einer zweiten Ausbildungsphase für Fahranfänger aus. (Das Referat wurde auch in der FahrSchulPraxis 06/2001 -ab Seite 327 - veröffentlicht. )

Außergewöhnliche Ehrungen

Leo Blattner aus Oberhausen-Rheinhausen, früher viele Jahre Vorsitzender des Kreisvereins Karlsruhe Land und Mitglied des Beirates sowie des Finanzausschusses, wurde für 50 Jahre erfolgreicher Tätigkeit als Fahrlehrer geehrt.

 

Die gleiche Ehrung erhielt Gerhard Horlacher aus Stuttgart, Sohn des Gründungsvorsitzenden des Verbandes Hermann Horlacher und Seniorchef der angesehenen, jetzt schon in der dritten Generationen geführten Stuttgarter Fahrschule gleichen Namens. Peter Tschöpe würdigte die Lebensleistung der beiden Jubilare mit anerkennenden Worten.

Dr.-Ing. Heiner Kamm

Der Nachmittag

Die interne Versammlung am Nachmittag gedachte zunächst den 18 im Jahr 2000 verstorbenen Mitgliedern. Mit Urkunde, Ehrennadel und vielen guten Wünschen ehrte der Vorstand sodann die Kolleginnen und Kollegen, die 2001 auf 25 und 30 Jahre Berufstätigkeit als Fahrlehrer zurückblicken können. Da der Jahresbericht des Vorstands allen Teilnehmern ausgehändigt worden war, konnte sich der Vorsitzende auf den Vortrag von Kernpunkten beschränken. Dabei fanden insbesondere auch seine Betrachtungen zu wichtigen Eckdaten über die Entwicklung der Auftragslage in den Jahren 1996 bis 2000 die Aufmerksamkeit der Versammlung. Tschöpe machte die Versammlung mit Zahlen bekannt, die ziemliche Nachdenklichkeit hervorriefen. So seine Feststellung, in Baden-Württemberg komme auf jede Hauptstelle eine Zweigstelle, was betriebswirtschaftlich oft  keinen Sinn mache, denn eine Filiale mit 20 Anmeldungen pro Jahr bringe zwar Arbeit, aber keinen Ertrag.

Signifikante Schrumpfung ist angesagt

Oft produziere die Filiale sogar ein sattes Manko, das die Hauptstelle ausgleichen müsse. Wie schon in der Vormittagsveranstaltung beklagte Tschöpe die Überbesetzung des Gewerbes als „katastrophal“. In Baden-Württemberg kämen auf den einzelnen Fahrlehrer gerade noch 37,6 Schüler der Klasse B pro Jahr. Eine signifikante Schrumpfung der Fahrschulen sei in den nächsten Jahren dringend angesagt. Wer überleben wolle, müsse sich gewaltig anstrengen. Die Versammlung quittierte die Ausführungen mit starkem Beifall. Wortmeldungen gab es zum Geschäfts- und Kassenbericht keine.

Kasse o.k.

Tschöpe erntete erneut Beifall, als er die Arbeit der Kreisvorsitzenden und der Mitarbeiterinnen des Verbandsbüros lobend hervorhob. Der anschließend von Robert Larbig, Kronau, vorgetragene Bericht der Rechnungsprüfer fand die uneingeschränkte Zustimmung der Versammlung; die seinem Entlastungsantrag einstimmig folgte.

Satzung modernisiert

Satzungsänderungen, so heißt es, seien bei Vorständen und Mitgliedern von Vereinen gleichermaßen unpopulär, ja geradezu gefürchtet. Trotzdem hat es der Vorstand nach intensiver Vorbereitung im Beirat unternommen, der Mitgliederversammlung ein kleines Paket von Änderungen zu präsentieren, die aber - von wenigen abgesehen - im Wesentlichen der Klarstellung bereits praktizierter Satzungsaufträge und der redaktionellen Anpassung dienten. Bei nur drei Enthaltungen und keiner Gegenstimme wurden die Vorschläge unverändert angenommen. Mit ebenfalls großer Zustimmung wurden auch die Wettbewerbsregeln des Verbandes in geringem Umfang geändert. Die neue Fassung der Satzung geht den Mitgliedern in Bälde zu.

Vertrauen für Tschöpe und Klima

Dieser Mitgliederversammlung oblagen wichtige Wahlen, weil nach der Entlastung die vierjährige Wahlperiode des ersten und des dritten Vorsitzenden abgelaufen war. Auf Vorschlag berief die Versammlung den Altvorsitzenden Gebhard L. Heiler zum Wahlleiter, dem es die Mitglieder recht leicht machten, denn für das Amt des ersten Vorsitzenden benannten sie nur einen Kandidaten: Peter Tschöpe. Schriftlich wählen wollte die Versammlung nicht, wodurch sich das Prozedere stark verkürzte. Peter Tschöpe wurde mit absolut überzeugendem Ergebnis für weitere vier Jahre wiedergewählt. So konnte Heiler nach wenigen Minuten die Versammlungsleitung an ihn zurückgeben und ihm weiterhin eine glückliche Hand für seine verantwortungsvolle Aufgabe wünschen. Die Versammlung applaudierte anhaltend.

Auch Jochen Klima wurde als dritter Vorsitzender einstimmig wiedergewählt.

Damit waren die Wahlen aber noch nicht erledigt. Es musste über einen neuen Rechnungsprüfer und einen Stellvertreter abgestimmt werden, weil die Amtszeit von Peter Opel abgelaufen und eine erneute Wiederwahl nach der Satzung nicht zulässig gewesen wäre. Die Wahl fiel auf Christian Ostermair, Ludwigsburg, zum Stellvertreter wurde Erwin Hodapp, Rheinau, gewählt.

Der EURO kommt - auch beim Verband

Das alljährliche „Budgetgespräch“ mit den Mitgliedern schien zunächst reine Routine zu sein, weil der Vorstand vorschlug, es für den Rest dieses Jahres bei den bisherigen Beiträgen zu belassen: Selbstständige DM 550, Angestellte DM 275, Sonderbeitrag (Rentner, Inaktive) DM 147,50. Doch weil das „Fiskaljahr“ des Verbandes mit dem gleichen Datum wie die DM endet und die Rundungsproblematik der alten DM-Beträge möglichst umgangen werden sollte, sah der frisch gewählte Vorsitzende offensichtlich die Chance für eine maßvolle Anpassung, und zwar gleich in EURO.

In seiner wohlerwogenen Vorrede hierzu bezog er sich vor allem auch auf den Beirat, „der gestern auf seiner Sitzung nach intensiver Beratung vorgeschlagen hat, den Beitrag für Selbstständige ab 01.01. 2002 auf € 300 und für die anderen Beitragsgruppen analog anzupassen“. Gerechnet seit der letzten Beitragsanpassung im Jahre 1997, sei das eine sehr mäßige Erhöhung um lediglich 1,34% pro anno, die noch nicht einmal die Inflationsrate der vergangenen 5 Jahre ausgleiche. In DM ausgedrückt seien es rd. 86 Mark mehr. Wortmeldungen gab es dazu zwar keine, aber bei der Abstimmung zählte man bei mehrheitlicher Zustimmung immerhin 7 Gegenstimmen und 15 Enthaltungen.

Neue Aktion des Verbandes

Tschöpe informierte die Versammlung über zwei Vorhaben des Verbandes: Die Curricularen Leitfäden und die dazugehörigen Diagrammkarten dienten der Ausbildungstransparenz. Mangelnde Transparenz sei aber immer wieder Gegenstand von massiven Beschwerden. Aus diesem Grunde werde künftig für die Diagrammkarte kräftig geworben, und zwar mit Postern, die von der Geschäftsstelle gegen Portoerstattung zu erhalten seien.

Weiter berichtete Tschöpe über eine von der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg initiierte Aktion für intakte Stoßdämpfer. Hierfür soll den Fahrschulen im kommenden Herbst kostenlos ein Werbeplakat übersandt werden. Dieses soll in den Fahrschulen ausgehängt werden und darauf aufmerksam machen, wie wichtig gute Stoßdämpfer für die Fahrzeugsicherheit sind. Die Fahrschüler würden aufgefordert, an einem Preisausschreiben im Internet teilzunehmen. Zweimal im Jahr wird die Fahrschule mit der höchsten Teilnehmerzahl ermittelt, die dann einen Stapel Gutscheine für Stoßdämpfertests erhält. Die Versammlung stimmte der Aktion, die vorerst nur in Baden-Württemberg durchgeführt wird, zu.

Anträge – die Mitglieder haben das Wort

Wie in jedem Jahr gab es bei diesem Punkt der Tagesordnung zahlreiche Fragen, Beiträge und auch Kritik. Man brauche für die neue Übung „Vollbremsung mit dem Pkw“ Übungsplätze an den Prüforten, forderte ein Mitglied. Nein, das brauche man nicht, sagte der Vorsitzende, denn diese Übung könne bei entsprechender Sorgfalt auf vielen Straßen durchgeführt werden, auf denen das Halten erlaubt sei. Man müsse aufpassen, dass man nicht Forderungen erhebe, die am Schluss dazu führten, dass nur noch an wenigen Orten in Baden-Württemberg geprüft werden könne. Diese und andere Fragen beschied der Vorsitzende sachlich und kompetent. So auch die Kritik eines jüngeren Kollegen, dem die Nachtfahrt im Sommer nicht so richtig gefallen will. Tschöpe gab ihm zwar Recht, dass die französischen Fahrlehrer dazu nicht verpflichtet seien, aber dennoch täten viele es freiwillig. Auch müsse man sehen, dass es in Frankreich noch immer keine gesetzliche Verpflichtung zum Besuch der Fahrschule gebe.

Die Zeit wurde schon knapp, als ein junger Kollege den Antrag stellte, der Verband möge sich dafür einsetzen, dass die zulässige praktische Ausbildung an zwei Wochentagen von jetzt 11 auf 13 Fahrstunden angehoben werde. Es gehe dabei nicht um mehr Wochenstunden, die sollten gerne auf 66 festgeschrieben werden, sondern lediglich um etwas mehr zeitlichen Spielraum an einzelnen Tagen, namentlich vor Prüfungen. Pro und Kontra hielten sich in der mit Niveau geführten Diskussion des Antrags die Waage. Auch Gebhard Heiler griff in die Debatte ein und erläuterte, wie es im Jahre 1969 zu dieser Bestimmung gekommen ist. Die Versammlung wies den Antrag mit deutlicher Mehrheit ab.

Kollege Bartlog erinnerte an die Sterbekasse ‚Stock’, die noch nicht zur Sprache gekommen sei. Tschöpe räumte das mit der Bitte um Nachsicht ein und verwies auf den Geschäftsbericht. Dort stehe alles über die Sterbekasse, die ausgezeichnet funktioniere und erhalten bleibe. Er schlage jedoch vor, die Sterbekasse in diesem Herbst erneut zu öffnen, um die Zahl der Mitglieder zu erhöhen. Der Beirat habe in seiner Sitzung am Vortag angeregt, auch die TÜV-Mitarbeiter anzuschreiben, die laut Satzung ebenfalls beitreten können.

Tschöpe lässt über die Öffnung der Sterbekasse abstimmen und erhält auch dafür das Plazet der Mitglieder. Die Anregung eines Kollegen, den Fragenkatalog der theoretischen Prüfung um vernünftige Fragen zum Fahren mit Anhängern zu erweitern, wird vom Vorsitzenden mit dem Versprechen aufgenommen, diesen Gedanken an die Bundesvereinigung weiterzuleiten. Die Wortmeldungen waren damit aufgearbeitet.

Der Vorsitzende schloss die Versammlung mit freundlichen Worten des Dankes an die Mitglieder für ihre ausgezeichnete Mitarbeit.

Juni 2001
Erscheinungsdatum 15.06.2001

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